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et reise unverzüglich zu seiner Schwester und werde in 24 Stunden zurück sein. Doch er kam erst nach vier Tagen. Und wie verändert sah er aus! Wölfling kam ohne seinen langen Bart und ohne seine Mähne. Beides war gründlich weggeschert worden. Ich war damals entsetzt, versteinert hei seinem Anblicke. Ich hatte ihn im ersten Augenblicke nicht einmal erkannt. Als ich ihn so anstarrte, ries er mir zu:Ja, ja, sieh mich nur an, ich, ich bin es, und laß mich nur zur Tür hinein!" Ich hatte in ihm einen Fremden gesehen und ihn deshalb nicht gleich hereinlassen wollen. Wölfling war aber auch innerlich, in seinem Wesen und Benehmen mir fremd geworden. Kalt stand er mir gegenüber, frostig sprach er mit mir, so daß ich ganz zu- sammenschauerte. Er sagte noch:Luise ist fertig", ohne die Bemerkung näher zu erklären, und verließ mich. Kurz nachher trat er wieder bei mir ein. Mir war sehr bange getvorden.Du," rief ich ihm zu,es weht hier Hofluft, du willst mich nicht mehr." Er schwieg. Nach einigen Mi-; nuten fragte ich ihn, was beim eigentlich vorgefallen, was er gegen mich nur habe! Wölfling erwiderte:Ich werde dich verlassen und zu dir nie mehr zurückkehren! Lebe wohl!" Ich kann ihm noch zurufen:Luisenworte", die er hört; dann ist er mit einer raschen Bewegung bei der Tür, verschwindet, und ich sehe ihn lange, lange nicht mehr, sehe ihn nur noch ein einziges Mal flüchtig urw Mittelbar vor der Scheidung."

Won der Stunde an, da Wölfling sich von ihr zurück-i gezogen, habe er sie ohne Geld gelassen und für ihren Unter­halt nicht gesorgt. Sie lebe jetzt recht dürftig. Erft nach Kämpfen habe sie die Zinsen von dem Kapital von 100 000 Kronen erhalten, das seinerzeit von Wölfling für sie in her Kreditanstalt deponiert worden sei.

Won der StudenLenspruche.

Zu dem Artikel unter dieser Ueberschrist in unserer Mr. 3 wird uns geschrieben:

Im 13. Jahrhundert kam zuerst der NameUniver-- iität" vor, und man bezeichnete damit die Gemeinschaft der Lehrer und Schüler an den höheren Unterrichtsanstalten. Mber erst im 15. Jahrhundert kam man an den Hoch­schulen dazu, die Zunsteinrichtungen und die Zunftgebräuche der Handwerker nachzuahmen und die Hochschüler bildeten geschlossene Gesellschaften mit eigener Gerichtsbarkeit, mit eigenen Gebräuchen, mit eigener Studentensprache, die besonders durch beit sogenannten Pennalismus, das heißt den Unterschied zwischen den Schülern der Morklassen und den eigentlichen Studenten, gefördert wurde, als dieser verderbliche Pennalismus im 16. Jahr­hundert seinen größten Aufschwung nahm. Bekanntlich hat sich die Studentensprache bis heute erhalten. Der Student trinkt nicht, sondern erkneipt", er geht nicht, sondern er ,,steigt" ins Kolleg, er nennt bett BürgerSpießer", ben NichtstudentenPhilister", hat kein Wohnzimmer, sondern eineBude", und gebraucht soviel frentdartige Ausdrücke in seiner Sprache, daß diese der Nichtstudent kaum verstehen würde, wenn nicht das Stnbententum so sehr alle Elemente des deutschen Volkes durchsetzt hätte, daß ein Teil der Ausdrücke der Studentensprache in der deutschen Sprache selbst gang und gäbe geworden ist.

Um eine Probe zu liefern, wie die Studentensprache beschaffen war, als sich das Studententum noch in seiner vollen Abgeschlossenheit befand, geben mir die nachfolgende Probe eines Student ent he a ter stückes, welches am Ende des vorvorigert Jahrhunderts hier bei uns in Gießen aufgeführt wurde. Es ist eine Parodie auf Romeo und Julia", und der Held Romeo unterhält sich mit seinemWichsier" Marko in folgender Weise:

Romeo: Schwcreiwt, Marko, ich kriege Manschetten.

Marko: Ter Teufel auch! Herr, haben Sie keine Mo- weieit ? Und wer die hat, futtiert sich viel um die Welt!

Romeo : Ich aber habe vchsige Manschetten! Heut nacht träumte mir, Julie wäre schiebes; ich habe sie im Grabe liegen sehen.

M a t ko : Larifari! Träume sind Dreckere««, an dmerß grad soviel liegt, als an Schuster Sauers (in Halle) Manichäern.

R o in e o : Lieber Marko, ich verzwatschele, wenn ich nicht Gewißheit habe. Komm, wir wollen nach Verona ziehen und das Ding auf den Riemen nehmen.

Marko: Da müßt' ich mich sehr zwingen. Nein, Herr, hier in Mantua geht's flott, hier ist flotter Wein, flottes Fressen,, flotte Jungens. Ich schere mich viel um das lumpige Verona!

Romeo: Ich muß aber fort von hier, muß absackeu, denn wenn ich mich nicht noch heute früh drücke, dann krieg ich den Blassen vornweg."

A x n o S ch w e e.

VsrmrschLes.

* Die Katakomben, wie die unterirdischen Gänge und Gemächer genannt werden, in denen die alte Christenheit in Rom bis zum Beginn des 5. Jahrhunderts ihre Toten bestattet hat, find ursprünglich weder heimlich angelegt, noch ärmlich und düster ausgestattet gewesen. Unter dem- Schutze des Gesetzes stehend, sind die Ruhestätten der in Christo Entschlafenen zunächst wie die anderen nahe an ^öffentlichen Landstraßen und an den Hügelabhängen angelegt worden. Selbst die Leichen der Mär­tyrer dursten ungehindert bestattet werden. Erst in den Ver- solgungszeiten wurden die Zugänge verborgen und dafür in den Schlupfwinkeln der anstoßenden unterirdischen Sandgruben neue, oft schwer anfsindbare Eingänge gemacht. In diesen Zeiten mögen die Katakomben auch vielfach als Zusluchtstätten von den Christen benutzt worden sein, um sich in ihnen vor den Ver­folgern zu retten. Hin und wieder sind in den schweren Zeiten der Verfolgungen unter Tecius und Tiokletia.it in ihnen auch gottesdienstliche Versammlungen gehalten worden._ Die Entdeckung und Erforschung der Jahrhunderte hindurch in Vergessenheit geratenen Katakomben gehört erst einer neueren Zeit an, in welcher sie namentlich als ergiebige Fundgruben für die schon in den ersten Jahrhunderten üblichen christlichen Sinnbilder, sich erwiesen haben. So sind Anker und Fisch die ersten Kennzeichen des ersten und zweiten Jahrhunderts, wenn sie mit Inschriften auf Grübern und Sarkophagen verbunden sind. Der Anker der Hoffnung ist recht biblisch. Der Fisch bedeutet an Gräbern: Christus ist mein Leben und Sterben mein Gewinn", weil die Buchstaben des griechischen Wortes Jchthys (Fisch) die An­fangsbuchstaben der Bekenntnisformel ergeben. Der Fisch mit einem Brot- und Weinkörbchen aus dem Rücken ist der unter Brot und Wein im Abendmahl zum Essen sich darbietende Hei­land, die Taube mit dem Oelblatt oder ein Vogel auf einem Zweige ruhend ist das Bild der zur ewigen Ruhe gekommenen Seele. Trinkt ein Bogel auS einem Gefäß oder pickt er Trauben, so ist es ein Bild des Genusses ewiger Seligkeit. Der Pfau, dessen Fleisch für unverweslich galt, bedeutet die Unsterblich­keit, die Palme den Sieg des gläubig Entschlafenen über Sünde und Tod. Ein besonders häufig gebrauchtes Bild ist die Dar­stellung Christi als des guten Hirten, der sein Schaf aus der Wüste heimträgt. Die ältesten Grabstätten in Rom und ander­wärts erinnern mit ihren manchmal reizenden Verzierungen in Stuck und Farbe nach Form und zum Teil nach Inhalt oft an den Schmuck, womit die römischen und pompejanischen Ueberbleibsel von Zimmer- und Grabmalerei das Auge erfreuen. Lebensheiterkeit, Todessrcudigkeit, Hoffnungsseligkeit im Glauben an Christus, nicht düsterer Trübsinn und Asketik erfüllt und erhellt die unterirdischen Ruhestätten der Entschlafenen und er­laubt einen Rückschluß auf das häusliche und gesellige Leben der alten, den fanatischen Gegnern freilich alslichtscheu" ver­schrieenen Christen. (Aus dem PrachtwerkBildersaal der christlichen Welt". Herausgegeben von Hofprediger D. Bernhard Rogge. Vollständig in 40 Lieferungen zum Preise von je 40 Pf. Verlag der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart, Berlin, Leipzig.)

* Behandlnng ber Schweißhand mit Rönt- genstrahlen. Schweißhände sind immer sehr unange­nehm, denn man faßt einmal eine nervöse Schweißhand nicht gern an, dann aber wird sie auch für ben Besitzer selbst sehr lästig, kann sogar seine gesellschaftliche Stellung schädigen. Man kennt eine ganze Reihe von Mitteln gegen Schweißhände, die uns aber nach Prof. Kromayer bei schweren Fällen im Stich lassen. Dahingegen hat er in den Röntgenstrahlen ein Heilmittel gefunden, das zu Dauer- heilimgen geführt hat. Indes ist eine erhebliche Besserung der Schweißhand erst dann zu verzeichnen, nachdem sich eine Hautentzündung ersten Grades durch die Röntgenbe­strahlung gebildet hat. Darüber hinaus darf die Einwirkung der Röutgendosen nicht gesteigert werden. Kromayer er­klärt sich die Wirkung dieses Radikalmittels dadurch, daß die Schweißdrüsenktiäuel an der Oberfläche zum teilweisen oder völligen Schwund gebracht werden, während die übrige Haut keine bleibenden Veränderungen erfährt. Für viele Besitzer von Schweißhänden wird diese .Entdeckung von Vorteil fein.