§amsLag den 25. April

MMWW

Kelmuih von Lovlen.

Roman von Ursula Zöge von Manteuffel.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

>(t, nun fanden Sie den rechten Titek ein sündiger, jäh­zorniger Mensch ist es, der vor Ihnen steht, bar aller Gerechtig­keit! Und was ich meine? An dem Tage, der Loyfens Tode vovanging, hatte ich eine Unterredung mit ihr an den Folgen dieser Aufregung ist sie gestorben. Ich suchte diese Unterredung nicht, sie tat cs, und das ist ein schwacher T«st. Ta sie aber in mich drang, ihr zu sagen, ivas ich gegen sie habe, glaubte ich, meine Pflicht zu tun und Ihnen, hören Sie? Ihnen! eine» Dienst zu leisten, indem ich ihr schonungslos, ja erbarmungslos, die Wahrheit sagte. Seit Jahren zurückgedrängler Grimm' machte sich da Luft."

Tas hätten Sie nicht tun sollen," sagte Loysen ernst es war grausam. Aber wenn Sie glauben, daß es ihr tödlich wurde, so irren Sie sicherlich. In ihrer Seel« toohnte stählerne Widerstandskraft sie hat schwereres durchgemacht als die Vor­würfe eines Bruders und hat es überlebt. Ihr Tod hatte eine körperliche Ursache, die an ihrem fehlerhaften Herzen lag. . . die Uhr war abgelaufen, wir ahnten es nur nickst. Ich habe den NW gesprochen. Sie hatte ihn wegen ihrer Lungen befragt, und dabei hatte er ein Herzleiden gefunden."

Ich weiß. Es mag sein. Mich befreit das nicht. Im Gegenteil was ich ihr sagte, hat das Uebel verniehrt und das Ende plötzlich herbeigeführt. Diese Gewißheit kam mir an ihrem Sarge plötzlich wie eine schreckliche Offenbarung, und sie ist Wahr- heit. Wie eine vor den Menschen verheimlichte Sünde liegt es auf mir. Sie Ihnen KU bekennen, tvar mein größter Wunsch es ist schwer, solch eine Ueberzeugung allein mit sich Herumtragen zu inüsseu."

Loysen reichte ihm die Hand.

Sie dürfen sich dieser Qual nicht zU sehr hingeben," sagte er,ich wiederhole Ihnen, wenn Aufregungen verniocht hätten, Luise zu töten, sie wäre längst gestorben. Nun ruht sie hier in Frieden, vor Ihnen liegt aber noch Arbeit und Leben. Das ver­langt ein ganzes Herz."

Ich tue, was ich kann," sagte der junge Pastor, starr vor sich hin blickendwenn ich die Arbeit auch nicht hätte! Konrmeu Sie mit mir zu den Schwestern?"

Heute nicht. Nächstens."

Er drückte ihm stuinm die Hand und ging daun.

Als die K'irchhvfspforte hinter ihm zuschlug, beeilte er seineir Schritt. Was er da gehört, hatte ihn erschüttert, aber sein Herz war zu sehr von Ungeduld erfüllt, um lange dabei zu verweilen. Für ihn war das nun alles vorüber und vor ihm stand das neue, mit Sehnen erhoffte.

Ms er über die Straße nach dem Erlenbusch ging, uiN zur Wiese hinabzusteigen, sah er unten auf der Wiese eilte helle Gestalt, und er fühlte feinen Atem stocken. Ja, das war Edel­traut. Sie hatte ihn gesehen und kam ihm entgegen. Er vergaß

mit einemmal alles Vergangenheit, Zukunft, Zweifel und Bedenken, sah nur die schlanke, blonde Erscheinung mit beut' sonnenhellen Antlitz und er kam ihr mit beschleunigten Schritten entgegen. Freude, die nicht überlegt, ob sie hoffen darf oder nicht- kam über ihn. ©o hatte er sie immer vor sich gesehen in ihrer schlichten, kraftvollen Anmut, so ganz Wilhelms Schwester!

Aber ba3 war es ja eben Wilhelms Schwester.

Wenn sie das nicht träte. Aber an dieser festen Kette, welche sie mit dem Bruder verband, hatte sich noch kein Glied geackert zu offen hatte sie ihn zwei Jahre lang an all ihrem Denken und Fühlen teilnehme» lassen, als daß er das nicht gewußt Hütte. Aber immerhin sie freut sich auf ihn, das weiß er auch, und Edeltvauts Freude pflegt warmherzig und schrankenlos zu sein!

Tas hatte er kaunt gedacht, da nahm er schon mit Befremden wahr, daß das gar nicht der Schritt fröhlicher Ungeduld !var, mit dem sie ihm entgegenkanr nein, eine sonderbare müde Gleich­gültigkeit lag in jeder Bewegung, und im Gesicht ein abgespannter Zug, der ihm fremd «var. Wohl lächelten die Lippen, und auch ein Taschentüchlein ward geschwenkt, aber es war ein matter Gruß und ganz anders, wie er es nach ihrem letzten Brief erwarten! durste.

Wo war der federnde Schritt, wo die impulsive Natürlichkeit ihres Wesens?

Mitten auf der Wiese trafen sie sich, und da er beide Hände ausstreckte, legte sie die ihrigen ruhig hinein.

Liebe, liebe Edeltraut!" rief er, und seine Stimme schwankte vor innerer Bewegung.

Sie sah ihn freundlich an und erwiderte:Willkommen in der Heintat, lieber Hclinuth, wie freue ich mich, daß Sie endlich da sind!" Aber in ihrer Stimme lag keine Freude. Er sah sie betroffen an, dann kam ihm ein Gedanke:

Ist Wilhelm krank?"

Ter Zauberschlüssel zu ihrem Herzen versagte. Kein Auf­leuchten oder Untfloren der blauen Augen, nur ein kleines, neues, sonderbares Zucken der Lippe:

Oh, danke, im ganzen geht es ihm ausgezeichnet. Eben ist er allerdings infolge einer Ueberanstreuguug wir sind auf die Schäferei und zurück zu Fuß gegangen sehr ermüdet, und ich kam, mit Sie zu bitten, ihn nicht aufzusuchen. Tie Aufregung des Wiedersehens könnte ihm Schmerzen bringen. Er weiß gar nicht, daß Sie gekommen sind. Aus Bardos?"

Ja, aus Bardrs und niuß auch sogleich wieder zurück. Ich bin dankbar, daß ich Sie doch gesehen habe! Darf ich morgen tvieder kommen?"

Was fragen Sie erst? Natürlich. Von Rechts wegen sollten Sie doch bei uns wohnen."

Auch das ward matt gesagt. Er war eigentlich auf freuudi- schastliche, lebhafte Vorwürfe gefaßt getoesen.

Glauben Sie denn, daß Wilhelm morgen wieder ganz ivohl sein wird?"

Ach, das glaube ich wohl," sagte sie mit einem kurzen, trockenen Lachenes geht ihm jetzt eigentlich immer gut. Und Sie? Die Sonne Alr-kas hat Sie braun gebrannt, und nun