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Anter -em Mistelzweig.
Eine Weihnachtserzählung von O. Elster. Nachdruck verboten.
(Schluß.)
Der Tag vvr dein Weihnachtsfest — der heilige Abend — war herange^mmen. Biel Arbeit gab es an diesem Taac schon sett frühem Morgen. Tie Stuben mußten gesäubert werden, und Krnttch danach Ltet" iu bcm -"»reu Kaufe
^ono erst kam Herr Edward Gordon aus seinem Geschäft in der Stadt und wollte dann Frcdy Holm mitbrinaen welcher erst heute von Teutschlano ankam. ö '
Man Elisabet lachte viel, trotz ihrer Arbeit, und neckte Mr:ede und zeigte ihr die grünen Mistelzweige, welche sie in rc.n Salon uitb dem Eßzimmer an den Wanden befestigte.
"harken Sie sich die Plätze genau, liebe Elftiede," scherzte ' mie Uldi? unversehens unter einen Mistelzweig geraten."
,3Inn?-',J!ei(yr und Kitty flüsterten und kicherten heimlich taten sehr wichtig und liefen hierhin und dorthin nno halt.» hnnoert Heiurlichkeiten zusammen.
Endlich, kamen die Herren. Elisabet begrüßte ihren Bruder herzlich und die Kinder rissen sich um Onkel Frcdy und bestürmten M ,mtt Fragen, ob er ihnen auch etwas Schönes von dem deutschen WrihiiachtLNiaun nntgebracht hatte. Er entledigte sich ihrer, indem er ihnen mehrere Pakete übergab, die sie eifrig aufwickelten. Tann tiat^er mit Elfriede zu und streckte ihr mit herzlicher Gebärde die Hand entgegen.
."bansend Grüßewvm deutschen Weihnachtsmann, F-räulein Elfriede, sagte er und feine Stimme vibrierte leicht und in seinen .^"Oen ieuchtete es auf. „Auch Ihnen habe ich ein Geschenk iwnt Weihnachtsmann nntgebracht, aber Sie erhalten es noch gessen' loben " mU& wissen, ob Sie mich noch nicht ganz vcr-
. Herr Holm . . ." stammelte sie verivirrt und wagte nicht, ihre Hand zurückzuziehen, ivelche er fest und ivarm in der 7emen ijielt " .
«Sie haben mich nicht vergessen, Fraulein Elfriede?"
„Meine Mutter hat öfter von Ihnen geschrieben. "
r . die gute liebe Mama! — Missen Sie, Fräulein El- friede, daß wir sehr gute Freunde geivorden sind — Ihre Mama und ich — und der gute, alte Herr Kantor und die Brüder und Schwestern. . . za, sehr, sehr gute Freunde, und wenn es mich Nicht hierher gezogen hätte, dann würde ich das deutsche Weih- nachten mit Ihnen gefeiert haben. Aber ich hoffe, daß ich nächstes «r.ahr Weihnachten in Deutschland feiern kann. Meinen Sic nicht ancy, «z-raulein Elfriede?"
„Ich weiß es nicht. . ."
„Ja, ja, Sie können cs wissen! Nur auf Sie kommt es
„Auf mich?!" —
«w ' V MÄ keN> meine Schwester erwartet Ms. oft das Essen bereit, Elifabet?"
"M- Fred —- wenn Du die Liebenswürdigkeit haben willst. "
„Aber gewiß ." mid er zog, die Hand Etfriedens durch seinen Ann nrch führte sie ut den festlich geputzten und erleuchteten Speisesaal.
Ein- deutsches Weihnachten mit seinen lichterglänzeuden Tannen bäumen und der heiligen, halb wehmütigen, halb frohen Mstimmung ist gewiß etlvas schönes und liebliches, aber ein eng- lisches. Weihnachtsessen mit seinem Trnthahnbraten, mit seinem gewaltigen Rinderbraten, mit dem hunderterlei Gebäck, dem breu- ucnden Plumpudding und der dampfenden Pnnschbowle ist auch Nicht zu verachten.
Es bemächtigte sich bald aller eine behagliche, fröhliche Stirn- mnng, und nur Elfride saß schweigend neben Fred!) Holm, der ihr von dem Elternhause und der lieben Heimat erzählte.
„Ach liebe Deutschland", sagte er, „in dem ich nun schon snnf Jahre wohne und bin fast ein Deutscher geworden. Ich liebe diese deutsche Gemütlichkeit, diese deutsche Freiheit, die den Menschen nicht mit den Fesseln einer starren gesellschaftlichen Kon- venienz umgibt. Ich bin zu weit in der Welt umher gekommen, Am alles in England schön zu finden, wie es meine guten, aber leider sehr einseitigen Landsleute tun. Und Sie, Fräulein Elfride, müssen mir jetzt die innigen, sinnigen deutschen Weihnachtslieder Vorspielen, die ich von ihrem Papa gehört habe und die Sie gewiß auch spielen, können."
„Natürlich kann Elfriede sie spielen," sagte Frau Elisabet.
„Und die Kinder sollen dazu singen."
Dann warf sie ihren Töchtern einen fragenden Blick zu und diese erividerten unter schelmischem Lächeln mit eifrigem Kopfnicken.
Tann erklang das einfache innige Lied:
Stille Nacht — heilige Nacht — Alles schläft — einsam wacht Nur das traute hochheilige Paar Holder Knabe int lockigen Haar, Schlaf in himmlischer Ruh...
Tu Stimmen der Kinder verhallten. Aber Elfriede blieb am Flügel sitzen und ließ die Finger in leisen Variationen der Melv-
& die Zästen gleiten. Es..Ivar ihr so selig, so heilig zu TbEihnachtszauder umfing sie mit all seinem still-n Gluck, mit all seiner Innigkeit und Seligkeit. Si vergai n-e Umgebung und versenkte sich ganz in dem Zauber der Tön-
sie fühlte einen Kuß auf ihrer Stirne 1 0
Erschreckt sprang sie empor. Fredy Holm stand vor ihr und heriniT.mlt teutfjteubent '(,,Se “«• Alle anderen hatten das Zimmer
rrÄ“ ~ was tun Sie...?" stieß sie hervor, ladjielte.
„toie haben uns das deutsche Weihnachten mit seinem Märchen» zauber gebrach^ entgegnete er. „Nun müssen Sie sich auch WIKrfe,rl1* Weihiiacyten gefallen lassen — dieser grüne Zweig entschuldigt meine Kühnheit..." ° u
?”[ einen grünen Mistelzweig, welchen die Kinder heimlich auf der Lehne des üoessels angebracht hatten, auf dem Elfriede vvr dem Flügel saß.
Enie heiße Glut umflammte Elfriedcns Wangen.
,Wre bösen Kinder..." flüsterte sie. Doch Frcdy ergriff ihre Hande und sprach leise und weich: „Meine liebe Elfriede, —
• der Kinder gab mir ein Augenblicksrecht — willst Du mir das Recht für das ganze Leben geben?"
„Oh, Herr Holm..."
«Weißt Tu es denn iwch nicht, Elfriede," fuhr er fort, indem er ihr ntntg ut die Augen blickte, „daß ich Dich Mn lange lieb habe? Schon fett diesem öomntcr, als wir am Strande der raiischen- den e-ce uns trafen? — Ich wollte damals schon sprechen/ aber meine Schwester Elisabeth meinte, ich sollte uns erst eine tnrze Prufungszeit auferlegen — mir vor allen Dingen - und wenn ich Weihnachten noch so dächte, dann sollte ich kommen und Dich fragen, ob Tu mich auch ein wenig lieb haben könntest... und nun bin ich gekommen und frage Dich: Elfriede, hast Du mich licb?^— Willst Tu mein Weib werden?
„Ist es kein Traum, Frcdy? — Ist eä Wahrheit - ich kann cs noch nicht glauben — Sie — Du — Du Imst mich lieb?"
„Boii ganzem Herzen, meine teure Elfriede..."
Ta sank sie an seine Brust und unter dem Mistelzweig, der glückbringenden Zauberrute der Alten, fanden sich ihre Lippen zum ersten innigen Kuß.
Aus dem Nebenzimmer erscholl fröhliches Lachen. Frau Elisabeth erschien in der Tür.
„Wo bleibt Ihr denn so lange?"
Da ergriff Frcdy den Mistelzweig und mit dem einen Arm Elfnede umschlingend, hielt er den Zweig über ihr Haupt.
„Der Mistelzweig hat Wunder getan," sprach er mit glücklichem Lachen. „Elfriede ist meine ließe Braut und unter dem glückbringenden Mistelzweig haben mir uns den Verlobungsknß gegeben..."
Tie Kinder jubelten laut auf und umringten stürmisch das junge Paar. Herr Eduard Gordon trat mit einem Glase dampfen- den Punsches heran und rief: „Es lcbe das Brautpaar — hip, hip, hurrah!" — aber Frau Elisabeth zog die errötende Elfriede in die Anne, küßte sie und flüsterte ihr zu: „Tu siehst, meine liebe Elfriede, daß auch das englische Weihnachten eine glückliche, eine selige, eine gnadenbringende Zeit ist... Weihuachtsbanm ober Mistelzweig — das ist einerlei — wenn nur die Herzen zusammen-- stimmen."
Ta stimmten die Kinder jubelnd das alte Weihnachtslied an', das sie Elfriede gelehrt:
Vom Himmel hoch da komm' ich her.
Ich bring Euch gute neue Mär, Ter neuen Mär bring ich so viel. Davon ich singen und sagen will...
Vermischtes.
* „Ueber das Verbesserungsbedürftige im Bewegungstypus des weiblichcn Körpers" hielt vor kurzem Frau Dr. Mensendieck einen Vortrag in Ehar- lottenbtirg. Nicht nur das ästhetisch, sondern auch das gesundheitlich Minderwertige in der Erscheinung des nto» derneu Frauenkörpers hat zwei schwerwiegende Gründe: den moralischen Zwang und die sieh häufenden Kultiirschwierig- felten. Die Ebenmäßigkeit und Bewegungsfreiheit der natür-- lichen Gestalt wurde schon lauge vor Beginn des Mittelalters durch eine ebenso unschöne wie unzweckmäßige Bekleidung beeinträchtigt. Die Frauen der frühesten Epochen bevorzugten außerordentlich schlvere, fließende Stoffe, die den Körper geradezu zur Krümmung zwangen. Später wurden teils übermäßig weite, teils viel zu enge Gewänder getragen. Schon Wolfram v, Eschenbach besingt die sogenannte Wespentaille. So hat sich int Laufe der Jahrhunderte ein Körper herausgebildet, der dem künstlerischen Blick unschön, dem praktisch-medizinischen Urteil aber zu anstrengender Arbeit untauglich erscheint. Dieser Effekt wurde, durch dreifache


