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schlanken, lichten Säulen, die das Tragen der Decke in einer jeder Baumeisterkunst spottenden Weise lösen. Der Buchenhoch- toald soll ja auch das Vorbild des gotischen Domes gewesen sein, was ich schon deshalb glaube, weil ich gefunden habe, daß man die von so vielen Geheimnissen umrankte Symbolik der gotischen Ornamente in wunderbar einfacher Weise verstehen lernt, wenn man die alte deutsche Religion einfach in Stein übersetzt. Der Deutsche kann Gottesdienst eben nur im Walde feiern.

* Die Laufbahn glücklicher Kleinstädter erzählt Julius Rodenberg:Da war ein hessischer Kaufmann aus Rodenberg nach Südafrika ausgewanbert und dort unermeßlich reich, einer von den Diamantenkönigen der ersten Dynastie der von Barnato und Beit geworden. Noch erstaunlicher war die Laufbahn eines anderen jungen Mannes, dem es, als er in mein Elternhaus kam, ktimmerlich genug ging. Er war auch ein Hesse, hatte in einem Göttingen Bankgeschäft gelernt und lebte hierauf stellen- rind mittellos eine Zeitlang hei seinem Bruder, der Gemeindelehrer in unserem Städtchen war. Manchen Mittag Hat er sich's' am Tische meines Elternhauses wohl sein lassen und Branchen Abend den vierten Mann beim Whist gestellt. Sn größeren Dingen schien er nicht berufen. Und doch war es der nämliche junge Mann, der mich, da wir beide etliche vierzig Jahre älter geworden waren, in einem der fürstlichen Paläste des Westens von London empfangen und bewirtet hat. Seine kleinen, schwarzen Augen, der bräunliche Teint seines Gesichtes, der Anflug hessischen Dialektes, wenn er von der Vergangenheit sprach, erinnerten mich an den, den ich einst so manchmal bei uns ein- und ausgehen sah. Aber wie hatten die Verhältnisse sich seitdem gewandelt! Diener in Livree mit einem Wappen auf den Knöpfen servierten an der Tafel, durch die Laichkronen des Parks schimmerte das rötliche Gemäuer des Schlosses von Kensington, und mein Wirt war der große Baron Reuter, der Begründer des weltbekannten Telegrapheu- bureaus, das noch heute nach ihm heißt."

* Der zerstreute Professor ist von jeher die Freude der Schüler und der Witzblätter gewesen. Ein Musterbild dieser Gattung war Galletti, von 1783 bis 1828 am Gymnasium in Gotha tätig. Einige seiner Schüler machten sich jahrelang das lose Vergnügen, die barocken Widersinnigkeiten, die ihren: Lehrer in seiner außerordentlichen Zerstreutheit über die Zunge liefen, zn sammeln. Diese Noten sind dann später unter dem TttelGallettiana" tn Buchform vereinigt worden. Hier ist eine Auswahl dieser ergötzlichen Verdrehungen und Gedankenlosig­keiten: Gotha liegt an drei Flüssen: an der Seine, der Nesse und an der Erfurter Chaussee. Die Engländer würden bei weitem nicht so viel Leder machen, wenn sie bloß ihre eigenen gelle gerbten. In Rußland hat man Fenster von getränktem el. Die Feuerländer sind von der Kälte ganz rot gebrannt. Die Alentischen Inseln wohnen in Erdhütten. Ihre Fenster sind oben, eigentlich haben sie gar keine Fenster. Die Gans ist das dümmste Tier, denn sie frißt nur so lange, als sie etwas findet. Dieser Vogel heißt Entenstößer, aber nur in der Not, wenn er nichts anderes zu fressen hat. Als der Prophet Zacharias gestorben war, nahm er eine andere Lebensart an. Die Perser bekamen bei Marathon einen solchen Schreck, daß fiel ausriesen:Herr Jesus, da kommen die Athener!" und stürzten ins Meer. Die Cimbern und Teutonen stammen eigentlich tioneinanber ab. Marat wurde zwar ermordet, aber er starb vorher an einer Krankheit, die ihm sogar das Leben kostete. Der Lehrer hat immer recht, auch wem: er unrecht hat. Der dumme Junge, der Sußdorf, soll einge- schrieben werden. Schüler: Herr Professor, er heißt nicht Suß­dorf, sondern Thomas. Lehrer: Nun, da soll er auch nicht eingeschrieben werdm. Es muß gleich 4 Uhr schlagen, denn es hat vor einer guten halben Stunde % geschlagen. Wer über diesen Gegenstand etwas Schriftliches Nachlesen will, der findet es in einem Buche, dessen Titel ich vergessen habe; es ist aber das 42. Kapitel. Cäsar ivnrde ans eine für seine Gesundheit höchst nachteilige Weise ums Leben gebracht. .

* Die Handschri ft der Frauen. Ein französischer Schriftsteller hat längst darauf aufmerksam gemacht, daß in dieser Zeit, in der sich die Stellung der Frauen so schnell ver­ändert, auch ihre Handschrift dem Wandet zu unterliegen schenkt. Die FrauenhaiMchrift hat nämlich ihre Geschichte, und keine so uninteressante. Vor einem halben Jahrhnndert und länger noch pflegte die gebildete Frau, sich einer überaus zierlichen und bis zur Peinlichkeit genauen Handschrift zu bedienen. Eine Frau, die für fein gelten wollte, mußte wie gestochen schreiben. Es hat wohl fast jeder Leser dieser Zeilen noch Briefe von älteren Damen gesehen, deren Handschrift diesen Stil ausweist. Später änderte sich der Stil der weiblichen Handschrift wie tvir glauben: unter englischem Einflüsse. Die sehr selbständigen und m allem an große Maßstäbe gewöhnten Frauen Englands hatten sich eme sehr große und weitläufige Handschrift ausgebildet. Diese .Handschrift wurde dann auch auf dem Festlande Mode: sre smhl nrcht Übel aus, wie man zugeben muß, allein es macht denk Empfänger emes Briefes im Ganzen doch wenig Vergnügett,

eine Briefseite zu lesen', deren Inhalt durch einen einzigen Satz gebildet wird. Gegenwärtig nun beobachtet man, daß die Frauen- Handschrift sich vielfach vermännlicht. Die Unterschiede in der Handschrift der Geschlechter scheinen sich verwischen zu wolle«!. Die gleichmäßige Unterrichtsmethode in den Kn üben- und Mädchen­schulen, das Eirrrücken der Frauen in die sonst bett Männern überlassenen Berufszweige, endlich vielleicht auch wohl der Wunsch der Frauen, in allen Bildungsfragen den Mänttern zu ähneln: das alles mag wohl mitgewirkt haben. Kurz': die Handschrift der modernen Frau ist nüchterner, praktischer und charakter­loser, als es die ihrer Großmutter mar. Wir zählen nicht zu denen, die hieckn einen Vorzug sehen; aber da die Mode der Franenhandschrift Mn schon so oft gewechselt hat, so wird wohl auch der Stil von heute uicht der letzte sein.

* Merkwürdige Frauenberufe. Man berichtet aus. Ncwyork: Ueberraschende Angaben über die Berufe, in denen die Frauen in den Vereinigten (Staaten bereits tätig sind, enthält ein eben ausgegebener Bericht des offiziellen statistischen Bureaus. Man erkennt daraus, daß in Amerika der Eroberungszug der Frau weitaus die größten Fortschritte gemacht hat. Es sind nur noch neun Berufe, die int Jahre 1900, auf das sich der Bericht bezieht, die Fraueit noch nicht ausübten. Dagegen wäret« bereits 43 Mitglieder des schwächeren Geschlechts als Droschkenkutscher tätig, sodaß die Ainerikaner etwas erstaunt luarett, als ihnen der erste weibliche Droschkenkutscher in Paris unlängst als besondere Neuigkeit vorgestellt wurde. Fünf Frauen sanden ihren Lebens­unterhalt als Lotsen, 10 als Bahnportiers, 45 als Ingenieure, 32 als Brenrser, 26 als Weichensteller und Signalgeber, 7 als Eisenbahnwächter, 185 als Schmiede, 8 als Kesselschmiede, 6 als Schiffszintmerleute, 508 als Maschinisten, 11 als Brunnen- macher und 2 als Dachdecker! Im ganzen tierbtenett .sich fünf Millionen Frauen in den Bereinigten Staaten «breit Lebens­unterhalt selbst.

Literarische-.

Dev Sag-enkreis der Nibelungen von Professor Tr. G. Holz in Leipzig. 8°, IV u. 128 Seiten. (Wissenschaft und Bildung Bd. 6.) Originalleinenband Mk. 1.25, Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig. 1907. Ter Verfasser behandelt die Erzählilngen von Siegfrieds Heldentun« und Tod, sowie dem Unteegange des Burgundervvlkes durch die Humten. Zunächst erörtert er Form, Inhalt und Kritik der deutschen und nordischen Usberlieferung, führt durch bereit Gegenüberstellung insbesondere der Edda und deF Epos vonder Nibelungen not" die Sage auf die älteste Gestalt zurück und zeigt ihre geschichtlich-mytischeu Grund­lagen auf. Tie folgenden Abschnitte sind der weiteren Entwicke­lung des Sagenkreises gewidmet, sowie den an die verschiedenen Formen der Ueberlieferung anknüpfenden Streitfragen und ihrer Lösung. Eine freilich ziemlich flüchtige und oberflächliche, aber begeisterungsstarke Würdigung d.r modernen Bearbeitungen des alten Stoffes durch Hebbel, Jordan und Wagner er­gänzen das gewonnene Bild.

Balkongärten und Vorgärten. Von Johannes Böttner, Chefredakteur des praktischen Ratgebers im Obst- und Gartenbau. 2. Auslage. Mit 125 Abbildungen. Verlag von Trvwitzsch u. Sohn in Frankfurt a. Ober. Preis Mk. 1.80. Ter Neuling in der Blumenzucht muß tnanche bittere Erfahrung machen. Ter Mangel an Kenntnissen in der sachgemäßen Äluntett- pflege rächt sich an den Pflanzen, die trotz der liebevollsten Fürsorge nicht recht gedeihen wollen. Man glaubt anfangs gar nicht, wieviel Fehler sich bei der Behandlung von Blumen machen lassen. Schon die richtige Wahl derselben, die Ausnutzuna des Platzes, die Anfertignng der Balkonkästen, die Anlage bet Beete im Vorgarten, das Gießen will wohl verstanden fein, wenn der Balkon oder Vorgarten wirklich schön fein soll. Johannes Büttner kennt diese Nöte genau und weiß in höchst anschaulicher Weise seinen Rat zu spendet«. Zahlreiche instruktive Abbildungen zeigen geschmackvoll angelegte Vorgärten, schön geschmückte Balkons und einzelne besonders dankbare und geeignete Blumen. Nicht nur für große Geldbeutel, sondern auch für kleine Börsen ist vorgesorgt, und das Buch darnin jedem Balkon- und Borgartenbesitzer warnt zu empfehlen.

Magisches Quadrat.

In die Felder nebenstehenden Quadrates sind die Buchstaben A A AABBIIIKLLO RSS derart einzntragen, daß die wagrechteit und senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes bedeuten:

1. Einen Snmpsvogel.

2, Amerikanisches Wurfgeschoß,

3. Ungarischen Franennamen.

4. Nebenfluß der Mosel.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Arithmogriph in voriger Nummer r Tuba, taub, Tua.

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.