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Mittwoch den 2. Februar

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Droesigl.

Roman von Georg Freiherrn von Ompteda.

(Nachdruck verboten.) lForuetzuug.!

Je mehr die Arbeiten fortschritten, desto verzweifelter stellte sich die finanzielle Aage heraus. In diesem Haus­halt hatte jeder sein Schäfchen geschoren. Nur der alte Elß- manu stand tadellos da. Dem war freilich allein Haus­ordnung und Dienst unterstellt gewesen.

Gabriel Baromeit, der vorzüglichste aller Kutscher, er­hielt, wie Herr Droesigl herausfand, von Sattlern, Wagen­bauern, Hufschmieden, kurz von allen Leuten, mit denen er zu tu« hatte, erhebliche Prozente. Fe teurer gearbeitet wurde, desto höher fielen die selbstverständlich aus.

Ter Futtermeister bezog Hafer, Heu und Stroh zu den höchsten Preisen. Dafür verkaufte er als eigene Einnahme den Dünger an die Bauern.

Ter Küchenchef führte eine großartige Pauschalwirt­schaft. In der Küche gingen Unsummen drauf.

Herr Droesigl kannte die Marktpreise des Gemüses, er wüßte, was Konserve?: kosteten und Fleisch. Bogenlang rechnete er Agathe vor, welche Ersparnisse hätten gemacht Werben Wunen. Er zeigte, wie sich das summierte, und von diese?: Summen berechnete er Z:ns und Zinseszins. Da käme?: denn Zahle?: heraus, daß die junge Gräfin die Hände erstarrt ü: den Schoß, sinken ließ. Sie hielt Ordnung im Haus, aber was nachts auf verschwiegenen Gängen geschah, davon ahnte sie nichts. Sie hatte ?nit dem Fleiß der Martha darauf gehalten, daß die Teppiche geklopft wurden, die Zim­mer gelüftet, daß mau Staub wischte. Unter ihrer Leitung hatte?: die Kleine?? in: Haus, die Stube?:- und die Hausmäd- chen, ihre Pflicht getan. Aber was da gespart wurde, kam nicht in Betracht gege?: das, was in Küche, Keller, Hof und Stall zum Fenster hinausflog.

Herr Droesigl setzte eine ernste Miene auf:

Ob eilt Mädchen achtzehn oder neunzehn Mark be­kommt. das belastet den Etat nur ei??mal und zählt bei den vielen 'Zehntausendeir nicht n?it Aber die unberechenbaren Betrügereien, das Anschaffe?: vo?: unsinnigen Vorräten, bei denen kein Mensch iveiß, wohin sie kommen, ja, ob sie über» Haupt kommen, das läuft ins Geld. Nebenbei macht es aus ehrlichen Leuten solche, die ein Auge Andrücken. Und aus denen, die eil? Auge zudrücken, Diebe; denn wenn ein ehr­licher Mensch sieht, wie alles rundum ungeahndet einstecken kann, kommt er sich schließlich dumm vor, wenn er nicht mittnt.

Agathe blickte zu Boden:

Da habe ich also nichts geholfen?

Herr Droesigl sah, daß sie weinte, und sagte mit verän­derter Stimme:

Ich meine es doch Mt mit Ihnen !

Sie sind der einzige, der es gut mit mir meint,

. Ich möchte gern alles für Sie tun.

Für eine?: so unbrauchbaren Menschen?

Er schob die Bücher beiseite:

Ich würde Sie an jeden Posten stellen, bei? eine Frau nur aus stillen könnte!

Jzre Augen waren noch naß. Sie lächelte ein wenig:

.Wenn ich nicht einutal einen Haushalt in Ordnung halten kann?

Er antwortete ganz nahe bei ihr:

Nun, ich würde ntir nichts Besseres wünschen, als Sie hielten meinen Haushalt in Ordnung.

Sie sah ihn erschrocken an:

Mein Gott, steht es den?: so schlecht mit uns?

Wie meinen Sie das?

Verlegen blätterte sie in ihren: Abrechnungsbuche. - Nun ganz einfach. Ich weiß Ivohl, daß die Zukunft traurig sein wiro. Wer ich dachte uicht, daß es so schlimm wäre, daß ich... in Stellung gehen müßte.

Er war so erstaunt über die Bescheidenheit dieser Mäd­chenseele, daß er int ersten Augenblick nicht wußte, ivas antworten. In ihm steckte jener Blick von unten itach oben, ein Blick, der seinen Vater empört hätte, den Geheimrat Droesigl, der trotz aller Basler Bürgermeisterschaft als Kohlenzieher iitt Bergwerk begonnen. Wenn sich auch Herrn Droesigls heller Kopf bagcgen sträubte, eine Gatts, die zufällig Gräfin war, anders als eine Gans auzusprechen, so unterlag sein gutes Gehirn- stand er wirklich einer Gräfin gegenüber, doch immer wieder den Dummheiten feiner Eitel­keit. Wem? Herr Louis Droesigl aristokratische Luft atmete, war es, als verlöre er Besinnung und Verstand. Und er wollte in diese Kreise. Die Ministertochter, deren Vater doch erst vor zwei Jahren geadelt worden, war der erste Versuch gewesen. Auch bei seinem englischen Jagdfreunde, loo Gentleman Gentleman war, hatte er sich von einem Mädchei: aus vornehmer Fautilie, das mit bescheidener Rente sich durchs Leben schlug, trotz seiner Millionen einen Korb geholt. Sogar in Stererrnark war er auf Freiers Füßen gegangen, aber sein Protestantis?nus schien ihm dort hinder­lich, auch verkehrte?: bei biefein Jagdfreunde nur solche österreichische Magnaten, derei: Töchter sich nicht durch Droe- s-glu HU rette?? brauchten, wie der alte Graf sich ausgedrückt habe?? würde.

Vielleicht war auch die Freundschaft ii? Steiermark nicht ganz so zärtlich, wie man annehmen mußte, wenn Herr Droesigl dabo?: sprach. Und am Ende waren die Bande, die ih?: mit dem Lord verknüpfte??, nicht gar so eng, hätte man seine Lordschaft selber gehört.

Als mm der ungeheure Spielgewinn Herrn Droesigl in den Schoß gefallen, erwachte in ihm jäh der Gedanke: das war eine goldene Stufe, um in ein Ahnenschloß zu treten, nicht kleinen Schwert- oder Briefadels, sondern eines Ge­schlechts, das schon vor den Hohenzolleri: in der Mark etwas bedeutet hatte.