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Wohnraum. Da ertönt Musik von undefinierbaren Instru­menten und unterbrochen von lauten Gongschlägen. Man denke sich Moll- und Dur-Töne zu einem Klang ohne Har­monie und Takt. Japanische Musik! Melodien empfindet unsereins nicht.

Jetzt wird Leben auf der Bühne. Ein Darsteller in alt­japanischer Rüstung schreitet auf die Szene, macht ein fürchterliches Gesicht und fuchtelt mit den Armen in der Luft umher. Ein dröhnendes Lachen quittiert seinen Auf­tritt, dann erscheinen junge Mädchen und führen einen Tanz auf rund um den Krieger, andere kommen dazu, Kämpfgetöse, Schreien, Fechten mit riesigen Schwertern, wieder Tanz der Vorhang fällt! Der erste Akt ist vorüber.

Als ich eine halbe Stunde später dem Hafen zu- schlenderte, fiel mir eine Zeitungsnotiz ein, die ich irgendwo gelesen hatte: Ein japanischer Theaterleiter und Gelehrter hat GoethesFaust" übersetzt und beabsichtigt das Ge­dicht in Japan aufzuführen. Armer Goethe, oder vielmehr armes Japan! Denn was man dort alsFaust" vossetzen wird, dürfte eine gar armselige, lächerliche Karikatur wer- den. Im Geiste sah ich Dr. Faust mit dem lichten japanischen Spitzbart, eine mächtige Hornbrille auf der Nase und dem Schreibpinsel in der Hand. Ich sah Mephistopheles mit einer altjapanischen Frisur, die Teuselsmaske über den Kopf ge­stülpt und ein Schwert an der Seite, so breit wie eine Männerhand. Sah Mutter Marthe mit runzeligem Gesicht, ohne Haare und mit schwarzen Zähnen Puh! Und hörte Goethes göttlich schönen Geisterchor:Schwindet rhr dunkeln Wölbungen droben" gegurgelt und gekluckst von japanischen Mimen.

Alles haben sie uns nachgemacht in den letzten dreißig Jahren, alles sich zu eigen gemacht, was Europäer er­fanden und erdachten; doch am Thespiskarren ziehen "können sie nicht, da sind sie Asiaten geblieben.

Am Abend stand ich an Bord unseres Schiffes und schaute hinüber nach den kleinen weißen Lichtchen, der Nachtbelench- tung Hakodates, und ahnte nicht, daß das vier Fahre später nichts weiter als ein rauchender Trümmerhaufen sein würde.

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* Eine Insel als Hochzcitsgeschenk. Aus Madrid wird berichtet: Alfons XIII. hat dieser Tage das Hochzeitsgeschenk in Augenschein genommen, das ihm loyale Landeskinder gemacht haben. Es handelt sich um die Insel Cord eg ad a, die in Galizien in der Bai von Arosa gegenüber den Häfen von Pillagarcia und Carril liegt und die für den Sommerausenthalt des Königs­paares eingerichtet werden soll, da die Sommerresidenz in Sau Sebastian Privateigentum der Königin-Mutter ist. Es ist kaum eine schönere Stätte an der spanischen Küste zu denken als diese Insel, die von einer üppigen südlichen Vegetation völlig überspannen wird. Auf der etwa sechs Kilometer im Umkreise messenden Insel wohnten bisher einige Fischerfamilien, insgesamt 70 Personen in 18 Häusern, die jedoch das Angebot der reichen Spanier, die ihrem König ein so großartiges Geschenk machen wollten, gern annahmen und ihre kleinen Besitzungen unter der einzigen Bedingung verkauften, daß die Kapelle der Encarnacion, ein berühmter Wallfahrtsort, unangetastet bliebe. Für 600 000 Pesetas ging die Insel an die neuen Besitzer über. Der König nahm dieses wertvolle Geschenk, das ihm unter Vorlegung von Albums und Plänen angeboten wurde, mit lebhaftestem Danke entgegen und sandte sofort den Mar­quis Viana und den Architekten Ripvlles zu der Insel, um eine geeignete Stelle für den Bau eines Schlosses auszu- fuchen. Er selbst hat sich dann an der Ausarbeitung der Pläne zu seiner Sommerresidenz, die ein richtiger Palast in dem Mischstil von christlicher und arabischer Kunst werden soll, der für die spanische Architektur charakteristisch ist, sehr lebhaft beteiligt. Die ganze Insel soll zu einem Park umgewandelt und ein großer Anlegeplatz für Schiffe geschaffen werden.

* Di ejapanische Meltaus st ellung. Die japa­nische Regierung plant eine große Ausstellung, die in Tokio am 1. April 1912 eröffnet werden und bis zum

31. Oktober dauern soll. Sie wird zwar nur den Namen Große Ausstellung Japans" tragen; aber trotz dieser Beschränkung im Titel will die japanische Regierung dem Unternehmen einen allgemeinen und internationalen Cha­rakter geben, und sie hat die Absicht, die verschiedenen Völker zur Teilnahme einzuladen, möglichst umfassende Ausstellungen zu veranstalten. Die Regierung wird einige ihrer Gebäude für bestimmte Sonderausstellungen hergeben, vorzüglich für solche, die mit den Wissenschaften und den Künsten in Zusammenhang stehen, aber auch für Aus­stellungen von Maschinen und praktischen Anwendungen der Elektrizität. Nach dem gegenwärtigen Plan soll ein Terrain von 100 Hektar dieser Ausstellung eingeräumt werden, von dem zwölf Hektar mit Gebäuden bedeckt werden sollen. Die japanische Regierung ist indessen nicht abgeneigt, diesen Plan noch zu erweitern, um allen an sie herantreten­den Ansprüchen zu genügen. Präsident der Ausstellung wird der Prinz Füshimi sein, der erst kürzlich eine Reise nach Europa gemacht hatte.

* D e r C u l i n a n - D i a m a n t, welchen General Botha dem König Eduard zum Dank für die dem Transvaal ge­währte Autonomie verehrt sehen ivill, wiegt 3025 Karat im ungeschliffenen Zustand,' und wurde beira Transport nach England für 400 000 Pfund Sterling, also für zehn Mill. Kronen, versichert. Ter Culinan ist der größte bisher ge­fundene Diamant, auch wenn der Schliff ihn mehr verlieren macht als der Durchschnitt des Diamanten verliert, nämlich zwei Drittel seines Gewichtes. Abgesehen von den Steinen, welche die indischen Fürsten besitzen, und welche in Europa nicht gesehen und nicht beschrieben wurden, ist der größte bekannte Diamant der Orlow an der Spitze des russischen Zepters. Er wiegt 1943/4 Karat und wurde 1794 für eine Leibrente von 4000 Rubeln, einen Adelsbrief und die bare Summe von 450 000 Rubeln verkauft. Ter Regent oder Pitt im französischen Kronschatz ist der nächste an Größe, Schönheit des Schliffes und reinen Wassers. Er wiegt 1363/4 Karat und wurde von einem Matrosen an den Gou­verneur des englischen Forts St. George, Pitt, verkauft, der ihn an den Herzog von Orleans weitergab. Zur Zeit der französischen Revolution war er an den Berliner Kauf­mann Treskow verpfändet. Ausgelöst zierte er den Tegen- knops Napoleons I. Als dritter wird der Florentiner mit 1391/2 Karat angeführt, den Karl der Kühne in der Schlacht bet Granson verlor, und der heute an der österreichischen Kaiserkrone prangt. Bekannter als alle ist der Kohinor, der sich im englischen Kronschatz befindet, vor dem ersten Umschleifen Großmogul hieß und 270 Karat wog, von einem venezianischen Schleifer verdorben wurde, und seine volle Schönheit erst wieder erhielt, als er in seine neue Form auf lOßVio Karat geschliffen wurde.

* Literarisches.

Heinrich Hart: Gesammelte Merke, Band I. Gedichte Tut und Na Hila Nimrod. Vollständig in vier Bänden. Verlag von Egon Fleischel u. Co., Berlin W. 35. Heinrich Hart, dem allzufrüh verstorbenen Dichter der, Menschheit- Lieder und gefeierten Berliner Theater-Kritiker, ist eine groß angelegte Publikation gewidmet, welche von seinem Bruder Julins in Verbindung mit einigen Freunden der Brüder, darunter Wil­helm Boelsche und dem leider nun auch schon dahingegangenen Wilhelm H 0 l z a m e r, eben herausgegeben wird. Der eben erschienene erste Band der Publikation bringt die Gedichte, die eine stattliche Reihe erlesener Perlen enthalten, sowie die sehr farbigen Gesänge:Tul und Nahila" undNimrod" aus den Menschheits­liedern. Wir werden auf dieses hochbedeutsame Lebenswerk eines ersten Dichters, der zu Unrecht als Poet lange nicht so hoch wie als Schriftsteller geschätzt worden ist, nach Erscheinen der folgenden drei Bände wohl noch znrückkommen.

C'Lgänzuugsrätsel.

W . . n 91 . m . . n .

. . st .

. . ch e . . e S . . g . d . ü . . t,

u . f . e . d . . L . . d . . ch a

u . ü . l . t . s b . l . g . t . n,

a . . ei. . f . r . . r r . et .1

an. Greif. Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Vorgang, Vorrang, Vorhang.

.Redaktion:,P.. W t t tky. und Verlag der B r ü b l 'schen.Universitäts-Buch- und,SteindrrMerrst R. Lange, Gießen,