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Schaffen? Betrachtung über den Sinn und Wert alles Lebens überhaupt? i J
Es ist ein tiefsinniges Buch, das gewissermaßen bteje Philosophie des Bienenstaates uns bietet, das den verwunderten Gefühlen und suchenden Gedanken Ausdruck leiht, die angesichts des Bienenstaates in uns erwachen müssen. Man braucht wahrlich! auch nicht staunen, daß es ein berühmter Dichter unds Schriftsteller ist, der sich an diese Aufgabe heranmacht. Ich meine das Buch Maeterlinks : „Das Leben der Bienen." Es ist nicht ju viel gesagt: Dies Buch ist ein Andachtsbuch, voll des ernstesten Nachdenkens über die größten Geheimnisse und über die heiligsten Aufgaben des Lebens. Es läßt uns unser eigenes Leben einmal von einem so übergeordneten Standort aus beschauen und prüfen, wie wir das Leben der Bienen beurteilen. Es hilft uns frei werden von unzähligen ängstlichen Vorurteilen und Zweifeln. Es gibt uns den ganzen Mut wieder zu glauben und zu hoffen, zu wagen und zu wirken.
So aber lautet der Schluß dieses ganz eigenartigen Buches: t
„Zerbrechen wir uns den Kopf nicht, wer hon dieser Kraft, die sich derart auf unsere Kosten häuft, einst Nutzen haben wird. Die Bienen wissen auch nicht, 06 sie den Honig essen werden, den sie aufspeichern. Und ebenso wissen wir nicht, wem die Geisteskraft, die wir in die Welt einführen, einst frommen wird) Wie sie von Blume zu Blume stiegen, um mehr Honig zu ernten, als sie und ihre Kinder bedürfen, so wollen auch wir von Realität zu Realität schreiten und alles sammeln, was dieser unbegreiflichen Flamme zur Nahrung dienen kann, damit wir im Gefühl der Erfüllung unserer organischen Pflicht auf alles, was da kommen mag, vorbereitet sind. Dann wird ein Augenblick kommen, wo sich für einen Geist, welcher der wahrhaft menschlichen Pflicht mit bestem Willen gedient hat, alles so natürlich zum Besten ivendet, daß selbst die Befürchtung, all sein Streben und Trachten könnte umsonst sein, die Glut seines Forschens noch heller, reiner, selbstloser, unabhängiger und edler entsteht. Dr. Strecker.
Vermischtes.
* DieSeeschlange, über die meist im Hochsommer Berichte auftauchen, gilt int allgemeinen als ein Phantasieprodukt der „Saueren Gurkenzeit". Mit Unrecht, wie wir in einem soeben in der bekannten Sammlung Wissenschaft und Bildung erschienenen, überaus interessanten Werkchen („Der Tierkörper". Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig.) lesen, das die Form und den Bau des Tierkörpers behandelt. Der Verfasser Dr. Neresheimer schreibt darin über die Fauna der Tiefsee: Und noch eine andere Erscheinung trägt dazu bei, uns die Tiefseefauna fremdartig und altertümlich erscheinen zu lassen. Das ist Die relative Häufigkeit solcher Arten, die in fast unheimlicher Weise das Größenmaß ihrer in flacheren Regionen wohnenden Verwandten überschreiten, ähnlich wie wir ja auch unter den längst ausgestorbenen Ahnen vieler Tier- grnppen gigantische Vertreter antreffen. Ich erinnere nur an die Riesenfaultiere und Riesengürteltiere, die ungeheuren Molcharten und Saurier und die kolossalen Tintenfische der Vorzeit. Aehnliche Riesenarten sind auch aus der Tiefsee in erheblicher Anzahl herausgebracht worden. Die Hydropolypen z. B., von denen schon mehrfach die Rede war, sind im allgemeinen sehr kleine Formen; die einzelnen Individuen sind meist nur stecknadelkopfgroß, während linsengroße Polypen'schön zu den ansehnlichsten Vertretern dieser Gruppe gehören. Aber in der Tiessee findet sich der gewaltige, "nicht in Kolonien lebende Hydropolyp Branchio- eerianthus imperator, dessen leuchtend roter, von langen Fangarmen gekrönter Kelch von der Größe einer Sonnenblume aus einem bis über 2 Meter hohen Stiel emporragt. Auch eine andere Polypengruppe, die Seeanemonen, die wir vom Flachwasser her als nicht gerade unansehnliche, eventuell die Größe eines' Quartglases erreichende Formen kennen, sind in der Tiefsee vertreten durch Arten, die mit Leichtigkeit einen ZylmderhUt verschlucken könnten. Und solche "Riesen kennen wir aus den verschiedensten Tier- grnppen als Tiesseebewoyner: Asseln von der Größe einer Matte; Muschelkrebse, Pfeilwürmer, Asselspinnen und andere Formen von bisher unerhörten Dimensionen iverden in den abyssischen Tiefen gefunden. Noch zwei solcher
Giganten der Tiefsee möchte ich besonders erwähnen. Einmal die Riesenkrabbe, KaeMpfseria Kaempfferi, ein abenteuerlich aussehendes Ungeheuer, das auf langen, dünnen Beinen daherstelzt, mit denen es einen Raum von 3—5 Meter überspannt, mit enormen Scherenarmen droht und einen wahrhaft furchterregenden Eindruck macht. Jedoch ist das Tier im seichten Wasser hilflos und unwehrhaft, bei jeder Welle schwankt es auf seinen gespenstisch langen, dünnen Beinen und kann sich kaum aufrecht halten, es ist eben als Tiefseebewohner nur auf absolut ruhiges Wasser eingerichtet. Vielleicht der gewaltigste Tiesseebewoyner aber ist der Krake, von dem die Sagen aller meeranwohnen- den Völker erzählen; der Riesentintenfisch, der mit seinen ungeheuren Armen Schiffe umklammern und in die Diese ziehen soll. Und dieser sagenhafte Unhold existiert ivirk- lich, wenn er auch selten zu sein scheint und noch seltener an die Oberfläche des Meeres kommt. Alles, was man von ihm kennt, sind einige enorme, bis zu 11 Meier lange Arme, die ab und zu an die japanische oder amerikanische Küste angespült wurden und die uns einen Begriff von der furchtbaren Größe und Kraft dieses Untiers geben können. Vielleicht gibt die Existenz dieses Wesens auch die Erklärung (für eine ändere, immer wieder auftauchende Schiffersage: die Erzählungen von der Seeschlange. Denn wenn wir uns auch gewöhnt haben, die periodisch in den Zeitungen äuftauchendeu Nachrichten über Seeschlangen als „Enten" zu belächeln, so ergibt doch eine Sichtung der vorliegenden Berichte, die zum Teil von ernsthaften und ver- traueuswürdigen Männern stammen, daß es sich durchaus nicht um bloße Phäntastereien und Lügen handeln kann. Sehr wohl aber ließe sich denken, daß der Anblick eines Armes eines derartigen Riesenkraken, der einmal an die Oberfläche emporgetaucht sein mag, zu einem Bericht über eine ungeheure schwimmende Schlänge Veranlassung gegeben hätte.
humoristisches.
* Doppelsinnig, von Schneidewitz: „Haben ja heute ausgezeichnete Laune! Wohl Gut verläuft?" von Mechwitz: „Nee, komme direkt von der Mastviehausstellung, bin prämiiert worden/
* Imme r praktisch. „Warum haben Sie den Zungen gerade Lorenz taufen lassen; wohl aus Pietät gegen den verstorbenen Großvater?" — „Aus Pietät gerade nicht, aber von dem haben wir noch 100 Visitenkarten daliegen; die ,oU er spater
* Unnötige Angst. „Herr Doktor, die ganze Nacht hat der Kopfschmerz angehalten: ich befürchte eine Gehirnentzündung. — „Ach was, dazu fehlt doch jede Voraussetzung!
* Boshaft. Fräulein (recht ange;ahrt): .»Wenn ich m einem Hotel übernachte, leuchte ich immer, bevor ich mich mede» lege, unter das Bett, ob sich nicht etwa em Manu versteckt hast. ■ Herr: „Und da sind Sie ivohl immer enttäuscht?"
Kömgspromenade.
Man dar! die eiuzelueu Wörter und Silben nur in oer^Weise miteinander verbinden, daß man — wie der König aus dem schach» bvctt — stets von einem Feld aus oui ein benachbartes übergeht.
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Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Diamantiätsels in voriger Nummer: S
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Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, 91. Lange, Gießen-


