Samstag den 13 April

1907

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Dem Irrlicht Nach.

Roman von Alexander Röme r.

Nachdruck verbotet.

(Fortsetzung.)

Sylvia ftfliib verwirrt, fast betäubt. Warnt dies Reden eurer halb Verständigen inran konnte mitunter Ziveifel hegen an der Klarheit im Oberstübchen bei der Tante oder was bedeuteten sie? Ihre junge, leicht erregbare Phantasie machte aber unwillkür­lich einige rasche Sprünge, und ihr Herz schlug ungewöhnlich.

Da öffnete sich die Zimmertüre, das Hausmädchen steckte den Kopf hereiir und meldete:

Herr Kommerzienrat läßt Fräulein Sylvia bitten, zu ihm hinunter 51t kommen. Der Herr ist in seinem Arbeitszimmer."

Papa? WaS mag er von mir wollen?" sagte Sylvia, sich mübfanl sammelnd und halb erschreckt. ES wandelte sie ein Gefühl an aus ihrer Kinderzeit, wenn sic tvegen begangener Un­arten zum Pater zitiert worden, und in heilloser Augst dem Gebote gehorcht hatte. Es war dann meistens nicht so schlimm mit der Strafe geworden, aber des Vaters Art setzte rwgemessenen Respekt.

Ja, was mag er von dir wollen?" wiederholte Frau Zer- nial mit finsterem Stirnrunzelu. Auch sie vermutete nichts gutes. Dir rioch einmal sagen, daß du ein armes Mädchen bist? Laß dich aber nicht einschüchtern."

Sylvia warf die Malschürze ab und zupfte ihr Kleid vor­dem Spiegel zurecht. Die Gedanken flogen wirr und kraus durch ihren Kopf. Sie hörte nicht mehr, was die Tante sagte, sic kom­binierte allerlei. Seit wann hatte sie angefangen zu kombinieren?

5. Kapitel,

Der Kommerzienrat schritt in seinem Zimmer auf und ab, und trug eine zufriedene Miene. Es war nach seiner Meinung ein rechtes Glück, daß dieser prächtige Mensch, der Doktor Billatte, seine Augen gerade auf den kleinen Kobold, die Sylvia, ge­worfen. Der junge Mann hatte ihm eben wieder den vortreff­lichsten Eindruck gemacht, ehrenhaft, warmherzig, gescheit. Der gehörte nicht zu dieser weichlichen, blasierten Sorte, die in erster Reihe für sich selbst höchsten Lebensgenuß anstreben, der war ein­fach in seinen Ansprüchen und stützte sich einzig und sicher ans die eigene Kraft. Er hatte schon etwas geleistet, im Alter von fünfzehn Jahren -angefangen zu erwerben und Eltern und Gc- schivister zn stützen. Jetzt hatte er vielversprechende Aussichten.

Wenit das kleine, flatterhafte Ding, die Sylvia, ihir nur glücklich machte aber, das war jedenfalls seine eigene Sache, er erwartete ja das höchste von ihr. Was erwartet ein Verliebter nicht von seiner Erkorenen, Er hatte ihn eben aufklären müssen über Sylvias Herkunft, hm er hatte ja keinen Anstoß daran genommen, obgleich sein Gesicht sich veränderte, als er ihm die Mutter genannt. Ja, ja, die war keine angenehme Zugabe.

Der Kommerzienrat rieb sich die Hände. Ihm kam diese Wendung der Dinge gerade augenblicklich sehr gelegen. Ihm waren allerlei Sorgen aufgestiegen in der jüngsteit Zeit: Roderich, den sein Egoismus eigentlich vor solchen, Torheiten schützeil

sollte, war ihm mitunter bedenklich vorgekommen, und worauf die Stine, die schlaue Schwägerin, ihre Spekulation richtete, war ihm teilten Moment dunkel. Das hätte noch gefehlt, daß ihm zum Lohn für seine großartige Gutmütigkeit der einzige Sohn da ins Garn gelaufen wäre. Jetzt ging Roderich auf Reisen, und die kleine Sirene wurde versorgt.

Sie konnte von Glück sagen. In der Stunde, Wb auch ihr neue, sie vielleicht nicht sehr erfreuende Enthüllungen gemacht werden mußten, erwuchs ihr ein kräftiger Beschützer an ihrer Seite. Seine, des Pflegevaters, Aufgabe war zu Ende. , Dazu nur wollte er noch Mitwirken, daß das einst Gelobte innegehalteu tvnrde, und Billatte mußte in dem Punkt fest sein.

Eltern, welche schuftig genug waren, solch einen hilflosen Wurm fremdem Erbarmen zu überlassen und in die weite Welt zu gehen, hatten sich ihrer Rechte dem eigenen Kinde gegenüber begeben. Und er hatte damals sich nur dazu verstanden, die fremde Brut ins eigene Nest zu nehmen, seiner Frau und ihren flehenden Bitten nachgebend, unter der Bedingung, daß nie wieder Ansprüche an das Kind erhoben würden, nie wieder von einer Verbindung mit den gewissenlosen Eltern die Rede sei. Nun, sie hatten all hie Jahre hindurch die Bedingung ohne Schwierigkeit erfüllt, und sich keinen Deut um den Wurm ge­kümmert. Hier in seinem Hause war es liebevoll und sorgfältig erzogen worden, er hatte mit starker Hand den Zügel festgehalten, wenn seine Frau in ihrer sentimentalen Schwäche den kleinen, Querkopf, in dem mancher Tropfen gefährlichen Blutes steckte, verwöhnte. Mochte Billatte nun auch das, gleiche tun, und seine Oberherrschaft wahren.

Sieh, da bist du ja!" rief er in seinem jovialsten Ton der jetzt ejntretenden Sylvia entgegen.Nun wissen wir etwa schon, worum es sich handelt?"

Sylvias befangenes, beklommenes Gesicht veranlaßte ihn zu bet Bemerkung.

Ich? Was soll ich wisse», Papa?"

Hm die Mädchen verstellen sich immer so bei der­gleichen Gelegenheiten, wie ich mir habe sagen lassen", meinte der alte Herr neckend.Worauf zielt das Wünschen der Mädchen, wenn sic eben ihre Kinderschuhe ausgezogen haben? Auf das Heiraten? He?"

Sylvia wurde dunkelrot. Ihre Vermutungen, Ahnungen gingen wirr durcheinander, bis in die unwahrscheinlichsten Mög­lichkeiten hinauf. Billatte das iuat. ihr erster Gedanke aber nein, sie war vielmehr der Meinung, daß er sich mit Erna zusammenfand, sie hatte jedenfalls eine Neigung für ihn aber Roderich! Würde Roderich mit dem Vater gesprochen haben, ehe er sie gefragt? Sic wirbelte ihr Taschentuch zwischen den Händen und sah so erregt aus, daß es den alten Herrn fast jammerte.

Nun komm her, setze dich hier an meine Seite, Ritter Blaubart will dich noch nicht holen. Aber ein gewisser je­mand, dem wir es auf das gefährlichste angetan haben, war eben hier"

Eben, Papa?" Sylvia fuhr in die Höhe und sah plötzlich leichenblaß aus.