1907
WM.
B
Kun Ken unter der Asche.
Roman von M. Proßnitz (M. Nörenberg). Unbefugter Nachdruck wird gerichtlich verfolgt. (Fortsetzung.)
Unwillkürlich ballte Fredine, als sie sein Lächeln gewahrte, die Hand. Nein, so hatten sie nicht gewettet! Noch besaß er den ersehnte!: Posten nicht! Und wenn er glaubte, ihn ohne ihre Hilfe zu bekommen, so irrte er sich. Nun, ihm das gelegentlich zu markieren, würde ihr eine besondere Freude sein! Freilich — wenn er auf ihre Bedingungen einging, war es etwas anderes! Sie dachte an Radachs ungläubiges Gesicht, als sie ihm den Vorschlag machte,^ tat Adel wieder aufzunehmen. Am liebsten hätte sie jetzt noch in der Erinnerung daran hell anfge- lacht.
Mit anscheinender Aufinerksamkeit betrachtete der Herzog währenddessen eine Mappe mit wertvollen, alten Kupferstichen, die in einer Nische auf einem Tisch lagen. Es waren hervorragend schöne und seltene Sachen, die der Kunstverständige da vor sich hatte. Und doch schienen ihm diese vergilbten Blätter lange nicht so des Anschauens inert zu sein, wie die hohe, stolze Frauengestalt, die, leicht an einen Pfeiler des breiten Bücherschrankes gelehnt, sich mit Uchdorf unterhielt.
■ Ein riesengroßer Kronleuchter hing in der Mitte des Saales von der Decke herab, aber seine zahlreichen Glühlampen verbreiteten, trotz der durchsichtigen Kristallbirnen, nur eine verhältnismäßig matte Helligkeit in dem dunkelgetäfelten Raum.
Verstohlen sah der Herzog zu Dagmar hin. ~
„Wie ein echter van Thk," flog es ihm durch den Sinn. Seine Augen huschten immer wieder zu ihr hin, deren schmales Gesicht mit den goldenen Flechten sich eigenartig reizvoll von der Braunen Wandtäfelung abhob.
Lebhaft und gespannt folgte sie Uchdorss Beschreibung des Secbachschen Gutes, das weiter nach Stralsund herauf lag.
„Leider, so >veit, daß ein häufiger Verkehr mit den sympathischen Menschen nicht gut möglich ist," meinte sie bedauernd. „Wir werden uns ivohl auf ein oder zwei Besuche int Jahr beschränken müssen! Umsomehr, als mein Manu gern wieder an den Hof zurück will."
„Und Sie haben keine Lust dazu?"
„Wenig," meinte sie ehrlich. „Tenn seit ich es kennen ge- lernt habe, liebe ich auch das Landleben. Auch hält mich der große Pflichtenkreis, den ich hier habe, mit tausend unsicht- baren Faden. Magnus hat freilich in der Stadt auch seine Beschäftigung ..."
„Aber Ihnen würde es unlieb sein, zurück zu müssen?" Ersah sie forschend, überlegend an.
„Nein, Herr von Uchdorf, unangenehm nicht. Ich wünsche tzs sogar dringend — weil Magnus solchen Wert darauf legt," vollendete sie leiser.
So sehr liebt sie ihn, dachte der Rittmeister bitter.
„Ich wünschte, ich hätte in dieser Sache einen kräftigen Fürsprecher," sprach Dagmar mit gesenkten Augen. Ihre Stimme klang weich und bittend.
Langsam beugte er sich ein wenig zu ihr hin.
„Tas ist doch Frrtmdesrecht!"
Sie sah ihn still an. Dann reichte sie ihm mit warmem Truck die Hand.
„Welch Idyll," tönte in demselben Moment die schrille Stimme der Gräfin Lindstrom in neckisch sein sollendem Ton, laut durch das hohe Gemach.
Verlegen zog Dagmar ihre Hand zurück. Da kam der Herzog ihr zu Hilfe. Er, der mehr als die andern die Unterhaltung der beiden beobachtet hatte, war auch von ihrem völlig harmlosen Charakter überzeugt.
„Fordern Sie nicht den Neid der übrigen Sterblichen heraus, Uchdorf," meinte er scherzend. „Oder ist es den andern auch vergönnt?" wandte er sich an die Baronin.
Mit einer überaus anmutigen Bewegung reichte sie ihm die schmale Hand.
„Hoheit werden mich so sehr verwöhnen, daß ich gar nicht mehr ohne fürstliche Huld ausrommeu kann."
„Ist denn das unbedingt nötig?"
„Wenn wir dauernd hier in Veltlingen bleiben, leider wohl!" mischte sich der Kammerherr mit schlecht verhehlter Spannung ein.
„Ja, wenn ■—" lachte der Fürst, aber er tat ihm nicht den Gefallen, tat Satz zu vollenden. Mit dem harmlosesten Gesicht der Welt fragte er vielmehr, wenn am andern Morgen die Pürschfahrt angetreten werbe, auf welcher Oberförster ihn begleiten solle.
„Eine halbe Stunde vor Tagesanbruch, Hoheit," gab Veltlingen Auskunft.
. „Uchdorf schicken Sie aber lieber nach der andern Seite auf 'nen Bock," meinte der Herzog lachend. „Tas Zusehen beim Schießen hat ivohl noch keinem passionierten Jäger Spaß gemacht. Und nun, meine - gnädige Fran, gestatten Sie, daß wir uns zurückziehen. Morgen ist auch noch ein Tag, und für uns Jäger beginnt er früh."
„Waidmannsheil! Eure Hoheit!"
„Maidmannsdan?, edle Schloßherrin."
Ta die Herzogin sich auch erhob, wurde der Aufbruch allgemein. Als man auf den Flur trat, sprang Hektor freudig winselnd an Tagmar empor. Veltlingen runzelte die Stirn, aber seine Gattin wandte sich mit einem entschuldigenden Lächeln an die Hoheiten.
„Er ist so an mich gewöhnt, denn er liegt sonst den ganzen Tag tn meinem Zimmer, begleitet mich auf allen Spaziergängen. Ich bin froh, daß Magnus ihn mir läßt, denit früher hatte er ihn immer um sich."
„Alle Herzen macht sie einem abspenstig!" scherzte Velt- lingcit mit einem gewissen Stolz.
Eilt Schatten flog über Tagmars Züge. Vor ihm hatte der Hund nur Furcht. Angstvoll iprang er jetzt auch zur Seite, als Veltlingen in feine Nähe kam. Uchdorf sah das alles wohl, ttnb es gab ihm zu denken! —
Aber als er am andern Tag die ruhige Freundlichkeit sah, die Tagmar für ihren Gatten hatte, da meinte er, daß die sor«


