Wr. 150

1907

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Auf der eigenen Spur.

Kriminalroman von Otto^H oecker- (Nachdruck Derbsten.) (Fortsetzung.)

Der Kreisphysikus, welchem die letzten Worte gegolten und von dem der Rat sich nun verabschieden wollte, nickte zustimmend. Nun hielt er diesen noch zurück.Ich habe die versprochenen Aufnahmen bereits gemacht und-tverde sie raschestens entwickeln", berichtete er.An der Identität kmn übrigens kein Zweifel sein. Ich wollte mich nur vorhin nicht einmischen. Doch das Newyorker Bild mit dem Schnurrbart ähnelt bent Toten heute noch verblüffend, was immerhin etwas sagen will, da ja reichlich sieben Jahre seit der Aufnahme verflossen sind." Er wendete sich au den Detektiv.Vielleicht darf ich Sie nochmals um das eine Bild ersuchen."

Er hatte inzwischen wieder den falschen Schnurrbart an der Rase d:s Toten befestigt und hielt nun eben das wächserne .Antlitz die Newyorker Photographie.Da kann wohl kein Zweifel mehr herrschen", bemerkte er wieder.Ueberzeugt mich ctivas, so ist es gerade diese Aehnlichkeit der beschnurrbarteten Ge­sichter. Bekanntlich verändert ein Bart nicht nur ungemein, sondern hebt auch häufig die zwischen bartlosen Zügen bestandene Aehnlichkeit auf. Ich erinnere nur an das beobachtete verschiedene Aussehen von Geschwistern, die unter einander doch den (Stern gleichen. Da tut schon eine verschiedene Haartracht viel. Bei unserem Manne aber wird erst auf dem Newyorker Bilde die Aehnlichkeit zu einer wirklich überzeugenden."

Hansemann winkte Schutzmann Rolohl zu sich.Na, da über­zeugen Sie sich selbst", meinte er jovial.Mit Schnurrbart sieht Ihr Schauspieler doch etwas anders aus oder nicht?"

Das machte mich ja heute mchgen schon irre, sonst hätte ich ihn sicherlich sofort gekannt, Herd Rat. . . doch ich kann mich nicht täuschen, Herr Rat ... so 'ne Aehnlichkeit gibt es glicht 7n zweitesmal. Ich habe den Mann zu oft mit der Narbe gesehen, um mich täuschen zu können."

Das ist ja gab nicht nötig", mischte sich Walden, wieder etwas von oben herab, ein.Der Mann hier mag mit dem von Ihnen gekannten gern und gut identisch sein. Das ist vollständig uner­heblich."

Dann kann er aber im letzten April nicht in Paris gewesen sein", beharrte Rokohl, sich mit Umgehung des Detektivs direkt an Hansemann richtend,denn da hat er allabendlich im Belle- allianeetheater gespielt."

Na, na, das wollen wir nicht allzu tragisch nehmen. Der Mann ivird Ihnen seine Reisepläne nicht auf die Nase gebunden haben", bemerkte der Rat ungläubig.

Paris liegt zudem nicht aus der Welt", warf Walden em, dort einen Coup ausführen und in Berlin wohnen, das kennzeich­nete erst den wirklichen internationalen Einbrecher."

Herr Rat, ich habe alle Abende im Belleallianeetheater Wache gehabt, den ganzen April hindurch, und gerade der Mann ba" dabei wies er auf den Totenhat mich wegen seiner

Narbe interessiert ... ich war doch Vizewachtmeister bei deck Bismarckskürassieren und versteh'etwas vom Säbelfechten . . . darum auch kam mir die Mensurgeschichte so . . . na, so wie kalte« Aufschnitt vor, denn so'» Hieb giebts gar nicht . . . den lasse ich noch nicht 'mal als Sauhieb gelten ... ich habe ihm das auch gleich am ersten Abend gesagt, wo er so mächtig am Bierbuffet gequasselt hat ... es Ivar so »er Stunden zwei vor der Vor­stellung und ich genehmigte rasch noch einen, bevor ich mich meldete, ... na ja, da haben wir uns so'n bisken Schmeicheleien gesagt und er wurde rüdig und meinte, das ginge mich gar nichts an und ich sollte aufpassen, dass keine Droschkenpferde um­fielen . . . na, das hat mich mächtig geärgert und ich kriegte 'ne Pieke auf ihn . . . und da hab ich mir 'n unwillkürlich ge­merkt, das wollte ich nur sagen. Hätte er 'mal bei der Vor­stellung gefehlt, so wäre mir das nicht entgangen. Uebrigens müffelt sie das im Theater auch noch wissen, es sind gewiß noch Zettel da ... es war so'n Roman aus'» Lokalauzeiger, den sie gespielt haben und der.Mann da hat'» Verbrecher gespielt."

Na, da ist er wenigstens seinem Beruf treu geblieben," schnitt ihm Hausemann, der wiederholt Anzeichen von Ungeduld zu erkennen gegeben, das Wort ab. Er winkte Walden zu. Kommen Sie mit, ich habe unterwegs mit Ihnen zu spreche» . . . und Sie, Nokohl", verabschiedete er den Schutzmann, be­halten immer hübsch vor Augen, daß es sich um den Dienst! handelt . . . also reinen Mund gehalten, auch über Ihre Wahr­nehmungen, falls Sie sich wirklich int Belleallianeetheater er­kundigen wollen natürlich nur als Privatmann und gackz unauffällig, nicht etwa in amtlicher Eigenschaft."

Unterwegs in der Droschke fragte Walden beiläufig ob er der von Rokohl angeregten Vermutung nähertreten sollte.Selbst­verständlich" meinte der Rat darauf.Nicht weil ich etwa diesen Rokohlschen Mutmaßungen irgendwelche Wichtigkeit beilegte, denn der Mann ist an der Erfindung des Schießpulvers augenscheinlich unschuldig und ersetzt, was ihm an geistigem Scharfsinn abgeht, durch störrige Hartnäckigkeit. Immerhin will mir's wahrscheinlich Vorkommen, daß er unseren Mann in dem bewußten Theate« gesehen und gesprochen hat, daß also insoweit feine Vermu­tungen zutreffen. Ich denke, da müssen wir cinsetzen und heraus zu bekommen suchen, wie dieser Mann geheißen, wo er ge­wohnt, welches seine Beziehungen, seine Freunde, fein sonstiger Umgang, kurz, seine ganzen persönlichen Verhältnisse gewesen sind. Trifft Rokohls Behauptung zu, so dürfen wir vielleicht auf diesem Umwege an die Person des Mörders herangelangen."

Sie wünschen also, daß ich diese Angelegenheit übernehme?." fragte der Detektiv in nicht eben erfreut klingendem Tone.

Paßt Ihnen etwa nicht?" brauste Hansemann in seiner leicht erregbaren Weise auf.

Walden erschrack förmlich.Ich bitte Sie, Herr Rat, wie mögen Sie das nur annehmenverwahrte er sich.Sie wissen doch am besten, wie sehr ich es mir angelegen sein lasse . .

Papperlapapp, machen Sie keine Redensarten, Mann",: im Gegensatz zu seinen Worten klopfte er dem Jüngeren gut­meinend auf die Schulter.Ich lveiß ja, Sie wissen jetzt schon nicht vor Arbeit, wo bleiben. . . kann Sie denn Kvllege Kneist