(Lieber Gott, wie sittsam sind' dagegen doch unsere braven Abonnentinnen !)
Schon damals herrschte zuweilen ein etwas allzu glühender Theater-Enthusiasmus. Wogegen die väterlich besorgte Obrigkeit Prügelstrafen, Verbannung, ja sogar Todesstrafe vorschrieb.
Der Beifall des Publikums hatte also auch schon für den römischen Schauspieler ungemein viel Wert. Kein Wunder deshalb, daß es auch schon im sinkenden Rom .eilte organisiert^ Claque gab.
Der Dichter Plautus schaltete zwar im Prolog zu seinem „Amphitrus" schöne Beispiele über die Nichtigkeit des Beifalls ein. Dr. Max Burckhard, der geniale Wiener Spötter, aber vermutet launig, daß der Dichter wohl trotzdem mit dem Ches der Claque vor der Premiere einige vertrauensvolle Händedrücke 'gewechselt hätte . . .
Im alten Athen also stand schon um 400 v. Chr. die dramatische Produktion, in geringerem Grade auch die Reproduktion, auf ziemlich glänzender Höhe; die Bühnen (weite, zirkusartige, nach oben offene Riesenbauten) sind staatlich; die Künstler nehmen eine durchaus geachtete Stellung ein.
Im alten Rom dagegen — dessen ganze Kultur sich ja, mit alleiniger Ausnahme der Rechtskunde, sowie einzelner Lyriker, Satiriker und Historiker, sich lediglich als verschlechterte Imitativ^ des hellenischen Geisteslebens erweist — stehen die Bühnenkünstler, anfangs nur Sklaven, infolge ihres Lebenswandels (Prostitution), noch mehr aber wegen der Entgeltlichkeit ihrer körperlichen Schaustellung, in sozialer Hinsicht ziemlich tief, wie aus zahlreichen Stellen der „Juristenbibel", des Corpus Juris Civilis, zur Genüge hervorgeht. Die rapide Entwicklung der Weltstadt brachte den Künstlern zwar hohe Gagen und vereinzelt auch einflußreiche Stellungen, ohne jedoch die moralische Wertschätzung des Standes zu heben.
Ein neues wettwmoer.
D. San Francisco, im August.
Wer kennt Los Angeles? — Vor etlichen zehn Jahren war es ein südkalifornisches Nest, heut ist es eine große, reiche Industrie- und Handelsstadt und Verkehrsknotenpunkt für die nach sieben Richtungen ausstrahlenden Bahnen des südlichen Kalifornien. ®a reichte die alte Wasserleitung, die auf einer einzigen Quelle basiert, nicht mehr aus. Man wollte nicht bloß für ein bis -zwei Jahrzehnte, sondern für die Zukunft Wasser haben und suchte deshalb gleich den größten und wasserreichsten Fluß als Quelle aus, den das Land dort überhaupt hat. Dieser, der Owens River, ist zwar 350 Kilometer von Los Angeles entfernt, und dazwischen liegen noch ein paar hohe Gebirgsketten, aber das tut nichts, er hat wenigstens Wasser die Fülle. Er wird von der schneebedeckten Höhe der Sierra Nevada, in der Nachbarschaft des Uosemitetals, gespeist, und gelangt trotz seines reißenden Laufes nie bis ins Meer. Er füllt nur bett Owens-See und verblutet sozusagen unter den Strahlen der kalifornischen Wüstensonne. Man beging also nicht einmal einen Raub, indem man ihn annektierte. Die Kosten sind allerdings enorm: der Kanal mit seinen Tunnels, Viadukten und Zubehör soll 90 Millionen Mark kosten. Die Bürger von Los Angeles warteten auf keine Hilfe von oben und auf keinen fremden Unternehmer, sie zeichneten die ganze Summe, und ein Kind ihrer Stadt, W. Mulholland, entwarf den grandiosen Plan, nach dem nun die Arbeiten ausgeführt werden. So aus- geführt, daß sich die hineingesteckten Millionen recht hübsch' verzinsen werden.
Eins war sofort klar: der Wasserbedarf von Los Angeles konnte in alle Ewigkeit nicht ausreichen, den Hundertmillionenbau ztr verzinsen, und wenn sich-alle Bewohner voll und toll tränken und die Reinlichkeit bis zum Wahnsinn steigerten. Man mußte das Ding anders angreifen. Man nimmt an Wasser, was man überhaupt bekommen kann, und benutzt es zu allen gegebenen Zwecken, als Kraftquelle, Landbewässerung, städtische Wasserleitung. Die Entnahme findet nicht aus dem Owens-See statt, wo das Wasser durch Verdunstung rasch an Menge verliert und außerdem so tief liegt, daß es den größten Teil seiner Druckkraft schon eingebüßt hat, sondern 65 Kilometer oberhalb in den Bergen, wo ein Riesendamm das Tal schräg absperrt, den Fluß staut und eine Wassermenge von 12 Kubikmeter in der Sekunde (über 40 000 Kubikmeter stündlich!) in bett Anfang des großartigen Aquädukts drängt. Dann beginnt sofort der schwierigste Teil der Leitung, das Kreuzen des 100 Kilometer laugen Jawbone- Distrikts, einer unbewohnten Bergwüste, in der die Gewässer un- unterbrochen durch eine Folge von Eisenrohren, überdeckten Beton- tanälen # und Felsentunnels fließen. Ein 30 Kilometer langes Stück dieser Leitung hat 13 Kilometer Tunnels, 5 Kilometer Stahlrohre und 17 Kilometer Betonkanäle, alles von gigantischen Proportionen. Die Felsdurchbohrungen werden 11 Fuß weit au- Gclcgt, und bei. vollem Zufluß wird sich ein reißender Strom
2 Meter Tiefe hindurchwälzen. Der größte Tunnel in der :_;t)ettton hat 2400 Meter Länge, die Küstensierra aber wird von ineirL5u?ne^ von 8200 Meter Länge durchbohrt, wahrscheinlich ocm kühnsten Wasserleitungstunnel, der auf der Erde existiert. Und diese Arbeiten sind größtenteils in einer weg- und menfchen-
losen Wüste auszuführen. Sand und Steine gibt es wohl längs der ganzen Route, aber die benötigten Eisenmassen, das Holz und der Zement (über eine Million Fässer) sind heranzufchaffen. Auch da hat man Rat gewußt. An mehreren Stellen läßt sich das Gefälle der Leitung zu gewaltigen Sprüngen zusammeit- dräNgen. Hier werden Bassins, Druckrohre, Turbinen, große elektrische Werke angelegt, die schon während der Arbeiten mehr Kraft liefern, als für die Transporte, die Betonmühleu nsw. erforderlich. Da wird mit elektrischer Kraft gebaggert, Land getrocknet, werden Felsen gebohrt, Durchschnitte gesprengt, Bahnen betrieben nsw. Später soll von den beiden Hauptkraftwerken, von denen das eine 93 000 PS. leisten wird, Energie in der Spannung von 75 000 Bolt auf 200 Kilometer Entfernung übertragen werden. .
So erreichen.die Gewässer das Tal von San Fernando, an Druckkraft erschöpft, an Masse weit mehr, als Los Angeles verbraucht. Der Rest wird in einer Reihe von großen Becken an« gesammelt und soll in der trockenen Jahreszeit beträchtliche Ge-. biete jetzt dürren Landes in Fruchtgärten verwandeln. — Amerika, du hast es besser!'sagte ein großer Dichter mit Recht.
Vermischtes.
* I tt 2 2 Minuten vom Weizenfeld z tt nt B i s - fuit. In dem amerikanischen Städtchen Waitsburg steht die älteste Mühle des Staates Washington. In dieser Mühle sind neulich Biskuits verzehrt worden, deren Entstehungsgeschichte ein Kuriosum ist. Als man diese Biskuits nämlich aus dem Backofen heräuszog, waren erst 22 Minuten verstrichen seit dem Augenblick, in dem man das zu ihnen verwandte Weizenmehl als wogendes Korn auf sonnigem Felde schnitt. In 22 Minuten vom schwankenden Halm zum tadellosen Biskuit! Es ist gut, daß der Vorgang von 50 einwandfreien Persönlichkeiten bezeugt worden ist, wir wären sonst sicher geneigt, an einen Scherz zu glauben. Die Beschreibung des Arbeitsprozesses überzeugt uns allerdings sofort von der Wohlausführbarkeit dieses Kunststückchens. Auf dem Weizenfelde eines Mr. Ätkinsons (das zwei Meilen voN der Mühle entfernt war) begann die Arbeit. Mr. Atkinson war sogleich mit dem Versuch (den man ganz unvorbereitet unternahm)- einverständen und ließ die Maschinen auf seinem Felde sofort anhalten. Als sie gereinigt waren', gab man das Zeichen zum Schneiden des Probekorns. 9 Uhr 3 Mist', stand dieses noch hoch und stolz auf dem Feld. 9 Uhr 4 Min. sah man die ersten! Halme fallen, 9 Uhr 8 Min. wanderte der Weizen in die Dreschmaschine. Drei Minuten später standen vier wohlgefüllte und zNgenähte Säcke Weizen auf dem Feld. 9tun galt es, diese Säcke, die zusammen 535 Pfund wogen, in die zwei Meilen entfernte! Mühle zu schaffen. Sie würden zu diesem Zwecke auf ein Automobil von 30 Pferdestärken geladen, das mit einer Geschwindigkeit von 40 Meilen pro Stunde Waitsburg entgegensauste. Drei Minuten, nachdem man den letzten Sack auf dem Felde zugenäht hatte, war das Korn schon in der Mühle gewogen worden und in dem mächtigen Mühlentrichter verschwünden. Fünf Minuten später, 9 Uhr 19, erschien das erste Mehl. Augenblicklich stürzte sich ein Bäcker darauf und begann cs mit Wasser und Backpulver zu verrühren. 9 Uhr 21 wurden die rohen Biskuits in eilten vorher erhitzten Gasolin-Ofen hineingeschoben. Als sie zwei Mi- NNten gebacken hatten, waren die vier Säcke Weizen inzwischen schon zu zwei Säcken tadelloseit Mehls gemahlen, die fertig zum Versand dastanden. Die Biskuits buken im ganzen fünf Minuten'. 9 Uhr 26 zog man sie aus dem Ofen heraus. Sie waren tadellos geraten und zeigten auf ihrer Wölbung die kunstgerechte bräunliche Tönung, die sie haben müssen. Man verteilte sie unter die Zuschauer, die ihre Uhren mut einstecken ko mitein
Silbenrätsel. amt, an, bahn, co, den, ci, ew, i, il, ke, la, ler, nut, ne, nel, iti, ra, ro, feit, mj.
Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen sieben Wörter gebildet und derart nntereiuander gesetzt werden, daß die Anfangs- buchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen ein Sprichwort ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes:
T. Eine Behörde.
2. Nebenfluß der Donau.
3. Römischen Kaiser.
4. Russischen Staatsmann.
5. Gebirge in Amerika.
6. Freund Lessings.
7. Wohlriechende Blume.
Auflösung in nächster Nummer.'
Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer:
Mußt dich selber überwinden,
Duldend schweigen; — das nur kräftigt, Mitleid wähne nicht zu finden, Jeder ist mit sich selbst beschäftigt. Bauernfeld.
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'Aktion - g. V.: E. Heß. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Buch- und Steindrnckerei, R. Lange, Gießen.


