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brachte. Denn wenn' er stets als Vater der Genossenschaften bezeichnet wurde, und mit vielem Recht, so war er das nicht nur als Begründer der Vereine, sondern auch als deren fortdauernder Berater. Er wollte durch die rege Vereinstätigkeit die Initiative des Volkes geweckt und gebildet sehen, weil er durch diese allein die Bildung eines gesunden, freiheitlich entwickelten Staatswesens erhoffte. So war er unausgesetzt mit zahlreichen Männern aus dem Volke und aus allen. Kreisen des gewerblichen Lebens in persönlichem und schriftlichem Verkehr.
Gros' war denn auch der Schmerz, als der treffliche und trotz seiner Bedeutung so bescheidene Mann am 29. April 1883 starb. Ein ungemein großes Trauergcfolge wand sich durch die Straßen Potsdams, als man ihn im Frühlingssonnenschein zu Grabe trug. Aus allen Teilen Deutschlands waren Trauernde herbeigeströmt. Nie vorher und seitdem nie wieder hat man in der Residenzstadt an der Havel einen solchen Lerchenzng gesehen. In seiner Geburtsstadt Delitzsch und in Berlin verkünden Denkmäler seinen Ruhm. __
Lin Verg ßiis Gold.
Die fast märchenhaft klingende Geschichte der Entdeckung Her großen Morgan-Mine in Zentral Queensland in Australien erzählt der Senator von Queensland A. St. Ledger im Wide World Magazine. Als gegen Ende der fünfziger Fahre die großen Goldminen von Rockhampton und Gladstone entdeckt wurden, strömten die Goldsucher zu Tausenden nach Australien. Weit und breit durchzogen sie die öden endlosen Gebiete, überall nach dem kostbaren Metalle forschend, aber die Mehrzahl kehrte damals enttäuscht heim. Manche von jenen Suchern mögen an dem Hügel vorbeigeschritten sein, der nichst etwa in seinen Tiefen, sonderit offen an der Oberfläche aufgetürmt in unscheinbarer Gestalt verkleidet das kostbare Metall darbot. Ein Zufall sollte erst viel später zur Entdeckung des gewaltigen Naturschatzes führen. Es war im Juli 1882, als die Brüder- Morgan in Begleitung eines ihrer Angestellten, der sich erboten hatte, ihnen gegen 400 Mark eine Silberader zu zeigen, von Rockhampton aus aufbrachen. Der Angestellte wies ihnen auch eine Stelle, wo man an der Oberfläche kleine Spuren von Kupfer und Gold fand, aber die nähere Untersuchung zeigte bald, daß hier von einem Reichtum keine Rede war. Gegen Abend brach man enttäuscht zum Heimweg auf- ein furchtbarer Regen ging plötzlich nieder, die Bäche schwollen an und die kleine Partie war zu großen Umwegen genötigt. Am nächsten Morgen, es war ein Sonntag, fand man schließlich in einer verlassenen einsamen Hütte eines chinesischen Hirten ein Obdach, die Kleider wurden getrocknet und das karge Sonntagsmahl bereitet. Edward Morgan schlug vor, die unfreiwillige Muße zu einer Untersuchung der benachbarten Hügel auszunutzen, die Langeweile quälte und so brach man denn schließlich auf. Am Fuße jenes Hügels, an dem jetzt die Spaten klirren und die Maschinen brausen,.sah Edward Morgan ein großes schwarzes Kiesstück. Er schlug ein Stück herab und steckte es in die Tasche. Ringsum zeigte der Hang dieselben Steinformationen und ohne gerade an Gold zu denken, nahm man die Muster mit sich. Bis zum Gipfel hinauf konnte man diese unscheinbaren schwärzlichen Steine verfolgen. Als man nach zwei Tagen heimkam und die halbvergessenen Gesteinsteile fast mehr der Neugier wegen genauer untersuchte, konnte man feststellen, daß der Stein buchstäblich von Gold strotzte. Sofort leitete man eine wissenschaftliche Untersuchung ein, die zunächst das ganz unglaubliche Resultat ergab, daß in jenem Felsen die Tonne Gestein nicht weniger als 3700 Unzen Gold enthielt. Für einen Spottpreis, für 12 800 M., erstand man den öden Hügel und irrt Jahre 1883 begann bereits die Arbeit. Seitdem hat der Goldberg nicht weniger als 250 Millionen Gold der Welt geschenkt und noch heute zeigt der Erzreichtum keine Verminderung. Der Hügel bietet übrigens der Wissenschaft ein außerordentlich interessantes und bis heute noch nicht gelöstes Problem. Denn Fälle, in denen bei gleicher Gesteinsformation Goldimprägniernngen beobachtet wurden, sind bisher nicht bekannt geworden. Jeder Bergmann,
dem man vor der Entdeckung gesagt hätte, daß in diesem dunkelbräunlichen schwefelkiesartigen Geröll Gold enthalten sei, würde gelacht haben. Die Goldsucher der Umgebung hatten oft den Hügel gekreuzt, hatten gesehen, daß der Fels Metall enthielt, aber nach ihren Erfahrungen konnte das nur Eisenerz sein, dessen Ausbeutung hier sich kaum lohnen' würde. So bot die Entdeckung von Gold in dem Eisenkies des Berges selbst dem Minenfachmann eine Ueberraschung, die um so größer ist, als die benachbarten Hügel, die im übrigen die gleiche Formation zeigen, Gold nur in ganz minimalen Mengen enthalten. Der Geologe R. L. Jack hat die Hypothese aufgestellt, daß der Goldgehalt des Hügels nur auf eilte heiße Quelle, ähnlich dem Geiser von Island/ zurückgehen könne und auf vulkanische Einflüsse. Aber die Mine sollte noch neue Ueberraschungen bringen. Nach einiger Zeit, als die reichsten Adern erschöpft waren und nun auch die ärmeren ausgenutzt wurden, bemerkte man, daß der Goldgehalt rapide abnahm. An seiner Statt aber wuchs der Gehalt an Kupfergolderzen. Man nahm nun große Bohrungen vor, und bald konnte man feststellen, daß die Mine zwar ihr Produkt, nicht aber ihren Wert geändert hatte/ denn sie liefert heute Kupfergolderze in solchen Mengen/ daß sie für die Inhaber die alte Goldgrube geblieben ist.' Eigentlich verdient der Mount Morgan gar nicht den Titel einer Mine, denn nirgends gewahrt inan Schachte oder Stollen, das kostbare Metall liegt oben am Tage und es wird gesprengt und fortgefühftt, genau wie ein Steinbruch an einer deutschen Landstraße.
VsvmZschtes.
. *. Wolkenkratzer in Japan. In Newhork ist ein japanischer Architekt eingetroffen, I. Tekeda, um aus dem Studium der amerikanischen Wolkenkratzer Anregungen für die Baukunst in Japan zu sammeln. „Unser größtes Gebäude in Japan ist 200 Fuß hoch", so äußerte sich Tokeda, „es ist eine Pagode, ein religiöser^ Tempel. Selbst unsere modernen Gesch!äftshäuser sind nicht höher als 50 bis 60 Fuß. Der japanische Architekt gehört der Kommission an, die den Bau des neuen Parlamentsgebäudes in Tokio überwacht, bei dem' alle technischen Errungenschaften der modernen Baukunst praktische Anwendung finden sollen. Es soll aus Stahl und Stein konstruiert werden und die Baukosten werden auf etwa 48 Millionen Mark veranschlagt.
Wieso? Weshalb? Wozu? Warum?
Des Kaisers Gnade ward bezeugt Dem alten Schuster Wilhelm Voigt, Der einst die Welt zum Lachen brachte, Weil er so tolle Sachen machte, Daß sie im Lande kaum geglaubt man, Als er $it Köpenick als Hauptmann Den Bürgermeister arretierte Und mit der Kasse fortspazierte.
Zwei Jahre wurden ihm geschenkt
Voll seiner Strafe. — Jeder denkt:
Wieso? Weshalb? Wozu? Warum? Er kommt ins Ministerium!
Wer so >vie dieser unbeirrt Mit Bürgermeistern fertig ivird, Die zu gehorchen nicht erbötig, Den braucht mau jetzt in Preußen nötig — Und wird ihn gleich nach Husum hetzen, Den Dr. Schücking abzusehen! (Jugend.)
Gedanke» und Betrachtungen.
Von H e l v e t i u s.
Man müßte die Güte eines Menschen aus seinein Glück be- rechnen können. Ich verstehe unter Glück nicht Reichtum, sondern Gesundheit, Zufriedenheit ober wenigstens: Mäßigung der Wünsch e.
Logogriph.
Du kennst mich als leuchtende Farbe, Doch reißest das Herz du mir aus, Verbreit' ich ein traulich Behagen, Wenns stürmet und ivettert draus.
Gießen. T. L.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der altägyptischen Hieroglyphen in vor. Nummer: Fleiß ist der Vater des Glücks.
Redaktion: P.Witiko. — Rotationsdruck und Verlag der Brüh l'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


