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Geiste des edelsten und höchsten Menschentums,"
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gehört, die Welt erfüllte ihr Ruhm nicht. Die hatten einander nicht einmal gegrüßt. <
„Nun — was grübeln Sie, mein Freund," sagte Vera an seiner Seite, „wieder diese Byrvnmiene, aber 'Sie sind ein uw echter. Sie haben seine Launen und seinen Weltschmerz, aber! nicht seine göttlichen Verse."
Roderich sah sie finster von der Seite an, sie hatte ihre schlimme Stunde heute, und zu diesen kleinen Ausfällen zuckte er nur die Achseln.
Sie hatte von Paul Hendrichs gesprochen und seinem epochemachenden Buch: „Das Gewissen", das dieser jüngst der Oesfrute lichkeit übergab. Er hatte ihre ersten Worte wirklich nicht gehört.
„Hendrichs W vin scharfer Denker," sagte sie, „und kühn, kühn bis zur Verwegenheit. Er zieht ohne irgendwelche Rücksicht auf die herrschende Richtung seine geistvollen, überraschenden
fähig. Roderich wußte es, wie es mitunter in ihr siedete und wogte unter der sicher beherrschten Oberfläche, ihre Augen konnten ein verzehrendes Feuer ausstrahlen, konnten verdammen und begnadigen; o, seine Stunde kam noch, mußte noch kommen, 'M Trennung dachten sie beide nicht.
In finsterem Brüten saß er heute neben ihr. Es war Sylvia gewesen, die er da eben in den Katakomben erkannt; wie hatte ihr Anblick ihn ergriffen, UM die Heimat, seine Jugend heraufgezaubert. Die war vergessen, versunken, er yünkte sich mitunter ein Mer Munn, weit von der Stätte seiner Kindheit .verschlagen, umherirrend wie Odysseus, wie er in den Banden einer Kalypso. Seit langer Zeit hatte kein Ton aus per Heimat ihn mehr erreicht. Der Vater grollte, litt vielleicht Unter der wachsenden Entfremdung des Sohnes, Erna suchte treu das Band festzuhalten, sie schrieb häufiger und teilte dann Wes Nennenswerte Mit, er aber hatte jetzt lange keine Kund« Von sich gegeben, sie wußten zu Hause noch nicht einmal, daß «r wieder in Rom war. Rur der Bankier, der ihm die Gelder auszahlte, mahnte ihn noch an das Haus, aus dem er stammte. Weit verschlagen —. den Seinen verloren. Wie ihm das heut ßum Bewußtsein tarn !
Sylvia l st« war also mit der Mutter hier in RvM. Sie war recht verändert, aber noch süß und lieblich. Ob sie eine bedeutende Sängerin geworden war? Er hatte nie von ihr
Lasten Art, sie lag jn dem stolzen Leuchten ihres Auges und dem Stempel eines überlegenen Geistes, der auf ihrer marmor- gleichen Stirn thronte. Anmutig, zu vertraulicher Hingabe ermutigend, war ihre Erscheinung nicht, aber sie forderte auch keine Hinqabe, nur Unterwerfung. .
Seit drei Jahren nun, seit er sich damals, dntt Willen des Vaters widerstrebend, von der Heimat entfernt, hatte Roderich sich an ihre Fersen geheftet. Sie nannte es so, wenn er in unmutigen Stunden sich zornigen Aufwallungen überließ und ihr heftige Anklage,t entgegenschleuderte. Es waren stets demütigende Erinnerungen für ihn, wenn er solcher Stunden gedachte, ^hre stolze Ruhe, ihre Kälte, die unanfechtbaren Tatsachen, die sn ins Feld führte, erzielten stets seine Niederlage. Sie hatte ihm nie befriedigende Erklärungen über ihr Tun in Paris, über die Natur ihrer Verbindungen und die Berechtigung oder Unberechtigung jener Anklage gegen sie gegeben Sw hatte ihm nur, als er sie unaufgefordert wieder aufsnchte,. eine vertrauliche Stellung neben sich eingeräumt, ihn öffentlich zu ihren M- timen gezahlt. Und das berauschte Roderich damals, gab ihm alles das, wonach er verlangte. Paul Hendrichs fand er in der Tat in fast unverändertem Verhältnis zu ihr. Er war auch in Rom ihr Mitarbeiter, ihr Kamerad, denn Veras Geist arbeitete unausgesetzt. Sie schrieb viel in russischer Sprache für „ihr unglückliches Vaterland", und da Paul des Russischen Mächtig war, konnte er ihr Berater und Kritiker fern. So verband die beiden ein geistiges, anscheinend völlig leidenschafts- lvseS Band. Paul bewahrte seine klassische Ruhe, und wenn der Müßige, vergeblich nach der alten Begeisterung, nach neuem Stoff und ruhiger Arbeitsmuße ringende Roderich die riesige Arbeitskraft gewahrte, die in diesen beiden steckte, packte es ihn Vst mit ohnmächtiger Wut. Aber weder Vera noch Paul küminerten sich je um sein innerliches Toben. Paul wich jeder Herausforderung mit leichten Sarkasmen aus, und Vera behandelte ihn wie einen launigen Knaben. Im übrigen öffneten sich ihm in Veras Gefolge alle Türen; was es an hervorragenden Menschen, Künstlern, Gelehrten, ja Würdenträgern gab in ihrer Nähe, das scharte sich um sie, und er —i war ihr Schatten!.
Dann. kam die Zeit, wo Vera, von einer unerklärlichen Unruhe gepackt, Reisepläne entwarf, und Hendrichs nicht daran dachte, sie zu begleiten. Ev trieb in Rom eifrige Studien, vergrub sich ost wochenlang in kleinen italienischen Nestern, und Vera, welche einen Reisebegleiter wünschte, forderte selbst fstoderich Mf, ihr einer zu sein, Roderich war damals überzeugt, daß ein inneres Zerwürfnis zwischen ihr und Hendrichs vvrliege, daß Paul sich vielleicht die Flügel verbrannt, sich einen Korb geholt, und ein gwßer Triumph schwellte ihm das Herz. Er stellte sich mst tausend Freuden zu ihrer Verfügung.
So hatte er Griechenland und Kleinasien mit ihr durchstreift, in Konstantinopel hatten sie längeren Aufenthalt genommen, waren dann nach Kairo und Alexandrien gegangen und erst vor einem Monat nach Nom zurückgekehrt. In den Siu gen der Weit galt er als ihr Freund, Liebhaber, künftiger Gatte, was kümmerte sich Vera Petruschka um ihren sogenannten Ruf im Sinne alltäglicher Klatschbasen. Jn Wirklichkeit war er tfyc kaum um einen Schritt näher als in den Pariser Tagen. Sie hatte eine eigene Art, ihn in Schranken zu halten. War sie Überhaupt für die Ehe geschaffen? Ihr Sinn war gar nicht für das Herkömmliche veranlagt, aber — einer Leidenschaft war sie
sagte Vera. „
Roderich biß sich auf die Lippen und ärgerte sich. Es war nur eine Quälerei von Veras Seite, ein Ausfluß ihrer üblen! Laune, daß sie Paul auf den Schild hob. Sollte sie seine Bewegung bei Sylvias Anblick geivahrt und mst ihrem wunderbaren Instinkt erraten haben, wie nahe diese ihm gestanden? Er warf einen verstohlenen Blick auf ihr Gesicht. Das Hütchen mit der schwarzen Sammetbvrte und dem feinen Rosengeflecht saß >eut- zückend auf ihrem Scheitel, ihre Mienen waren ruhig und ceift-i durchleuchtet, wie immer — sie war eine unergründliche Sphinx. Aber das gerade reizte und fesselte so. Davon hatte er sich übrigens überzeugen können in diesen drei Jahren, wo er fast immer au ihrer Seite gewesen war, daß sie keine gefährlichen! Konspirationen betrieb, keine Mordanschläge plante und sich nicht an nihilistischen Umtrieben beteiligte. Sie pflegte eine ausgebreitete Korrespondenz, hatte weitverzweigte Verbindungen und" ein großes, warmes Herz für ihr Vaterland. Wer wo. sie auftrat, war sie hochgeachtet, fand überall diensteifrige! Gönner und Freunde, den höchsten Gesellschaftsflassen angehörig, welche ihr und ihm, der in ihrem Gefolge war, die Wega ebneten. Auch ihre Mittel wareii glänzend und uneingeschränkt. Wer sich zu ihr gesellte, stieg nicht herab,
(Fortsetzung folgt.)
Aer Kunenitt oder die denkwürdigste Kerfe meines Lebens.
Eine Erinnerung an das Jahr 1806.
(Schluß.)
Was war da zu tun? Ich eile vor die Tür Da liegt mein Sattel, und der Postillon ist auf und davon Welch ein Schreck! Ich stehe und bedenke meine Lage; aber da ist kern ander Mittel/ fortzukommen, als Kurier zu Fuß zu spielen. Doch m, dem Augenblick kommt ein Soldat und bietet dem Postmeister ein Pferd zum Verkauf an. Ich Minne mich nicht lange und taufe das Pferd für 10 Taler. Froh darüber, nun meinen Weg fortsetzen zu können, setze ich mich auf und reite rn der Absicht fort/ nach Eisenach retour zu gehen. Aber meine Freude dauerte Nicht lange, denn das Pferd wollte schon in der Stadt vor Mattigkeit zusammenfinken, und das Gedränge war so groß, daß man kaum von der Stelle konnte. Ich rede, darum emen Mann an, dest ich sür einen Taglöhner halte, mit mir nach Menach zu gehen. Er ist es zufrieden und führt mich durch eine Straße, in dn das Gedränge nicht so arg ist. Ab komme glücklich vor die Stadt, wo es von Soldaten wimmelt, die teils ausruhen, teils auf den Möhrenäckern ihren Hunger stillen. Ich muß nun *u Fuß wandern. lasse das Pferd führen und treibe es mit der Kiinerpeitsche vor mir her. In dem nächsten Dorfe lasse ich es füttern und gebe mir Mühe, ein anderes Pferd einstweilen zu erhalten. Kein Mensch versteht sich aber dazu, auch der Schulze weigert sich. Mir fällt jetzt ein Licht ein. Ich zeige ihm meine Depeschen und sage ihm, daß ich in kurfürstlicher Angelegenheit reise und daher schlechterdings befördert werden müsse. Kaum vernimmt er dies, so geht er fort und bringt mir ein Pferd, das ich aber nur bis zum nächsten Dorf behalten darf. ,
Nun geht's weiter, uno da ich bemerke, daß mein erkauftes. Pferd wieder munter wird, so siede ich mich auf dieses und schicke bas andere wieder zurück. Gegen Abend begegnet nur ein Trupp Husaren. "Woher, mein Freunds ruft mir eist Ossizier zu. „Von Langensalza" gab ich zur Antwort. „Re tet nur zu, meine Kinder? bestehlt er feinen Husaren, um> nust mußte ich ihm erzählen, was ich.gesehen. In dem Augenblick kommt eine Chaise, worin 2 Offiziere sthemEiiier davon war derjenige, dem ich meine Kurierpferde in Berka überließ. Ich
Schlüsse."
„Paul ist geborener Jude, konfessionslos, frei im äußersten Sinne des Worts," bemerkte Roderich; „ich las sein Buch noch nicht, doch weiß ich genau, in welchem Geiste es geschrieben ist."


