258

lonniten Sie wieder und werden mit llugebnld erwartet. Missen Sie das?"

Ich freue mich, daß es so ist . . haben Sic mich wirklich so erwartet?"

Ich? Nun ja, natürlich, aber von mir ist doch nicht die Rede."

Er schwieg, denn er wußte wirklich nicht, was sagen er stand vor ihrem ganzen Wesen wie vor einem Rätsel und grübelte drüber nach. Sie deutete sich sein Schweigen nach Belieben, und zu dem sie uiederdrückeciideu Elend kam eine trotzige, zornige Berstimmung. Er kam von Luisens Grabe und dachte schon an eine andre. Er, der ihr jetzt hätte sollen die Freundeshand bieten und Trost und Stütze sein in ihrer Vereinsamung, ivar mit seinen Gedanken nicht bei ihr, ging von dannen an der Seite einer Ada Balois, dachte an Liebe rind Jugendträume, an Heirat vielleicht, an all diese Dinge, die ihr immer unverständlich gewesen uub jetzt zu einer Pein geworden waren. Der eine wie der andre! dachte sie und ich bleibe allein zurück.

So waren sie stumm hintereinander her den schmalen Wieseu- psad gegangen und traten in den Garten, den hier mir ein leichtes Staket von der Wiese schied.

Edeltrant, ivas ist mit Ihnen!" sagte Loysen endlich gradans.

Mit mir? Mit mir ist.nichts."

So! Dann also, was ist mit Wilhelm? So hätte ich ja wohl gleich fragen sollen. Ich kenne Sie doch!"

Es gab ihr einen Riick, sie atmete tief auf.

Wilhelm geht es sehr gut. Besonders gut. Habe ich Ihnen das nicht schon gesagt?"

Tie Edeltraut, die ich vor zwei Jahren kannte, hätte das jubelnd gesagt."

Ja die!" murmelte sie und ging dann so schnell voraus, daß er Mühe hatte, zn folgen, aber er holte sie doch ein und sah auch noch zu seinem unsäglichen Befremden, daß ihre Angen naß geworben waren. Ta standen sie aber auch schon im £>of, der von heimkehrenden Arbeitern belebt war, ferneres Fragen Ivar unmöglich, er verabschiedete sich also, trug Grüße an Wilhelm auf uub ritt von widerstreitenden Gefühlen gequält, nach Bordes zurück.

Edeltraut stand und sah dem Davonreitenden nach und wun­derte sich, ob er wohl erraten habe, was sie bedrückte, uub ob rr sie deswegen bemitleiden werde, sie, die er zuletzt in ihrem großen Glücksreichtum gesehen, und die nun so arm dastaiid, daß sie sich schämte.

Sie ging hinein ins Haus und blickte vorsichtig in das Zimmer des Bruders. Anstatt zu ruhen, saß er am Schreibtisch und sagte, sich heiter umwendend:

Ich habe soeben an Anne Marie geschrieben und sie ge­beten, uns doch Helmuth zu bringen, wenn er kommt. Das wäre Doppelfreude!"

Sie preßte die Lippen zusammen, nahm ein Bund Schlüssel, welches sie suchte, vom Haken an der Wand und verließ stumm das Zimmer.

Nicht, daß sie ihm feineToppelsreude" mißgönnt hätte, Wie wäre das denkbar! . . . aber wieder erschien sie sich so arm und so vergessen.

, Da rief seine Stimme sie zurück, in !so ganz besonders weichem, herzlichem Ton. Sie kehrte um und trat neben ihn. Er bog ihren Kopf zu sich herab und sah ihr in die Augen.

Schwesterchen," sagte er feit einiger Zeit nicht mehr Liebste", immerSchwester"Edel, du freust dich doch auch auf unseren Helmuth, du hast dich doch so sehr auf ihn gefreut?"

Er war eben hier. Natürlich freute ich mich, ihn zn sehen."

Er wär hier! Und du hast mir nichts davon gesagt?" rief er befremdet.

Du warst so ermüdet uub ich fürchtete, die Aufregung könne dir schaden. Jetzt sehe ich ja, daß die Besorgnis überflüssig war" wieder dies kurze Anflachen, welches wie ein Schluchzen klang. Dann ging sie, ohne sich umzusehen. Der Bruder sah ihr bekümmert nach.

Armes Kind," dachte er,aber von nun an ist ja Helmuth da!" uub schon lächelte er wieder still vor sich hin.

Als Loysen am nächsten Tage satteln lassen wollte, sagte Anne Marie:Konrad bietet uns den Wagen au. Wenn es dir recht ist, fahren wir zusammen."

Dagegen war nichts zu tun und im Grunde war es ihm auch ganz recht. Desto mehr Aussicht hat er, Edeltraut allein jn sehen. Er hatte die ganze Nacht nicht geschlafen, so sehr beunruhigte ihn die Veränderung im Wesen des Mädchens, für bie er keine Erklärung fand. Da er ihre Briefe immer bei sich trug, las er sie alle noch einmal bnrch, sie waren bis zum letzten Punkt aus demselben Guß, eine Frische, eine Lebenskrendiakeit

entströmte ihnen, wie er solche noch bei keinem' anderen Menschen gefunden hatte.

Ta Anne Marie während der Fahrt schweigsam war, blieb ihm Zeit, diesen Gedanken nachzuhängen, und er fuhr erst auf, als sie sagte:Mieze hat mir aufgetragen, Edcltraut zum nächsten Empfangstag einzuladen."

Su Rothaide kamen sie, wie ihm schien, nicht ganz unerwartet an. Sie wurden sogleich in die Gartenhalle geführt, deren Pfeiler mit Blumengirlanden festlich umwunden waren. Oben in der Mitte hing eine Tafel mit einem leuchtendenWillkommen!" In der Halle waren Frau von Dahlen, Wilhelm und Edeltraut, und stand ein mit Blumen geschmückter Tisch, und auf diesem ein paar Flaschen alten Rheinweins, goldgrünfunkelnde Römer und eine buntverzierte Torte. Diese Torte war Fran von Dahlens eigenste Erfindung, wurde nur bei besonders festlichen Gelegen­heiten gebacken und war von Wilhelm einst feierlichGroßmutter­torte" benannt worden.

Loysen sprang die Stufen hinan. Wilhelms freudestrahlendes Gesicht und ausgebreitete Arme taten ihm so wohl, nein, hier wenigstens war alles in Ordnung. Die Freunde umarmten sich stumm und innig, Wilhelms Augen schimmerten feucht, er trat etwas zurück und legte beide Hände auf beS anderen Schultern:

Mein liebster Helmuth, sei mir gegrüßt! Gebe Gott, daß von nun an gute Zeit für dich anbricht. Verdient hast bu es, ja du! Tenn was du tatest, das tut dir nicht jeder nach. Ich möchte dir mit dem Apostel zuruseu. Du hast einen guten Kampf gekämpft, du hast Glauben gehalten!"

Aber Wilhelm! Nicht so hohe Worte für Selbstverstäud- lichcs, ich bitte dich!"

Ja, lieber Manu, ich kann dir nicht helfen. In dieser Stunde muß ich dich ein wenig feiern. Gut war, was gewesen ist, gut sei, was vor dir liegt!"

Loysen sah iinwillkürlich nach Anne Marie hin, jetzt muß sie die Brauen hochziehen und das ironische Lächeln die Lippen umspielen. Doch nein, sie stand ruhig und sah den Sprecher nur unverwandt an. Sonderbar. Anne Marie hier, wo sie gar nicht herpaßte! Einen Augenblick verwunderte er sich drüber, dann aber gehörte all sein Denken dem blonden Mädchen, welches ihm nicht entgegengekommen war, sondern am Tisch stand und die Gläser füllte. Frau von Dohlen in ihrem weißen Häubchen und grauen Kleide begrüßte ihn sehr herzlich. Er küßte ihr die Hand, dann trat er zu Edeltraut und fragte leise:Nun? Be­komme ich keine Hand?"

Sie fuhr leicht zusammen. Sie hatte wie geistesabwesenb an ihm vorbei auf Wilhelm gesehen und jetzt, da sie Loysen so dicht neben sich sah, lief das ihm so wohlbekannte schnelle Erröten wieder über ihr Gesicht. Sie gab ihm die Hand, aber ihr Blick glitt wieder an ihm vorüber auf Wilhelm, so intensiv, so sonder­bar, ganz anders als früher.

Man setzte sich und Wilhelm hob das Glas gegen seinen Freund. Er hatte noch viel zu sagen, was ihm aus dem Herzen kam, uub kleidete es in gereimte Trinksprüche. Man stieß an, lachte und war sehr heiter. Auch Edeltraut tat ihr bestes, die harmlose Fröhlichkeit weder durch Wort noch Aussehen zu stören. Bei sich dachte sie immer: Wenn er wüßte! Wie würde er mich bemitleiden!

Ter Gedanke wurde zu einer Qual. Worin diese bestand, konnte sie sich nicht sagen, aber das Mitleid des Mannes, der doch ihr bester Freund war, erschien ihr plötzlich unerträglich.

Trautchen," sagte Marie Anne plötzlich, ihre schmale Ge­stalt im Schaukelstuhl rückwärts biegend,ich habe Ordre, Sie zu entführen. Morgen findet in Bordes eine kleine nachbarliche Gesellschaft statt, und meine Schwester würde sich ganz besonders freuen, Sie dabei zu sehen."

(Fortsetzung folgt.)

Bailauf.*)

I. Das Spielfeld.

1. Das Spielfeld bildet ein Rechteck von etwa 2025 Meter Breite und 2530 Meter Länge. Tie Spieler stehen auf den kürzeren Seiten, bett Mallinien; 4 Eckpfosten und 2 Malstangen in der Mitte der längeren Seiten bezeichnen das Spielfeld.

Auf der rechten Seite befindet sich auf ober an der Seiten- g re uze, 3 Meter vor jeder Mallinie, das Gefangenenmol, kennt­lich durch eine Malstange oder eine kurze Linie.

*) Aus denSpielregeln des technischen Ausschusses", im Auftrage des Zentralausfchüsses zur Förderung der Volkse und Jiigeiidsvicle herausgegeben (Verlaa von B. G. Teubner in Leipzig).