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Der Jall Harneit.

Novelle von Ne in Hold Ortmanu.

?^chdrnck verboten.

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Ach, was frage ich darnach- . wird mir ohnedies nachgerade schon beinahe zuviel. Nachdem diese greulichen Zeitungen sich der unglückseligen Affäre bemächtigt und von meiner erfolgreichen Kur törichterweise wie von etwas ganz außerordent­lichem gesprochen haben, kann ich mich vor hülfesuchenden Pa­tienten kaum noch retten. Als wenn nicht jeder halbwegs ge­schickte Arzt an meiner Stelle genau dasselbe geleistet haben würde!"

Nein, Doktor Chilton, Sie sollen Ihr Verdienst nicht ver­kleinern. Ich weiß genau, daß ich ohne Sie längst auf dem Kirchhof liegen würde. Und ich habe guten Grund, dem Zufall dankbar zu sein, der bei meiner ersten. Erkrankung gerade Sie vor den übrigen Aerzten eintreffen ließ. Was aber Ihren Reisevorschlag betrifft, so müssen Sie mir's schon verzeihen, wenn ich diesmal Ihre Verordnung nicht befolge. Ich habe hier so viele Verpflichtungen, daß ich mich ihnen nicht einfach durch die Flucht entziehen kann. Und ich. würde es auch an keinem anderen Orte aushalten als hier, wo ich mich doch dann und wann ein bißchen nützlich machen kann,"

Und die Gefahr für Ihr Leben, Miß Garnett? Wenn es nun der Polizei auch diesmal nicht gelänge, den elenden Schur­ken ausfindig zu machen, vor dessen verbrecherischen Anschlägen auf Sie wir hier alle zittern, könnten Sie bamt auch nur noch eine einzige ruhige. Stunde haben?"

O ja, lieber Doktor! Mein Leben steht in Gottes Hand so ober so. Vor Krankheit, Unglück ober menschlicher Schlech­tigkeit würde ich in Kalifornien ober in Europa nicht sicherer sein als hier. Und es würbe mir sehr töricht Vorkommen, wenn ich mir einbilbete, meinem Schicksal durch eine Eisenbahnfahrt ober eine Schiffsreise entrinnen zu können."

Sie sind eine seltene Frau, Miß Garnett i Aber ich wundere mich, bei meinen Besuchen in Ihrem Hause noch immer denselben Gesichtern zu begegnen. Da einer aus Ihrer Diener­schaft hoch unter allen Umständen der Schuldige sein muß, scheint es mir dringend geboten, sie alle miteinander zu entfernen."

Doch das alte Fräulein schüttelte abermals den Kopf.

Ich habe mich einmal auf das stürmische Andrangen meines Neffen dazu entschlossen, aber ich ioetbe mich nicht zum zweitenmal derselben Ungerechtigkeit schuldig machen. Alle diese Leute haben mir bisher nicht den geringsten Anlaß zur Klage oder zum iMißtraneu gegeben, und wenn sich meine Erkrankung wirklich nicht anders als durch ein Verbrechen erklären läßt, so glaube ich doch nicht daran, daß der Verbrecher unter meinen Leuten zu s ucheu ist. Sie alle sind mir herzlich ergeben und ich habe, keinem von ihnen etwas angetan, das ihn mit solchem Haß gegen mich erfüllen müßte."

Es ist nicht immer der Haß, der die Handlungsweise eines Mörders bestimmt, Miß Garnett! > Ein viel häufiger vorkom«

mendes Motiv ist die Habsucht, und schon mancher hat sich durch Bestechung zu einem Verbrechen verleiten lassen."

Die Kranke machte eine abwehrende Handbewegung.

Quälen Sie mich nicht mit diesen unerfreulichen Dingen, Doktor Chilton! Ich wollte, man wäre mit der Anzeige nicht so voreilig gewesen, denn mit meiner Zustimmung würde sie niemals erfolgt sein. Ich kann nur mit Grauen an die Ver­nehmungen und Belästigungen denken, die jetzt wieder über mich kommen roerden. Und ich zittere bei der Borstellnng, daß sich der Verdacht abermals gegen schuldlose Personen richten könnte."

Nun gut, sprechen wir also nicht weiter davon!" erklärte der Arzt, indem er sich zum Aufbruch anschickte.Eine neue Arznei brauche ich Ihnen vorläufig nicht zu verschreiben. Es genügt, wenn mir bei der früher verordneten bleiben. Hoffent­lich finde ich Sie ja morgen schon wieder tun ein gutes Stück weiter in der Rekonvaleszenz,"

Bei der Verabschiedung machte er Margaret abermals eine ausgesucht höfliche Verbeugung, und sie glaubte wiederum das begehrliche Flimmern in seinen dunklen Augen zu sehen. Ein so schöner und sympathischer Mann dieser Doktor auch immer sein mochte, bas Interesse, bas er ganz unverkennbar an ihr nahm, verursachte beut jungen Mädchen doch ein eigentümliches Unbe­hagen, und sie nahm sich vor, ihm künftig nach Möglichkeit aus dein Wege zu gehen.

Am nächsten Morgen erhielt Mr. Concstock vomMorning Telegraph" einen Brief, in welchem ihm Miß Margaret Barry- more mitteilte, daß sie zu ihrem Bedauern den in sie gesetzten Erwartungen nicht entsprechen könne, weil sie nicht die geringste Eignung für bett ihr zugedachten Reporterberuf besitze. Sie dankte dem Redakteur für seine freundliche Teilnahme und fügte hinzu, daß sie die Stellung einer Gesellschafterin bei Miß Garnett wirklich angenommen habe. Zant Schluß aber bat sie Mr. Com- stock noch auf das all er herzlichste, das bedauernswerte alte Fräu­lein künftig weder durch lästige Erkuitdigungen noch durch in­diskrete Zeitungsartikel zu beunruhigen, da sie den dringenden Wunsch hege, von ihremFall" tu der Oeffentlichkeit möglichst wenig Aufhebens gemacht zu sehen.

Als bald nachher Mr. Carter in der Redaktion erschient, zeigte ihm Mr. Comstock diesen überrafchendett Brief. Und der Reporter lächelte.

Ich mußte von vornherein, daß Sie da keine sonderlich glückliche Wahl getroffen hatten. Diese junge Dame mochte alle erbenklichen liebenswürdigen Eigenschaften haben, für den Re- porterdienst aber eignete sie sich nicht. Glücklicherweise können mir, soweit der Fall Garuett in Frage kommt, ihren Bei­stand auch recht gut entbehren. Ich habe während der letzten Stunden allerlei interessairte Entdeckungen gemacht, die die Affäre in einem ganz neuen Lichte erscheinen lassen. Und ich wittere für denMorning Telegraph" eine großartige Sensation.'"

Alle Wetter bad wäre! Was haben Sie denn ans- gekundschaftet, lieber Carter?"

Unter dem Siegel des Redaktionsgeheimnisses, Mr. Com­stock: der Gisintörder heißt Murton Rahward."