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stunde ist, am Gemeinwohl mitzuwirken, so must einem das Werk der Wenigen ein gut Teil Hochachtung abnötigen.
Ein seit 26 Jahren in Lissabon ansässiger Deutscher sprach sich über die allgemeine Lage etwa folgendermaßen aus: „Was die ausländischen Zeitungen über uns bringen, ist zwn groben Teil stark übertrieben. Die republikanische, resp. revvlutionäre Partei hat zwar einen grasten Anhang, aber der Königsmord hat die Masse der Gebildeten aus ihrem politischen Schlaf aufgerüttelt und dadurch der monarchischen Partei eine erhebliche Stärkung und bei den Wahlen die Mehrheit gebracht. Wonach wir uns alle sehnen, ist endgültige Ruhe, besonders die Geschäftswelt bedarf ihrer dringend, und die kann uns die Monarchie wohl immer noch eher bringen, als eine republikanische Rc- gierungsform, die bei der politischen Unreife unseres Volkes doch über kurz oder lang in eine Demagogenwirtschaft ansarten würde. Noch ist die Beruhigung nicht durchgeführt und es wird auch wohl kaum ohne nochmaliges Blutvergiesten abgehen. Man nimmt hier an, dast die erste Zeit nach Zusainmentritt der Cortes zu erneuten Tumulten führen und dast cs dann der Regierung gelingen wird, durch einen letzten kräftigen Aderlaß uns endliche Genesung von unfern politischen Leiden zu bringen. — Bei den Strasten- kämpfen ist das Bedauerliche, dast stets das blinde, schlecht geleitete Volk die Opfer abgibt, während sich die eigentlichen Anstifter und Aufwiegler stets zur rechten Zeit in Sicherheit zu bringen wissen. Einen toten Advokaten hat man noch nie auf der Straste liegen sehen."
Die Ereignisse müssen beweisen, in wie weit mein Gewährsmann recht behält. Vielleicht haben sie es sogar inzwischen schon getan.
Ä u f S e e, 18. April 1908.
Vermzfehtss.
* Die Gefährlichkeit des elektrischen Lichtes s ü r d i e A u g e n. Es gibt eine ganze Anzahl von Arbeitern, die gezwungen sind, bei elektrischem Lichte zn arbeiten, und zwar solche, die sich nur mit körperlicher oder nur mit geistiger Arbeit beschäftigen oder mit beiden zusammen. Das elektrische Licht ist ein sogenanntes kurzwelliges, d. h. es enthält ultraviolette Strahlen, die zwar dem Ange nicht mehr sichtbar sind, aber Schädlichkeiten Hervorrufen können. Wie Professor Birch-Hirsch- feld auscinandersetzt, lassen sich nach intensiver Beleuchtung mit den ultravioletten Strahlen einer Bogenlampe, mit elektrischen Funken und dem Eisenlichte der Dermolampe zwei verschiedene Veränderungen beim Kaninchenauge feststellen. Die eine betrifft den vorderen Augenabschnitt und zeigt sich als Entzündung der Bindehaut, der Hornhautoberfläche oder Hornhautsubstanz, ferner der Regenbogenhaut. Gleiche Erscheinungen sind bei Kurzschlust- blendungen, Blitzblendungen, sowie bei der Einwirkung des Sonnenlichtes aus hohen Bergen und bei Schneeblcndung beobachtet worden. Auch auf die Netzhaut übten die ultravioletten Strahlen insofern einen ungünstigen Einflust aus, als eine bestimmte Schicht der Nctzhautnervenzellen geschädigt wird. Unter solchen Umständen wirft Birch-Hirschfeld mit Recht die Frage ans, ob die zu Bc- leuchtungszwecken und den technischen Betrieben vielfach verwendeten, an ultravioletten Strahlen reichen Lichtquellen unter gewöhnlichen, d. h. praktisch in Betracht kommenden Verhältnissen, für daS Auge als schädlich zu bezeichnen sind. Er kann die Frage bejahen, denn er hat fünf Fälle untersuchen können, in denen er die schädliche Wirkung einer an ultravioletten Strahlen reichen Lichtquelle, nämlich der Quecksilberdampflampe (Hereuslampe und auch Uviollampe usw.) auf das Ange deutlich nachweisen konnte. In drei Fällen handelte es sich um Kopieren bei Uviollicht in graphischen Instituten, und zwar stimmten die Schädigungen mit denen überein, wie er sie schon in experimenteller Weise erbracht hatte. Mit Recht macht er darauf aufmerksam, dast bei intensivem, an ultravioletten Strahlen reichem Licht, wie es bei technischen Betrieben zn theoretischen Zwecken und zu öffentlicher Beleuchtung verwendet wird, ein Schutz der Augen aller derer notwendig ist, die lange Zeit in direkter Nähe der Lampen zu arbeiten haben. Muschelschutzbrillen hält er für ausreichend oder empfiehlt für besondere Fälle Schutzgläser und Lampenglocken (Schwertflintglas oder Enphosglockeul
* Amüsante Duell geschichten werden anknüpfend au die Reihe unblutiger Duelle, die in den letzten Monaten in Paris stattfanden, in der „Bita" erzählt. Als Eugen de Mire- court den älteren Dumas in der „Silhouette" heftig angegriffen hatte, erhielt er eine Herausforderung von dem jüngeren Dumas. Aber kaum waren die Zeugen mit finsteren Mienen bei dem scharfen Kritiker erschienen, als dieser seinen kleinen Sohn Edgar herbeiricf. Es erscheint ein kleiner Knirps, dessen Acrmchcn kaum ms zur Türklinke hinaufreichen. „Da Herr Dumas Vater", erklärt Mirecourt den gravitätischen Besuchern nut ruhiger Würde, „fernen Sohn zum Vertreter gewählt hat, obgleich er selbst gesund und stark ist, will auch ich, damit die Chancen gleich sind, mich durch den meinen vertreten lassen. Bitte, wenden Sie sich in allem an ihn." Paris aber amüsierte sich noch tagelang über diese Herausforderung. Bon Rochefort erzählt man noch heute das
Duell, das er mit Cassagnac äusfocht. Ursache war eine Polemik über die Jungfrau von Orleans. Rochefort wurde dabei sogar durch eine Kugel verwundet, und man erzählt, daß nur eine kleine Medaille der Jungfrau, die ohne sein Wissen in sein! Beinkleid eingenäht war, den Schuß abschwächte. Cassagnac ist übrigens durch feilte scharfen Bemerkungen oft genug mit Herausforderungen bedacht worden. Eines Tages unterbricht er einen! Abgeordneten durch den Zwischenruf: „Stachelschwein!" Der Präsident ersucht ihn, das Wort zurückzunehmen. Ruhig erhebt sich Cassagnac und erklärt: „Ich nehme den Stachel zurück." Zweimal weigert er sich, zum Zweikampf anzutreten. Das erste Mal lehnte er die Herausforderung seines Vetters Lisagaray ab, der ihn wieder herausfordert, kaum nachdem er von den Folgen eines Duells genesen ist, in dem Cassagnac seinen?! Vetter schlimm zugerichtet hatte. „Mein Herr", antwortet Cajsag- uac auf die erneute Herausforderung, „ich habe Sie schon wie einen Schwamm durchlöchert. Ich willigte ein, Ihr Gegner zU sein; aber es widerstrebt mir. Sie zu Wurst zu verarbeiten." Zum zweiten Male lehnte er eine Herausforderung ab, als Victor Noir ihn provozierte. „Ich habe die Wahl der Waffen", entgegnete er kurz entschlossen, „ich wähle die Orthographie: Sie sind ein Mann des Todes!" Ein drittes unausgefochtenes Duell war Cassagnacs Zweikampf mit dem „Diogenes". Cassagnac war in dem Blatte heftig angegriffen worden, wütend stürzte er in' die Redaktion und ruft den anwesenden Herren entgegen: „Meine Herren, mit wem von Ihnen must ich mich schlagen?" Aber er tat das in solch drolligem Zorn, dast alle Anwesenden in ein Gelächter ausbrachen. Claretic, der zn der Gruppe gehörte, liest den Portier rufen, beauftragte ihn, die Biergläfer zu füllen, die leer waren, und sagte zu Cassagnac: „Setzen Sie sich, junger Mann, ehe wir uns die Kehle abschneiden, wollen wir uns noch unterhalten." Eine Viertelstunde später war Cassagnac Redakteur des „Diogenes" . . .
* Stoßseufzer. Was für Gewohnheitstiere wir doch sind! Früher konnte ich! meinen Mann nicht ausflehen, und jetzt ist cs mir schon ganz gleichgültig.
* Schwere Wahl. „Fetzt weist ich nicht, höre ich Medizin und werbe Fräulein Doktor, oder erhöre ich den Rechtsanwalt und luetibe Frau Doktor?"
Kunst.
— „Monatshefte für graphisches K u n st g c - iverbe". Herausgeber Kunstmaler Albert Knab, Redakteur Carl Matthies. Berlin. Verlag von Carl Flemming, A.-Gl Berlin W. und Glogau. 6. Jahrgang. Heft 10. Aus dem Inhalt des Heftes seien besonders der für Künstler und Laim gleich wertvolle Beitrag „Ueber Anregungen" von Carl Matthies, ferner die. Artikel „Die Schrift int graphischen Kunstgewerbe" von Professor Ansgar Schoppmeyev, „Das Problem der Photographie" von Fritz Loescher und „Die Illustratoren und Graphiker" von Johannes Meru hervorgehoben.
Aph-ursme».
Von Professor Dr. August Pauly.
In der Wissenschaft sind viele Blinde auf den Beinen, den rechten Weg für die Andern zn suchen.
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Die Menge ist nicht begeisternngSlos, sie hat nur kein llrteil, sie weiß nicht, für was sie sich begeistern soll. Glaubt sie einmal an eine Sache, daun spannt sie sich auch an den Wagen eines Schwindlers und zieht ihn als großen Mann durch das Jahrhundert und niemand kann ihr ihre Scheingröße ivieder entreißen als die Zeit, die alles an den Tag bringt.
Rätsel.
Zwei Silben künden eine Menschensorte
Noll llnnalur und Künstelei;
Doch glaubt sie fest in tollem Größenwahne, Daß sie der Schönheit Urbild sei.
Die erste zeigt dir einen leichten Wagen,
Ten häufig man in England nennt, Und der durch Londons lärmersültte Straßen Dahin in ftücht'ger Eile rennt.
Tie zweite läßt dich einen Waldbaum schauen Von schlankem Wuchs und ästereich;
Doch ist beraubet sie des letzten Zeichens, Durch Mangel so dem Gauwu gleich.
A. 9( m m a n n.
Auflösung in nächster Nummer.
Auslösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: W e r j ch w a n k t, kann l e i ch t n m f a l l e u.
Redaktion: P. Witt ko. — Rotationsdruck und Verlag der BrLhl'scheo Universitäts-Buch» und Steindruckerei. R. Lange, Giesteie.


