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Mit fast schroffer Entschiedenheit wehrte er sie ab.
„Ich Ijabe mit dir zu reden l" .
„Nanu! So feierlich?" entgegnete sie.
Heinz verzog keine Miene. Langsam holte er den offenen Brief hervor, faltete ihn auseinander und hielt ihn Isabella hin, mit dem Zeigefinger auf die von ihrer Haud herrührenden Zeilen deutend.
„Hast du das geschrieben?"
Isabella zuckte zusammen, tvurde bleich bis in die Lippen, rührte sich nicht.
„Ob du das geschrieben haft, frag' ich dich!" wiederholte Heinz mit ein wenig erhobener Stimme.
„Wozu fragst du? ... - Du siehst es ja!" stiess sie schroff heraus.
„Weshalb hast du das getan?" forschte Heinz weiter.
Isabella zog die Brauen noch tiefer herab und grub die Zähne in die volle Unterlippe.
„Weil ... ich habe es dir ja ost genug gesagt — weil ich nicht wollte, daß du einen Beruf hast, der dir höher steht, der dir mehr gilt als ich," antwortete sie nach einem kurzen Schweigen.
Der Gedanke stieg in ihr auf, daß sie wohl am klügsten täte, ihre Arme Heinz um den Hals zu ranken, ihn uiit Küssen und zärtlichen Worten ihrer leidenschaftlichen Liebe zu versichern; und sie fühlte auch Verlangen danach. Aber der Trotz, der in ihr stak tote eine eiserne Stange, wollte sich nicht biegen. Und sie hatte es ja nie gelernt, um Verzeihung zu bitten.
Heinz legte das Blatt neben sich auf den Tisch.
„Und du glaubtest, ich stünde auf so schwachen Füßen, daß eine . . . eine anonyme Denunziation von Dameuhand mich umblasen könnte?"
„Die Denunziation nicht — aber dein offener Brief an sich," antwortete Isabella.
„Hm," — Heinz biß sich auf die Lippen; er fühlte, daß Zorn und Entrüstung wieder heftiger in ihm aufwallen wollten —, „io standest du auf dem Standpunkt, daß ich mit meinem Appell ein Unrecht begangen habe?"
Isabella atmete schwer. Wieder stieg das Verlangen, Heinz um Vergebung zu bitten, in ihr empor. Auch der Gedanke kam ihr, die Schuld von sich auf Bannemann abzuwälzen. Aber iie hatte die Empfindung, daß das Hineinziehen des Forstmeisters in diese Sache eine Feigheit wäre. So stand sie stumm, mit der finster-trotzigen Miene eines gescholtenen Kindes, eine ganze Weile.
»So sprich doch ... so antworte mir dock)!, damit ich weiß, Woran ich mit dir Bin," drängte Heinz.
»Was . . . was hat das Konsistorium dir geschrieben?" fragte Isabella plötzlich, wie aus blitzhaftem Besiunen heraus.
„Also das allein ist von Interesse für dich, nur darauf kommt cs dir an," entgegnete Heinz — „bitte!" Er reichte ihr den Brief Dr. Weiglers.
Isabella nahm ihn, las ihn von Anfang bis zu Ende.
Sie meinte, ihren Augen nicht trauen zu diirsen. Also sie hatte das Spiel verloren. Den Einsatz umsonst gewagt. Tie Wut des schwächlichen Spielers, der nicht mit Würde zu verlieren versteht, packte sie. Und in ihrer Eitelkeit empfand sie jene Stelle des Schreibens: „weil es sich um eine Denunziation aus feigem Hinterhalt handelt, eine Denunziation, die offenbar nur der Fröhuung eines modrigen Rachebedürfnisses dienen soll," als eine ihr persönlich angetane Beleidigung. Die Zähne hätte sie knirschend aufeinander beißen, den Bries in Fetzen reißen mögen. Höhnisch die Achseln zuckend, Ivars sie ihn schließlich mit verächtlicher Gebärde auf den Tisch.
„Also denn nicht!" stieß sie hervor.
Heinz maß sie mit einem langen Blick; seine Brust hob und senkte sich in schweren Atemzügen.
»Ist das alles, was du mir zu sagen hast?" fragte er.
„Ich wüßte nichts weiter," kam es kurz und schroff zurück.
„Hältst du dich zu keinem Wort der Erklärung, der Entschuldigung verpflichtet?" drängte er.
Nabella zerrte an der Seidenschnur, die ihre Taille um- schwß- z;etzt schlug die Stunde der Entscheidung. Jetzt mußte
Nw zeigen, ob sie Macht über Heinz hatte, ob sie Siegerin blieb oder nicht ...
,,®te Erklärung hab' ich dir gegeben," entgegnete sie. „Ich war in meinem Recht. Dn selbst hast einmal zu Werner gesagt: er, tu» bet unbeschrankte Herr über Millionen, immer imstande, mit der früchen, lebendigen Tat zu wirken, wäre tausendmal beiser daran als du, der du auf ein Wirken mit dem toten Wort eitgetoiefcn wärst."
"Nicht ganz so, aber ähnlich," fiel ihr Heinz in die Rede.
„Auf den Worilaut wird's ja wohl nicht so genau ankommen," fuhr Isabella, ohne Miene oder Ton zu ändern, fort. „Das Mittel, das ich auwandte, mein Ziel zu erreichen, war vielleicht nicht fair; aber das Ziel kanntest du, und das Ziel ist und bleibt bestehen. Ich kann kein Anhängsel fein, kann nicht das fünfte Rad am Wagen abgebeu. Ich habe kein Talent zur Pastorsgattin. Je naher der Termin heranrückt, zu dem ich nach unten ins Dorf, in das Pfarrhaus, ziehen soll, je mehr erkenne ich, daß ich's nicht über mich bringen werde. Ich kann nicht in der Tiefe leben. Ich brauche Sonne, Licht, Glanz, Höhe! An dir ist es, dich zu entscheiden, was dir mehr gilt: ich oder dein Beruf!"
Heinz starrte zu Boden. Er wunderte sich, daß er über Isabellas Worte so gar keinen Schmerz empfand, eher etwas wie Erleichterung, wie Befreiung. Seine Gedanken irrten ab. —
„Ist das dein letztes Wort? Hast du dir reiflich überlegt, was du sprichst?" fragte er ruhig.
»Ich liebe es nicht, in Lebensfragen zu scherzen," klang die Erwiderung fest.
Heinz tat einen Atemzug. Dann nahm er die Schriftstücke vom Tisch und steckte sie in die Brusttasche.
„So müssen sich also unsere Wege von heute ab trennen," sprach er. „Dein . . . dein Spiet hätte ich dir verziehen, wenn ich den Eindruck gernennen hätte, daß du es aus Liebe gespielt hast. Aber nicht um das ausschließliche Anrecht an mich war es dir zu tun, sondern um den Tand und Flitter der gesellschaftlichen Position, um den Rausch und Taumel des Lebensgenusses, von dem du nicht lassen willst, nicht lassen kannst. Das soll kein Vorwurf für dich fein. Wenn hier ein Vorwurf zu erheben ist, fo trifft er mich. Ich hätte es wissen müssen, daß eine unüberbrückbare Kluft zwischen uns gähnt, und ich wußte es ja auch, und habe es dir gesagt, damals, als ich die Bedingung der Prüfungszeit stellte. Und daß ich's soweit kommen ließ, daß ich nicht stark blieb, paß ich in törichter Verblendung einem Phantom nachjagte, dich fast zwei Jahre lang an mich gefesselt hielt, dafür bitte ich dick) um Verzeihung."
Er schwieg und sah Isabella an. Noch immer dachte er, daß sie ein einlenkendes, versöhnliches Wort sprechen würde. Aber sie verharrte stumm, das blasse, schöne Antlitz zum Ausdruck starren Trotzes verzogen.
„Leb' wohl," sagte Heinz endlich, wandte sich und ging.
Isabella blickte ihm nach, die Hand aufs Herz gepreßt. So groß war ihre Eitelkeit, daß sie auch jetzt noch überzeugt war: „Er wird wieder kommen. Wenn auch nicht heute oder morgen, aber eines Tages kommt er doch, um dir zu sagen, daß er lieber auf feinen Beruf als auf dich verzichten will."
Schluß folgt.
Da§ spazmengchn unserer Hinter.
„Sommer, Sommer, tote bist du schön. Nun kamt ich wieder ins Freie gehn. Kann wieder spielen mit Reifen und Ball, Höre die lieblichen Vöglein all. Sommer, Sommer, tote bist du gut. Du schenkst mir Blumen für meinen Hut." Ja, der Sommer gibt den Kleinen viel! Ihr Mütter, ihr müßt aber dafür sorgen, daß eure Kinder auch die Sommerzeit genießen, daß ihnen die Spaziergänge Vergnügen bereiten und gleichzeitig dazu beitragen, ihre Gesundheit zu kräftigen.
Folgt mir einmal und setzt euch mit mir auf eine der Bänke hier, inmitten einer Schar Kinder. So manches Unerfreuliche werdet ihr bemerken! Die Kinder stehen herum, sie spielen auch miteinander, doch wird ihnen das oft verboten:,„Mit solchen Kindern jpielt man nicht!" „Mit fremden Kindern darfst du nicht reden!" Ohne zu überlegen, welche Wirkung das auf das Kind haben muß. Die Kindermädchen hingegen legen oft nicht mal ein Veto ein, wenn ihre Kleinen mit hustenden oder mit Aus schlag behafteten Kindern spielen, Jtch küssen usw.
Sind die Kleinen laut, bekommen sie Schelte — folgen sie nicht aufs Wort, werden sie angeschrien und ost mit häßlichen Scheltworten traktiert. „Quälen" sie mit Fragen, werden sie auch nicht mit liebevoller Antwort bedacht. Nicht alle Spiele, auf die Fritz oder Gretchen Lust hat, werden gestattet: Das so gesunde Sandspiel, das Ideal fast aller Kinder, ist „zu schmutzig"; beim Pferdspiel kann man fallen; beim Fischefüttern kann man ins Wasser, fallen.
' „ Derartige Verbote und Aengstlichkeiten sind unklug und schädlich. Lasset den Kindern möglichste Freiheit! Auchs


