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Wenschenleöen, die Lugen.

Kommt von H. Ehrhardt, Vertafserin vonMittellose Mädchen"

Nachdruck verboten (Fortsetzung.)

Leben Sie mal, wie ich, Herr Direktor, so in dieser steten kleinlichen Misere in einem Beruf, der mir verhaßt ist, schon deshalb, weil er mir aufgedrungen wurde, vor« allen Setten verkannt und angefeindet, nirgends ein war- mes Freundschaftswort wenn man am Ersten seine paar Kröten bekommt, das lähmende Bewußtsein, daß man sparen, darben, ja hungern kann, und doch nicht auskommr und die kleinen läppischen Schulden, die sich einem wie Mühlsteine an die Füße hängen nach außen immer elegant, tadel­los lächeln zu den Sticheleien der Vorgesetzten, der häß­lichen Majorin Liebenswürdigkeiten sagen, eben nur, Weils die Frau Majorin ist, bei jedem liebreizenden Mädchen sich erst erkundigen, ob sie auch alle Eigenschaften für eine Schwiegertochter meiner gefühlvollen Eltern, in erster Linie Geld besitzt ist das ein Leben, in dein man streben kann? Nein, das ist nur eine Tragikomödie, in der man am besten tut, sich vom Schicksal wie eine Marionette hin und her schieben zu lassen."

Sie müßen sehr unglücklich sein, Joachim, daß Sie so wett gekommen stnd."

Ja, ich bin's", der junge Offizier lief erregt im Zimmer auf und ab,ich bin ein Mensch, dein die Schwin­gen gebrochen sind, ehe er zum richtigen SKann gereift war. Ich bin Wohl von Natur etwas zu weich und sen­sitiv ich kann mich von der großen Enttäuschung meines Lebens nicht mehr erholen, es geht langsam bergab mit mir."

Nicht doch!" mahnte der alte Mann,raffen Sie sich auf, Joachim, ehe es wirklich bergab mit Ihnen geht. Sie gelten schon jetzt für sehr leichtsinnig."

So, gelte ich als das?" meinte Joachim schneidend,das freut mich. Nur zu Ihnen sei's gesagt, Herr Direktor, ich belüge sie alle hier, alle. Warum sollen Sie wissen, was ich durchkämpfe? Denken Sie, daß einer mich verstehen würde? Und wer mich verstände, würde mich verachten, daß ich nicht den Mut hatte, meinem Bater alles vor die Füße zu werfen und mir aus eigener Kraft zum ersehnten Ziele zu verhelfen. Ich verachte mich ja selbst darum."

Das sollen Sie nicht, Joachim, Sie sind ein gehor­samer Sohn gewesen und das gerade ehrt und erhebt Sie m meinen Augen." Der Greis zitterte vor innerer Be- tvegung.Es muß Ihnen auch noch zum Segen gereichen. Ter alle Gott lebt noch."

Es lag etwas so Rührendes, Herzbewegendes in den Worten des schlichten alten Gelehrten, daß Joachim wild aufstöhnend in einem Sessel zusammenbrach. Sein dunkler Kopf fiel schwer auf den Tisch nieder

Er weinte.

XL

IM Schloßgckrten von Loßwitz blühten die Veilchettt, Dann lvar es am schönsten in den verwilderten Anlagen,^ die jährlich nur notdürftig in stand gesetzt und dann bett ganzen Sommer über ihrem Schicksal überlassen wurden.. So hatten die lieblichen Frühlingskinder ungestört wuchern können und zogen jetzt ihren blauen, duftenden Blütenteppich über den erst spärlich grünenden Rasen, unter den niedri­gen Büschen hur, deren dicke Blattknofpen soeben aufzu­brechen begannen. Eine strahlende Sonne lächelte voM wolkenlosen Himmel warm und zärtlich auf die aus langem Winterschlaf erwachte Erde herab und liebkoste das schlanke! blonde Ntädchen, das mitten unter den Veilchen kauerte und! die duftenden Blüten in ein kleines Körbchen sammelte., Wie stets war Marga von Trefsenberg auch, bei diesep Beschäftigung mit all ihren Gedanken in St.

Sie "seufzte ein klein wenig mtf, als sie sich jetzt, das! gefiillte Körbchen irr der Hand, erhob. Ihr Ivar so beklom­men und unruhig zumute.

Die laue, sonnige Frühlingsluft schmeichelte sehnsüchtig^ Empfindungen in "ihr Herz. Ein kleiner blonder Offizier mit hübschem, treuherzigem Gesicht und fröhlichen Braun­augen gaukelte plötzlich vor ihren inneren Blicken.

Sie holte tief Atem. Wie kam sie plötzlich auf Walter! von Poseck? Vielleicht, weil sie vorhin in der Zeitung ge­lesen, daß er Hauptmann geworden war.

Vom Schlosse aus wurde jetzt ihr Name gerufen. Es! war die harte, spröde Stimme der Freifrau. Das Mädchen wischte hastig die Spuren des Blumenpflückens von ihrem einfachen Lodenkleide und schritt dann eilig dem Hause zu..

Es mußte ein ganz besonderer Anlaß sein, dessentwegen sie gerufen worden war, denn die Mutter hatte sie in das! Zimmer des Vaters gewinkt.

Der Freiherr saß noch finsterer und grämlicher als sonsts in seinem zerrissenen Korbsessel. Eine Wolke von Tabaks­qualm umhüllte seinen eckigen, grauen .Köpf. Die Freifrau hatte sich neben ihn gestellt und beide sahen sie der Tochter entgegen, die mit heißen Wange«!, ein Bild der Gesundheit und blühendster Jugend, leichtfüßig ins Zimmer trat. Beim Anblick der Ellern stockte ihr Fuß und die Farben laiche« langsam aus ihrem hübschen Gesicht.

Ter Freiherr räusperte sich, fuhr mit der Hand glättend über einen starken, eremefarbigen Briefbogen, der vor ihm auf dem Schreibtisch lag und sagte endlich brüsk ohne jede schonende Einleitung:

Der Ritllneister Kronau hält in diesen« Briefe bei mir! um deine Hand an, Marga, er schreibt, daß du nichts Vock dieser seiner Llbsicht ahnst. Ist das wahr oder hast du die Reisen, die wir dir gestattet, dazu benutzt, hinter unserM Rücken ein Liebesverhältnis mit ihm anzuknüpfen?"

Marga, welche bei den ersten Worten förmlich zu Stein erstarrt war, zuckte jetzt zusammen wie unter einem Peit­schenhieb. Ter herbe, verschlossene Zug, der ihr blasses .Gesicht überschüttete, ließ sie ihrem Bruder Joachim ähnlich