Donnerstag den 7. Mar

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Wirket, so lange es Tag ist.

Roman Von Maximilian Böttcher.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Ter Freiherr, der zu Fuß noch größer und hagerer erschien als zu Pferde, und dem in seinem schmalen, blasierten Gesicht zwei kühl und hochmütig blickende Augen standen, empfing Heinz mit fast kränkender Herablassung nannte ihn mit einer an Ironie streifenden HäufigkeitHerr Hilfsprediger" und schlug das trotzdem in höflicher Form vorgebrachte Gesuch mit dürren Worten ab. Warum? ... Es passe ihm nicht, sich sein Wild beunruhigen zu lassen, nm so weniger, als er demnächst den Prinzen So und So erwarte, der im Forstbezirk Fichtenwalde mehrere Hirsche abzuschießen gedächte.

Heinz Vollrath erhob sich.

So viel ich weiß, Herr Forstmeister, entspricht Ihr Verbot keineswegs den Intentionen unseres Kaisers, der die Forsten, soweit es sich irgend mit ihrer Pflege und der Wahrung ihres Schuhes verträgt, der Bevölkerung offen gehalten haben will."

Herr von Bannemann blähte die Nase auf, !vie wenn er Uebles röche, und in der Mitte seiner gefurchten Stirn erschien ein kreisrunder, talergroßer Wulst, der sich auf und nieder schob ein Zeichen dafür, daß er in Zorn geriet. Ohne sich jedoch aus der bequemen Haltung, die er in seinem Sessel einnahm, irgend­wie zu rühren, stieß er abgehackt durch die Zähne:

Ganz recht . . . Indessen, Herr Hilfsprediger. . . über das, was sich 'mit dem Schutz und der Pflege der hiesigen Forsten ver­trägt, habe ich zu bestimmen, nur ich."

Doch wohl nicht so ausschließlich," gab Heinz ruhig zurück, lieber Ihnen, wie über jedem von uns, die !vir staatliche Armier verwalten, steht eine höhere Instanz, die vorgesetzte Behörde."

Der Forstmeister blickte den jüngen Geistlichen an, als wäre dieser irgend ein rätselhaftes Wundertier. Dann nach einer ganzen Weile sagte er mit scharfer Betonung:

Anstatt sich um Dinge zu kümmern, die Sie nicht im ge­ringsten angehen, Herr Hilfsprediger, täten Sie vielleicht besser, die Art Ihrer eigenen Mitsführung einmal gründlich zu über­denken. Es erscheint mir nämlich durchaus nicht als ausgemacht, daß Ihr Biihleu um die Gunst der niederen Klassen wenn ich es auch von Ihrem Standpunkt aus ganz begreiflich finde Ihre Predigten dem Willen Ihrer vorgesetzten Behörde ent­sprechen."

Fest und ruhig hielt Heinz Vollrath den höhnischen Blick, mit dem ihii Herr von Vannemanii maß, aus unb fest und ruhig, wenn auch mit etwas erhobener Stimme fragte er:

Haben Sie schon eine meiner Predigten gehört?"

Ich habe geglaubt, mir dieses Vergnügen bisher versagen zu dürfen, trotz meiner Eigenschaft als Amtsvorsteher," klang die Antwort.

Heinz stand mit zusamnrengebissenen Lippen. Er war bleich geworden, und das leise Wogen seiner Brust verriet, daß er gern noch ein Wort erwidert hätte. Dann aber, ganz plötz­lich, verbeugte er sich mit gemessener Höflichkeit und verließ

das Zimmer, dessen Einrichtung an Prunk und Pracht nichls zu wünschen übrig ließ.

Noch an demselben Tage schrieb er im Einverständnis mit Reichardt ein Gesuch an das Ministerium für Landivirtschast und Forsten, in dem er unter eingehender Darlegung der Ver­hältnisse bat, Herr von Bannemann möchte angewiesen werden, 'ein von der armen Bevölkerung der Dörfer Fichtenhöhe und Schönaue als hart empfundenes Verbot wieder aufzuheben.

Als eines Sonntags es war der erste Lldvent in der Fichtenhöher Kirche Heinz die Kanzel bestieg, sah er, daß die wappeiigezierte, gegen den anderen Raum des Schiffes ge­schiedene Loge der Fichtenhöher Schloßherrschaft besetzt war. Zum erstenmal in den drei Brouaten, die er nun schon in seinem Heimatort amtierte. Die aber hinter der dunkeltönigen, mit reicher Schnitzarbeit versehenen Brüstung saßen, waren der Frei­herr voil Bannemann, Fräulein Friedheim mtb ein schlanker, blasser Jüngling, den Heinz in dieser Stunde zuvi erstenmal sah. Mit großen schwarzen Aiigen, aus denen ein seltsames Gemisch von Andacht und Spannung sprach, sah dieser Jüngling zur Kanzel empor; und die frappante Aehnlichkeit, die zwischen ihm und seiner Begleiterin beftanb, verriet deutlich, daß beide Geschwister ivaren.

Jetzt, da Heinz mit der Bibel in der Hand auf der Künzel stand, fühlte er keinen Hauch der warmen, atembeklemmenden Welle, die sonst immer, wenn er Isabella Friedheim sah, sein Blut durchströmte. Alle seine Gedanken gehörten dem, in dessen Namen er zu predigen hatte, und bis in die tiefste Tiefe war fein Herz von dem feierlichen Ernst seines Amtes erfüllt und durchdrungen. Auch der ^rausfordernd neugierige Blick, mit dem ihn Herr von Bannemann musterte, vermochte nicht, an seiner Seele andachtsvolle Weihestimmung zu rühren.

Mit seiner lauten, volltönenden Stimme, die an den Bogen und Wölbungen der Kirche schallend tviderhallte, verlas er das Bibelwort, über das er zu seiner Gemeinde zu reden gedachte: Apostelgeschichte 4, 3235:

Die Menge aber der Gläubigen mar ein Herz und eure Seele; auch keiner sagte von seinen Gütern, daß sie sein wären, sondern es ivar ihnen alles gemein. Es ivar auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wie viele ihrer waren, die Aecker ober Häuser hatten, verkauften dieselben und brachten das Geld des verkauften Gutes und legten es zu der Apostel Füßen, und man gab einem Jeglichen, was ihm not ivar."

Heinz Vollrath hatte die Schilderung der idealen Zu­stände, die nach Jesu Tode in der ersten Christengemeinde zu Jerusalem herrschten, seiner Kanzelbetrachtung als Leittext un­tergelegt. In leuchtenden Farben zeichnete er die Gestalt des Heilands; alle die herrlichen Taten des Mitleids und der Bruderliebe, die Christus getan, alle die goldenen Worte, die er über das Verhältnis zwischen Reichen und Armen gesprochen, zog er heran und zürnte bann in flammenden. Worten darüber, daß heute, nach fast zweitausendjährigem Bestehen, die Christen­heit noch endlos weit davon entfernt wäre, dem lichten Vorbilde ihres Erlösers ernsthaft nachzueifern.

Wieder ist die Zeit des Advents" so schloß et feine Predigt,wieder kommt dein König zu dir, sanftmütig auf