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den kleinen Mann, aber sie gehen dahin und sehen und merken nicht, welch ein hoffnungsloser Kampf jeden Tag von neuem in diesem bedrängten Kindergemüt entbrennt, jeden Tag, bei jeder Mahlzeit . ■:.
Und da lächelt man über Kinderleid . ,. '■<
---Das „Streitentleib". Aus den niännigfachen extravaganten Versuchen und den wunderlichen Neubelebungen alter Moden, durch die man eine neue Form der Damenrobe schaffen wollte, scheint sich allmählich ein sieghafter Stil herauszubilden, der von den Absonderlichkeiten der ersten Experimente einige übernimmt und int übrigen Anmut init Mast zu vereinigen sucht. Dieser neue Schnitt bildet ans einer Klombinierung von Prinzeßkleid und Tunika eilte lose und doch anschmiegsame Toilette, der Man den Namen „Sirenenkleid" immer häufiger beilegt. Die Schönen, die sich in diese wohlig hinfließenden Stoffe hüllen, haben wirklich etwas von dem rätselhaften Reiz 'jener Meerjungfrauen und Nymphen, denen Goethes Fischer zum Opfer fällt. Das Geheimins verführerischer Kleidung scheint hier gelöst, scheint hiev geoffenbart, das den Körper der Frau zugleich in gelöster Anmut und knapper Straffheit darstellt. Die Stoffe, die nttat dazu verwendet, sind natürlich sehr weich und schmiegsam, Liberty-Seide, Kaschmir und Velour-Chiffon. Die Farben atmen eine schmalzende hinswrbende Mattigkeit; ein blasses Olivgrün, ein Aschgrau, ein Helles Lila verbinden sich mit feiugetönten Nuancen des Blaus, die in ihrer ganzen Skala von Blaugrau bis zu Blauschwarz beliebt sind. Dem Leichten eint sich das Schwere, die spinnwebfeinen Gewänder erhalten eine Garnierung mit vollem Pelz. Während die Figur aus einem weiten Stoffgewoge heraus- wächst, sind Rocksaum' und Taillenabschluß durch diese Garnierung streng und starr akzentuiert. Sonst ist man mit allem Schmuck und Dekor sehr sparsam. Nur eine reiche Anwendung von Knöpfen betont ebenfalls in denr gleitenden Fluß der Gewandmassen die Strenge der Körperkonturen. Schintuckknöpfe iverden von oben bis unten an die ganze Robe gesetzt, erscheinen an den Seiten und ziehen sich die Aevmel entlang. Diese Knöpfe sind entweder mit einem zur Robe passenden Stoffe bezogen oder sie heben sich in kapriziösem Glanz grell von dem Fond ab. Der Schnitt der Aevmel fügt sich dem allgemeinen Stilgefühl des Sirenenkleides ein: er ist fließend und doch fest, knapp und zugleich lässig wogend. Die Schulterlinie gleitet ohne jede Unterbrechung mit straffer Betonung auf-den Avni über, während dann der Aermel in vollem breitem Fluß zum Handgelenk niederfällt. Zu diesen Roben trägt män lange, den .Formen des Kleides genau entsprechende und stach ihm gearbeitete Jackets, die im Gegensatz zu der Robe mit Dressen, Bändern und Garnierung aller Art reich besetzt sind. UM das Wunderliche und Eigenartige der schlank verschwebenden Silhouette, die dev Körper in solcher Toilette aufweist, noch zu Erhöhen, sind diese Jacketts mit großen Capuchons verbunden.
— Elektrizität und Pslanzenwnchs. Der berühmte englische Forscher Oliver Lodge ist auf Grund einer .ausgedehnten, in Evesham angestellten Versuchsreihe zu dem äußerst bedeutsamen Ergebnis gelangt, daß unter unfern klimatischen Verhältnissen die künstliche Zufuhr von Elektrizität den Pflanzenwuchs beträchtlich fördert und den Ertrag der Ernten steigert. Dieser Gedanke ist in einer Schrift ^Elektrizität und Landwirtschaft" niedergelegt. Sir Oliver Lodge gibt zunächst einen Ueberblick über interessante Versuche, die bereits vor Jahrzehnten nach dieser Richtung unternommen worden sind. Vor etwa 30 Jahren hat ein schwedischer Gelehrter, Professor Lewström, unternommen, experimentell die Erscheinungen des Nordlichtes zu produzieren. Er verwandte dazu Vacuumröhrens die von hochgespannten Strömen durchflossen wurden. Einige dieser Versuche wurden in einem Treibhause angestellt, und es zeigte sich, daß die Nähe der elektrischen Entladungen einen fördernden Einfluß auf den Pflanzenwuchs übte. Dies schien gleichzeitig eine Erklärung dafür zu bieten, daß unter dem schwachen Sonnenlicht arktischer Gegenden ein reicher Blütenstand sich vorfindet, der möglicherweise auf elektrische Entladungen zurückzuführen wäre. Nicht allein die Färben der Blüten und Blätter sind auffallend frisch, sondern auch das Wachstum mancher Samen ist ein außerordentlich kräf- ckrges, sofern sie nicht durch den Frost abgetötet werden. Manche Getreidearten wie Roggen und Gerste geben überraschend hohe Erträgnisse, und auch der Graswuchs ist verhältnismäßig sehr stark. Lemström schrieb diese Erscheinungen der Elekrifierung der Luft zu. Nach seiner Theorie befindet sich die Pflanze in einem kontinuierlichen Zustande schwacher elektrischer Entladung, die an Intensität zunimmt,
wenn die Bestrahlung durch die Sonne wächst. Was nun, die Experimente anlangt, die Sir Oliver Lodge mit seinem. Sohne Lionel in Gemeinschaft mit Neumann und Bomforh machte, so wurden sie in der Weise durchgeführt, daß das Versuchsfeld mit einem Netz von an Pfosten befestigten Leitungsdrähten überzogen wurde, durch die Spannungen; bis zu hunderttausend Volt geschickt werden konnten. Die; Wirkung solcher Ladungen macht sich dem Menschen, dep unterhalb der Leitungsdrähte steht, in Form eines Spannungsgefühls bemerkbar, ähnlich wie wenn man eist Spinnengewebe über das Gesicht zöge. Auch das Haar zeigt Neigung, sich zu sträuben. Im Jähre 1908 ergab sich bereits, daß der Ertrag eines elektrisierten Feldes, das mit Cana- dian-Weizen bestanden war, unter gleichen Bedingungen um 40 v. H. überwiegend war. Bei englischem Weizen betrug der Mehrertrag 30 v. H. Zudem war die Qualität des! „elektrisierten" Weizens nach Aussage der Müller eine erheblich bessere, so daß ein um 7y3 Proz. höherer Preis! erzielt werden konnte. Die Versuche des Jahres 1907 lieferten ganz ähnliche Resultate. Auch bei zahlreichen änderest Pflanzen würden wesentliche Steigerungen des Ertrages! festgestellt, so bei Erdbeeren um 25 v. H., Tomaten kamen unter dem Einfluß der Elektrizität früher zur Reife. Auch die Himbeere wird sehr im Wachstum gefördert. Sowohl Blätter wie Früchte gewinnen bei der neuen Behandlung ein charakteristisches Aussehen, das genau erkennen läßt, wo! sich an alten Stöcken zuerst der Einfluß der Elektrisierung geltend macht.
* D a s „Zehnt e". Ein wegen seines Kinderreichtums bekannter Schauspieler — er war bereits neunfacher Vater — erzählte eines Morgens im Kreise seiner Kollegen, daß er soeben wieder „Zulage" bekommen habe, — aber zu Hause, in Gestalt eines Sprößlings. „Herzlichen Glückwunsch, Kollege," meinte ein anderer, „aber hatten Sie denn nicht schon neun?" —■ „Nun? Was macht das?" erwiderte der Vater, „als Schauspieler bin ich natürlich für ein recht volles Hans!"
Literatur.
— Graf Leo Tolstoi charakterisiert Raphael Loewertfeld int; Septemberheft von „Nord und Süd". Ein in eigenartiger Manier von Karl Jozsa ausgeführtes Bild von Tolstoi schmückt des Heft. Von Beruard Shaw, einem der markantesten Vertreter der englischen Literatur, zeichnet Friedrich Brie ein Bild.- JohaUnes Schlaf setzt sich temperamentvoll mit dem Monismus auseinander. Karl Bleibtreu vollendet seine Novelle „Romantische Liebe", die ein Charakterbild Napoleons gibt. Ludwig Geiger behandelt „Goethe im Verkehr". Das Heft bringt ferner eine Skizze „Ans der Art" von Philipp zu Eulenburg, die vor 24 Jahren' erschien und bett Fürsten als Künstler und Novellisten zeigt. — Ein Essay von Erich Felber zeichnet in großen Strichen die Persönlichkeit F. G. Waldmüllers uitb feine altertümliche Kunst. 8 Bilder illustrieren die Arbeit. — lieber Ruisdael schreibt Professor Schubring. 2 Bilder (Rembraitdt- gravüreu) erhöhen den Wert dieser Arbeit.
Ein- und Ausfälle.
Ein Steckenpferd frißt oftmals mehr als hundert Ackergäule.
Einem Zuschauer ist keine Arbeit zu viel.
Dreisilbiges Rätsel.
Die erste, ein belastend Wort, Und trifft es dich, dann sag nur frei: „Was hilft mir nun ein andrer Ort! Mit meiner Ruh' ist's doch vorbei!" Die zweite stellet man uns aus Auf unser eigenes Verlangen;
Doch wird das ganze Wort daraus, Ist mancher dran zu Grund gegangen.
L a u t e r b a ch. e. K.
Auslösung in nächster Nummer. j
Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer:
1. Gaeta,
2. Inn,
3. Erz,
4. Szisze,
5. Emmi,
6. Nürnberg,
7. Eule,
8. Ruhr.
Gießener Anzeiger.
Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


