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büß et aus keinen Fall der verschwundene Sohn des Herrn d-'Es- lorval und Mariannens war. Allen» AnfckMin nach war er ein Jüngling ans reicher Familie, der sein Erbe durchgebracht hatte und immer tiefer gesunken >var. Die Aussicht auf eine große Belohnung wird ihn verlockt haben, ai»f Lacheneurs Vorschlag «inzugeheir imb tu der Verkleidung eines Soldaten an den» gegen die Iran Herzogin geplanten Streich teilznnehnien.

Ich danke dir, Otto, du bist ein treuer Diener! sagte der Her­zog. Ja, ich glaube, die Sache ist zu Ende. Allerdings ist da noch dieser Leeoq . . .

Vah, gnädiger Herr, den Lecog habe»» wir ja so regelrecht an­geführt.' Hat er nicht mit Ihnen gesprochen, ohne Sie zu er­kennen, als Sie in der Badewanne saßen, nachdem ich Ihnen eine Viertelstunde vorher den Bart abgenommen hatte? Bah, x ß cCOQ!

Und Herr und Diener sahen sich an und lachten unwillkürlich. Doch des Herzogs Züge wrirden sofort »nieder ernst; er verab­schiedete den Kammerdiener durch einet» Wink und ging wieder im Zimmer aus und ab.

Mag denn die Vergangenheit begraben fein! ries er, plötz­lich still stehend. Ja, die Ehre ist gerettet; der Name Sairnteuse itz und bleibt unbefleckt.

Er unterbrach sich: die Tür öffnete sich, und Otto erschien mit einem Brief, der ans einer Silberplatte lag.

Von der Frau Herzogin! tagte er mit einer Verbeugung.

Der Herzog riß den Unischlag ab; der Brief bestand nur aus zwei Zeilen:

Martial, Du weißt jetzt alles, und ich ich sterbe.

Leb' wohl, ich liebte Dich. Manche."

In zwei Sätzen war der Herzog in den Gemächern seiner Gemahlin. Die Tür ihres Schlafzimmers war verschlossen. Er sprengte sie auf.

Zn spät! ,, _ ,

Herzogin Blanche war, Wie Maria»»ue, o.n Gift gestorben.

Uber sie hatte sich eins zu verschassen gewusst, das sie mit Blitzes­schnelle tötete. In vollen Kleidern auf ihrem Bette liegend, die Hände auf der Brust gefaltet, schien sie zu schlummern.

Eine Träne glänzte in Martials Augen.

Armes, unglücklichLs Weib! flüsterte er. Möge Gott- dir VeMihen, wie ich dir bein Verbrechen verzeihe, das du bereits lienieben so furchtbar gebüßt hast!

Seit dem Tode der Herzogin Manche de Sairmense war etn Monat vergangen. .

Der Herzog saß in seiner Bibliothek und las, als fein Kammer­diener Otto eintrat und ihm meldete, draußen warte ein Dienst- mann mit einen» zu eigenen Händen zu übergebenden Brief von Herr»» Maurice d'Eseorval.

Ist es möglich! rief Martial aufspringend. Und hastig fügte tef hinzu: Laß den Dienstmann eintreten!

Ein dicker Manu mit rotem Gesicht und roten» Bart- und Haupthaar trat ein und überreichte linkisch einen Brief.

Der Herzog las:

Ich habe Sie gerettet, Herr Herzog, inbem ich den Angcschul- digten Mai nicht erkannte. Helfen Sie mir nun Ihrerseits! Ich brauche übermorgen vormittag 260000 J-ranken.

Ich vertraue völlig auf Ihre Ehre und schreibe daher un- Ledeuklich diese Zeilen. Maurice d'Eseorval.

Eine Minute lang ftanb Martial in Nachdenken versunken; dann eilte er an seinen Schreibtisch und schrieb, ohne zu bemerken, daß der Dienstmann leise herangetreten war und über seine Schul­ter hinweg las: , , , x

Sehr geehrter Herr! Nicht übermorgen, sonder»» bereits heute Nachmittag! Mein Vermögen und mein Leben gehören Ihnen. Ich schulde sie Ihnen für den Edelmut, womit Sie sich zurück- zogen, als Sie unter Mais Lumpen erkannten

Ihre»» alten Feind, jetzt Ihren ergebenen Freund

Martial de Sairmeu»e.

Er steckte bett Brief in einen Umschlag und übergab ihn nebst .einen» Geldstück den Dienstmann mit den Worte»»:

Hier Ihre Antwort. Besorgen Sie sie schnell!

Mer der Diettstmann rührte sich nicht voi» der Stelle; er steckte bei» Bries in die Tasche und riß darauf mit einer schnellen M-ewegung den Bart und die roten Haare ab.

Leeoq! rief Martial, blaß wie der Tod werdend.

Lewa allerdings, Monseigneur, antwortete der junge Krimi- nalbeamte. Ich mußte eine Revanche habe»» meine Zukunft King davon ab. Ich habe mir also oh gewiß recht ungeschickt r- die Handschrift des Herrn d'Eseorval nachzuahmen erlaubt.

Und da Martial schwieg, fuhr er fort, nur zu zeigen, daß er Mes wüßte: .

Ich kann.übrigens Ihnen, Herr Herzog, versichern, da» »chs

bei Eimeichimg der schriftlichen Bestätigung Ihrer Atriyesenheit ist derPfefferbüchse" zugleich die Beweise für Ihre völlige Un­schuld an Gerichtsstelle hinterlegen werde.

Und nach einer kurzen Pause:

Da die J-rau Herzogin gestorben ist, so kommt eine Erwähnung der Vorgänge in der Borderie ja überhaupt nickst mehr in Frage.

Acht Tage später erließ in der Tat Richter Segmüller eine Verfügung, daß der Herzog de Sairmense außer Verfolgung z»» setzen sei.

Mn Mittsn.

(Zu seinen» 300. Geburtstag, den 9. Dezember 1908.)

In seinem Hymnus an? Milton hat Dcyden bei» englischen! Sänger neben Homer und Tante gestellt und ihm der Preis vor den beiden andern zuerkannt, weil er ihre Schönheiten in seinem Merke vereine. Die Nachwelt hat diesem überschwänglichen Lob­redner nicht recht igtegeben; Miltotr steht uns nicht auf jenen seligen Höhe, aus der die größten Dichter aller Zeiten, ein Homer und Dante, Shakespeare rind Goethe unvergänglich strah­lend herniederschauen. Sollte man feine Stellung in der Welt­literatur bestimmen, so wäre es zu den genialen, aber doch zeitlich begrenzten Talenten zu nennen, die ein letzter Erdenrest, cur ungünstiges Hemmnis der Entivicklung oder ein leiser Mangel der Begabung vvn der höchsten Bollendnug, der fleckenlosen Schönheit ausschlietzt. Sein Werk erscheint, wie daS Racrnes oder Lassos, doch als Menschen,verk, dem wir trotz der Erhabenheit seines übermensch­lichen Heldentums, der Fülle reichster Poesie, ine Spuren der Endlichkeit und Zeitlichkeit aumerkeu. So wird uns bc» der Betrachtung von Miltons Kunst recht klar, wie viele Momente, welche günstige Konstellationen in geheimnisvollem Verein har­monisch znsammenwirken müssen, um der Welt einuntadeliges Genie" zu schenken, wie gar leicht eine äußere Ablenkung, eine entgegenstehende Geistesströmung, ja ein einziger unrechter Tropsen der Blutmischung die Menschheit »nn einen ganz großen betrugen rann. Llls Milton zum Mann geworben war, hatte sich ein neues England erhoben, aus dem Chaos der religiösen Gähru»»gen- war nach dergroßen Rebellion und der ruhmreichen Revolution' der finstre Geist des Puritanertumes erstanden, der noch heute dem englischen Bolkscharakter seine Prägung verleiht- Und Mil­tons Dichtung ward der erste, der erschütterndste Ausdruck dieser finstern, sinuenseindlichen Stimmung, dieser kriegerisch trotzigen, nüchternen Zeit.

So gewaltig ist die Wandlung, die von den weichen, rir der antiken Heiterkeit der Reuaiftance sich machtvoll ausleoenden Dich­tungen der Frühzeit Miltons zu der glühenden schmucklosen Strenge der Spätwerke führt, daß man sie nur aus der oazwlschen liegen­den Acra der politischen Kämpfe, der umstür-zenden Vorgänge m Staat und Leben begreifen kann. Es ist, ,uie wenn man aus eriier südlich sonnigen, von melodischen Lüsten durchwehten sanft tat Licht sich breitenden Landschaft in ein starres zerklüftetes Hoch­gebirge träte, vvn braußenden Gießbächen durchstürmt, von maje­stätischen Gipfeln bekrönt und tiefen, düster, umschatteten Talern durck schnitten, grandios in seiner kahlen einsamen Pracht. ES waltet in der Entivicklung Miltons ein Bruch, den man bewundert und beklagt hat, je nachdem man vom ästhetischen oder rem memch- listen Standpunkt an die Frage heraiitrat. Seine Personlichteir ist'in den Zeiten des heroischen Leidens, des aufopferndei» idealen Wirkens für fein Volk und seine Anschauungen zu jener edlen Propheten- und Sehergestalt gesteigert worden, d»e als Muster der Lebensüberwindung und der stolzen Geistesmacht neben den Heroen der Römerzeit steht. Aber seine Poesie hat an Plast!fdjer Anschaulichkeit, an lyrischer Süße verloren; fte ist didaktlich ge- wordei», trocken und streng; sie empfangt ihre Schönheit nicht mehr aus dem eigensten Kunstwillen des Dichters, sondern ist gleichsam wider seinen Willen schöi», groß durch ben tzliiMruck einer erhabenen Persönlichkeit. Ein Leben, das als cm Idyll als ein lieblicher Morgentraum, wird, jäh aufgeschreckr durch Trompetengeschmetter und Kriegsgeschrei, zum rauhen Heldenlied, zum leidenschaftlich wilden Jdeenkampf und endet wieder »n. oich- terischer Zurückgezogenheit mit einer prophetisch rlagenoen eclegie, einem zornig wilden Sturmgesang des verbitterten Herzens. Der Dichter hat unter dem Staatsmann, dem Pamphletstten, dem Ge­lehrten, dem GlaubensNiauii gelitten; auch unter Milton ist etn Flügelroß der Phantasie erschossen worden!

Ten»» ein gottbegnadeter Dichter war der mädcheiihafte zarte Jüngling. Ter milde lichte Geist des Platomsajen Idealismus hatte ihn berührt; aus Leben und Dichte,l ivollte er eine friede- volle Schönheit gestalten. Zur Vollendung feiner inneren Bil- tnirg ging et 1638 nach Italien und tränt mit vollen Zügen die reife südliche Schönheit, ahmte sogar in italienischen SonettA die zierliche Modepoesie der schwulstigen Akademiedichter nach. Noch tastete er umher, schloß sich bald an diese!!, bald an jenen. Stil an. Da rissen ben Verehrer hellenischer Bildung, der eben nach Griechenland aufbrechen wollte, den zum Berkünoer einet klaren Anmut Geweihten die Stürme und Erregungen der Henna! fort aus Italiens verklärte« Sphäre, ans ben holden Viftonen jungen Dichtercuhms.