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Feodorowna nestelt mit zitternden Fingern ihren schleppenden Morgenrock zn. Sie sieht sehr blaß aus und ihre Hände gehorchen nur widerwillig.
Eine schreckliche Ahnung steigt in ihr auf. Wenn das Bä'ren- weibeben gar nicht dagewesen wäre . . . wenn . . .
Sie kann das Furchtbare nicht ausdenken. Das Gleichmaß der wundervollsten Harmonie ivird zerstört. Sie stürzt die Treppe herunter und packt in der Halle Baron Bennos Arm, der, wie zur Schlacht gerüstet, vor ihr steht.
„Woher kommt die Spur des . . des Bäremveibchens?" fragt sie atemlos.
Sein Arm zittert unter ihrer Berührung und seine äußerliche Tapferkeit wirkt weniger erschreckend.
„Bon dein Rasenrnndel herunter . . . kretiz und quer nach bem zweiten, au! den die Venns steht, hinüber und hier in ungezählten Tappe» aus rmd nieder."
„Und >vo sind die Leiite ... die . . . das . . . Tier . . . sangen sollen?"
„Ueberall verteilt, Cousine Fee I"
„Und glauben Sie, daß es ivirklich eine Bäreiispur ist ?"
Er lächelte ein lueiiig. Zum erstenmal fühlte er sich ihr überlegen.
„ZmeuelloZ. Obgleich sie ja bekaiurtlich der eines Menschen fast gleichkoiiiint 1 Nur durch die kolossale Größe unterscheidet sie sich von dieser für das Auge des Kenners."
Da wankt Feodoroivna malt zuin nächsten Sessel und sagt ganz leise:
„Vetter Benno, ich möchte Ihnen ein Geständnis macheii. Sind wir hier ganz ungestört?"
Aus sein erstauntes Nicken gibt sie sich einen Ruck und flüstert tonlos:
„Ich ivar in dieser Nacht . . . im Park . . . ich ging die bezeichneten Wege. Tie Spuren sind . . . von mir."
Ta.versteht er endlich ihre schleppenden Kleider und die Gemessenheit ihrer Bewegungen. Wie ein Glückstaumel überkommt es ihn. Er hat den ersehnten Fehler in ihrer Vollendung entdeckt . . . und damit einen starken, unbezwinglichen Mut gesunden.
Er wirft sein Gewehr von der Schulter und reißt sie in seine Arme.
„Frechen" , , . sagt er. . . „Gottlob, daß du mir das gestanden hast. Sonst hätte ich wohl im ganzen Leben nicht die Keckheit besessen, dir meine Liebe zu gestehen."
„Tu liebst . . . mich . . . trotzdem?" fragt sie zweifelnd und doch voller Angst, daß er sein Geständnis widerrnsen könnte. Er antwortet ihr, indem er sie küßt. Dann hebt er sie auf seine Arme und trägt sie zu seiner Mutter hinein.
. . . Monate sind darüber vergangen. Das wirkliche Bären- weibchcit tanzt längst wieder im Hansemannschen Zirkus nach dem einen Ton der Blechpfeike, als Baron Benno in der traulichen Dämmerstunde seinem jungen wunderschönen Weib den größten Schmeichelnamen gibt, den er für sie hat: „Mein angebetetes, heißgeliebtes Barenweibchen I"
Und sie lächelt dazu und schmiegt sich in unendlichem Glücks- gefühl an sein Herz.
Telegraphieren dis Marsbewohner an die Krde?
Diese Frage ist kürzlich ernstlich in Betracht gezogen worden. In, Anschluß an eine sensationelle Nachricht, nach der Marconi aus einer Station für drahtlose Telegraphie aus der britischen Insel Cape-Clear täglich zwischen Mitternacht und 1 Uhr immer das gleiche geheimnisvolle Signal erhält, das man bis heute noch nicht entziffern konnte. Man erzählt nun, Marconi habe verlauten lassen, daß das Signal, da es mit keiner Sprache der Erde in Verbindung zu bringen sei, vielleicht von den Bewohnern des Mars herrühren könnte.
Diese Idee ist, wie der Pariser Astronom Camille Flamma- rion in einem Aussatz in der Monatsschrift der Socivts Astrono- miaue de France nachweist, bei der jetzigen Beschaffenheit unserer technischen Behelfe unwahrscheinlich. Der bekannte Gelehrte führt, nach der Uebersetzung der Neuen Freien Presse, u. a. folgendes aus:
Jedenfalls wäre es gut, zu wissen, was eigentlich beobachtet worden ist. Vielleicht handelt es sich um eine Störung durch den Erdmagnetismus oder die atmosphärische Elektrizität. Da sich Herr Marconi jeder persönlichen Mitteilung über diesen Gegenstand enthält, ist es wahrscheinlich, daß er der Sache keine große Bedeutung beilegt. Andererseits wäre es sehr wichtig, zu wissen, was Wahres an dem Entstehen dieser Geschichte ist, zu welchem Zeitpunkt die geheimnisvollen Zeichen begonnen, wie lange sie gedauert haben und ob die Störung wirklich immer zur bestimmten Stunde erfolgt ist.
Es ist aber höchst unwahrscheinlich, daß die Marsbewohner das Jahr 1906 gewählt haben sollten, um mit uns in Verbindung zu treten, indem gerade in dieser Zeit Erde und Mars am weitesten von einander entfernt sind und an entgegengesetzten Seiten der Sonne sich befinden. Wenn unsere Nachbarn nm
Himmel versuchen sollten, sich mit uns in Verbindung zu setzen, so wären für solche telegraphischen Versuche jene Zeiten die günstigsten, wo wir einander am nächsten kommen, wie z. B. im Mai 1905 oder im Juli 1907. Aber für die genannten Versuche taugt gerade das Jahr 1906 gar nicht. Und daun, wie sollte man diese Marsbotschaften jede Nacht zwischen 12 und 1 Uhr erhalten haben, da doch der Planet nicht über dem Horizont der erwähnten Station stand, sondern im Gegenteil an der dem Zenit entgegengesetzten Seite des Himmels.
Alles drängt uns also dazu, zu glauben, daß die Bewohner des Mars in dieser Affäre keine Rolle spielen. Wenn, wie verschiedene Journale behaupten, das erhaltene Signal aus drei Punkten besteht, dem das S von Marconi entspricht, so müssen wir auch der Mörse-Apparate gedenken, die bei hoher Spannung der atmosphärischen Elektrizität gleichfalls mehrere Punkte geben/ und daher annehmen, daß atmosphärische Elektrizität die wirk- liche Veranlassung der Sache fei. Allerdings bleibt die regelmäßige Wiederkehr des Zeichens ein noch zu lösendes Problem. Solange wir also nicht eingehender unterrichtet find, müssen wir uns vorsichtig und zurückhaltend in dieser Sache verhalten, aber nichtsdestoweniger bleibt das Ganze doch von höchsten! Interesse. Außerdem datiert es ja auch nicht von heute.
Als die Idee einer Verbindung mit einer anderen Welt zum erstenmal auftauchte, hatte man zuerst eine Kommunikation mit den! Monde ins Auge gefaßt. Es ist schon lange her (im Jahre 1862), da schrieb ich in meinem Werke „La Pluralitä des Mondes habitss", daß Arago üt einem Kurse über Astronomie in Paris erzählte, ein deutscher Geometer habe schon vor 20 Jahren vor- gcschlagen, man sollte auf einem weiten Terrain eine bestimmte Anzahl Spiegel aufstellen, welche. das Licht der Sonne reflektieren und die in der Form einer geometrischen Figur arrangiert sind, so z. B. den Pythagoräischen Lehrsatz demonstrieren. Vorausgesetzt nun, daß die Mondbewohner intelligent seien, so meint er, daß sie ohne große Mühe erkennen müßten, daß diese regelmäßigen geometrischen Figuren nicht eine Wirkung des Zufalles sein können, sondern daß sie von den Bewohnern der Erde mit Absicht gebildet fein müssen. Der Gedanke lag wohl sehr nahe,- daß bann die Mondbewohner gleiches versuchen würden, und so wäre eine erste optische Verbindung mittels einer geometrisches Sprache zwischen zwei Weltteilen hergestellt.
Diese Idee, welche ich vor mehr als 40 Jahren in Umlauf gesetzt habe, wurde seither manchesmal wieder aufgegriffen und besonders gern mit dem Planeten Mars in Verbindung gebracht, den uns die großartigen Errungenschaften des Fernrohres so. wunderbar nahegerückt haben.
Das geistige Leben scheint wirklich.auf dieser Nachbarwelt einen Höhepunkt erreicht zu haben, und es ist gar nichts Lächerliches, zu glauben, daß man dort seit Jahrtausenden versucht, an uns Signale zu schicken, die wir noch nicht fähig sind zu verstehen. Die Wissenschaft ist in der Tat noch sehr jung auf unserer Erde. Es ist kaum mehr als 200 Jahre, daß wir anfingen, den Mars mit optischen Instrumenten zu beobachten und dessen Geographie und Meteorologie zu studieren, und selbst in unserer heutigen Epoche liegt nur eine kleine Zahl von Männern mit Ausdauer diesen Studien ob. Die Marsbewohner, in ihrer Ausbildung viel Weiter vorgeschritten, können schon lange verschiedene Verbindungsmittel ersonnen haben, denen wir vollständig, fremd gegenüberstehen, und. sie können daraus geschlossen haben, daß der geistige Gesichtskreis der Erdbewohner nicht sehr weit sei.
Es ist allerdings wahr, daß wir auf dem Planeten Mars manchmal leuchtende Punkte bemerkt haben, welche Bei einer lebhaften Einbildungskraft den Eindruck von Signalen -Hervorrufen konnten; eine aufmerksame Beobachtung hat aber gezeigt, daß es sich um natürliche Phänomene, um beleuchtete Bergspitzen und Wolken handelte. Unsere Fortschritte in Bezug auf die Marsgeographie sind aber in den letzten 26 Jahren so rapid gewesen, daß wir noch alles hoffen können.
Zer Nachlaß Ibsens.
, Im Nachstehenden bringen wir einige Proben aus den Notiz- heften, die man in Ibsens Nachlaß fand. Eine große Reihe von Sprüchen und Entwürfen enthält das reiche und wertvolle De- zemberheft der Neuen Rundschau, Verlag von S. Fischer en Berlin; herausgegeben von Prof. Dr. Bie. Wir finden da u. ia auch eine Anzahl von Briesen, unter denen die an Prof. Jul. _ Hofsory (den Helfer Ibsens in Deutschland) die literalur- gescmchtüch bedeutendsten sind. Eine Reihe vo» Forschern und Freunden Ibsens hat sich vereinigt, um im Anschluß daran ihre (itinnerungen und Studien über den Dichter in demselben Heft zu veröffentlichen. Wir lassen zunächst die 3 Schlußstropheu eines Gedichtes folgen, betitelt:


