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Laib Brot kostete 48 Kreuzer) war, unb deshalb von dem Wirt verweigert wurde. Ein Soldat griff nun den Wirt an. Derselbe stieß ihn zurück und als die anderen auf ihn eindrangen, ergriff er der Uebermacht gegenüber die Flucht durch das Brenn- Haus nach dem damaligen Windcckerschen Oellagcr zur Kaplans- gasse, wo er sich bei seinem Bruder, dem heute noch lebenden Gerbermeistcr Karl Becker, einen Rock lieh.
Von allgemeiner Schadenfreude der Bürgerschaft konnte wohl nicht die Rede sein, denn einige Bürger gingen zum Oberst und stellten ihm das ungehörige Betragen der Truppen vor, worauf derselbe zum zweiten Male Abmarsch blasen liest; ebenso wurde gleichzeitig Sturm geläutet und die Bürgergarde trat in Aktion für das geschädigte Haus. 1854 erschien eines Tages ein Herr und stellte sich als einer der damals einquartierten Dragoner vor und erzählte den eigentlichen Grund ihres Vorgehens. Einige Bürger Gießens, sogenannte Dunkelmänner, verrieten den Wirt Becker als Demokraten. Unter diesen Dunkelmännern zeichnete sich besonders aus der Metzgermeistcr Höflich, das Kompli- mentierbuch genannt. Dies der wahre Sachverhalt. Was nun die Devise betrifft, so ist dieselbe auch unrichtig wiedergegeben: Sie lautete richtig: „Reich bei Reich und Bell bei Bell, die Schwane schwimme obe/'
Auch noch eine weitere Ergänzung sei zu den Ausführungen des Herrn Verfassers gegeben. Die Mörder der Frankfurter Parla- mentsmitglieder Fürst Li chn ow sk i und General Auerswald sind der irdischen Gerechtigkeit nicht entgangen. Sic wurden mit Zuchthausstrafen bis zu 15 Jahren bestraft. Ein Mitbeteiligter erhängte sich int Untersuchungsgefängnis, zwei andere gingen flüchtig. Einer unserer Leser erinnert im Anschluß daran an die historische Erzählung „Die Krawaller" in der Frankfurter „Didaskalia" vom 25. November 1898 (Ste. 1103):
Vernri?ehtss.
" Auf der S u ch e na ch O hm Pauls G o l d. Arn Sonntag: hat eine interessante Expedition England verlassen. Tie Jacht „Alfred Nobel" ist nach Südafrika unterwegs, nm an der Küste von Natal nach Ohm Paul Krügers verlorenen Schatz zu forschen. Bei Beginn des Burenkrieges sandte der Präsident, so erzählen englische Blätter, über 12 000 000 Mark nach Europa. Ter Schatz wiirde geraubt, ehe er Südafrika verließ; das gestohlene Geld ivurde an 'Bord der „Dorothea" gebracht und das Schiff verließ die Küste mit Richtung auf Argeiitinien. Daitn scheiterte das Schiff im Indischen Ozean. Tie südafrikanische „Salvage Association", in deren Auftrag die Nachforschungen nach diesem Golde stattfinden, wird aber ihr Wirken nicht auf den Schatz der nntergegangcnen „Dorothea" beschränken, Kapitän Eardiner, der die Führung der Expedition übernommen hat, hofft atich noch andere Schätze zu heben. . So soll das gesunkene Truppenschiff „Mereston", das in Saltana in einer Tiefe von 18 Faden sank und dort noch mif Fclsspilzen liegt, untersucht werden, da sich an Bord des Schiffes für 2 000 000 Mark Gold bcsindeii soll. Auch die „Thermopylä", die 1898 in der Stäbe des „Green Point Flash"-Leuchtfeners scheiterte und nun in einer Tiefe von sechs oder sieben Faden liegt, enthält wertvolle Bestände an Kupfer, eine halbe Tonne Silbererz und. eine unbekannte Menge Silberbarren. Plan schätzt den Wert dieser Metalle auf wenigstens eine Million. Ferner liegt bei „Martha Point" das Wrack eines Schiffes, das namhafte Schätze bergen soll. Die Kap- rcgicrung rvird an dem Gewinn ihren Anteil haben; von allem gefundenen Gold, Silber und geringerem Erz ivird die Regierung eine Steuer von 25, 15 und 10% erheben.
»Der verliebte Emir. Habib-Ullah-Khan, der Emir von Afghanistan, hat während seines Bestiches in Indien sich in einem Punkte als Sterblicher erwiesen; seine stolze Herrscherwürde, die Allmacht seines Willens haben eine gewisse Schwächung erfahren; um eine heilsame, aber ungewohnte Erfahrrutg reicher kehrt er in seine Heimat zurück. Und das alles hat mit ihrem sieghaften Lächeln und dem Glulblick der Augen eine schöne Frau vollbracht, in die sich der Herrscher bis über die Ohren beim ersten Anblick verliebte. An den Festlichkeiten, die ihm zu Ehren von der englischen Regierung veranstaltet wurden, nahnten auch der
Redaktion: Ernst £* e 6. — Rotationsdruck und Verlag der B r
Herzog und die Herzogin von Manchester teil. Die Herzogin nun, die sich seit einiger Zeit zum Studium des Buddhismus in Indien aufhält, tat es ihm an. Ohne an seine vier Frauen zu denken, deren Eifersucht den Siedegrad erreichte, beauftragte er sofort seinen ersten Minister, die blendende Amerikanerin, die jetzt die Gattin eines der ersten Aristokraten Englands ist, es koste, was es wolle, zu taufen* Aber groß war seine Enttäuschung, ja Verzweiflung, als er erfahren mußte, daß die Engländer ihre Frauen nicht verkaufen, wie es in Afghanistan und anderswo üblich ist. Jedoch verbarg er seinen Ingrimm und seine Glut, war sogar zu deut Herzogspaar außerordentlich liebenswürdig und überhäufte die Herzogin mit Geschenken. Goldbarren, kostbare Gewänder und seidene Stoffe, Halsketten ans Perlen und Arbeiten mit tvundervoller Inkrustation legte er ihr zu Füßen, sodaß nicht nur seine vier Ehegattinnen fast vor Neid platzten, sondern aiich die Vizclomgin von Indien in dieser Ueberhäusung mit Ehren eine Herabminderung der ihr zu- konunenden Anerkennung sah. Ter Emir lud Herzog uni) Herzogin in der dringlichsten Weise ein, ihn in Kabul recht bald ztt besuehen, und der Herzog nahnt mich tmbedaehter Weise die Einladung an. Aber seine englischeit Freunde haben ihm dringend abgeratcn, die Fahrt in das Innere von Afghanistan zu wagen, denn sic vermuten nicht ganz ohne Ursache, daß dem Emir im Machtbereich des Emirs irgend ein Unglück zustoßen könnte und die Herzogin in seinem Harem verschwinden möchte. Es ist dem Emir, wenn er einmal von Liebe entflammt ist, alles zuzutrauen.
» Der weibliche Matrose. Eine Frau, die tiionatelang auf deut amerikanischen Kriegsschiffe „Vermont" den Dienst eines Matrosen getan halte, wurde, dieser Tage in Boston entlarvt. Sic war als der Mairose John Wil- kittfon eingetragen, tmb da sie als ein hübscher, sauberer Bursche galt, so wtirde sie zum Dienste bei der Offiziersmesse abkommandiert. Letzthin ivar die „Vermont" in den Hafen von Boston eingelaufen. John Wilkinson, der sonst unerkannt mit feinen Kameraden gehaust hatte, itahiu ein Bad, und hierbei zeigte es sich, daß die schmticke Offiziersordoimanz ein Mädchen gewesen sei. Der falsehe John Wilkinson fonntc keinen Grund für seine merkwürdige Abenteuerlust angeben tind ivttrdc der Hafenbehörde vorläufig überliefert.
Röfielspruitg.
(Nachdruck verboten.)
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Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Saat, Salat.
• fdien Universitäts-Buck- und Stetndruck-ret, R. Langem Metz«»


