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Whtundzwanzig Fritzchen. Ach Lin nun wirklich riesig ge­spannt, was die Nelda Dallmer leistet; du hast dir ja immer viel von ihr versprochen. Schade, daß sie sich mit Rainer damals so verplempert hat. Wie konnte man sich aber mich so unpraktisch verlieben!"

Dstander sah nach seiner Frau, hin und lächelte flüchtig. Freilich, das wäre dir nicht passiert!"

Sie merkte nicht die leise Ironie in seinen Worten. Das wäre es auch nicht," rief sie eifrig.Aber das kommt bei der Blaustrümpfigkeit heraus, Nelda hatte immer was vom Blaustrumpf. Nein, meine Mädels sollen anders werden! Stricken und nähen und stopfen und gut kochen, das ist das beste, um einen Mann zu fesseln. Paß mal auf, die heiraten mit sechzehn! Dafür werde ich schon sorgen. Findest du nicht, daß sie sich sehr nett heraus­machen? Vicky ist für ihre Zwölf merkwürdig entwickelt. Und Lollo nein, ich amüsiere mich, der Oberst sagte neu­lich zu mir:Sie haben ein paar reizende Töchter, gnädige Frau, ganz die Mutter!" Was sagst du, Paul, bist du nicht stolz?" Sie sah, rot vor Vergnügen, zu ihm auf.

Er nickte und küßte sie leicht auf die Stirn; die hatte merkwürdig wenig Falten, querüber. nur ein paar zarte Striche, über der Nasenwurzel zwischen den Brauen, wo das Nachdenken sitzt, keine einzige Linie.Adieu, Kind, nun mutz ich aber gehen! "

Nein, nein! Weißt du, Paul, ich mag dich doch die einzig freie Zeit nicht missen. Einen Augenblick! Ich rufe die Kinder, wir machen uns rasch fertig und gehen mit bis hin! Wir warten dann unten auf dich."

Aber, Liebe, es könnte zu lange dauern!"

Ei, du brauchst ja nicht so lange oben zu bleiben, das ist gar nicht nötig! Vicky, Lollo, Karl, Fritz spazieren rasch!" Sie rief zur Tür hinaus.Mir ist nur wohl, wenn sie alle dabei sind. Dir auch, Paul, nicht?"

Dreiviertel Stunden später stieg Major Tylander die Treppen $ur Dallmerschen Wohnung hinauf.Bleib' nicht so lange," rref ihm noch eine Helle Stimme nach.

Das Haus war ganz anständig, nur der Hof, auf den man durch das Treppenfenster blickte, entsetzlich eng und düster. Zwischen den hohen Hintergebäuden kaum ein Stück Himmel zu sehen und das noch angeräuchert von dem rie­sigen Jabrikschlot, der auf dem Nachbargrundstück drohend emporragte

Geheimrätin Dallmer. Familienpensionat.

stand auf dem Porzellanschild. Die Berliner begreifen iitdjt, daß auch mal einer nichtgeheim" sein kann; Frau Rätin hatte ihren Aerger wegen des Schildes gehabt.

Xylander läutete, das Herz klopfte ihm dabei wenn ie doch zu Haus wäre! Er fühlte eine freudige Erregung, ie wiederzusehen. Drinnen schlorr.en Schri te; jetzt wurde >er Schlüssel umgedreht, ein alter Herr mit hochrotem Ee- icht öffnete die Tür.

Ihr Diener, Ihr Diener!" Die Uniform imponierte ihm augenscheinlich.Bitte, treten Sie naher! Mit wem habe ich die Ehre?"

Major Xylander. Sind die Damen zu sprechen, Frau Und Fräulein Dallmer? Ich bin ein alter Bekannter!" I, ist nicht möglich?!" Der Alte schmunzelte vergnügt. ,/Jch kriegte schon Angst, es wäre wegen der Pension; die geben wir nämlich auf. Gestatten Sie Moritz Schmolke, mein Name ist Moritz Schmolke, Rentier! Also Sie sind ein alter Bekannter? Na, aber nu! Bitte, treten Sie naher hier herein in meine Stube!"

Sie entschuldigen, ich wollte zu den Damen!" Xy- lander wußte nicht, was er aus dem Alten machen sollte.

Ra, ja, ich weiß schon. Da sind Sie auch ganz titt der richtigen Adresse. ImBerliner" können wir nämlich keinen Besuch empfangen, da aber bitte, nehmen Sie gefälligst Platz! Ich werde es den Damen melden." Er verschwand. Xylauder sah sich um. Richtig, die Möbel kannte er, dies waren die besten Stücke aus dem Dallmerschen Haushalt! Dort vor dem Schreibtisch den Teppich grün, rarmoisin und violett den hatte er in des Regierungsrats Arbeitszimmer oft gesehen, die müden Füße des kranken Mannes ruhten immer darauf. Ein Gefühl der Rührung überkam den Major. Jene Farben waren noch so frisch und bunt aber was mochte aus Nelda geworden sein, hatte sie ihre schöne Frische noch, oder? Ein blasses verblühtes Altjungferngesccht mit traurigen Augen schwebte ihm vor. Eine wahre Angst bemächtigte sich seiner.

Herr Hauptmann Lhlander!"

Da, eine volle, liebe, vertrante Stimme! Er fuhr auf. Nelda!"

Sie streckte ihm beide Hände entgegen. Da stand sie, kräftig, frisch, über dem hellen Kattunkleid blühten ihre; roten Wangen, ein strahlendes Lächeln verschönte ihr Ge­sicht. Ihre Augen leuchteten vor Freude.Q Sie lieber guter Freund, o wie freu' ich mich!"

Er konnte sich nicht halten, er stieß einen unterdrückten Freudenruf aus; und dann ergriff er ihre Hände und schüt­telte sie und ergötzte sich an dem festen warmen Druck, der den seinen erwiderte.Meine ließe gute Nelda!"

Lieber Herr Hauptmann ach, verzeihen Sie:Herr Major"! Ich kann mich noch nickst so rasch dran gewöhnen," sagte sie mit einem ließen entschuldigenden Lächeln.Für mich sind Sie immer noch der Herr Hauptmann!"

Und Ihr guter Freund!"

Ja, mein bester!" gab sie mit schimmernden Augen zurück. Ihr Gesicht wurde plötzlich sehr ernst.Sie haben mich einmal vor einem schweren Unrecht bewahrt, gegen die Meinen, gegen mich selbst ich weiß jetzt, was es heißt, in blinder Verzweiflung aus dem Leben gehen, idji 'hab' es vor kurzem in nächster Nähe gesehen. Gott sei Dank, daß ich lebe, so lebe!" Sie sagte das mit einem tiefen Atemzug und drückte ihm fest die Hand.Ich kann es Ihnen nicht genug danken!"

Ich sehe es, Sie sind zufrieden, Sie finb glücklich!" Er mufterte sie mit einem laugen Blick.So lamt nur jemand aussehen, der ruhigen Herzens ist!"

Nicht glücklich, nein" sie schüttelte den Kopfi dazu gehört zu viel, da ist manches, was mich sehr drückt, aber Hieb bin ruhiger geworden, klarer! Ich habe mich durchgefressen," sagte sie mit ihrem alten freien Lachen und zeigte die gesunden Zähne.

(Fortsetzung folgt.)

Aus dem Gdenwalder Volksleben.

EinBersprach".

(Gutsübergabe u. Verlobungsfeier in den siebziger Jahren.)

Von K. M o h r, Reallehrer in Bensheim.

(Bei unserem Preisausschreiben lobend erwähnt.)

Wenn in einer Odenwälder Bauernfamilie jener wichtige Zeitpunkt der Nebergabe des Gutes- in der Regel an den ältesten Sohn ober, wenn ein solcher nicht vorhanden, an die älteste Tochter herangekommen ist; so findet ge­wöhnlich mit dieser Vererbung gleichzeitig oder kurz vorher die Verlobung des erbberechtigten Kindes statt; jedenfalls wird aber die Verlobungsfeier mit dem feierlichen Akt der Gutsübergabe verbunden und die Doppelfeier nennt man Berspru ch".

Es handelt sich hierbei aber nicht um eilte Vererbung im landläufigen Sinne des Wortes, sondern um einen förm­lichen Verkauf; und zwar verkauft der Vater Gut, Haus und Hof mit lebendem und totem Inventar an den Sohn und feine verlobte Braut, so daß diese in gleicher Weiss Mitinhaberin wird wie das eigene Kind und im Sterbefalls des Eheg<ckwn, wenn Kinder nicht vorhanden sind, alleinige Inhaberin des Gutes bleibt. Wenn dann nicht etwa ein lediger Bruder des Berstorbenen als zweiter Ehemann an dessen Stelle tritt, so fällt das Bauerngut bei der nächsten Vererbung oft einer Familie zu, die mit der ursprünglichen in keinerlei blutsverwandtschaftlichem Verhältnis steht. Doch wird auch häufig beim Verkauf diese Eventualität in Betracht gezogen und durch eine diesbezügliche Klausel das Erbe der Familie erhalten. Ms ich in den siebziger Jahren vom Schicksal aus meiner oberhessischen Hermat (Wetterau), wo das elterliche Erbe gleichmäßig unter die Kinder verteilt wird, in eins jener reizend gelegenen Gebirgsdörfchen des romantischen südöstlichen Oden Wald es verschlagen wurde, ging es mir wie vielen, die nur die Verhältnisse so oben­hin kennen ich war in dem Urteil schnell mit ihnen einig: Der Odenwälder Großbauer hat nur ein rechtes Kind!" Aber wenn ich meinem beleidigten Gerechtigkeitsgefühl Luft machte, so fand ich merkwürdigerweise selbst bei den Nachgeborenen kein Verständnis. Das machte mich stutzig, und bald genug wurde mir durch tieferes Eindringen in die Verhältnisse und durch Belehrung klar, daß diese schein­bare Ungerechtigkeit eine zwingende Notwendigkeit ein-