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dann sagst du's im Notfälle Tressenberg. Ich kann wirklich manchmal schwer abkonimen."
Er war ein so gewissenhafter Beamter, daß er sich nur selten einen freien Nachmittag gestattete, er wollte doch die Erwartungen, welche man an seine Arbeitskraft und Tüchtigkeit gestellt, nicht enttäuschen.
Die junge Frau rümpfte auf seinen Vorschlag das Näschen.
„Tressenberg? Ach nein, weißt du, der ist mir zu unsympathisch. Heut war er ja ganz nett, aber morgen bereut er sicher schon die ganze Sache und ist unausstehlich, wenn man ihn daran erinnert. Kannst du wirklich mal nicht abkommen und ich will so einen Gang gehen, so werde ich es Isa sagen lassen. Zu Zweien können wir's ruhig ohne männlichen Schutz versuchen. Und das arme Ding ist jetzt ohnehin etwas vereinsamt, seit Eva von Roessel nur noch für ihren Rudi lebt."
„Was du für Mitleid mit allen Menschen hast, kleine Frau!" neckte er. „Die hübsche Isa hat doch junge Mädchen genug, an die sie sich anschließen kann."
„Die passen ja alle nicht zu ihr. Zunl Teil sind's ganz junge, unreife Dinger, die besser noch mit Puppen spielten, und die beiden älteren hier in der Stadt sind doch kein Umgang für eine Isa. Diese umbedeutende semmelblonde Willmers und gar erst die dicke Majorstochter, die vor lauter Ziererei und Vor- nehmtnerei nicht dazu kommt, jung zu sein. Die Isa ist ja etwas kokett geworden seit der Enttäuschung mit Tressenberg damals, aber es steht ihr gut und sie ist hübsch genug, sich das erlauben zn können."
„Du erlaubst es dir aber auch nicht!" meinte der Landrat verstimmt. Er liebte Hannas Verkehr mit Isa eigentlich sehr wenig, seit das junge Mädchen angefangen hatte, mit den Herren zu kokettieren. Er hatte sehr altmodische, strenge Ansichten über die Art, in der eine vornehme Frau sich bewegen muß, um den reinen, klaren Spiegel ihres guten Rufes durch keinen Hauch zu trüben.
Hanna nahm ihren Vorteil wahr.
„Tas wäre gar schön, wenn ich kokettierte, ich bin doch verheiratetsagte sie in reizender Wichtigkeit. Er mußte lachen.
„Du süße Unschuld! Als ob das ein Hindernis wäre! Aber Gottlob, du ahnst gar nicht, wie verderbt die Welt heutzutage ist."
Und er küßte die roten, unschuldig lächelnden Lippen, auf beiten vor kaum einer Stunde der Mund eines anderen Mannes in glühender Leidenschaft geruht hatte.
(Fortsetzung folgt.)
Karneval einst und jetzt.
Eine Fastnachtsplauderei von Eugeuie von Huhn.
Ein kurzer Karneval neigt sich seinem Ende zu: schon naht, als offizieller Abschluß dieser fröhlichen Zeit, die Fastnacht, zu der die Lust an „Spiel und Tanz und Mummenschanz" noch einmal heftiger ansschäumt, nm dann während der Fastenzeit, die sreilich im protestantischen Norden Deutschlands nur den Namen führt, ohne zur Enthaltsamkeit zu verpflichten, langsam zu verrieseln, wie übermütige Wellen am Strande.
Seit anno 600 nach Christi Geburt Papst Gregor der Große den Beginn des vierzigtägigen Fastens auf den Aschermittwoch festsetzte, hat die Menschheit geglaubt, sich für die lange Buß- zeit im vorhinein schadlos halten zu müssen durch Lustbarkeiten aller Art, die sich sehr oft nicht in den Grenzen guter Sitten hielten. Die Fastnachtsgebräuche der ältesten Zeit, von denen sich viele bis aus den heutigen Tag erhalten haben, hängen einesteils zusammen mit den LuperkalieN und Bacchanalien der Völker im Süden Europas, andcrnteils mit den Julfesten der Nordländer. Selbst die Vermummungen, unter deren Schutz man Bekannten und Freunden allerlei Streiche spielen kann, haben ihren Ursprung in den heidnischen Festen des Altertums. Don den Italienern wurde diese Zeit ausgelassenster Fröhlichc- keit „Karnevale", „Fleisch lebe wohl" genannt; die deutsche Bezeichnung in der heute gebräuchlichen Form stammt aus dem 18. Jahrhundert und hat die Entwicklung von „Fasten-Nacht" (Fasen, faseln = Possentreiben) durch „Fahsnaht", „Faßnacht" zur heutigen „Fastnacht" durchgemacht.
Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts herrschte bei den Karnevalsfeiern fast aller europäischen Völker eine Brutalität vor, von der wir uns, heute nur schwer einen Begriff machen können; mit dem Beginn der Renaissance gewann jedoch der Einfluß italienischer Sitten das Uebergewicht und es begann die Zeit der öffentlichen Maskeraden. Am glanzvollsten ging die Karnevalsfeier damals in den großen italienischen Städten vor sich. Berühmt war der Karneval in Venedig durch seine prunkvollen Auszüge, an denen sich auch die vornehmsten Bürger, jn sogar, wie bei dem Friedenssest im Jahre 1495, die frommen Brüderschaften beteiligten. Prächtige Wagen mit Gruppen aus Bibel und Geschichte bildeten den Kern des Maskenzuges, und zu Ehren des Bündnisses zwischen den Monarchen Deutschlands
überschäumenden Stimmung fortreißen. 1491 die Kardiuäle einander Wagen,
mittnroi diesem
* Der Humor des Kindes. Ueber das Wesen des Humor und den Humor des Kindes hielt» tote aus fionbonjeridjtet wird, Prof. E. Barnes in der Brit. Gesellsch. zur Erwrstynng der Kindheit einen Vortrag. Er gab dabei aucn einige tttteresiante Bet- iviele dafür, wie der Humor im Kmde sich entwickelt und von Jahr zu Jahr die Ursache wechselt. Er hat nahezu dreitausend Anfragen erlassen, in denen er den Kindern die Frage vorlegte: „Was ist das komischste Ding, das du je gc.ehen oder gehört hast?" Manche merkwürdige Antworten kamen da zum Vorschein. Ein Junge erklärt: „Ich habe , eine Geschichte gelesen, da wurden den Hühnern einmal Sägespäne zu fressen.gegeben. Und als die Eier piusgebrutet waren, da krochen drei Kucken heraus, die hatten hölzerne Beine; und das vierte mar etn Specht." Ein anderer erzählt eine Geschichte von einem Mann,
und Spaniens und dem Papst fuhren Kaiser Maximilians 1, Alexander VI. und der König von Spanien in leibhafter Darstellung mit. Achnlich feierte man den Karneval in Florenz; hier gab es Vorführungen von allerlei Allegorien, und von den Gesängen, an denen sich während des Karnevals die Florentiner zur Zeit der Medici ergötzten, sind uns manche erhalten geblieben; einige davon werden sogar Lorenzo II. Magnifico zugeschrieben. Am großartigsten war aber die Feier des Karnevals in Rom. Dort fanden Wettrennen aller Art statt zwilchen Pferden, Eseln und Büffeln, aber auch zwischen Alten, Jungen und Judeii Auf der Piazza Navona gab es Scheingefechte von Reitern und Bürgern zu sehen, und die Maskenfreiheit war fast unbeschränkt. Selbst die Geistlichkeit ließ sich von der überschäumenden Stimmung fortreißen. So sandten tm ^ahre 1491 die Kardiuäle einander Wagen, voll prächtig kostümierter Masken zu, meisteiis Sänger und Buffonen, deren Versvortrage mit der hohen Würde der Zuhörer schlecht tut Einklang standen.
Aehiilich wie in Italien gab sich auch im mittelalterlichen Frankreich das Volk einer ungebändigten Lebenslust hin Mit der von den Italienern übernommenen Mode der Maskeraden wurden zwar die Gewohnheiten der Menge kaum weniger roh, aber die Prachtliebe der Großen übertünchte die von ben fieberen Klassen begangenen Ausschweifungen durch einen bis dahm nn- erhörten Luxus. Den Freuaen des Kvrnevals ergaben sich ine Reichen, der Adel, der Hof, ;a die königliche Familie selbst. Bei der Nnbeschränktheit der Maskenfrecheit mussten sich natur- licherweise schlimme Uebelstände entwickeln. Scharen von Masken, einzeln oder in Gruppen, durchzogen wahrend des ganzen Winters bis zur Osterzeit die Straßen, drangen m die Hauser ein und erlaubten sich dort jede Belästigung; ;a, unter dem Schutz der Maske wurden Racheakte und Verbrechen aller Art verübt, bis endlich im 18. Jahrhundert die. Polizei alle Masken mit schweren Strafen bedrohte, die ohne Einladung ein fremdes Haus betreten würden. In den frailzösischen ProvrnzstadtM herrschen besondere Lokalgebräuche vor. So versammelten sich tu Montpellier am Karnevals-DienStag die jungen Burger am Pmtz Notre-Dame. Jeder trug einen Sack mit Apfelsinen um den Hals und einen Korb am Arm, dessen er sich m dem nun folgenden gegenseitigen Bombardement mit den goloenen Fruchten als Schud bediente. Nach Beendigung der Schlacht war kein anderes Blut geflossen, als das der Orangen, die zu Hunderten, geborsten und geplatzt, die Straße bedeckten. Zwei Zeiten der Blute wurden dem Karneval noch {bitter in Frankreich, die erste, als der Regent Philipp von Orleans 1715 die Opermbälle etnfuhrte, unb die zweite unter Ludwig Philipp, wo die. alte franzosnche Heiterkeit sich aus diesen Bällen noch einmal tn ihrem ganzen Reiz und Glanz zeigte.
Für Deutschland galt als besonders hervorstechenlxr Zug der Karnevalsfeier in früheren Jahrhunderten die Aumchrung der sogenannten Fastnachtsspiele, bereit .erste Spuren bis an. den Anfang des 15. Jahrhunberts zurückretchen, und bereit Heimat Nürnberg ist: Eine Unzahl solcher Fastnachtsspiele hat der waccere Hans Sachs verfaßt. Von dem Glanz und Prunk, der nber- schäumenden Lust, der ausgelassenen Freuoe, die etnft dte Begleiter des närrischen Prinzen waren, ist heutzutage fast nirgend mehr viel zu finden. In Deichchlcmd ist München wohl die „faschingsfroheste" Stadt, und außer ihr bemühen sich die großen rheinischen Städte, insbesondere das „heilige Köln am Rhein , die alten Traditionen aufrecht zu erhalten Dort finden auch noch prächtige Auszüge statt, rote sie einst Venedig und Florenz gesehen haben. Pomphafte Gruppen auf Riesenwagen verkörpern allerhand Allegorien oder oft sehr witzige und boshaste Anspielungen aus lokale Uebelstände. Eme sroyliche Note tu das Karnevalstreiben Kölns brachten oder bringen noch dm Bonner Studenten, die als rheinische Fuhrleute, oder ähnlich, kostümiert. Die Straßen durchschwärmen und sich das Recht nehmen, icoes hübsche Mädchen zu küssen. Ueberhaupt ünrd der Kameval immerhin in den katholischen Gegenden un,eres Vatermndes mit größerer Lust begangen, als im protestantischen Norden — wo wiederum Tanz und Festlichkeiten auch noch nach dem Ascher- ck stattsiiiden, während sie tm katholischen Süden mit Tage ein Ende erreichen, an dem es in der morgendlichen Messe heißt: Gedenke, o Mensch, daß du vom Staube kommst und zum Staube zurnckkehrst . . .


