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weise Burschen, die, wie Johann-Konrad sagte, „noch nett trocken hinner de Ohre sinn."
Alle-anderen Leute und besonders die Frauen des Dorfes waren von der Gescheitheit und Erfahrenheit des Alten völlig überzeugt.
Erfahren mußte er ja Wohl sein, er war alt genug dazu, bereits 89 Jahre, und seinem grauen Kopf mit den verwitterten Zügen, seinem gekrümmten Rücken sah mau es an, daß manches Unwetter über ihn hingegangen war.
Und gescheit war er toie ein Doktor, das stand bombenfest. Er kurierte i)emi auch alle Kranken tut Dorf, d. h. nicht mit teurer Medizin, bewahrte. Er kochte ja wohl für Wunden und derartige äußerliche Gebrechen eine Wundersalbe, die alles unfehlbar heilte, doch sein Haupttalent bestand im Heilen mit Sprüchen und Reimen.
Die Leute sagten: Der lauge Johann-Konrad kann „brauchen", und er „brauchte" für Gicht, Mundfäule, Zahnweh und dergleichen Uebel.
O, der Johann-Konrad war ein sehr gescheiter Mann, er konnte sogar Geister beschwören! Davon hatte man zwar keine Beweise, aber er sagte es und machte seine fürchterlichsten Augen dazu, die zum Glück fast hinter den buschigen weißen Augenbrauen verschwanden.
„Gebraucht" hatte er schon viel in seinem Leben; zum Meisterbeschwören sollte er auch noch kommen.
Und das kam so:
Selbstverständlich war ein so alter, erfahrener und gescheiter Mairn mit seinem Leben völlig im Reinen. Der Tod konnte jede Stunde konrnreu und fand ihn gefaßt und marschbereit. So wenigstens erzählte er jedem mit Pathos. Sagte einmal einer: „9&i, na, Johann-Konrad, es is doch nirgends schecncr wie uff der Welt un mit dein Sterwe Hots noch gut Weil!", verschwor er sich: „Lieber heute sterben wie morgen!"
„Johaun-Kunrad," sagte eines Tages ein Bursche zu ihm, „Du wirscht dich ach noch besinne, wenn der Gevatter- Tod an deiner Diehr kloppt, ob de sogleich mitgehe sollst."
„Nicht eine Minute, mich findet er bereit!" versicherte der Alte mit der stolzen Ueberlegenheit, die ihm sein Alter und seine Weisheit verliehen. Und mit höhnischem, verächtlichem Lachen setzte er hinzu: „Mir gehts nett wie owe dem Geisbock, der Hot scho lang kei Atem mehr und will immer noch lewe!"
Mit dem „Geisbock" war ein armes Schneiderlein gemeint, das wohnte in der Stube über dem Schuster, eine. Stiege hoch im Armenhaus. Der war schon mehr tot wie lebendig und sein Leben war nur noch ein elender Kampf um das bißchen notwendige Lust.
Dem hielt Johann-Konrad die meisten und die längsten Borträge, denn der konnte nicht fortlaufen, er mußte auf feinem Schmerzenslager stillhalten itnb sah denn immer nur bewundernd zu dem Hausgenossen hinüber, der so viel mehr Mut zum Sterben besaß.
Doch eines Abends, da sollte unser Johann-Konrad beim Wort genommen werden.
Es wär schon säst ganz dunkel in' der Armenhausstubo Und Johann-Konrad hielt seiner Gewohnheit gemäß, und um noch etwas das Oellicht z;u sparen, im Scheine des Holzfeuers sein Dämmerstündchen. Da klopfte es auf einmal ganz unvermittelt und so stark gegen die wacklige wurmstichige Tür, daß sie von selber anfging.
Johann-Konrad hob erstaunt den Kopf — und was gewahrten seine alten Äugen in dem Spalt der Tür? Den Tod, den leibhaftigen Tod! Wer konnte cs denn sonst sein, die schneeweiße geisterhafte Gestalt?
Johaun-Kvnrad wurde denn auch nicht im Zweifel gelassen; mit entsetzlicher, donnerähnlicher Stimme fragte die Gestalt:
„Bist du Johann-Kunrad? Ich bin der Dod und kumme, dich ze hole!"
Johann-Kunrads graues Gesicht wurde nun doch noch einen Schein grauer und seine zitternden Lippen stammelten ein „alle guten Geister" ucsch dein andern. Auf einmal sah er in die Lust, wie er immer getan hatte, wenn er einen guten Gedanken, finden wollte —. und da hatte er auch schon einen!
„Dod!" sagte er hastig. „Dod, schieb owe nuff, ich sci's nett."
Und der Tod schob oben hinauf. , Wenigstens hat in dieser Nacht das arme krächzende Schneiderlem in. der Ober- stube der Tod geholt.
Ganz im Geheimen bildete sich Johann-Konrad ja nun etwas Rechtes ein auf seine Kunst im Geisterbeschwören^ hatte er doch sogar den Tod beschworen. Doch sagen durste er das nicht, die Leute konnten ja sonst glauben, er sei nicht bereit zum Sterben.
Doch o Schrecken und Graus! Woher wußten es bemt schon des anderen Morgens in aller Herrgottsfrühe die jungen Burschen? Wer an seinem Fensterchen vorbeiging, und merkwürdigerweise schien heute hier jeder einen Gang vorüber zu haben, tief hinein: „Dod, schieb owe nuff, ich seis nett!" Woher wußten das nun wieder die „naseweisen Racker, die noch nett mal trocken hinner be Ohre?"
vom Salate.
Während die alten Römer imb Griechen den mit Essig und Oel augemachteu Salat als Delikatesse ansahen und mit ihm das Mahl einleiteten, dauerte es ziemlich lange, bis er sich in Deutschland, wo et durch italienische Mönche eingeführt wurde, einbütgette. Dem ersten Beh'ge für dessen Verwendung begegnen wir bei Ekkehard, der den Salat als Gericht für die vornehmen Leute preist. Im Volke brachte man dieser Speise aber immer noch Mißtrauen entgegen, und erst ein paar Jahrhunderte später wurde man sich seiner Bedeutung als gesundes, blutbildendes Nahrungsmittel bewußt. Konrad von Megenberg (1309 bis 1378) schreibt in seiner Naturgeschichte — nebenbei der ersten in deutscher Sprache — über die beliebteste Salatpflanze, den Lattich, folgendes: „Laetuca haizt lac-, tukenkraut, daz ist daz alletebenmözigst traut an seiner art, daz unter allen Kräutern ist, und macht gout plout."
Im späten Mittelalter sehen wir dann den Salat über ganz Deutschland verbreitet. Man hatte an ihm solchen Gefallen gefunden, daß man neben den im Garten gebauten Pflanzen noch eine Menge wildwachsender Kräuter dazu verwendete, worunter der Sauerampfer, die Rapunzeln, das Mauerhabichtskraut, das Löffelkraut und die Zichorie am meisten begehrt wurden. Auch die frühen Blätter des! Löwenzahns wurden nicht verschmäht und die armen Leuts aßen sogar die jungen Buchenblätter als Salat.
In der neueren Zeit, im 16. und 17. Jahrhundert, war der Salat neben dem Mische die Harchtspeise. Verhältnismäßig große Summen wurden für dessen Zubereitung aus- gegeben, und die Knust des .Salatmachens entwickelte sich — zumal in Frankreich — zu einem eigenen Berufe, too gab es in London einen vielbegehrten französischen Salatkünstler, der sich eine eigene Equipage hielt, um den an ihn gestellten Anforderungen zu genügen. Eine andere berühmte Salatkünstlerin lebte in Berlin. Diese nahm an der Tafel selbst Platz und bereitete bann, sobald der Salat erschien, ihn vor den Augen der Gäste, nachdem sie dis langen weißen Handschuhe abgestreift und die Hände gewaschen hatte.
Auch der Soldateuköuig Friedrich Wilhelm I. hatte neben mancher anderen Liebhaberei die des Salat-Zu- bereiteus. Er pflegte au der Offizierstafel zu Potsdam „mit höchsteigenen §änben eine Schüssel Salat anzumachen. Mit Vergnügen schauten ihm dabei feine Offiziere zu. Der hohe Herr ging gar appetitlich dabei zu Werke; er wusch sich drei- bis viermal die Hände und trocknete sich ebensooft an reinen Servietten ab."
Sehr lange brauchte es, bis sich die Russen an daS Essen der „grünen Blätter" gewöhnen konnten. Olcarius schreibt darüber in seiner 1647 erschienenen „Offt begehrten Beschreibung der Newen Orientalischen Reise, so durch Gelegenheit einer holsteinischen Legation an den König in Persien geschehen": „Lattich und auberen Salat haben die Russen niemals gepflanzt/ noch geachtet, noch gegessen, sondern haben die Deutschen bei Nießuug desselben ausgelacht, nun aber beginnen etliche! mitanzubeißeu."
Eine Wirkung des Salates, die luir anscheinend vergessen haben, rühmten seinem Genüsse die klassischen Völker des Altertums nach. Die damaligen Heilkundigen ver- orbneten Nämlich, den Salat allgemein als Schlafmittel.


