Mittwoch den S. Januar

19(0 M. 2

IMmI u'NM^W WMKÄZUsUU

U/rrrT-u n «

<v V *, V^v«-

ZDWZLs

M^W

MWW

M-ÄE

MO

Sommerseele.

Von Helene Böhla«.

(Nachdruck verbaten.)

(Fortsetzung.!

Reginens Geschichte« zogen mich hinter ihr her, so lief ich ihr auch immer nach, wenn sie zum Bäckermeister Bauch ging.

Regine hat mich mit zur alten Bäckermeisterin Bauch genommen, wie schon einigemal. Da haben die beiden Ulten viel geplaudert, und uh habe zugehört.

Mein Vater selig hatte noch die Möbel aus dem kleinen Harrs arn Horn," sagte die alte Bäckernreisterin,in das die Pfarrerswitwe mit ihren Töchtern nach dem Tode des Mannes gezogen war, dann hat er sie verkauft schade drum! Jetzt lvär' mancher froh, wenn er sie hätte. Sie waren ganz eigen, weiß und grün gemaleu und schön, reich vergoldet und auf dem Schrank ein großes, rotes Herz mit Strahlen als Krönung, und auf dem Betthimmel auch, und überall Herzen und Dornenkronen. So alte Erb­stücke sollte eins nicht weggeben. Is tut mir selbst drum leid.

Eine uralte Zeichnung hatte meine Mutter auch von ihrer Mutter und den Schwestern- wo hie hingekommen ist, weiß ich auch nicht mehr; aber wie oft haben wir sie als Kinder gesehen! Da saßen alle vier Schwestern unter einem Baume nebeneinander. Der Baum stand in der Mite. Es war nicht schön gemacht; aber die Mutter sagte, ihre Mutter täte sie erkennen an einem Tuch Unter jeder Figur stand etwas, und unter dem Bilde stand:Das hat der Uerle gemacht." Und der Uerle, das ivar der Mann von der Lieschen. Die Mutter sagte immer: Das war ein über­spannter Kerl, trotzdem er unser Verwandter war. Ja ja, so vergehen die Sachen und die Dinge!"

Durch gar eigentümliche Zufälle stehen heutzutage die­selben tvunderlichen Möbel, von denen die alte Bäcker­meisterin sprach in meinem Schlafzimmer. Diefgriine Schnörkel bedecken wie dichtes Laubwerk einen elfenbein- weißen Grund. Dazwischen sind Dornenkronen und durch­stochene und brennende Herzen, als Bekrönungen von Schrank und Bett ein großes, rotes, brennendes Herz in einer Gloriole von goldenen Strahlen. Reichvergoldete Schnitzereien lassen die märchenhaften Stücke gar prächtig erscheinen.

Ein wunderlicher Kauz muß er gewesen sein, der diese Stücke zimmerte und malte, und man gedenkt des Unbe­kannten mit Wohlgefallen, ob man eine Schranktür öffnet oder sich zur Ruhe legt, als einer starken, phantastischen Persönlichkeit, r-.

*

Unter den Linden, die so wohlvertraut in meine Seele rauschten, als hätte ich sie selbst gekannt, und gesiebt, stand ebn kleines Hans in einem großen, langen Garten, auf dem lieblichen Höhenzug, das Horn genannt, dem zu Füßen die. Ilm rauscht und das alte Städtchen Weinrar liegt.

Es ivar zu jener Zeit noch nicht geheiligt und erhoben vor allen Städten des Deutschen Reiches, sondern lag schlecht und recht, wie es so ein altes Landstädtlein tut, an seinem kleinen, munteren Fluß und träumte so hin. Und seine Weimaraner wurden geboren und wurden gewickelt und wie Ameisenpuppen in die Wiegen gelegt, und wurden auf­gezogen, und begannen sich zu verlieben, und taten irgend etwas mit großer Wichtigkeit, und zankten und klatschte», kauften und verkauften, und wurden dann wieder in ihre. Särge eingesponnen und in die Erde, gelegt.

Vom Horn aus sah man nichts als ein Häuflein grauer, buckliger Schieferdächer, die wie eine Herde mißfarbener Tiere mit Rückenpanzern enggepfercht zwischen Mauern und Türmen bei einander hockten. Es war ein uraltes Gedränge im kleinen Raum, und es sah aus, als könnte» die Mauern ihre gepanzerte Herde nicht beieinander halten, als quölle sie ihnen heraus. Die wenigen Häuser, welche hie und da in Gärten auf dem Horn standen, gehörten wohl auch zu Weimar, aber ivaren der Enge entsprungen und badeten sich da oben von allen Seiten in Rege», Sturm und Sonnen­licht. Es waren aber alles recht armselige Hütten oder Sommerhäuser, die von Weimaranern zur Gartenzeit einige Wochen benutzt wurden. Das kleine Haus unter den Linden gehörte der Pfarrerswitwe von Süßenborn. Sie war nach dem Tode ihres Mannes mit ihren vier Mchtern und mit all ihrem Hausrat dahinein übergesiedelt.

Das Häuslein enthielt vier Stuben und eine Küche. Haus und Garten und der Witwe Weine Pension waren das Lebensbrot der fünf Weiblein. Der Garten brachte Früchte, Gemüse, Erdäpfel. Die Mädchen hatten die Schule in Süßen­born frei. Wenn eins von der Schule ab fiel, gesellte es sich der Muttes zu, die eine -große Geschicklichkeit hatte rm Handfchuhnähen und -zuschneiden. Und wer etwas recht Feines wollte, der scheute den Weg nicht und bestellte bet der Pfarrerswitwe seine Festhandschnhe. Sie arbeitete immer nur auf Bestellung und hielt sich nie einen Vorrat, denn sie scheute jede Unternehmung, die Sorge und Grübelei machen würde. Sie hatte ihre vier Mädchen gar lvohl behütet und erzogen in der Stille und Abgeschiedenheit aus dem Horn.

Mit den Pfarrersleuten aus Süßenborn standen sie in regem Verkehr, auch mit dem Lehrer und seinen Kindern, und auch in Weimar hatte die brave Witwe einigen An­schluß. Aber sie ließ die Mädchen nicht oft hinab und nur selten zu einem Tanz, oder sonst einer Festlichkeit. Ihr Leben floß friedlich dahin und in einer gar lieblichen Schön­heit, wie man es, je weiter die Geschichte vorschreitet, ver­spüren wird. Die älteste Pfarrers koch ter hatte sich ein