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gebracht; mit dem Gelbe wollte sie sich zunächst zweckmäßig equipieren, um int äußeren nicht hinter ihren Kolleginnen zurückzustehen. Marie Leboyadet war Bei_ einer bekannten Familie abgestiegen und hatte sich am nächsten Tage auf den Weg gemacht, um ihre Einkäufe zu besorgen. Mit Paketen reich beladen, ließ sie sich, von dem Wege ermüdet, auf einer Bank der Place du Procadero nieder. Bald gesellte sich zu der Ahnungslosen ein junger Mann, der mit ihr zunächst ein Gespräch anknüpfte, dann plötzlich die Pakete ergriff und auf und davon lief. Die Bestohlene war über den frechen Raub um so trostloser, als sich in einem der Pakete ihr Geldbeutel mit zwanzig Franks Inhalt befand. Em Schutzmann brachte die Weinende nach dem nächsten Polizei­revier, wo sie den Tatbestand zu Protokoll gab. Soeben wollte sie sich, beruhigt durch die Erklärung der Beamten, daß man den Dieb schon fassen werde, entfernen, als mehrere Schutzleute einen merkwürdigen Arrestanten unter lautem Hallcch und Singen hereinführten. Eirr Mann mit großem Schnurrbart, die Zigarre im Munde, hatte sich in das Kostüm einer Amme gesteckt und in truiikenem Zustande mit dieser Maskerade auf der Straße allerlei Unfug verübt. Kaum hatte Marie Leboyadet diese rauchende und betrunkene Amme" erblickt, als sie ausrief:Das ist der Dieb!" Auf diese Weise kam die Bestohlene schnell zu ihrem Eigentum. Das Geld aber hatte der Dieb vertrunken.

* All zu große Begeisterung. Aus Newwrk wird uns berichtet: Auch freudige Begeisterung kann schädlich werden. Joseph C. Butler, Grubenbesitzer und Millionär aus Cincinati, reiste nach 'Colorado und hielt sich dabei auch in Chicago auf. Er ist ein begeisterter Roosevelt-Bewunderer und während der großen Rede von Lodgc, die so ungestüme Begeisterung entfachte, begann Butler aus Leibeskräften Hurrah zu schreien. Er tat das eine Viertelstunde, >ogar eine halbe, aber dann mußte er aufhören, denn er brach erschöpft zusaramen und verlor, als er in Colorado eintraf, das Bewußtsein. Trotz aller ärztlicher Für­sorge war die Folge seines allzu großen Enthusiasmus nicht mehr abzuwenden und am nächsten,Tage starb Butler als Märtyrer seiner Begeisterung. Denn die Aerzte stellten fest, daß der Tod nur auf die Ueberanstrengung beim Hurrahrufen tzurückzufübren fei!!!

* Ein glasäugiger Löwe. Einer der Löwen, mit welchen Bostock täglich in der Londoner ungar. Ausstellung Vorstellungen gibt, wird sich von nun ab mit einem Glas­auge dem Publikum vorstellen. Das Tier verletzte sich neulich während der Vorstellung int Kampf mit einem der anderen Löwen und bekam infolge dessen eine Entzündung am Auge, die die Entfernung des Augapfels notwendig machte. Herr Bostock ließ darauf von einem Optiker ein Glasauge anfertigen, und dieses wurde heute morgen vor Beginn der Vorstellung von einem Tierarzt eingesetzt.

* Schmetterlingszuchtan st alten. Bei ihrer außer­ordentlichen Mannigfaltigkeit an Formen und Farbeit sind Schmetterlinge bekanntlich ein besonders beliebter Gegenstand kind­licher Sammelluft: aber auch die Naturforscher sind bestrebt, an der Hand möglichst umfassender Sammlungen die Vertreter dieser interessanten Tierordnung zu studieren. Es ist daher begreiflich, daß man so schreibt Dr. A. Gradettwitz in einem prächtig illustrierten Artikel, den die ZeitschriftUeber Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) im 18. Heft bringt daran gedacht hat, auch Schmetterlinge auf künstlichem Wege aufzuziehen. Die erste Schmetterlingszuchtanstalt ist vor einer Reihe von Jahren von dem englischen Jnsektenforscher William Watkitts in Eaft- bonrne, einem kleinen Hafen des Aermelkanals, angelegt worden; sie besteht im wesentlichen aus einem mit Blumen, Sträuchern und Bmunen bepflanzten, und eine Fläche von etwa 4000 Quadrat­metern einnehmenden Gelände, das vor den Meereswiitden ge­schützt und allseitig von einem hohen Gitter umgebeit ist und auf dem mehrere Tausende den verschiedensten Arten angehörenden Insekten sich in voller Freiheit tummeln, um von den Sammlern au hohen Preisen augekauft zu werden. Im Laufe der letzten Jahre sind nun auch in Frankreich ähnliche Anstalten entstanden, deren bekannteste die von Dr. Hugues in Chomsrac und von Herrit Andre in Macon gegründeten sind. Dem Raupenzüchter bietet sich außer feinem Absatz an Sammler auch die Möglichkeit einer industriellen Verwertung seiner Produkte. So werden Damen­hüte zuweilen mit Schmetterlingen garniert, freilich nicht, ohne daß eine besondere Präparierung des Insektes vorherginge. Ferner lassen sich aus Schmetterlingen nach geeigneter Behandlung Broschen Herstellen, und schließlich kann man sie zusamtnen mit gepreßten Pflanzen zur Herstellung farbiger Fensterscheiben be­nutzen. Mehrere französische Raupenzüchter widmen ihre Haupt- aufmerkfamkeit gewissen exotischen Seidenspittnern. Ihr Streben geht dahin, die Spinner im Lande so vollkommen heimisch ztt machen, daß sie in den Wäldern wild fortkontmen könntett und

man nur die Gespinste von den Bäumen abzunehmen brauchte, um außeMrdetttliche billige Seide zu erhalten. Derartige Versuche sind zum Beispiel mit dem Ailanthusspinner Attacus cynthia mit Antherea yamamayn und mit Attacus vrizaba gemacht worden, die sich in unserm Klima sowohl im Zimmer wie im Freien leicht aufziehen lassen, wenn man sie aus Holunder-, Efchen- vder Ligusterzweigen unterbringt.

Erziehung.

~ TO. Gesundheitspflege für die Jugend von Do. I. Wetgl. Verlag von PH. L. Jung, München. Preis 30 Psg. Der Münchener Schularzt Dr. I. Weigl gibt hier der Jugend ein Büchlein in die Hand, in dem sie in die Grundregeln der Gesundheitspflege eingeführt wird. Das Büchlein enthält folgende fünf Hauptartikel: Reinlichkeit, Abhärtung, Uebung, Mäßigkeit und Erholung. Wir können nur wünschen, daß es bei tmserer Schuljugend Eingaitg finden möchte.

Naturwissenschaftliches.

Sajö, Prof. Karl, Krieg und Frieden im Ameisen st aat. Reich illustriert. In Farbendruck-Um­schlag gehe'tet 1 Mk. Verlag desKosmos", Gesellschaft der Naturfreunde (Geschäftsstelle: Franckhsche Verlagshand­lung), Stuttgart. Die Jnsektenwelt ist tote ein Kaleidoskop, das, too immer man hineinblickt, die mannigfaltigsten und überraschendsten Verhältnisse und Lebensbilder auftoeist. Die Kerfe haben sich tatsächlich alle Möglichkeiten des Lebens zugeeignet, und too überhaupt ein tierisches Leben bestehen kann, dort sind sie gewiß an der Arbeit, sich und ihren Nach­kommen die Existenz zu sichern. Für bett Laien sind be­sonders die wunderbaren Erscheinungen äußerst interessant, die sich Bei den Ameisen und Bienen abspielen, z. T. des- halB, weil dieStaaten" dieser Jmmentiere und das Ge- baren der sechsfüßigenBürger" dieser lebhaften Gemein­schaften so überraschend an menschliche Verhältnisse erinnern. In dieser Hinsicht stehen die Ameisen allen übrigen Insekten voran, und so manches, was man ihrem rastlosen Tun abgelauscht hat, ist für den ersten Augenblick geradezu un­glaublich. Das Sajösche Werkchen bespricht dieses rege Leben in seinen wichtigsten und fesselndsten Erscheinungen und führt dem Naturfreunde in leicht verständlicher Weise die­jenigen Betrachtungen vor, die sich bis jetzt als begründet erwiesen haben.

Goldene Worte.

Nicht an allen Orten Sprossen alle Frenden, Nicht an allen Orten Alle Blumeit auf.

Glücklich, wenn du immer Pflücktest jede Blume, Pflücktest jede Freude, Wie der Ort sie bot. Rückert.

*

Die Völker sterben an der Zivilisation. An ihr wird zugrunde gehen, was nicht imstande ist, auf sie einzttgehen. Sie ist der Tod der Unzivilisierbaren. * Rocholi.

Das Ergebnis einer jeden echteit Kritik befestigt, iiidem sie die Herrschaft der falschen Autorität stürzt, die Macht der wahren.

, R. v. Jhering,

Tie vornehmen Naturen, die nicht ztt leben wissen, ohne zu verehren, sind selten.

Rätsel.

Mit e diircheilt es detitsche Gauen, Trägt Lasten stolz auf seinem Rücken, Doch ist ihm'nicht zu sehr ztt trauen, Wenn Lenzwind sprengt des Winters Brücken.

Mit a lehrt es auf eigne Art, Daß große Macht oft schnell verloren, Dem Größten seiner Zeiten ward Zum Domizil es einst erkoren.

Gießen. P.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nu nun er:

1. Macedoitien,

2, Orange,

3. Leopard,

4. Tiber,

5. Kuba,

6. Edith, Moltke Harden.

Redaktion: P. Witiko. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckeret, R. Lange, Gießen.