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Darein hatte sie alles gepackt und mitgenommen. Die Freude, den Frieden — und nun auch noch den Jungen!"--
Nun hat er ihn doch, der mit bcu heißen Augen und den ehernen Kralle».
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Der andere Morgen findet den alten Gutterniaun in einer Verwaltungsstelle des Straßburger Bahnhofes.
„Sie meinen also, die Ucberführuug der Leiche meines Sohnes Wird teuer?"
Der Beamte zuckte die Achseln.
„Der Ziunsarg — der Holzsarg — der Transport; — — 200 Tälcrchen können zusammenkommcn!" — —
Den Alten überlief ein Grausen. Die Gcizfalte vertiefte sich jäh zu einem scharfen Schlitz.
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Der Dorfkönig war wieder im Waldtal. Aber daS war nicht nkchr der alte Dorfkönig. — Das Ueberlcgene, das Sichere hatte sich verfluchtet; selbst das Aufrechtgehen, das Uebcrgerade fiel ihm schwer. Manchmal sank er in sich zusammen. Erst durch einen Ruck richtete er sich wieder auf.
Der Verlust seines Aeltesten und das Wiedersinden seiner verstoßenen Frau, — — das waren Schicksalsschläge, die selbst die steinerne Natur eines Guttermaün erschüttern konnten.
Etwas war in ihm erwackk, was er schon langst verschüttet glaubte, verschüttet durch Gold und immer mehr Gold, — — etwas, das gewöhnliche Menschen wohl Gewissen nennen.
Dieses Ding läßt sich nicht knebeln, nicht verschütten. Und wenn es auch gleich getötet erscheint — es lebt, es reckt sich, cs schiebt sich und dehnt sich bis es wieder Luft hat, und dann wehe dem, der es jahrzehntelang niedergczwungen und dem Schicksale und Jahre endlich die Kraft genommen, weiter mit ihm zu kämpfen! — —
Dem sitzt es mitten im .Leib oder im Kopf, — er weis; cs selbst nicht —, es arbeitet, es ist tätig Tag und Nacht wie ein rastloses Maschinchen. Es spinnt und surrt, — und was cs spinnt und surrt, sind Gebauten.
. Und solcher Gedanken hatte der Dorskönig jetzt gar viele, und sre huschten wie ein Weberschiffchen hin und her, durch sein ganzes Leben fuhren sie und nahmen immer neue Gedanken auf und alles solche, die ihm nicht gefielen.
Gedanken?! — ha — die kann man töten!
Versuchs nur.
Guitermann versuchte cs. — Bei der Arbeit versuchte crs, am Geldschrank versuchte crs, beim Rotspohn versuchte crs. — Waren sie tot?
Für Augenblicke--Also bloß betäubt.
Es war eilt Elend!
Zählte er Goldstücke, so klang cs zwischen durch: Die hast du dem Pfarrer abgeuommeu; — die hast du deut Sepp Mottl abgenommeu; die hast du bei beincnt Bankerott verdient vor zwanzig Jahren! — — —
Saß er int Kontor vor den Rechnungsbüchcrn, so hüpften die Zahlen wild durcheinander und schrieen dazu: Wir sind nicht deine Sklaven wie deine Leute int Dorfe, wir wollen nicht geschnürt und beschnitten werden an Kraft und Lohn wie diese!
Und blätterte er die Lieferscheine durch von all den tausend .Mehlsäcken, die an die Armeeverwaltung nach Straßburg ab- gtngen, so knisterte es unheimlich zwischen den Papieren: Am Sarge detnes Sohnes, im Hause deiner verstoßenen Frau hast du uns abgeschlossen; und andere rannten: Unser Gewicht ist schlecht und unser Kvrn ist Humps!"--—
Da aber lachte er wild auf: „Für die Soldaten ist das gut!"
MU seiner Familie kam er fast nicht mehr in Berührung. Er fürchtete sich vor ihren Blicken, die ihn einen Geizhals nannten, tret er;einem toten Jungen nicht in heimatlicher Erde die Ruhe gegönnt.
Das große ParterreziMmcr war sein Reich. —
Die Holzschleiferei war nun so weit fertig, daß die Maschinen .aufgestellt werden konnten. Baumeister Hennigs Arbeit war getan Am Tage seiner Abreise traf Hugo ein auf Befehl seines Vaters. Doch zwei Stunden später fuhr ihn Merlin schon wieder mrt deut Kvrbwägelchen den Berg hinaus.
Kurz vorher trat er in das Mühlgut und suchte Irene. Hand in Hand standen sich die Geschwister gegenüber. —•
„Dn kommst vom Vater?"
e» ^eger! c , Das erste Mal. Ich sollte sofort von Vetchcuberg weg und hier in die Mühle cintreten. Aber ich habe Mderstanden. Ich lasse mich nicht herumwerfen wie einen Ball.
— Einmal Landwirt, will ich cs bleiben. — Bis znm Frühjahr
bleibe ich noch bei Jllgcu. Dann gehe ich nach Altengrün auf unsere Güter — — und dich nehme ich mit!"
„Und das hat der Vater zugegeben?"
„Nicht gleich, — bewahre! — Er hat furchtbar getobt, s aber ich bin um keinen Schritt zurückgewichen!"
„Und was sagt die Mutter?"
„Die weint, — — die war so gut zu mir, wie lange nicht!" „Die Mutter weint schon imitier, — seit — — seit — __i"
Ihr war selbst das Weinen nahe.
„Der a,rme Otto, — — er war immer für sich, — — f3 wenig zugänglich--bald wie der Vater--und nun —
's ist gräßlich!"
Beide schwiegen eine Meile, in Gedanken bei dem toten Bruder.
--Endlich fragte Hugo: „Wo ist Hennig?"
„Auch fort, — heute früh."
„Nach Meißen?"
„Nein — nach Dresden."
Irene hätte gern ihren Bruder aufgcfordert, den Baumeister in Dresden aufzusuchen, doch in der Scheu der ersten, jungen Liebe wagte sie cs nicht.
„Ich bin Hennig eigentlich viel Dank schuldig, beim die Liebe und das Interesse zur Landwirtschaft hat er mir eilige» pflanzt."
„Er ist ein guter Mensch, — — ich wünsch ihm alles Gute!" sagte Irene leise und mit bebenden Lippen.
„Da braucht er nur dich zu bekommen, Irene, dann hat er alles Gute!"
Die Schwester wandte sich ab, glühende Röte int Gesicht. — „Hugo, ich danke dir für dieses Wort!"
Der junge Guttermann wechselte noch mit Elan ein paar Worte, dann ging es den Berg hinaus.
„Na — Merlin, ich habe auch für Sie eine Handvoll Grüße mit!"
„Haben Sie Magda getroffen?"
„Freilich — — freilich. — — Sie befindet sich sehr wohl, — sie ist auch fleißig!"
„Fleißig?" — r
„Sie lernt Buchführung!"
„Ja--- das kostet aber doch Geld."
„Das — — ach, das wird schon bezahlt." . Hugo war ein wenig verlegen. Mer Merlin merkte das nicht, er war glücklich über sein Kind. — Nur der Zweck dieser Kenntnisse wollte ihm nicht einleuchten.
„Wozu lernt sic denn Buchführung? — Wenn sic Glück hat und kriegt einen Mann, — — na aus der Mühle,--
so — — einen Kutscher oder einen Tagelöhner, — da braucht sie doch teilte Buchführung!"
Sie waren gerade, in letzter Minute am Bahnhof angekommen. Hugo sprang noch in den Zug.
Als er an Merlin, der noch mit dem Gespann draußen hielt, vorüberfuhr, rief er lachend hinaus:
„Magda heiratet keinen Kutscher und auch keinen Tagelöhner!" (Fortsetzung folgt.)
Amdetteid.
Non M a r g a R a h l e.
Nachdruck verboten.
Die Familie befand sich in einem Freudentaumel. Ter Vater war versetzt! — endlich!
Endlich sollte es nun fortgehen aus diesem kläglichen Neste, in dem man nun lange genug — ach, eine schier endlose Zeit geschmachtet hatte! Hinaus in die Welt, in die Großstadt, wo Genüsse aller Art winken.
Stolz warf sich der Major in die Brust. Nun würde: er endlich einmal zeigen, was er konnte, wer er eigentlich war! Die höchste, die allerhöchste Zeit aber auch, sollte für seine Laufbahn, auf der er nur langsam und mühselig voran- geschritten lvar, noch Nutzen haben. Außerdem welch Hochs, geuuß, die nächsten Vorgesetzten nicht immer und immer auf dem Pelze zu haben! Der Schimmel des Obersten, der stets zu ungelegenster Stunde auftaucht, war ihm schon zum wahren Entsetzen geworden.
Ganz anderer Art waren die Gedanken und Empfindungen von Mutter und Töchtern. Mit lebendigem Geist und wahrhaft beueidensivertem Borstelluugsvermögeii schwelgten sie in glänzenden Festen, und am düster um- wölkten Heiratshorizont zog blendend eine Schar leuchtender Sterne herauf. Nun iviirde doch endlich einmal


