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eine Bürger-- und Znnftstube mit einem wundervollen Rokoko- öfen, ein glänzendes Zeugnis für die hohe Kunstfertigkeit einer bäuerlichen Hafnerwerkstatt: einen ähnlichen Ofen könnte uns heute nur ein Künstler von Rang und Rainen schaffen. Dann sieht man eine alte Bauernstube, gefüllt mit herrlichen Schränken, die heutzutage den vornehmsten Salons zu Ehre gereichen würden; eine Schlafstube mit entern mächtigen, reichgeschnitzten Himmelbett, mit einer Wiege, Spinnrocken, Hausaltar und Küsten und Schränken voll Weißzeug. Dann wieder tritt man in die Küche, Müllt mit riesigen PfanNen und Geschirren: da funkelt an den Wänden das wunderbarste Zinn und redet eine beredte Sprache Von dem einstigen Reichtum diewr bäuerlichen Welt und auch von dem guten künstlerischen Geschmack, der all' diese täglichen Ge­brauchsgegenstände bildete.

Den Glanzpunkt des Museums stellen eine Profankrippe und eine religiöse Krippe dar: erstere zeigt uns eine jener pompösen Dachauer Bauernhochzeiten, von denen alte Chronisten uns erzählen, letztere die Hochzeit zu Kana. Wie köstlich sind diese Figuren geschnitzt, wie malerisch sind diese Kvffüme! Welche bedeutsame Kultur ist da einstmals am Werke gewesen! Und so gibt es noch hundert und tausenderlei Dinge zu schaueu, vom eisernen Dachkreuz und Z'.mftschild, von der originellen Brat­kachel und vom Dotivbild bis zum feinsten mit erlesenem Ge­schmack bemalten Tonkrug und Filigramschmuck edelster Gold­schmiedarbeit. Darunter befinden sich Sachen von höchstem kul­turhistorischem Wert und Gegenstände, die wieder ob ihrer Ori­ginalität ihres gleichen suchen. Da ist z. B. ein uraltes Wall­fahrerkreuz, dessen Christusfigur vom Träger von hinten durch einen Strick in Bewegung gesetzt werden konnte, so daß der Christus mit dem Kvpf nickte und den Mund aussperrte. Dazrc umrahmt den Kvpf, ein Bart von echtem Meuschenhaar und den Schädel deckt eine mächtige Perücke: man kann sich leicht vorstellen, welchen, grotesken Eindruck dieses seltsame Kultbild- iverk auf den naiven bäuerlichen Wallfahrer machen mußte.

Wenn wir heute in die kahlen Bauernstuben Dachaus blicken, in bcnen die kläglichste Fabrikware jedem Gebrauchsgegenstand den Stempel aufgedrückt hat, so vermißt man erst, wie arm war heute sind, und wie nüchtern die Welt geworden ist. lleber- üll, wohin man hört, schallt einem das Schlagwort von der angewandten, Kunst entgegen. Ob wir hoffen Äirfen, einmal wieder zu einer anch nur annähernd so reichen Blüte der Ge­brauchskunst zu gelangen, wie sie sich in diesem Bauernmuseum darstellt? Fast möchte man an dieser Hoffnung verzweifeln.

Maximilian Kragst.

* DieSchwesterseele". Eine eigenartige Schei­dungsangelegenheit ist zurzeit beim Seinetribunal in Paris anhängig. Herr Carle, ein amerikanischer Dichter und Maler deutschen Ursprunges, sehr reich, Besitzer eines prächtigen, mit KUnstschätzen gefüllten Palastes in Monroe bei Newyork, läßt sich nach kurzer Ehe von seiner Frau, einer bildhübschen, jungen Französin, scheiden, weil sie nicht die ihmvon Urzeiten her zugedachte Schwesterseele" vorstelle. Carle will dieseSchwefterseele" in einer Miß Kutner gefunden haben, der einzigen aufrichtigen Bekennerin der von Carle gegrün­detenphilosophisch-ästhetischen Schule der urzeitlich vor-- bestrmmten, Schwesterseeleu". Da Fran Carle, für deren Zukunft reichlich gesorgt ist, sich mit der Scheidung einver­standen erklärte, fällt es den beiderseitigen Advokaten nicht schwer, einen dem französischen Gesetz entsprechenden Vor­wand zu finden.

* Professionen nach Gewicht. Die Weekly Dispatch besitzt einen Statistiker, der sich der Mühe unter­zogen hat, die verschiedenen Berufe in England nach dem Gewicht zu ordnen. Tie Fleischer wiegen durchschnittlich 85 Kilogramm und die Gastwirte 82. Das Durcbschnittts- gcwicht der Geistlichen ist 81 Kilogramm, das der Maurer und Landpächter 80^, und das der Justizbeamlen schlecht­hin 80. Die Geschäftsreisenden wiegen 79 Kilogramm, die Schmiede 77die Bankiers 76; die Zimmerleute 74^, die Schulmeister 73^, die Schuster 73 und die Handlungs­gehilfen 72. Die Schneider sindgute Letzte« mit 7iy2 Kilo­gramm. Das Durchschnittsgewicht der Journalisten hat der Statistiker leider nicht festgestellt.

* ,,£) e r r, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun?" Diese Worte hatte der Händler B. aus Wensebrock ans den Abschnitt einer Postanweisung ge­schrieben, mit dem er den Betrag einer Gerichtskostenrech­nung au die Gerichtskasse in Soltau einsandte. Durch dre Bemerkung fühlten sich der Amtsrichter und andere Beamte, die in dem Prozeß gegen B. mitgewirkt hatten,

beleidigt. V. wurde von der Strafkammer wegen Belei­digung zu 200 Mk. Geldstrafe verurteilt.

* Nach löjähriger Brautzeit. Eine originelle Vermahlungsanzeige finden lvir in der in Hameln er- schemendenDeister- und Weser-Ztg."; sie lautet wie folgt: Zur gefälligen Darnachachtung! Nach 15 jähriger Braut­zeit empfehleu sich als Vermählte: Konstantiu Friedrich, Privatgelehrter (med. et theol.) und Frieda Friedrich geb. Canenley, Rednerin und Schriftstellerin für naturgemäße Lebensweise. Leipzig, am 26. September 1907."

* Was in einem Hühnermagen gefunden wurde. Hühner müssen doch gute Magen haben, um die sie manches Menschenkind beneiden könnte. Denn, wie das Schlettst. Tagebl." meldet, schlachtete eine Gutsbesitzerin in Scherweiler dieser Tage eine Henne und fand in deren Magen folgende Sammlung kursierender Münzen vor: ein Zehnpfennigstück, zwei Fünfpfennigstücke, ein Zweipfennig­stück und fünf Einpfennigstücke.

Gesundheitspflege.

M a r o, Dr. med. P., D e s K i n d e s Ernährung, Pflege un d Erzie hun g v v n d e r Ge b urt b is zum Schulbeginn. 116 S. Leipzig. Krüger & Co. 1.50 Mk. Im Brennpunkt aller sozialhygiencn Bestrebungen steht heute die Abhilfe der Säuglingssterblichkeit. Zu ihrer Be­schränkung müssen Haus und Familie, Aerzte und alle, die es angeht, mit vereinten Kräften ankämpfen. Hier tritt nun die vorliegende Schrift ein und erfüllt eine Lücke, indem sie allen, denen die Pflege des Kindes obliegt, Ratschläge eines Arztes zur Beschränkung der Kindersterblichkeit aus Grund reicher Erfahrungen und der neuesten wissenschaft­lichen Forschungen erteilt.

Literarisches.

Ludwig Anzengruber: Der Erbonkel icnd andere Geschichten. (Volksbücher Heft 15.) Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung in Hambürg- Großborstel. 86 Seiten. Mit einem Bilde des Verfassers. Preis geheftet 25 Pfg. Aus den beliebten Erzählungen Anzengrubers bietet das Heft eine kleine Auslese, für die Dr. Franz Goltsch in Graz eine Einleitung geschrieben hat. Der Erbonkel" eröffnet die Reihe, ein altes Wotiv ver­wendend; Anzengruber versteht es, eine spaßige Gespenster­geschichte daraus zu machen. Es folgtWie schad'!" eine Freiergeschichte mit feinem Einblick in die grundehrliche Natur eines einfachen Menschenkindes. Bei den beiden nächsten Geschichten,Eisblumen" undVerderbtes Leben", liegt der Humor nicht an der Oberfläche, sondern wirkt leise unter dem Stoffe; die erste beschreibt in knapper poetischer Darstellung eine traurige Ehe, die zweite die Gedanken eines Sterbenden, die dem traurigen Roman seines Lebens nachgehen. Wieder breit und behaglich an der Oberfläche liegt der Humor in dem letzten Stückchen.Das. Wünschen". __________

Goldene Worte.

Das ist das alte Lied und Leid, Daß die Erkenntnis erst gedeiht, Wenn Mut und Kraft verrauchen. Tie Jugend kann, das Atter weiß; Du kaufst nur um des Lebens Preis Die Kunst, das Leben recht ztc brauchen.

K. Siebet.

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Ter Mensch soll die Wahrheit nicht allein suchen, sondern sie auch anbereu unverstellt mitteilen. Treßler.

Magisches Quadrat.

In die Felder uebeusteheudeu Quadrates sind die Buchstaben AAAGOOPPPP8S8S Y Y derart eiuzutragen, daß die wagerechten unb senkrechten Reihen gleichlautenb Folgendes be­deuten :

1. Ein Mineral.

2. Eine Arzneipflanze

3. Figur aus einem Drama.

4. Eine Stadt.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: Arbeitsamkeit ist die beste Lotterie.

Kedaktlon^P^UEo..^^otationsdruck.MbM>M Är Nrüch lftchL ÜnrvertttMBuch-W^Mndruckerei. R',Lauge.