Aonnersrag den 7. Wovemker
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Allf der igenerr Spur.
Kriminalroman von Otto H o e ck e r-
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
13. Kapitel.
Eine Stunde später schloß sich die schwere Eisentür einer „Luxnszelle", im sogenannten kleinen Mannergefängnis hinter dem Verhafteten, nachdem es in dem Bureau des Untersuchungsrichters noch zu einem kurzen, heftigen Auftritt gekommen und der richterliche Beamte all den wütenden Protesten des Geheimrats zum Trotz wider diesen die Untersuchungshaft förmlich angeordnet hatte. Daran hatte auch der nicht minder deftige Protest des schleunigst zum Schutze seines einflussreichen Klienten hcrüei- geeiltcn Justizrates Werkenthin, wohl des scharfsinnigsten und auch glücklichsten Verteidigers der Reichsmetropole, nichts ändern können; er hatte Selienbach nicht einmal sehen dürfen.
Mit einem zahlreichen Beamtengefolge begab sich der Untersuchungsrichter persönlich nach der Villa des Verhafteten,^ um sowohl dort, wie auch im Geschäftslokal desselben die Haussuchung zu leiten. Wie Hansemann zu seinem Erstaunen nun erfuhr, waren zur selben Stunde verschiedene Finanzgrössen, die zum engeren Selkenbachscheu Z rrel gehörten, gleichfalls verhaftet worden und die gleichzeitig auch in ihren Wohnräumen und Banklokalen stattfindenden Haussuchungen hatten das Aufgebot eines überaus zahlreichen Beamtenheeres beansprucht.
„Sagen Sie 'mal Kollege, wie ist denn die ganze Geschichte so plötzlich zum Klappen gekommen?" wendete er sich an Rat Kneift nm Auskunft, als sie gemeinsam den Kriminalpalast verliehen und int Begriffe standen, gemeinsam nach der Selkenbachscheu Villa zurückzufahrcn. „Ganz Berlin wird ja Kopf stehen i So ’ne Massenverhaftung erster Finanzgröfsen ist ja noch garnicht da- gewefen. Ich hatte ja Verschiedenes munkeln hören, glaube jedoch immer, die Untersuchung würde wie das Homburger Schießen ausgehen. Dieses Jobbervolk ist ja so aalglatt und weiß sich durch die Maschen des Gesetzes immer durchzuwiudeu."
„Das wäre vielleicht auch ohne die nicht hoch genug anzn- schlagende Tätigkeit unseres gemeinsamen jungen Freundes Walden geschehen", bemerkte Kneist, als sie nebeneinander int Wagen saßen und dieser in schneller Fahrt durch die Straßen rollte.
„Nicht möglich!" erstaunte sich Hansemann.
„Mir kommt mein neuer Kommissar auch fast unheimlich vor . . . im Vertrauen gesagt, seine Ernennung wird vom Präsidenten bereits vollzogen sein. Er versprach mir, die Unterschrift heute noch zu vollziehen."
Hansemann blies die Backen auf; diese Kunde, iuelcüe ihn noch gestern mit Freude erfüllt haben würde, gab ihm jetzt ordcut- lich einen Stich durch s Herz. „Walden ist ein eigentümlicher Mensch", meinte er ausweichend. „Man kennt sich nicht aus in ihm. Glaubt man ihn zn kennen, so entdeckt man plötzlich neue Charakterseiten."
„Wie gesagt, es ist kein Geheimnis mehr uno oa ich Ihre Wertschätzung für Walden kenne, kann ich Ihnen anstandslos Aus
kunft geben. . . Also wir hatteit da eine Menge Anzeigen von sich geschädigt glaubenden Aktionären der Brandenburger Bürger- baitk . . . eine delikate "Sache für uns, wie Sie zugebett werden. Aufsichtsrat und Direktorium der Bank ausschließlich höchster und hoher Adel, daneben die Spitzen der Finanzwelt . . . und obendrein! auch noch ein allerhöchstes Protektorat. Wie sollte man da anfassen, ohne sich die Finger zu verbrennen. Auf der anderen Seite war die Sache zweifellos oberfaul. Wir.arbeiteten in meiner Abteilung wie (bic Biber, vernahmen tausende von Aktionären —i immer die nämliche Geschichte. Die Leutchen waren dttrch die raffiniert abgefaßten Prospekte mit den hochtönigen Namen darunter geködert worden und hatten ihre Spargroschen hergegeben, um allmählich entdecken zu müssen, daß sie „gemacht" worden! waren."
„Na, das mag ja eine Heidenarbeit für Sie getoefen sein."
„War's auch", bestätigte Kneift kopfnickend. „Witterung hatten wir allerdings schon bald, es gelang uns auch, das „System" der Clique in aller Heimlichkeit zit ergründen — es war denkbar einfach. Die Hechte im Karpfenteich teilten sämtliche Eingänge, die nach Abzug der Tantiemen an die Aufsichtsräte und die notge- drungenen ivohltätigen Ausgaben noch übrig blieben — und das waren runde, fette Millionen; offiziell beliefert sie freilich elende Sandklitschen,die sie selbst für ein Butterbrot gekauft und an Strohmänner für horrende Summen wieder veräußert hatten, mit Rieseukapitalien; ebenso gründeten sie und erwarben von ihren Helfershelfern halb verkrachte Unternehmungen, die sie heimlich selbst schon um lächerlich geringe Summen angekauft, für die Bürgerbank um Millionen. Auf diese, so gediegen wirkende, ivie einfache Weise spielten sie sich das ganze Aktterrkapital nickst nur der Bürgerbank, sondern auch ähnlicher Gründungen in die eigenen Taschen. . . und zwar auf eine gesetzlich einwandsfreie Weise, denit alles geschah in Form Rechtens und die sauberen Direktoren konnten um so eher dem Gesetz ein Schuipchen schlagen, als sie sich ja in jedem Fall der vorherigen Zustimmung des Aufsichtsrats versichert hatten. . . kurzum, es war eilt Riesenschwindel, der die sauer erworbenen Spargroschen der düpierten Aktionäre gleich dutzeudmillionenweise verschlang und all unserer Anstrengungen spottete — denn wie gesagt, vermuten konnten wir alles, aber auch nicht düs Geringste beweisen, wenigstens nicht in einer Weise, die dem Staatsanwalt eine Handhabe zum Einschreiten bot." .
„Und dennoch vermochten Sie den gordischen Knoten endlich zn durchhauen?" .
„Cs ist zum größten Teil das Verdienst unseres Walden, ich kann und darf ihm diese Anerkennung nicht versagen.’
„Sie machen mich wirklich gespannt!" rief Hansemann toff* schüttelnd. „Wes hat denn dieser Teufelskerl alles angefangen? Er arbeitete viel, war immer unterwegs und sein Nervensystem litt ersichtlich, das war alles, was ich an ihm gewahr wurde.’
„Die Strafprozesse Liuergke und Krojanker sind Ihnen wohl noch in frischer Erinnerung," fuhr Rat Kneist lächelnd fort.
„Allerdings. Die beiden waren Direktoren einer kleinen Kreditbank und r .irden wegen Depotunterschlagung verurteilt. Da» ist kaum zwei Monate her."


