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KelwuLß von Lmrsen.

Roman von Ursula Zöge von Manteuffel.

^Nachdruck verboten.) sFortsetzung.)

XIII. z

Liebster," sagte Edeltraut zum Bruder, sonne die Hufschläge Fra Tiavolos im Torweg verhallt waren,bist du nun froh? Bist du nun glücklich?" sie lehnte den KVpf an seine Schulter, und da er bejahte, fuhr sie fort:Und er kommt wieder. Er hat es mir versprochen. Er liebt dich auch wirklich. Ich gebe ihn, also einen Ehrenplatz in meinem Herzen und erkläre ihn für einen Menschen, der deiner würdig ist. Nie im Leben hätte ich gedacht, daß ein Haudegen von Kürassier-Rittmeister so sein könnte! Und nun, nachdem ich sein Lob gesungen, sage ich dir Adieu" rind gehe ins Pastorat, um wegen der Webers und ihrer Ziege mit dem Pastor zu sprechen. Die Ziege ersetzen wir doch, Wilhelm-, wie? Antwort ist nicht nötig. Arif Wiedersehen."

Damit ging sie von dannen und mit beflügelten Schritten durch den Garten den Wicfenweg entlang, auf dem sie schon morgens in die Kirche gegangen waren.

Die Pfarre lag in einiger Entfernung von der Kirche und war ein freundliches Haus, neben dessen Türe zwei junge Linden grünten. Stall und Scheune gehörten dazu, denn mit der Stelle war eine kleine Landwirtschaft verbunden, die es gestattete, zwei Mhe und einiges Kleinvieh zu halten. Hinter der Pfarre lag ein ziemlich großer Gemüsegarten, in welchem die Tochter des Pastors neben den Salat-und Bohnenbeeteu allerlei Blumen und Stauden pflegten, und in welchem jetzt die gelben Narzissen und, die an- nmtigen, rotfarbenen Zweige der fliegenden Herzen die schmalen Blumenrabatten füllten.

Der Pastor fast in seiner völlig schmucklosen, fast düsteren Studicrstube, welche sich zu ebener Erde, links vom ziegelgc- pflasterten Hausgang, befand. Dies Zimmer kontrastierte sehr mit dem einladenden Aeußevu und der ländlichen Umgebung des Hauses. Es war grau getüncht und Decke sowie die Frustergardiucn durch Pseifenrauch gebräunt. Kalter Rauchgeruch lag denn auch in der Luft. An einer Wand befand sich ein« hohe Bücherstellagc, daneben ein Pfeifentstch. Ter alte, schwarze Schreibtisch stand am Fenster, an der Hauptwand, den Fenster,! gegenüber, ein mit schwarzem Leder bezogenes Sofa, davor, ein runder Tisch mit Wachstuchdeckc. Ueber dem Äfa hing an der Wand ein Stahlstich der Grab­legung inti> darunter vier größere Photographien in altmodischen runden, schwarzen Rahmen. Ti- mittelste, welche die verstorbene Pastorin darstellte, war von einem Jmmortellcnkranz nmgeoen. Darüber hing die Plwtographie des Sohnes und rechts und lmrs die Bilder der Töchter, alle noch im Kindesalter und mehr oder minder vergilbt irnd unschön. Unter der Photographie der Mutter stak noch ein Nagel in der Wand, als warte der Platz (Ulf em Bild, ober, wie man nach der etwas, abgescheuerten Tünche fast annehmen konnte, als sei hier ein Bild entfernt worden.

Beim Eintritt des Gntsfräuleins, dem bescheidenes Pochen voraugegangen ivar, wandte der am Schreibtisch Sitzende ein wenig den Mops und rieb sich mit der mageren Hand die Stirn.

Ach, Fräulein Cdeltraut," sagte er dann und versuchte Mi lächeln, doch es blieb bei dem kläglichen Versuch.

Er schob seinen Armstuhl zurück und wollte aufstehen, sie aber eilt- auf ihn zu undregte ihm beide Hände mit kräftigem Truck auf die Schultern.

Sitzen bleiben, lieber Herr Pastor, bitte! Sie wissen, ich find- mein Plätzchen!"

Damit zog sie sich einen Stuhl mit strohgeslochtcnem Sitz herbei und setzte sich schnell neben den Schreibtisch» so daß, sie ihn gerade ansah.

Er ergab sich und blieb sitzen, wobei er die großen Kirchen­bücher, in denen er geschrieben, zurückfchob. Sein schwarzer Rock hing ihm faltig um Ibiie erschreckend abgemagertc, sehr lange Gestalt, als sei derselbe in Zeiten verfertigt, da sich sein Besitzer noch normaler Körperbefchafsenheit erfreute. Das Gesicht hatte eine kränkliche, gelbe Farbe und einen unendlich vergrämten Ausdruck.

Sie wünschen, liebe Edeltraut?" fragte er unsicher.

Wenn ich Sie nicht zu sehr störe, Herr Pastor, möchte ich bei Ihnen ein gutes Wort einlegen für die Familie des Korb­flechters Weber. Ter Mann ist fast arbeitsunfähig und sehr arm, und sie haben llnglück gehabt mit ihrer Ziege. Nun sind Wilhelm und ich bereit, ihnen eine neue Ziege zu schenken, und ich wollte ansragen, ob Sie nicht Gnade vor Recht ergehen lassen wollen und ihnen ivicdcr die Benutzung des Pfarrgrabens und der Raine überlassen."

Tas von d-r frischen Mädchenstimme so klar und fließend Vorgetragene kam dem armen Mann alles viel zu schnell und verwirrte ihn. Er sah die Sprecherin verständnislos an und schien seine Gedanken aus weiten Fernen zusawmensuchcn zu müssen. Er machte dabei nicht den Eindruck des zerstreuten Stuben­gelehrten, sondern eines Mannes, den das Grübeln über per- söulichcm Mißgeschick gefangen halt.

Ja?" sagte er nur fragend.

Ich spreche von den Webers, Herr Pastor."

Ganz recht. Christian Weh«, Häusler und Korbflechter" er strich sich mechanisch das glattrasierte Kinn, während sei« Blick wie in hoffnungslosem Verwundern umher glitt.

Der zweite Junge, Christel, behauptet, und di- Mutter stimmte dem bei. Sie hätten ihnen die W-idegcrcchtigk-it wieder entzogen!"

Ich!" sagte der Pastor bestürztich weiß nicht. . < doch ja, ja, es wird schon so sein" er rieb sich die Stint da war so eine Geschichte. .

Tie Ziege soll infolgedessen kürzlich an Futtermangel cm« gegangen sein. Inwiefern das wahr ist, kann ich nicht sagen, gewiß ist, daß die Leute arm sind und die Ziege recht nötig hatten."

Hm, hm. Ja so. Fräulein Edeltrant, ich muß meinest Sohn darum befragen . .

Ganz recht. Der scheint mir bei dem Strafgericht der aus­übende Teil gewesen zu sein."

Mir kommt jetzt die Erinnerung," sagte der alte Man» bekümmert,Gotthard überzeugte mich, daß ich strafen müßte. Die Jungen hatten ja gestohlen."