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Wissen. Sie war ja Nicht seine Schwester. Der Gedanke, sie mit sich sortzunehme», sie ganz zu eigen zu haben, berauschte ihn. Aber in seinen nächsten Ziikunstspläneu war kein Raum für ein Weib, die hemmte ihn in seinem freien Flug. Ja, wenn er ein anderer wäre, als der er war, und hier in des Vaters Comptoir seinen Platz nach dessen Wünschen eiNnahm, unter den Zahlen vegetierte, dann wäre solch ein süßes Weib an seiner Seite Erquickung in der Oede des Daseins. Da wäre er bereit, um ihrettoillen auch Hemmnisse zu überwinden rind Kämpfe zu bestehen, wenn sie nicht zu umgehen waren. Aber ihn lockte anderes. In Paris, wo er seiner Kunst zu leben ge­dachte, wo er sich hohe Ziele vorgesteckt, bedeutende Berbiit- bindungeu und Ruhm zu gewinne» hoffte, da konnte er keine Schlinge um seinen Fuß gebrauchen.

Und da saß sie vor ihm, und starrte ihnr so angstvoll, so flehend in das Gesicht.

Warum sollte cs nicht möglich sein, wenn du mich liebst," sagte sie leise;Papa Lut dir schließlich allemal beineit Willen, ach, Roderich! Jetzt weiß ich, was Liebe ist. Deine Küsse haben es mich gelehrt, Liebe ist etwas Gewaltiges, Großes, Gött­liches tag cs mir Roderich du fühlst cs auch." (Fortsetzung folgt.)

Milder aus dem rumänischen Waneruü'öen.

Mag cs den energischen militärischen Maßnahmen der rumä­nischen Regierung auch gelingen, der augenblicklichen aufständischen Bewegung bald Herr zu iverden, so werden doch mit deren Be­seitigung nicht auch die ihr zu Grunde liegenden tieferen llr- sachen aus der Welt geschafft werden. Schon die Tatsache, daß ein unterdrücktes Volk in solchen Massen und mit solcher, fast möchte man sagen, elementarer Gewalt sich gegen das Juden­tum wendet, müßte den Staatsmännern und der Presse hüben wie drüben der Donau zu denken geben und sie veranlassen, einmal dem wahren Grund für die Bauernreyolte uachzüspüren. Statt dessen gefällt man sich in Verdrehungen und Beschönigungen und sucht die Schuld für die unsagbar traurigen Zustände lediglich den Großgrundbesitzern und Bojaren aufznwälzen. Wie liegen nun aber die tatsächlichen Verhältnisse?

Zunächst sind die Bojaren oder Fürsten überhaupt kein Adel in unserem Sinne, da 3iuntäniyt den erblichen Adel nicht kennt. Die zahlreichen rumänischen Fürsten, die als solche vielfach int Auslande leben und sich nicht immer einwandsfrei dort führen, stammen überhaupt nicht aus Rumänien, sondern sind meist grie­chischer Herkunft. Mer ihr Fürsteutitel stammt auch nicht aus Griechenland, da das Volk der Hellenen einen Adel ebenfalls nicht kennt. In ihrem Besitz befinden sich vielfach die rumäni­schen großen Güter, Mer sie bebauen sie nicht selbst, sondern ziehen es vor, ei» liederliches Leben in Bukarest oder im Aus­lande zu führen und ihre Geschäfte durch die Juden besorgen zu kassen. Und diese Juden meist aus Galizien oder Ungarn ein­gewanderte Jtrden von ganz besonders feiner Qualität besorgen die Geschäfte der Bojaren nur allzu gut, natürlich in ihrem Sinne. Sie treten als Großpächter auf, kümmern sich aber nicht um die Bewirtschaftung, sondern parzelliereit das Land, geben es weiter in Pacht, und diese Pächter schließen nun wiederum mit Unter­pächtern neue Verträge. Bon. solchen erst erhält das Land der rumänische Bauer zur Bewirtschaftung. Ans diese Weise sind nicht weniger als 915 Güter in den Händen fremder Pächter mit einem Pachtareal von 855 687 Hektar. Die Bauern sind lediglich Sklave'» dieses landwirtschaftlichen Pachtsystems, sie müssen, wäh- rend der Großpächter nur 15 bis 20 Franken für eine Falce (1.43 Hektar) bezahlt, 60, 70, ja 80 Mark an Pachtzinsen entrichten. Das Teuflische aber in diesem System besteht ferner darin, daß der Bauer mit seilten Knochen die Pachtsumme an den Juden zu zahlen hat. Wie da Arbeitsleistung bewertet wird, mag man er­sehen, daß der Bauer für je 1 Falce Pachtgeld 1 Falce Saat ein- zuernten, eine halbe Falce Matsland ztt pflügen oder zu hacken, und außerdem noch 20 Tagewerke strenge Arbeit ztt verrichten hat. Man beachte ferner, daß für den Judett die gesetzliche Festlegung einer Falce auf 80 Prajines, bei der Verpachtung für bett Bauern nur zu 40 bis 50 Prajines gerechnet wird, während für die Arbeitsleistung der Baucrtt 100 bis 120 Prajines in Anrechnung gebracht sind. Genau derselbe Betrag findet bezüglich der Vieh­weiden statt, die der Bauer, wenn er sie nur einigermaßen ausnutzen will, infolge der wucherischen Auslegung der Pachtbestimmungen anstatt einmal dreimal zu bezahlen hat. Daß unter solcheit Ver­hältnissen die armen und ungebildeten Bauern in einer surcht- baren Notlage lebe», ist klar. Sie, die im Schtveiße ihres An- gesichts bett Boden bebauen und das Vieh auf bett Weiden hüten, haben weder ordentliches Brot, um ihren Hunger zu stillen, noch Milch zur Ernährung ihrer Kinder. Es ist geradezu unglaublich, daß i» diesem so überaus sruchtbarett Lattde tausende vott Bauern überhaupt feilt Brot zu Gesicht bekommen, sondern nur scheußliches, verdrecktes, stickiges Mehl. Dieses erzeugt jenes seltsame menschliche Leiden, die Pellagra, die besonders die rumänischen Landletite befällt, sich in Jucken der Haut, in Rot- Werben derselben äußert, den Darmkanal, das Nervensystem er­

greift, jede Tätigkeit verhindert und in vielen Fällen zur Tob- S und zum Irrsinn führt. Der Krankheit wird weiter

chub geleistet durch die überaus schlechten Wohnungen, in denen die Bauern leben. Von allen Häusern in den rumä­nische» Dörfertt sind nach amtlicher Statistik 74 665 aus Stein oder Ziegel, rund 300 000 aus Holz, rund 590 000 aus Lehm. Etwa 56 000 Familien leben als Troglodyten in elenden Höhlen.

Wenden wir tuts ituit den landwirtschaftlichen Verhältnissen int einzelnen ztt unter Zugrundelegung des Werkes von Bergner Rumänien". Dieser vorzügliche Kenner des Landes, be­sonders der Landbevölkerung, der ebenfalls energisch den Stand­punkt vertritt, daß in der Hauptsache die Juden für die trau- rige.it Verhältnisse verantwortlich seien, führt als andere Gründe »och den mangelhaften Betrieb der Bodenkultur au. Die Düngung ist fast noch int ganzen Lande unbekannt, Dünger und Stroh werden einfach verbrannt. Ist die Ernte vorüber, so bient der Bodett als Weide, von einer Stallfütterung ivill man im Lande nichts wissen; an den wenigste» Orte» trifft man Ställe, in der Regel bleibt daS arme Bich den ganzen langen, eisigen, strengen Winter über im Freien. Seine Nahrung besteht während­dem aus im Sommer zusammengerafftem oder zusammenge- kaustem Kukuruzstroh; ist dieses aufgezehrt, bann,mag es nur getrost den Schnee wegscharren unb sich kümmerliche Nahrung suchen, loozu hat es denn Füße! Bleibt ja. einmal Stroh und Heu übrig, so wirb cs bei eintretendem Frühjahre vielleicht gar wegen Platzmangel; so iverden vielleicht die Rumäne» sage» einfach verbrannt. Die Wirkung eines derartigen Verfahrens ist leicht cinzuschen: jährlich verhungern und erfrieren nicht nur junge Schafe, sondern auch alte, sowie Hornviehstücke, alle Rasselt aber fiitb degeneriert, und das rumänische Vieh läuft mithin Gefahr, gänzlich wertlos zu, iverden. Mit der Grausamkeit paart sich die Gewissenlosigkeit. ,@in Grundbentzer cm der unteren Donau ließ beispielsweise trotz der bevorstehenden FrÜhjahrsüberschwemmungen der Stromniederungen sein Vteh nicht von dort wegtreiben; das Resultat bestand darin, daß 500 Stück Hornvieh in den Fluten umkamen.

Eine beachtenswerte Milch- und Käsewirischast kennt man in Rumänien nicht, man kennt auch itt dem Lande, wo Spargel und Spinat wild wachsen unb das Klima allen anderen litt- ternehmungen günstig ist, keinen Gemüsebau; kämen nicht die Bulgaren, die ausgezeichnete Gemüsebauern sind, so würde man int ganzen Lande keinen Salat und keine Möhre fütbett. Die Obstbaumzucht, die eine Zeitlang aufzublühen schien, ist bei­nahe vollkommen nntergegangeu, ebenso die Leinkultur. Traurig steht es au ch um die Bienenzucht. Rumänien, dessen moldauische Pferde einst für die preußische und österreichische Kavallerie ge­sucht waren und schon in dem Kriege Friedrichs des Großen und Napoleon I eine hervorragende Rolle spielten, züchtet heute kleine, unermüdliche und behutsame Pferde, die aber nach un­serem Gewährsmanne zunt Ziehen großer Lasten unbrauchbar ge­worden sind. Schöne Herden Vieh findet man besonders in den Bezirken Doruhoiu, Bewsani und Falciu, kurz itt den Pruthnicderungen, wo das üppigste, saftigste Gras den Rindern bis an den Bauch reicht. Das Schwein ist eine Art kleines Wildschwein, sein Fleisch kann ausgezeichnet genannt werden, ebenso das des Hammels. Besonders liefert die Tsigay-Rassö so vorzüglichett Braten, daß die Sultane nur von ihr leben wollten; vorn Federvieh fallen besonders die stattlicheit unb zcchlreicheu Truthühner auf. ,

Suchen wir nunmehr das rumänische Landvolk auch nach der mehr heiteren Seite kennen zu lerne». Die Musikinstru­mente des rumänischen Landvolkes kamt man nach A. % Odo- bescu itt drei Klassen gruppiere», in Saiten-, Blas- und Schlag­instrumente. Erstere sind durch die Geige (Viola, Laut» oder Dibla) und die Cobza oder dreisaitige Mandoline repräsentiert. Unter den VlasinstrUmenten finden wir die Dudclsackpfeife> daS Lieblingsinstrument der itt Rumänien ansässigen Bulgaren daun den Buciüm, eilt großes Horn ans Kirschbaumholz, die Flurier, eilte Art Flöte oder Flageolett, den Caval, eine Oboe mit gedämpftem, futitnieubent Ton, und die Tilinga oder Pseife; diese Jnstrnmcnte benützen vornehmlich die Gcbirgshirten, die ihre lange» Mußestunden mit Musik erheitern. Endlich ist hier noch die Pansflöte, rumänisch Naiu ober Museal, zu er­wähnen. Das Schlaginstrument, das mau in bett Orchester» der jüdischen Bevölkerung und bei den nomadisierendem mit Tanzbären umherwandernden Zigeunern des Landes findet, ist die Daira oder baskische Trommel. , _

Das gewöhnliche rumänische Festorchester in der Stadt tute auf dem Lande ist von Zigeunern zusantmengewtzt. Bet,diesen lebt das Gewerbe der Lautari oder Musiker von Generatioit zu Generation fort. Eine rumänische Lautaribaude besteht min­destens ans drei Mitgliedern; der Führer spielt die Geige und gibt die Melodie, der Cobzaspielcr begleitet ihn, gibt den Takt auf den Saiten seines Instrumentes an unb singt dabei, wen» mit der Melodie ein Gesang verbunden ist, der dritte spielt die Pansflöte, mittelst welcher er der Arie mehr oder weniger quiekende Koloraturen hiuznsügt. Jede Schenke in Ru­mänien hat ihre Lautaribande, die mit ihren Gesängen und Waisen die sonn- tinb festtägige Muße abkürzt. Die Dorfbe­wohner versammeln sich dann dort, nm die tanzende Jugend zu sehen und den mehr ober minder leidenschaftlichen oder