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Der berühmte griechische Arzt Galenus (200 n. Chr.) schreibt über seine eigenen Erfahrungen mit diesem folgendes: „Als ich älter zu werden begann und das richtige Maß der Zeit schlafend hinbringen wollte, war ich, teils durch die Gewohnheit nachts zu wachen, teils weil im Alter der Schlaf von selbst oft fehlt, nur dadurch imstande, mir den nötigen Schlaf zu verschaffen, daß ich abends eine Portion Salats verspeiste." _________
Hintzpeler-MekdoLen,
die sich an den Aufenthalt des Mannes in Schlitz' knüpfen (bekanntlich war Hintzpeter der Erzieher des Grafen Emil von Schlitz gen. von Görtz), und die damals viel belacht wurden, werden uns von einer Leserin mitgeteilt:
Hintzpeter war außerordentlich wohltätig. Er scheute sich nicht, in die ärmsten Wohnungen zu gehen — an Armut war in jener Zeit in Schlitz kein Mangel — und die Klagen seiner Menten anzuhören. In Linderung der Mot übertraf er aber in einem Fall sogar den heil. Cris- pinus. Der verflieg sich nur bis zum Leder, das er stahl, um den armen Leuten Schuhe daraus zu macheu. Hintzpeter brachte es sogar bis zum — na sagen wir Ferkelchen, das er aber auch nicht einmal stehlen konnte, sondern für sein gutes Geld kaufen mußte. — Die Sache ivar so gekommen: Einem seiner Schützlinge — in der „Laimkutt" — war das Einlegeschweinchen „drailfgegangen". Bei seinem Besuch wurde Hintzpeter in epischer Breite vorgejammert, welch schweres Geschick die arme Frau betroffen hatte. Hier mußte geholfen werden! Hintzpeter verschafft sich einen Kartoffelsack, ersteht in der gräflichen Burggüterverwaltung einen passenden Ersatz für das Hingeschiedene Tierlein und verbringt seinen Erwerb in der Art, wie er Vs bei Schlitzerländer Bauersleuten schon oft gesehen hatte, im Sack auf dem Rücken nach dem Domizil seines Schützlings in die „Laimkutt". Ob Hintzpeter erfahren hat, daß die Nachkommen dieser Frau in Amerika noch zu großem Wohlstand gekommen sind?
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Hintzpeter blieben auch die trüben Erfahrungen in Ausübung der Charitas nicht erspart. Da hatte er noch einen lärmen kranken Leinweber. Alle Welt weiß, was vor vierzig Jahren Leinweberlos war. Hintzpeter machte in dem Haus häufig Besuche, er bringt Arzneien, Stärkungen, auch bares Geld. Aber mit dem Kranken wills nicht vorwärts gehen. Da einmal hört er bei gelegentlichem Besuch vom Hausflur her den Sprößling der Familie in die geflügelten Worte äusbrechen: „Babe ins Bäatt, der .Hinzepeter kimmt!" — Das arme Leinweberchen hatte sich eben bei Hintzpeters Zuwendungen besser gestanden, als bei seiner Arbeit hinter dem Webstuhl; nur hatte ihn diesmal sein Trick im Stich gelassen. Bezeichnend ist es aber, daß auch solche Erfahrungen seinen Wohltütigkeitsbestrebungen keine Ziigel anlegen konnten.
VevmsfHLss.
* Zur Geschichte des Bettes. Der „Newyork Herald" veröffentlicht eine Plauderei über die ästhetischen Wandlungen, die das Bett im Laufe der Jahrhunderte durch- gemacht hat. Von den hölzernen Betten der Aegypter und den nur aus Polstern bestehenden Betten der Orientalen bis zu den mit Elfenbein und Metall inkrustierten Betten der Korinther und Karthager — welch eine Mannigfaltigkeit, welch ein Reichtum der Formen! Die bei den Ausgrabungen gefundenen pompejanischen Betten lassen sich, 'obwohl sie vom I-euer arg mitgenommen worden sind, leicht rekonstruieren. Mit Silber auf bronzenem Grunde geschmückt, ruht das Holz des Bettes auf vier Füßen, die zierlichen Säulen gleichen. Alle diese Betten waren von einer wunderbaren Leichtigkeit und so klein, daß sie selbst in den engen pompejanischen Zimmern noch reichlich Platz hatten. Im Mittelaller waren die Betten nicht mehr trans
portabel, sondern fest; sie wurden zu währen Bauwerken, disj sozusagen ein Zimmer im Zimmer bildeten. Später kam ivieder das Holz zu Ehren; unter Ludivig XIV. aber wurden die großen Bettvorhänge Mode, und man verwandte den Stoff so reichlich, daß er das Bett vollständig einhüllte. Die Vorhänge waren prächtig, voll Fransen, Börtchen nnb Knötchen aus goldenen, silbernen und seidenen Fäden. Ludwig XIV., der die schöueu Betten für sich allein haben wollte, verbot seinen Untertanen den Besitz von silbernen; und goldenen Betten bei einer Buße von 3000 Franken. Unter der Regentschaft wurden die Betten wieder zierlicher, einfacher, graziöser: sie waren nicht mehr überladen mit Stoffen, Gold und bunten Farben. Unter Ludwig XVI. waren die Formen ruhig und schlicht: das bedeutete eine' Rückkehr zu dem gesunden Geschmack für die antiken Zimmerarchitekturen. Unter der Revolution und dem Kaiserreich dagegen machte sich in der Ausstattung der Wohnungen eine sklavische Nachahmung des griechisch-römischen Stils geltend: man kopierte in Holz die Metalle der Möbel von, Pompeji.
* Enttäusch t. Neuvermählter Gatte: „Nicht wahw Schühchen, wenn ich rauchte, das würde den Gardinen doch sehr schaden?" — Frau: „Du bist doch der beste, aufmerksamste Mann, den es gibt; gewiß würde es das." — Mann: „Ja, daun hänge die Gardinen ab."
Literatur.
Die S ch a u b ü h n e, Herausgeber Siegfried Jacob-« sohn, enthält in Nr. 39 vom 24. September u. a.: Theaterlust (Stefan Großmann). — Für eine Edle (Peter Altenberg). — Das Berliner Theater (S. I.). — Terakoha (Willi.Handl). — Rosa Bertens (Julius Bab). — Die Sprache des Operntextes (Georg Caspari). — .Heinrich v. Kleist (Wilhelm .Herzog). — Gewitternacht (Jakob Picard). — Guten Abend, Jungfer! (Robert Walser). — Mannheimer Saisonbeginn (Hermann Sinsheimer). — Aus der Praxis.
— DasT Heater. Schauspielhaus und Schauspielkunst vom griechischen Altertum bis auf die Gegenwart. Bon Dr. Christian Gaehde. Mit 20 Abbildungen. („Aus Natur und Geisteswelt". Sammlung wissenschaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens^ 230. Band.) Verlag bon 'S. G. Teubner in Leipzig. 8. 1908, Bei aller Freude an der dramatischen Kunst unserer Zeit und bei aller Hoffnung auf ein noch nie dagewesenes goldenes Zeitalter der deutschen Bühne können wir uns doch, nicht verhehlen, daß den Völkern der Antike, vor allem den Griechen, wenn auch unter wesentlich anderen Bedingungen, eins gelungen ist, wonach wir noch immer vergeblich streben, — die Schöpfung eines Nationaltheaters. Dieses Ziel, das in der neueren Zeit die Spanier zur Zeit von Calderon, die Engländer mit Shakespeare, bie_ Franzosen wenigstens teilweise im Zeitalter Ludwigs XIV. erreicht hatten, ist uns heute, wo nicht mehr eine einheitliche Weltanschauung, sei es nun eine religiöse oder politische, das ganze Volk beherrscht, recht ferne gedrückt. Weder Lessings Bemühen, noch die Tätigkeit genialer Theaterdirektoren ivie Goethe, Jffland, Laube und Dingelstedt vermochte mehr zu erreichen als einen Höhepunkt lokaler Theaterkunst und zu einem Nationaltheater, wie es Wagner für sein Musikdrama in Bayreuth schaffeu wollte, kam es für das Schauspiel nicht. Das Verständnis für die hohe kulturelle Bedeutung des Theaters und für die hierbei ausschlaggebenden Momente kann vor allem die Einsicht in seine Geschichte fördern. Eine solche Darstellung gibt das hier vorliegende Büchlein. Die durch Abbildungen erläuterte Darstellung darf jedem, der vom Theaterliebhaber zum verständnisvollen Theaterfreund sich heranbilden will, warm empfohlen werden.
Charade.
Körperlich ist mein erstes und doch des jungen Gedankens Wiege, Dem Geiste verwandt, — wie? das enthüllest du nicht.
Kunst des Menschen und Tieres erzeugt mein zweites und drittes.
Aber das lustige Ganze gebiert ein törichter Irrtum.
Baust du auf diesen Grund? — Fürchte Gelächter und Hohn.
Auflösung in nächster Nummer:
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer:
B ache, Drache, Lache, Mache, Rache, Sache, Wache.
Redaktion: E. Anderson. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Untversiläts-Vuch- und Steindruckerei, N. Lange, (Sieben.


