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Beweglichkeit aller Kräfte nmß entfaltet werden, damit die Fran „Zeit hat" Bisher halten sich viele zu lange bei der Vorrede auf. Sie überlegen zu schwerfällig. Sie sprechen zu weitschweifig. Sie unterscheiden nicht genügend Wichtiges und Unwichtiges.
Es ist herrlich, wieviel ein gesunder Mensch in vierundzwanzig Stunden leisten kann, vorausgesetzt, daß er den Mert der Arbeitseinteilung kennt! Ein Arzt, dessen Arbeitskraft erstaunlich ist, erklärte mir sein System dahin, er habe sein Leben stets nach Fernzielen geregelt und nach Nahzielen. Wer aus einen Berg wolle,, solle nie vergessen, wieviel Schritte er unbedingt in jeder Minute zurücklegen muffe. — Die, die nie laufen, sie stolpern, sie geraten außer Atem, sie ruhen zur unrechten Stunde, sie machen ungleichmäßige Schritte, mal zu flotte, mal zu schleichende. — Zeit haben ist eine Kunst, die früh geübt sein sollte. Im Alltag muß man anfangen, wenn man zum Feiertag gelangen will. Kein Ding im Hause mag zu gering sein, um nicht verstimmend ivirken zu können, sobald ihm sein Recht gekürzt wird. Die Wichtigkeit der Dinge richtig zu messen, ist von höchster Bedeutung. Man kann ein schmackhafteL Mittagessen Herstellen, ohne den ganzen Vormittag mit Zubereitung von Knödeln auszu- süllen.
Die Amerikanerin — ich spreche nur von, bie zu rechnen gezwungen ist, — leistet Außerordentliches in Einteilung ihrer Tätigkeit. Ich beobachtete in Newyork Frauen von Aerzten, Schriftstellern, Kaufleuten, die zwar „Mädchen für- alles" in ihren Wirtschaften waren, die dennoch weit entfernt sind, zu denen zu zählen, „die den ganzen Tag nicht zum Linsetzen kommen". — Allerdings, so ein amerikanisches Hans ist verblüffend praktisch in jeder Beziehung eingerichtet. Daß eine Dame zum Beispiel in der Küche auf einer mühlenartig eingerichteten Vorrichtung wäscht, ist gar keine so große Leistung. ,
In Chicago lernte ich in einem glänzend geführten Sanatoriuin die Leiterin kennen, die tatsächlich ein organisatorisches Genie genannt werden dürfte. Die Dame erteilte vorzügliche gymnastische Uebuugsstunden, sie half durch ihr Verständnis Patienten jeder Art, sie übersah den umfangreichen ivirtschaftlichen Betrieb bis ins Detail, sie hatte jedes Möbel selbst ausgewählt, jeden Angestellten engagiert, im Garten wurde nach ihrer Anweisung gearbeitet, sie nähte die kleidsamen weißen Blusen für sich und ihre zwei kleinen Töchter selbst, sie musizierte jeden Abend mit den Gästen, sie war somit des Chefarztes unvergleichliche Gehilfin; diese Dame hatte scheinbar immer Zeit.
Tas Geheimnis, Vieles leisten zu können, dünkt mir in strengster Pünktlichkeit zu beruhen. Jede Minute kann Nutzen schaffen, jeder Augenblick ist wertvoll. Der Hut, dessen Auswahl drei Tage erforderte, deckt einen Kopf, der hohl ist. In Amerika lachen die Frauen über die, die stundenlang Strümpfe stopfen. Sie behaupten, in dieser Zeit mehr verdienen zu können. Dieser Standpunkt ist nicht so „liederlich", als er den Tüchtigen in Deutschland vorkommt. Meine Bekannten in Amerika kauften sehr billige Strümpfe, warfen die zerrissenen fort und erklärten: „Zeit ist Geld!" „
Es würde zu weit führen, wollte ich hon den Möglichkeiten sprechen, die ein beweglicher Geist mit Leichtigkeit tut entgegengesetzten Arbeiten bewältigen kann. Die Frau eines Landgerichtsrats in einer kleinen Stadt unterrichtete — sie war ehemals Lehrerin —, gezwungen durch schlechte Schulverhältnisse, ihre zwei Kinder selbst. Nach uiid nach gab sie den Bitteic befreundeter Familien iiach und ließ deren Kiicder am Unterricht teilnehmen. Schließlich mußte sie Hilfen engagieren. Eine gut besuchte Schule wurde ihr Werk. Zu den Zeitkünstlerinnen rechne ich auch die Besitzerin eines sehr schönen, großen Sommerpensionates. Jene „hob" ihr Haus nicht allein dur ^wirtschaftliche Gewandtheit, sondern auch durch den Geist, den fie ausströmte, der freudeempfänglicher machte, der anregte und belebte.
All diese Frauen blieben jung. Sie sanken ine zu nur nörgelnden Schwiegermüttern herab. Im Gegenteil: Sie sind es, die den traurigen Schwiegermutt er typus aus der Welt schaffen.
Damen, die in mittleren Jahren meist keine Zeit hatten, haben später — längst vor dem Greisenalter — nur zu viel Zeit. Sie erwarben nichts, so reich an äußeren Gütern sie auch sein mochten. Diese allzu früh Ueberflüssigen wer
den nicht Ivie der tätige Cornelius äußern, als die Achtzig chon überschritten waren: „Ich würde mich baß ärgern, wenn ich nicht jeden Tag jünger würde."
Ost möchte ich flehend meinen Geschlechtsgenossinneu zurufen: Habt Zeit! Bedenkt, wie viel Schönheit wir Menschen in das Leben zu tragen haben! Bedenkt, daß unwiderbringlich der Augenblick ist! Bedenkt, daß nicht nur Möbel, Kleider den Wert des Lebens entscheiden! Bedenkt, daß ein rascher Entschluß oft die beste Weisheit ist! Bedenkt, daß die Tage der Möbel, der Kleider allmählich auch für Euch ihre Bedeutung verlieren! Bedenkt, daß Ihr schnell Almosenempfänger werdet, wie sparsam auch immer Ihr zu wirtschaften verstandet, wenn Ihr beit Augenblicken nicht bett rechten Inhalt zu geben vermögt! Bedenkt, Ihr Frauen, bas Alter! Ihr, die Ihr nicht Zeit inbet, dem Dasein Fülle und Glanz zu geben. Bedenkt, las Leben ist ein Netz aus Gewohnheit gewoben. Webt o, daß Eure Möbel nicht staubfreier bleiben als Eure Seelen. Bedenkt, wie oft Ihr Zeit habt, ein „gutes Kleid" anzu- pafsen, und wie wenig Minuten Ihr einem „guten" Buche widmet. Bedenkt, was das Wertvollste ist! Für das habt Zeit.
Man erfährt meist ausführlicher von den Schaden, die die „zu Geniale" im Hause verschulden, als von den Mängeln, unter denen die Familien der zu Exakten leiden. Liebe schwemmt man eben so gut durch Seisenwasser zum Hause hinaus als durch Geist; das Zuviel ist in jedem Fall vom Uebel. Im Reiche der Hausfrau sollte Maßhalten erstes Gebot sein. Daß eine Speise durch ein Lot zu viel verdorben werden kann, wissen bie „Tüchtigen" — wie man ein Leben verbirbt, wissen sie nicht. Eine gute Hausfrau sein, bedeutet viel! Eine gute Mutter fein, ist etwas Großes! Ideale Gattinnen seid Ihr deshalb noch längst nicht, Ihr Vorzüglichen! Wie tuaneher seufzt über seine brave Frau. Und mit Recht. Seid weniger brav. Denkt schärfer. Handelt selbständiger. Flieht die Masse! Habt weniger Eile! ,
Im Traume gewahrte ich dieses: Auf einer frühltugs- blninigen Aue sah ich zahllose vor der Zeit Gealterte knien, die Arme flehend auswärts gerichtet. Sie schluchzten und richteten bie Blicke erwartungsvoll in die Höhe. Ihre Stimmen drangen zu mir, diese müden Stimmen, die da unablässig stammelten: „Kehrt zurück, ihr einst achtlos vergeudeten Augenblicke!" Plötzlich glaubte ich Millionen leuchtender Punkte vom Himmel fallen zu sehen, die sich rasch in der klaren Luft verloren. In seltsamen -tonen klang es durch den Aether — rauschend wie zerschellende Wogen: Wir haben keine Zeit — keine Zeit — keine — keine Zeit.
Mühevoll richteten sich bie Gebeugten auf und schlichen lautlos heim, zurück in ihre leeren Tage.
*' E i n B a b y v o n 110 P f u n d. Newyork beherbergt etwas, was man beinahe ein Weliwiinber nennen könnte, ein 25 Monate altes Mäbchen, bas ein Gewicht von nicht weniger als 110 Pfiinb hat. Die Heine Riesenbaine heißt Abelina Guitilla und ist bas Kinb eines Schneiders, der im vierten Stock einer sechsetagigen Mietskaserne wohnt. Das Mammutbaby kann in verschiedener Hinsicht als enw Art Retvrd- brecherin angesehen werden. Adelina schlaft nie weniger als vierzehn Stunden am Tage, und obwohl sie erst zwei Jahre und einen Monat alt ist, schreit fie doch selten. Adelina wog, als sie auf die Welt kam, nur wenig mehrmals andere Kinder. Aber sie wuchs zum Schrecken ihrer Ettern mit erstaunlicher Schnelligkeit, wav Wmiderkind 'st bereits von vielen Aerzten untersucht worden. Die Gelehrten haben aber nichts anderes als das enorme Gewicht de? Babys feststellen können. Dabei ißt Adelina nicht so Mel, wie^in Anbetracht ihres Gewichtes erwartet werden konnte «w fitzt mit ihren Eltern am Tisch und genießt alles was jene m sich nehmen. Im letzten Winter gewann Adelina aus &«l»3X»S d°u erfteu Preis, d» fie filt bas fchiu-r«, priichiigst? und wunderlichste «nde«-rt wurde. Und du sie noch immer munter weiter wachst, so hat sie alle Ju§- sicht, in kurzem die erste Riesendame der Welt zu werden.
* Eine A mm e, die — raucht u u d triril t. Auf einer Polizeiwache in Paris spielte sich eine Humoristische Siene ab. Marie Leboyadet, eine Bäuerin ans einem Dorfe der Bretagne, war nach der fraiizösischen Hauptstadt ge- kommen, um sich einen Dienst als Amme zu suchen. Sie | hatte ihre Ersparnisse in Höhe von 300 Franks mit-


