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Marschall sagte nicht, in lächerlicher Ueberhebüng unsere Weg-- stationen nach Berlin feftfegenb, daß der Krieg ein militärische Spaziergang sein werde; er sagte im Gegenteil, daß der Krietzj schwer sein würde, aber,6a er! früher oder später unvermeidlich sei, so könnteir wir ihnr ohne Furcht entgegensehen. Die Armee wchv bewunderungswürdig, geübt, stark, iW Gewehr dem preußischen Gewehr weit überlegen, ihre Wtillerie voni einem Elitekorps befehligt und unsere Mitrailleusen, die die Preußen nicht hätten, würden von ebenso furchtbarer Wirkung sein wie unsere Gewehre. Die Mobilisierung und Zusammenziehung würde sich nach den Angaben des Marschalls Niel sehr rasch vollziehen; unb wenn wir mit Entschlossenheit handeln würden, ohne Zeit zu verlieren, wurden wir die Preußen mitten in ihrer Formation durch einen kraftvollen Angriff überraschen. Wir verhandelten sodann über die Frage der Alliancen'. Wir wünschten alle, besonders der Kaiser und ich, eine ernstliche Freundschaft mit England aufrecht zu erhalten. Mer wir hatten in diesem Falle keine ürateüielld Mitwirkung zu erwarten, da wir nichts' anbieten konnten. Wohl aber hatten wir Italien, Oesterreich und Rußland etwas' zu bieten. Italien: die Räumung der römischen Staaten und die Gelegenheit, sich für geleistete Dienste dankbar zu erweisen, Oesterreich: Rache für Sadowa, und Rußland: die Revision des Pariser Beitrages." Ms man darüber verhandelte, nahm der Kaiser aus einem Schreibtisch die Briefe des Kaisers von Oesterreich und des Königs von Italien vvm September 1869 und ließ sie die Minister lesen. „Der Kaiser erklärte sich nicht über die Motive dieser Briese; er legte sie als ein Versprechen eventueller Hilfe in einem derartigen Falle aus, wie bent jetzigen, und er war fest davon «überzeugt, daß zwei so loyale Herrscher wie Franz Josef und Victor Emanuel ihr Versprechen Halten würden. In Wahrheit enthielten diese Briese nicht das, was man im eigentlichen Sinne einen Vertrag nennt, sondern sie bestätigten jene Gemeinsamkeit der Gefühle nnd Interessen, aus denen Verträge in günstiger Stund« sich ganz natürlich 'herleiten. Solche moralische Alliancen bestehen ost ohne formellen Wortlaut, die Vertrüge werden unterzeichnet, wenn die Möglichkeit eines Krieges in einem, besonderen Falle drohend wird; sie sind der Beweis, daß der Krieg anfängt, und darum verschiebt man ost die Unterzeichnung, obwohl man sie im Prinzip annimmt." IM Verlauf der weiteren Verhandlung beauftragte der Kaiser den Minister des Mußeren Gramont, dem' Fürsten Gortschakov mitzuteilen, „daß, wenn Preußen auf dep Kandidatur des Prinzen von Hohenzollern besteht, dies der Krieg sein wird." „Der Kaiser," erzählt Ollivier, „neben dem ich saß, beugte sich dabei zu meinem Ohr und sagte: „Der Kaiser von! Rußland will keinen Krieg, er wird die Zurückziehung der Kandidatur veranlasseir." Das Wort Krieg war also von dem Kaiser nur als das wirksamste Schutzmittel des Friedens ausgesprochen worden." Darauf würde die von Gvamvnt in einem ziemlich blassen Text verfaßte Erklärung auf die bevorstehende Interpellation von Ollivier mit „mehr Relief und Ausdruck" redigiert und der ehemalige Ministerpräsident gesteht, daß er diese in so herausforderndem Tone gehaltene Note auch nach soviel Jahren noch mit Befriedigung wiedergelesen habe. Zugleich wurden zahlreiche Verhandlungen Mit den verschiedenen Höfen gepflogen, ohne daß die Krise friedlich zu umgehen war. „Im Lause dieser! Krise," so sagt Ollivier, augenscheinlich zu seiner Verteidigung gegen den Vorwurf des „leichten Herzens", „überstehe ich viele Aengste, bin moralischen Qualen ausgesetzt und oft gezwungen, sehr rasch« Entschlüsse zu fassen ; in keinem Moment aber werde ich die Herrschaft über mich selbst verlieren; ich werde handeln, wie wenn ich ein Problem der Geometrie oder Mgebra aufzulösen hätte, unzugänglich den Einflüssen der Presse wie des Kaisers und berj Kaiserin, meiner Freunde und meiner Feinde, ohne Rücksicht auf das, was man sagen wird, nur den Erwägungen folgend, die mir die Pflicht gegen mein Vaterland und die Menschheit eingibt."
Wie der „Hmckbom" entstand.
(Zu Klaus Groths 90. Geburtstag.)
Am 24. April find p'eunzig Jahre verflossen, seit Klaus Groth zu Heide itt Norder-Dithmarschen geboren wurde. Fast ein Jahrzehnt deckt ihn nun auch schon die kühle Erde, nachdem sein Lebensende noch durch die allseitige Feier seines achtzigsten, Geburtstags mit einem letzten Abendrot umgoldet worden war. Sein Lebenswerk, das der Pflege, Erhaltung und poetischen Dnrch- brldung der plattdeutschen Sprache gewidmet war, ist nicht mit rhM dahin gegangen, sondern bleibt auch der Nachwelt teuer als cur Denkmal deutscher Heimatliebe und seine Gedichte gehören zu dem unvergänglichen Bestand unserer Lyrik; ihre Schönheit wurzelt immer tiefer und fester in den Herzen. Alles Herrlichste, was Klaus Groth geschaffen, liegt in seinem Erstlingswerk, dem „Quickborn", beschlossen, der wirklich, unserer Volksdichtung ein Jungbrunnen künstlerischer Formung geworden ist; die Erinnerung, die sein Gedenktag wieder wachruft, wird sich daher am liebsten jener ersten Schaffenszeit zuwenden, in der dies Werk als eine Frucht langen Mühens und schwerer Arbeit entstand. Der Dichter hat selbst in der Deutschen Revue davon erzählt, wie sein Tichterberuf langsam in ihm mächtig wurde und allmählich der Plan dieses Buches erwuchs. Ein rastloser Drang nach Bildung und Wissen' beherrschte den Knaben, den es aus den dämmernden Sphären oex
Märchen und Sagen besonders zur Mathematik hinzog. Als Schreiber beim Kirchspielvogt in Heide hatte er viel Zeit und las sich so langsam in die wichtigsten Literaturen ein, trieb Granit matik, Philosophie und wanderte weite Wege, um von irgend einem Lehrer oder Geometer etwas über die höhere Mathematik zu erfragen. Der Tag «reichte für diesen Äildungseifer nicht aus; so ließ er sich mittels eines Zugbandes am Arm jeden Morgen schon um drei oder vier Uhr wecken. Er war überhaupt em Frühaufsteher und hat auch die meisten Lieder des Quickborn geschrieben, wenn andere Leute noch im Bett lagen. Die Verse, die in jener Jünglingszeit entstanden, erschienen ihm aber nicht Mehr als Mittelgut; so schwor er es sich heilig zu, „nie einen! Vers zu Machen, bis mich innerer Drang gewaltsam dazu triebe, und vorher alles daran zu setzen, etwas tüchtiges zu lernen." Erst als Schullehrer kam er dann in den vierziger Jahren zu dem Bewußtsein, welch ein poetischer Schatz noch ungehoben im Plattdeutschen stecke. Die volkstümliche Kraft der Beobachtung und des Erzählens, die ihm im Vaterhause und dem Verkehr mit! seinen Brüdern entgegentrat, lockte ihn zur Gestaltung. Freilich dies Gestalten und Formen war eine schwer« Arbeit. „Daß ich, ehe! ich es niederschrieb, dafür erst die Formen gesucht und gefundenj oder erfuirden, das ist in aller Kunst die notwendige Vorarbeit!. Wenn mir jemand diese Vorarbeit vorweg genommen, so hätte ich weniger Zeit und Kraft gebraucht. . . Der Quickborn ist natürlich nicht als Buch erdacht und geschrieben, etwa wie „Ut de Franzosen- tid"; er ist eine Sammlung von Gedichten, allmählich entstanden im Laufe vvn Jahren, endlich zusamMengestellt und auf gewisse Art abgerundet. Meine vorbereitenden Studien haben nur dadurch ihren Wert, daß sie Mir die Bahn reinigten und das Ziel firfjer fassen lehrten. Denn warum waren meine Vorgänger falsch gegangen und ohne Wirkung vergessen? Was ich nicht machen mußte, mußte ich vor allen Dingen wissen. Ob dann noch ein Weg übrig blieb, das müßte sich finden. Gesucht werden mußten all die verschiedenen Töne, die ich, der erste, in plattdeutscher Sprache angeschlagen habe; ob dichterische Kraft vorhanden war, frisch und frei in ihnen zu singen, das ist eine voM Wissen und Studium ganz unabhängige Sache. Gebraucht waren diese Töne nie; Rhythmus, Reim, Mort- und Taktregister, Bilder lagen nicht gedruckt vor, wie in hochdeutscher Poesie. ®ie muhten! alle Mündlich erhorcht, dem Volke, alten Reimen abgelauscht, werden. Aus dem' lebendigen Volksmunde hörte ich, außer Reimen, Sagen und Märchen int täglichen ununterbrochenen Verkehr mit deM Volk hinreichend und in einer Mannigfaltigkeit der Töne, die nur ein günstiger Zufall einem Horchenden bereitet. Ganz Ditmarschen ffradj. damals noch plattdeutsch, im eigentlichen Verkehr nur plattdeutsch." Nach langem Ringen entschloß sich Groth endlich, sich ganz seinen künstlerischen Plänen zu widmen. „1847 ging ich wegen geschwächter Gesundheit nach der Insel Fehmarn und gab mein Amt auf. Dort habe ich fünf Jahre gearbeitet, UM! das Hauptwerk meines Lebens zu vollenden, dessen Mal uni) Ziel mir nach und nach deutlicher wurde. Ich setztemeine ganze Kraft daran, und die Ersparnisse arbeitsreicher Jahre vorher. Das habe ich für mein /Ideal getan. Als ich fertig war und das Manuskript meines ersten Bandes Quickborn an Gewinns schickte, da war Kraft und Geld alU. Es ist nicht zu vertvundern, daß mir seine rasche Antwort ans den Händen fiel und stundenlang vor mir am Fußboden lag, bis ein Freund erschien und sie aufhob. Ich hatte in dem Brief des strengen Kritik rs nur g.lesen: ,-Jhr Buch wird sein wie die Oase in der WüsP . . ." Dann legte ich mich müde zu Bett und lag ein halbes Jahr." Der Quickborn fand in den Kreisen des Volkes bald fruchtbaren Boden. Aeuße- rungen der Liebe und des Dankes drangen zu dem Dichter, der davon tief gerührt wurde. Aber auch unter den Gelehrten erkannte man bald die Bedeutung des Werkes, so daß ihn die Bonner Universität zum Ehrendoktor ernannte, und unter den Gebildeten gewann es eine ständig zunehmende Verbreitung.
Vermischtes.
*■ Der Held der Jung türken. Von Niazi Bey, der neben Eilver Bey der vielgenannte Hauptführer der jung- türkischen Bewegung ist, gibt Sefer Bey in der Revue ein inter- ressantes, genauester Kenntnis entstammendes Charakterbild. Er nennt ihn die größte Gestalt der türkischen Revolution; denn Niazi Bey war der erste, der an der Spitze einer kleinen Schär! Getreuer von seiner Heimatstadt Resna aus den Angriff des JungtürkentuMes auf das alte Regime einleitete und damit den Stein ins Rollen brachte, der den Absolutismus in der Türkei zertrümmerte. Der kühne Offizier hat schon in früher Fugend freiheitliche Ideen in sich ausgenommen. Seinen ersten Unterricht empfing der Knabe in Resna; dann ging er nach Mouastir. Durch seinen französischen Lehrer, einem1 Offizier, lernte er zuerst die Bedeutung der französischen Revolution erfassen; an der Geschichte großer Gestalten wie. Mirabeau und Danton fand der junge Geist Erhebung und Begeisterung und das Evangelium der Menschenrechte erfüllte die Phantasie. Zugleich zog ihn ein unwiderstehlicher Drang zu den Waffen; als Fünfzehnjähriger trat er in Pancälti in die Miliiärschulö. Als iuitgen Leutnants rief ihn fein Schicksal nach Thessalien; er nahm an! dem Kriege gegen Griechenland teil, in der Schlacht bei Bech-Binar zeichnete er sich aus den Höhen von Volo durch seine unerschrockene Tapfer-


