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Spätmghof.
Roman von K. v. d- Eider< (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Tine kam gerade vom Melken, als er aus die Diele trat. Sie sah verfroren aus, und ihre Augen waren rot vom Weinen. Als sie den toten Kater sah, zuckte sre tote in heftigem Schreck zusammen.
Jan beruhigte sie. „Es ist ja bloß ein Tier. Wer weiß, toas er gefressen hat; ich will ihn begraben.
Tine nickte mit Augen voll Tränen. „Jak wird böse
werden," hauchte sie.
„Ja, Jak. Wo ist er? Ist er noch mcht auf?
„Nein, ich hab' ihn nicht gesehen," sagte Trne. „Es ist alles still drinnen." ,
„Dann laß ihn man schlafen. Mach man 'ne Tasse Kaffee, ich will die Pferde füttern."
Jan ging in den Stall und fütterte b.te Pferde; pr trank seinen Kaffee. Die Uhr schlug acht; Jak war noch immer nicht zu sehen. Tine ging voller Unruhe hm Und her. , -x.
„Ich muß doch mal sehen, was er macht," sagte ynn.
Tine nickte. Daß sie schon wiederholt an der Tur gehorcht und durchs Schlüsselloch gespäht hatte, sagte sie nicht.
Jan trat jn die Stube, die sie zu anderen Zeiten gemeinsam inne hatten.
„Na, Jak," rief er, „du verschläfst ja Tag und Datum." Als keine Antwort erfolgte, ging er wieder hinaus.
„Er wird einen gehörigen Rausch gehabt haben," dachte er. Er hatte gesehen, daß Jak in voller Kleidung ans dem Bette lag.
Es war heute viel zu tun. Es wurde gebuttert, und Jan stieß die Butterkarne und ging dazwischen abwechselnd zu den Pferden und lugte auch mal in die Wohnstubentür hinein.
Die Uhr schlug zehn. „Nun hat er aber lange genug gelegen," sagte Jan, „nun weck ich ihn; ein gesunder Mensch kann doch nicht bis Mittag schlafen!"
Tine fühlte plötzlich ein Zittern in den Kniey, sie mußte sich setzen. „Mir ist schlecht zumute," murmelte sie.
Jan trat rasch und geräuschvoll in Jaks Stube. „Die Uhr ist zehn!" rief er. Keine Antwort. „Aber Jak," rief Jan und versuchte ihn zu schütteln. Als er aber den Arm des Bruders anfaßte, fiel dieser steif und schwer herab, genau so wie am Morgen die Beine des grauen Katers. Jan ergriff die Hand, er blickte in das Gesicht, das eigentümlich starr und bleich aussah.
„Tine!" ries Jan mit starker Stimme. „Tine!" Er erschrak, denn plötzlich, lote aus der Erde gewachsen, stand sie vor ihm. Sie war geisterbleich, ihre Augen waren
weit ausgerissen, und um den kleinen Mund zuckte es, als ob er lachen oder weinen wollte.
Sie sahen sich an. Sie sahen auf Jak, der so bleich und starr und finster dalag, und wieder sahen sie sich an mit zweifelnden, fragenden Blicken. Keiner wagte zu fragen, keiner wagte es auszusprechen. Endlich sagte Jan leise, wie zu sich selbst: „Er ist tot!"
„Tot?" Tine schrie es mit gellender Stimme. Sie stürzte sich auf das Bett; sie umklammerte Jaks Hals und versuchte ihn emporzuheben. Sie preßte sich an den toten, kalten Körper, als wollte sie. ihn wärmen, thm Lebensglttt einhauchen. Aber durch die Kleider htndurch fühlte fie die starre Todeskälte; da ließ sie ihn fahren und sank mit einem gellenden Schrei zu Boden.
Draußen in der Küche standen Lehmbecksche und. Heistersche mit ihren Henkeltöpfen, um frische Buttermtlch zu holen. Sie klapperten mit ihren Holzpantoffeln, fte klapperten mit den Groschen auf den Küchentisch, fte husteten und sprachen laut über das Wetter; niemand kam.
Als sie Tines Schrei und den dumpfen Fall thres Körpers hörten, schlichen sie neugierig näher und guckten zur Tür hinein.
„Helft, Nahwersleut', helft!" rtef Jan. „Holt mal schnell ein bißchen Wasser; die Deern ist umgefallen, und Jak - Jak ist" ... .
Eilfertig schleppten die beiden Alten einen großen Eimer Wasser herbei und suchten ungeschickt und schwerfällig Tine ins Leben zurückzurufen.
„Ist Jak auch in Amdam?" fragte Lehmbecksche.
„Jak ist tot," sagte Jan leise.
Das Interesse der Weiber wandte sich Jak zu.
„Wahrhaftig, er ist tot!"
„Was hat ihm denn gefehlt?"
„Er hat wohl 'nen Schlag gekriegt?"
„So'n schmucker Mensch!"
„Und so jung!"
„Was Mamsell nun wohl sagt."
„Sollte der Doktor nicht helfen können?"
„Er ist schon steif."
„Ach du lieber Gott!"
Tine hatte ihr Bewußtsein wiedererlangt. Verstört blickte sie um sich; dann brach sie in Tränen aus.
„Die arme Deern!"
In der Stubentür erschien eine geisterhafte Gestalt.
„Ö Herrjeses!" kreischten die Weiber.
Trienlieschen hatte in ihrent Bette alles gehört; Jaus Rufen und Tines gellenden Schrei, das dumpfe Aufschlagen ihres Körpers und das aufgeregte Sprechen der Weiber. Es wurde ihr klar, daß etwas Entsetzliches passiert sein mußte. Mit dem Aufgebot ihrer letzten Kräfte schleppte, sie sich über die Diele.
Lehmbecksche wandte sich der Alten voll Eifers zu. „Ach Gott, Mamsell," wehklagte sie, „der arme Jak, so jung und schmuck, und denn auf einnial tot! Wer hätte


