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Ale Maurrntäuze in der Lüneburger Kkide.

Bon Thies, Hannover.

Tie Tanzvergnügungen in den Dörfern nahe der Großstadt unterscheiden sich in nichts von denen der Städte, der nivellierende Einfluß der Großstädte hat hier jede ländliche Eigenart vernichtet. Nur in den ländlichen Bezirken abseits der großen Städte und Verkehrsstraßen bestehen noch die alten Bauerntanze ut ihrer Terb- Üeit und Ursprünglichkeit. In dem unweit von Hannover gelegenen hessischen Kreise Rinteln und dem Fürstentum Schaumburg-Lip^e haben sie besonders ihre ursprüngliche K>rm bewahrt, noch verstärkt durch die eigenartige bunte Tracht des weiblichen Teils der -be- völkeriing. Neben den bei der Landbevölkerung wohlbekannten und beliebten' städtischen Riindtänzen werden dort die alten Bauerntanze besonders gepflegt, und die Lust erreicht ihren Höhepunkt, wenn der Tänzer sein Mädchen in die Höhe wirst, worauf dasselbe mit einem kräftigen Juchzer antwortet, der in tonem Tonfall an den Schreckruf eines Mädchens erinnert, an dem unvermutet eme ihr aber doch nicht Weiter unangenehme Zärtlichkeit verübt wird.

Diese ländlichen Feste werden mit besonderer Borlreoe von tonst immer in die strenge Form konventioneller «itte elngezwangten Großstädtern besucht, um dort zu beobachten, daß wahre Lust und Freude nur unter Ausschließung leben Zwanges m ungebundener Freiheit gedacht werden kann; auch,Maler und Malerinnen VM- weilen dort gern, um das Volk tit seiner Derbheit, Ursprunglrcykeit und Lust kennen zu lernen und die alte bunte Traust, die ihrs ursprüngliche Form bewahrt hat, zum Gegenstand ihrer Studien 5U '"luch^ in der Lüneburger Heide sind bei der,Bevölkerung die alten Tänze ihrer Voreltern, nicht in Vergessenheit ,geraten. Das kann auch gar nicht anders fein, denn bei diesen ranzen kann ba^ Volk seiner ungebundenen Ausgelassenheit die Zugel schießen lassen, alle singen beim Tanzen, auch die, Musikanten, ^myzer ertönen, mit den Füßen wird getrampelt, die Tänzerinnen lassen sich manche kleine Zärtlichkeit dabei gefallen, der Lust tut eS keinen Abbruch, wenn die Musikanten infolge übermäßigen Zuspruchs geistiger Getränke ihren Instrumenten gar jämmerliche Tone ent- loFeu, und neben den Hellen Stimmen der Mädchen und Frauen zu beibfit ©eiten des TlmzsMteZ nuf bet ves rbnueru bre Kühe und Ochsen brüllen. ,

In der Lünebrirger Heide wurde ut alter Zeit ganz besonders viel getanzt, viel mehr als heutigen Tages. Früher war fast tn jedem Kirchdorf der Heide Jahrmarkt, und bei ledern Wirt un Orte Tanzmusik, regelmäßig wurde ferner am zweiten Festtage der großen christlichen Feste im Kirchdorfe getanzt, es, kam dann wohl vor, daß die Jugend ihre Tanzlnst nicht bändigen koniite und schon vor Beendigung des Nachmittagsgottesdienstes die Muse­kanten ausspielen ließ, und daß zum Entsetzen aller der Pastor erschien und Ruhe gebot. Das in der Heide so beliebte Scheiben­schießen wurde meist mit einem Tänzchen beschloßen. Dann gav - es noch Tanzvergnügungen, an denen sich besonders die Verhei­rateten neben der Juugmannichäft beteiligten, ^n den t tonen Dörfern wurde häufiger in der Gewißheit, daß die obrigkeitliche Genehmigung zum Tanzen ihnen verweigert wurde, ohne diste Erlaubnis getanzt, man war dann aber auf der Hut vor Ueber- raschungen und Ueberrumpelungen durch den Bogt; sobald er tn der Nähe des Torfes auftauchte, wurde der Musikantentlsch, tn eine enttegene Ecke gestellt,- die Bier- und Branntweinglaseü ivurden versteckt und die Tanzenden verbargen sich tn Schuppen und Ställen. Nachher nahm das Vergnügen seinen Fortgang Diese vielen Tanzbelustigungen wurden noch vermehrt durch das Erntefest, Fastnacht (FaUahm), Hochzeiten und, andere fröhliche An­lässe. Tie Musik beschränkte sich meist auf Violine und Baßgeige. Tie Tanzlnst war aber so groß, daß häufig noch am Sonntag abend eilt Tänzchen veranstaltet wurde, wobei man sich mit einem geblasenen Kamm begnügte. Diesem Uebermaß von Ezlust hat die Regierung durch auhaltendes Versagen der! Erlaubnis gesteuert.

In alter Zeit waren die bunten Tänze bevorzugt, gleichbe­deutend mit dem altdeutschen Reihentanz. Tie Auswahl war hier groß, beliebt waren Contretänze, wieLustig vorm Wh , Cuntra Tweetritt" undDroitritt",Cuntra mit de Wuidmohl und viele andere. Bei Cuntra mit de Windmöhl 6ilbeten vier Mädchen mit dem Rücken aneinanderstehend eineWindmühle, während ihre vier Tänzer sich als Windmühlenflügel um sie drehten und mit den Händen klappten. Zu den bunten Tänzen wurde fast immer gelungen. Tiefe Tänze wurden gegen Bezah­lung an dem Musikantentisch bestellt, das Bezahlen wechselte ab, wer über wenig Geld verfügte, sah zu, daß er sich nie an den Musikantentisch herantanzte, und konnte dann mit ein paar Gro­schen in der Tasche sich die ganze Nacht vergnügen. Getanzt wurde durchweg im Sommer in Hemdsärmeln und linksum. Die Singweisen zu den bunten Tänzen waren von den Musikanten gedichtet und von ihnen in Musik gesetzt.

Zu einem Schottischen wurden gern folgende Lieder gelungen: En oler Buer von föstig Jahren,

De wol geern sind Freustück sparen,

Gele Arskm, wite Bohiien, gele Arfken, wite Bohnen, Gele Arfken was sin Clör (Couleur), was sm Clor, Ach, wenn't doch Man ers Middag toör.".,..

Bei der letzten Strophe:Ach, wenn't doch man ers Middag .JvSr,"setzte d.ieMe Mhgeige ttn.

1.

2.

3.

4.

In Scharrl staht se dünn." f .

Tie Bauern in Scharrl im Kreise Soltau hatten früher äus- gezeichnete Holzbestände, durch die leichtsinnige Mirtichast ihrer Kinder und Eiikel waren die schönen Holzbestände arg gelichtet, die Bewohner der benachbarten Dörfer kühlten nun ihr Mütchen durch dieses Spottlied an Scharrl. Ein Inhaber der weitbekannten Firma Breiding u. Sohn in Soltau hat in Scharrl Grundbesitz erworben! und dieses kleine Sieb vor der Tür seines herrschaftlichen Land­hauses anbringen lassen.

Beim Rheinländer wurden folgeuoe Lieder bevorzugt r Erst up den Hacken, un denn up de Tön, O, Mudder, wo geiht doch de Rheinländer schön.' De Scheerensliper Oppermann, De kam mit sin'n Küren au, Nn gah ick hen na Selig, na Selig, Da sünd de Scheeren billig." Lütje bau dil't man, Lütje bau du t man, Du kriegst ja gor keinen betern Mann." Wenn hier en Pott mit Bohnen steiht, lind da en Pott mit Brie, Dann lat ick Brie und Bohneii stahn,

Oder auch:

Lott is död, Sott is död,

Jule liegt im Starben,

Tat is god, bat is god, Dann gift wat tau Arben." Ein anderes beliebtes Lied:

Mit den Füßen geht es trapp, trapp, trapp. Mit dm Händen geht es klapp, klapp, klapp, Mudder, Mudder, wat is bat?

Deern, du kriegst mit be FÄrtaug wat."

Ein weiteres:

Eduard, füng an to stricken,

O, wo is denn min Mariekm,

Up den Saal, np den Saal, Tanzen will fe noch enmal." Noch eins:

Heinrich, de dicke fette,

Tanzt fick bat dm Doimerwedder, Mit sin Teutschen up de Bein, Tat gilng ganz verdmbelt sein." , Im Kreise Soltaii wurde zum Schottischen bann noch folgechf des Spottlied gesungen:

Wenn't allerwegen düster is, In Scharrl schient be Sünn, Wenn allerwegen de Böm dick steiht,

Und griep na miner" Marie." .

IM Kreise Burgdorf wurde auch öfter zum Rhepilander gesungen: _

SyroP her, syrop her,

Honig, dm mag ick nieh mehr."---

Beim Walzer warm besonders folgende Lieder beliebt: N.ach der Melodie von Feinsliebchen mein unterm Rebmdach:

Hatten Lma mit be Newelkapp, Kiek mal tum Feiistcr ritt, Mak apen Mal diu Etelschapp, Min Magen bellt ganz tut." w

Ober"As ufn Großvader be Großmiidder nahm. Ein anderes Lied aus dem Kreise Soltau lautete so:

Hans Hering, Hans Hering, hast Du nnsen lüften

" (Krisch an nicht sechste

Ick seih em gistern Abend na Scharrl hen teihn. Mit sin'n körten Rock, mit sin'n lüften Bem n, Min Lev Tag hev ick sön'n lüften Kirl mch seihn." b^"",',Tat Du min Schützten bist, bat Du wol weW, , Kmnm hüt Abend, kumm hüt Abmd, feg. mick Bescheid.^ Noch ein anderes: . ,

Feiiisliebchcn mein unterm Rebmdach, Erhör mein heiß.s Fleh'.i, Es hat geregnet den ganzen Tag,

V Laß mich nicht länger stehn.

Wohin ich blicke, kein Obdach mehr, Der Magen ist "ausgehungert so sehr.

Feinsliebchen mein unter'm "Rebendach, Erhör mein heißes Fletzu."

SBeint Galopp war derPst-Pst" und der Trichinengalopp besonders beliebt: m

1.Wmi, be Brog am stech* An'ne Eck und ffeitt., Ganz bedräuwt, Weil hei glauwi Sin Katrin hat em verlalen, Doch Katrin, be Popp Matt bat Finster op: Krischan kumm;

IKÄ flitu «! «r .

2.Trum esset nicht von diesem Schwein, Es möchten drin Trichinen fein, , Drum esset nicht von diesem Schwein,