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war, im oberen' Stock der Bürgerin eisterlvohnung ein Fenster üufgerissen und mit zorngerötetem Antlitz begann das würdige Oberhaupt mit mächtiger, den Lärm übertönenden Stimme seine Philippika: „H . . . .Heimer, ich begreife nicht, wie ihr euch unterstehen könnt, mir, der ich euer Wohl immer im Auge gehabt habe, auf so gemeine Weise euere Mißachtung zu bekuuden. Ich verbitte mir . . Hier wurde er durch einen der Tumultanten unterbrochen mit dem Zurufe: „Was willste dann, willst« vielleicht noch was heraushawc? Komm emal herunner, ich geb dir e Patsch!" Darauf replizierte unser immer schlagfertiger, nie um eine Antwort verlegener Schulz: „Und ich sag euch, H . . . . Heimer, ich komm noch nct enunner, und lvenn ihr mir zwei gebt!" Wenn man auch an Ueberraschungcn gewöhnt war, auf eine so drastische Antwort war doch niemand gefaßt. Der Lärm verstummte plötzlich; sie hatten ihren wackeren Bürgermeister wieder erkannt, dem im Grunde des Herzens nienrand grollen konnte. Das Ende vom Liede war ein jäher Umschlag der Stimmung. Man wollte ein Unrecht sühnen und so gingen die in ihrer Mehrzahl doch wohlgesinnten Bürger von H. erst und zwar etwas beschämt auseinander, nachdem sie ihrem Bürgermeister eilt kräftiges Hoch ausgebracht hatten. —-
Vier Jahrzehnte und noch ein Lustrum sind inzwischen ins Land gegangen seit dem Tage, an dem ich den biederen Alten zum letztenmal sah. Es war im Cafe Ströbel, wo er gleich vielett anderen Landbewohnern von Distinktion Einkehr zu halten pflegte, wenn ihn die Geschäfte in die Stadt riefen. Aeltere Leute werden sich seiner noch lebhaft erinnern. Nun deckt ihn schott lange der Rasen. Ihm war das seltene Glück beschieden gewesen, zur Würde eines Urgroßvaters emporzusteigen und zwar zu einer Zeit, wo sein Vater in seltener Rüstigkeit das 90. Lebens- lahr überschritten hatte. S.
... * Wenn der Kaiser selbst Briefe schreibt, so betreffen sie entweder eine gewisse Staatsaktion, sie sind politisch wichtig, oder sie sind vertraulich im persönlichen Sinne. Eigenhändige Miefe versendet der Monarch nur an andere Monarchen oder an F-amilienglieder, selten an gute Freunde. Irr den beiden letzten Fällen werden die Briefe der Post anvertraut. Offizielle Staatsschreiben aber übergibt man besonderen Briefträgern, kaiserlichen Kurieren, die die Briefe nie aus der Hand geben dürfen und deshalb die Reise bis zum Adressaten selbst machen, diesem auch eigenhändig den Mief ausliefern müssen. Die „feierlichsten" Handschreiben betreffen stets einen Regierungsantritt und kommen naturgemäß im Leben eines Monarchen nur einmal vor, selbstverständlich aber in mehrfacher Anzahl, entsprechend der Anzahl der Monarchen, die von dem Regierungsantritt in Kenntnis gesetzt werden sollen. Die Ueberbringer solcher Handschreiben sind zumeist besondere Diplomaten oder Generale, die mit einigen Begleitern eine ganze Sondermission darstellen. Die Kuriere des Kaisers, die anderweite offizielle Staatsschreiben zu überbringen haben, sind nicht etwa untergeordnete Beamte, Diener oder Soldaten, sondern Offiziere des reitenden Feldjägerkorps. Als Briefpapier bevorzugt der Kaiser rauhes, hellbraunes Büttenpapier von 28 x 37 Zentimetern Größe oder glatte Elfenbeinkartons, die beide nur mit dem kaiserlichen Wappen oder der Krone verziert sind.
* Wenn der Mann herrscht. Wenn die europäischen Frauenrechtlerinnen einmal all ihre Wünsche erfüllt sehen und mit ihrer Zeit gar nichts mehr anzufangen wissen, dann bietet sich ihnen noch ein weites Betätigungsfeld auf den Salomoninseln. Denn dort hat der betrogene Ehemann ohne weiteres das Recht, seine ungetreue „bessere Hälfte" aufzuessen. Aehnliche Gesetze gelten in Indien; denn dort heißt es für die Frau: „Du sollst auf Erden keinen anderen Gott haben als deinen Herrn und Gebieter, deinen Mann!" Ferner: „Wenn der Mann lacht, soll die Frau auch lachen; wenn der Mann weint, soll die Frau auch weinen!" — „Wenn der Mann fortgeht, soll die Frau -fasten, sich auf die Erde legen und ihr Aeußeres vernachlässigen !" — „Wenn der Mann seine Frau schlägt, so soll sie ihm die Hände küssen und um .Verzeihung bitten, weil jte seinen Zorn erregt hat." Und zum Schluß: „Wenn die Frau untreu ist, so darf der Mann sie kreuzigen, verbrennen oder sie in Stücke schneiden . . . ."
* Ueber ein rührendes Beispiel von Gatten liebe wird uns aus Los Angeles berichtet: Der General David Wardwell, der für hervorragende Dienste im Bürgerkriege große Auszeichnungen erhalten hatte,' hat seine Frau, die an Lepra erkrankt ist, aus dem Hospital der Stadt entführt und hält sich mit ihr in Mexiko verborgen, um gemeinsam mit ihr zu leben. Wie die Beamten des Krankenhauses erklären, haben beide gedroht, Selbstmord zu begehen, falls man sie mit Gewalt verhindern wollte, den Rest ihres Lebens in treuer Gemeinschaft zu verbringen, und sie haben sich auch bereit erklärt, sich von aller Welt streng isolieren zu lassen. Mrs. Wardwell hinterließ ihrer Pflegerin folgende Zeilen: „Wir werden in Mexiko nicht belästigt werden. Dort war es, wo wir uns verheiratet haben, und dort wird uns erlaubt werden, gemeinsam zu sterben." „Es ist das Beste, was geschehen konnte," sagte einer der Krankenhausbeamten; „sie ist die Ehefrau dieses Mannes, und er hat den Wunsch, sie zu pflegen und wie ein Held und ein Soldat mit ihr zu sterben." Die Liebesgeschichte des alten Paares ist in ganz Kalifornien berühmt, und die zärtliche Aufopferung des Generals für seine Frau, als untrügliche Zeichen auftraten, daß die furchtbare Krank- heit sie ergriffen hatte, wurde überall im Lande bekannt, so daß alle mit größter Teilnahme von ihm sprachen.
Literatur.
— Die Schönheit, eine Monatsschrift stir Schönheitkultur, herausgegeben von Karl Vanselow, Berlin, Verlag der Schönheit. Heft 2 des 6. Jahrganges. — Das soeben erschienene 2. Helt des 6. Jahrganges bringt wieder eine Fülle interessanter Aufsätze sowie wohlgelungener Abbildungen (Skulpturen, Zeicb- nungen, Aktmünahmen, Landschaften usw.) und einzelne Gedichte. An größeren Aussätzen bringt das Hest zunächst die Fortsetzung der eingehenden und fesselnd geschriebenen Kulturgeschichte des Tanzes von Karl Neurath, die sich diesmal wie auch int 1. He!t mit dem Tanz int Zeitalter der Renaissance beschäftigt, wobei der Verfasser sinnvolle Anregungen zu einer Reform des Tanzes gibt; sodann eine eingehende Würdigung des genialen Bildhauers F. Lepke von Dr. O. Adler, der mehrere Abbildungen der vor- züglichsteu Werke des Künstlers beigegeben sind, von denen der „Sintflut-Brunnen" und ganz besonders „Wiedersehen", mit seiner meisterhast gegebenen Stimmung die hervorragende Künstlerschast Lepkes beweisen. Von den übrigen Aussätzen erwähnen wir noch „Erinnerungen an Teneriffa" von P. Haken Holz, „Körperschönheit und Kultur" von Dr. Brink m a n n und „Stille Bruderschaft" von Dr. S ch e f f l e r. Auch das Beiblatt enthält viel des Interessanten, wie „Die Unruhe des Fußes in der Malerei" von M. T h i e l e r t u. a. — h.
An- und Einsichten.
Arzt sein heißt der Stärkere^iein. Pros. Sehweninger.
Ein sogenannter Mann von festen Grundsätzen ist geivöhnlieh nur ein Mensch, dessen äußere Lage glücklicherweise stets mit seinen Neigungen übereinstimmt. * Kotzebue.
Pedanten machen selbst aus ihrer Liebe eine psychologische Studie. Sie stehen, sozusagen, immer aus dem Katheder, und selbst ihr Herz doziert.
*
Das Konservierungsmittel so mancher Liebe ist die Furcht vor dem Nachsolger.
Quadrat-Rätsel.
Aus den folgenden Buchstaben sollen Wörter der angegebenen Bedeutung gebildet werden. Sind die richtigen Wörter gesunden, so ergeben die Anfangs- und Endbuchstaben von oben nach unten gelesen die Namen zweier deutscher Dichter:
ABBEEEEEEHHIILLMNNOOPRSSÜ.
Werkzeug, weiblicher Vorname, nord. Dichter, Oper, Pflanze.
Auslösung in nächster Nummer
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummerr Das höchste Glück hat feine ßicber.
Redaktion; P. Wtt 1 lo. — Rotationsdruck und Verlag der Brüh l'scher UniversitätS-Buch- und Steindruckeret, R. Lange. Gieße».


