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Kometen und Kometeilfurcht.

Es ist ein Kvmetenjahr, das Jahr 1910; zu dein Harleysckstv Kometen, den man seit langer Zeit erivartet, hat sich ein neuer! gesellt, und mich die Kvmeteirfnrcht ist nickst auSgeblieben, dis von trüben Zeiten nnd Weltuntergang raunte. Obwohl die Wissen­schaft festgestetlt hat, daß ein Kvmet überhaupt etwas Harmloses ist, nichts anderes als eine ungeheuere Ansammlung von kleinen! Meteor massen und Sternschnuppe nkörperch-en, bereit riesiger Schweis aus Gasmassen feinster Art besteht, so ist doch die jahrtaufeitbiei alte Angst tror der unheilbringenden Wirkung des geschlreisten! Gesellen imansrottbar. Bon dieser Kometen furcht nnd ihren! Wandlungen in der Geschichte erzählt Bruno H. Bürgel in seiner anschaulich und spannend geschriebenen Hiinmelskunde, die er im Berlag von Ullstein vor kurzem hat. erscheinen, lassen. Bereits! int Jahre 371 v- Ehr. brachte man die Ueberschwemtnung der beiden Städte Helice nnb1 Bura mit den« Erscheinen eines KvmeteN in Verbindung. Im Mittelalter Mb man dem düster unb mit heimlich leuchtenden Schwvifstern an allem Unglück und Elend! die Schuld. Seine giftigen Ttinstr sollten das Wasser in den Brunnen und das Gras aus den Feldern verderben, riesen die Pest und Seuchen hervor. Schrecklich anzuschauende Mißgeburten, bewirkte der Komet; man nannte sie Kvmetenkiuder, lutb der! Pfarrer verweigerte ihnen niM festen die heilige Tauss. KV?

Er merkt« tooWl, Wjitt WvLfiir Patsch steuerte, die beit Baden wanken ftlylte. Sie würde itpt vielleicht vorwärts bringen, aber er ahnte, daß er seinen Ehrgeiz bezahlen Müßte mit dem Sklaventum vor ihren Lannen. Tiefes heute noch mädchenhafte Ding, utnflirtet voit den Herren, Hach Weib, hach guter Kamerad, in dem ihres Vaters begehrliche und scharfe Augen leuchteteir, ging womöglich, traf sie den falschen Mann, mit einem anderen durch, zum Mindesten hätte Louis Droesigl die Ehre, daß. sie seine Iran Gemahlin wurde, mit viel Geld bezahlen müssetl. Sie war gewiß nicht umsonst die Goldtochter ihres Vaters.

Herr Louis Droesigl aber, dem angesichts seiner vor­nehmen Bekanntschaften Geld Dreck schien und Schweiß der Arbeit eine Gemeinheit, gab nicht eine Mark fünfzig, wo er mit einer Mark auskam. Sein Leben kostete zwar viel, doch dies Kapital sollte einmal Früchte tragen. Da dännnerte in seiner Erkenntnis die dunkle Ueberzengung, immer mehr zur Sicherheit sich verdichtend: die andere ist besser. Sie sieht nicht eben vornehm aus, aber sie ist! es. Sie leistet mir den gleichen Dienst, nur nicht mit Sorgen und Geldverlust. Sie ist billiger. Mit Agathe gewann er einWesen, das, nicht umworben, dankbarer, treuer fein würde und bequemer dazu.

Herr Louis Droesigl hatte feine Sinnlichkeit ausgetobt, jche ihm der Weg, den er gehen wollte, sicher vor Augen gestanden. Er hatte auch nie etwas empfunden, das andere Menschen Liebe nannten. Wer alle Stimmet! in ihm sprachen: dieses Mädchen neben dir, die Gräfin Kölln aus Seiner der ersten Familien des Landes, die Gräfin Kölln mit einem Prinzen als Schwager, die Gräfin Kölln, verwandt Mit allem, was in Preußen etwas gilt, dieses Mädchen mit {einer rührenden Bescheidenheit, sie wäre dir die rechte Frau, lud er, der wußte, daß er mit süßen Worten und Sehusuchts- aeplärr nicht gewinnen konnte, sagte auf Grund solcher lieber» regungen ganz unvermittelt zu Agathe:

Wenn ich Sie nun bäte, meine Frau zu werden?

Die junge Gräfin wußte im ersten Slugenblick nicht, wie tijr geschah. Dann ward sie dunkelrot, raffte ihre Bücher zusammen und lief davon.

Herr Droesigl blieb mit offenem Munde stehen:War -es zu früh?"

*

Die alte Gräfin Lindenbach ivar mit ihrem Enkel und Gras Mguier zu Besuch gekommen, denn die Prinzessin hatte erklärt, es vor Langerweile nicht mehr aushalten zu können. Der Justizrat bestand nun, !vo sich alles zum Ende neigte, Ms der Anwesenheit sämtlicher Erben.

Ta klopfte Agathe, als man sich schon zunt Schlafen­gehen getrennt hatte, noch einmal an Gräfin Ltndenbachs Mmmer. Tie alte Dame meinte, es würde sich wieder um verfahrene Finanzverhältnisse handeln, doch Agathe erzählte Herrn Droesigls Werbung. Dann sagte sie ruhig:

Jetzt bitte ich um deinen Rat. Was soll ich tun?

Die Gräfin meinte, während sie die Uhr kette ablegte Und sich zu entkleiden begann:

Mein liebes Kind, es ist in solchen Fällen immer seine undankbare Sache, zu raten, da gewöhnlich das Gegen­teil von dem geschieht, was man sagt. Es sei denn, man riete zufällig, was der Fragende gerade hören will. Nun nehme ich an, du willst einJa" hören, denn wärst du entschlossen, nein zu sagen, so hältst du's sofort getan. Du denkst, es ist eine Versorgung.

Tante! Versorgung? Nein. Ich würde mich nicht fürchten, in Dienst zu gehen.

Die alte Gräfin hakte ihre Taille auf und sah dabei das junge Btädchen von der Seite an:

stta, na, na, das sagt sich so leicht. Wer erst mal ne Stelle finden, und dann anderer Leute Brot essen ... da ist Droesigl doch noch besser.

Agathe stellte sich Gräfin Liudenbach, die hinter die spanische Wand vor dem Bett treten wollte, in den Weg:

Er ist auch besser. Er ist fleißig, eitergisch, ein Mann, ein wirklicher Wann, nicht einer, der bloß rumbummelt, Jagd reitet, zum Tiner kommt und sich betrinkt und spielt.

Tie Gräsiu nahm Agathens erregt erhobene Hand in die ihren und zog die Wahl-Nichte auf ein altes, mit geblümter Kretonne überzogenes Sofa:

So steht's? Er ist derherrlichste von allen"? Kind, daun sage ich nichts mehr. Ob ihre Durchlaucht, Prinzessin Hohengart, geborene Gräfin Kölln, freilich sehr erbaut sein lvird, wage ich nicht zu behaupten, Immerhin, Dickchen, ich

muß dir was sagen. Waüben wirst du's' freilich nicht, das weiß ich von vornherein. Du meinst, Droesigl spielt nicht? Siehst du, da machst du schon ein böses Gesicht! Ach so, ja, du halst recht, das kannst du gar nicht! Trotzdem: jemand, dem man von einem, über den er Gutes hören will, nicht n u r Gutes sagt, macht immer ein böses Gesicht. Wer, Kino, dein seliger Vater hätte von Droesigl gesagt:der jeut tote ne Ratte."

Agathe wollte heftig einfallen, doch die alte Gräfin hielt ihr die schöne Hand, von der sie die Ringe abgelegt hatte, vor den Mund:

Nicht wahr? Alles Verleumdung! Aber nein, nun mal Ernst: er spielt. Ihr sagt in der Familie, ich röche alles. Nun, ein paar Worte deines seligen Vaters haben genügt. Ich weiß die Summe nicht, aber gewonnen hat er in der Unglücksnacht, und zwar eingn Lanzen Haufen!

Agathe antwortete ruhig:

Dürfen wir Kinder Richter sein?

i Die Gräfin klopfte ihr freundlich die Schulter:

Du hast ganz recht. Vielleicht wird der Mensch auch nicht mehr spielen, ivenn er es nicht nötig hat. Ich habe von klugen Männern immer gehört, aus reiner Passion spielen verhältnismäßig wenige. Feder hat einen Grund. Der eine will seine Finanzen verbessern, der andere ein ver­fluchter Kerl scheinen, der dritte sieht darin das Mittel, in gewisse Gesellschaftskreise zu fommen, denn alle Jeuratzen drücken ein1 Auge zu. Wer Partner ist ist ihnen gleich, wenn man nur was von ihm gewinnen rann. Wenn Droesigl in der Gesellschaft, in die er nun mal will, festeren Fuß gefaßt hat, gibt er vielleicht das Jenen auf. Rentiert sich nicht mehr. ' Jetzt ift's eine ganz gute Kapitalsaulage. Später kann er fein Geld besser verwenden. Dann zieht er die Leute, die er braucht, auf andere Weise heran.

Tie kleine, runde Agathe wurde wütend:

Tante, so laß ich nicht von ihm reden. Er ist ein vornehmer Mensch, der ebensogut Gras sein könnte, wie ich« Troesrgl heißen. Wenn ihr auch alle über den Namen lacht: ich würde mir nichts daraus machen, Frau Droesigl zu fein, falls ich ihm nur helfen kann.

Gräfin Lindenbach sah die erregte Agathe groß au.

> Ah so! Na dann, Agatbe, hättest du mir doch einfach sagen sollen, daß du dich verloben willst! Siehst du, Kind, ich bin gar nicht so dumm, wie ich aussehe. Ich habe es von Anfang au gewußt!

Sie trat hinter die spanische Wand. Man sah ihr graues Haar sich am oberen Rande hinbewegen. Dann tauchte beim Ans- und Anziehen eine Hand und ein bloßer Arm auf, und man hörte hinter dem Schirm die Worte manchmal schärfer, manchmal undeutlicher, je nachdem die alte Dame sich auf- richtete oder sich niederbeugte:

Uebrigens, Dickchen, du kannst auf mich rechnen. Einige Käulpfe wird's geben. Gott, man weist auch nicht. Es kommt darauf an, wie die Finanzen stehen. Au und für sich bin ich nicht dafür, Mathe, aber du bist ein so vernünftiges Mädchen, daß ich denke, du wirst schon wisse«, was du tust. Na und dann, wenn schon, denn schon.Friede, Freude, Einigkeit," fagte dein lieber, seliger Papa. Ich werde dir die Stange halten.

(Fortsetzung folgt.) i J.LitSTELJ