1906

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WiLLellose Mädchen.

Roman von H. Ehrhardt.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Trauiendorf!"Bittner!" klang cs herüber und hin­über. Tie beiden Freunde schüttelten sich kräftig die Hand.

Suse stand errötet nnd lächelnd daneben.

Mein gnädiges Fräulein!" der lange Offizier neigte sich bewegt über ihre Rechte,wie freue ich mich, Sie beide in Ihrem Glück zu sehen."

Ein ganz klein wenig zitterte ihm die Stimme. Run er in das einst so heiß geliebte, süße Gesichtchen blickte, fühlte er doch, daß die alte Wunde noch immer brannte. Er ge­hörte zu den Männern, die nur einmal lieben können.

Suse sah unbefangen zu ihm auf.

Ja, wir haben uns doch gekriegt", meinte sie über­mütig, Trautendorfs Arm fest an sich drückend,das haben wir uns damals nicht träumen lassen, als Sie mich in N. zur Bahn brachten, daß Sie mich drei Jahre später in Berlin auf der Leipzigerstraße als Trautendorfs Braut begrüßen würden, nicht wahr, Herr Oberleutnant?"

Er nickte.

Das war ein böser Tag damals."

Die beiden Männer tauschten einen ernsten Blick. Es gibt Stunden im Leben, die fester aneinander knüpfen als Jahre rmd die man nie vergißt.

Er hat auch sein Gutes gehabt", sagte Trautendorf, wer weiß, wären wir heut so glücklich, wäre alles den glatten, alltäglichen Weg gegangen, hätten wir nicht so umeinander kämpfen müssen. Aber nun sag", wandte er sich lebhaft an den neben Suse herschreitenden Freund,welcher Wind weht Dich heut nach Berlin? Ich habe seit Deinem Glückwunsch zu unserer Verlobung nichts mehr von Dir gehört und der war noch dazu verdammt kurz."

Bittner konnte eine leichte Verlegenheit nicht ganz ver­bergen. Er wich dem offenen Frageblick des Freundes aus.

Verzeih' noch nachträglich. Ich stand gerade im Begriff damals, einen längeren Urlaub anzutreten, da ich an den Folgen einer hartnäckigen Influenza laborierte, von der ich mich in Italien befreien wollte. So wie ich hier bin, komme ich aus Rapallo bei Genua habe dort ein wundervolle Zeit verlebt und wie das so ist die Welt ist klein ich befreundete mich dort mit mit einem Maler, der sich merk­würdigerweise als guter Freund eines lieben, alten Bekannten von der Kriegsschule her entpuppte. Du mußt doch den Günther Bohlen von den 41. Artilleristen auch kennen, der unter die Maler gegangen ist/

Natürlich, so ein kleiner blonder Kerl, immer wie aus dem Ei gepellt."

Derselbe!" bestätigte Bittner,ich hatte seit fünf Jahren nichts mehr von ihm gehört und Dich wußte ich auch hiev in Berlin, da ließ ich mich denn zum Schluß des Urlaubs von Hammer hierher lootsen."

Suscs Köpfchen fuhr wie elektrisiert herum.

Hammer? Ist der jetzt auch wieder hier?"

Wenn Ruth das wüßte! Vielleicht nahm sie ihre Mal­stunden wieder auf vielleicht konnte sie auch noch glücklich werden. Im tollen Wirbel giugs durch ihren Sinn, allerlei Möglichkeiten, wie sie Ruth zu dem Manu, den sie doch sicher noch immer liebte, verhelfen könnte.

Unterdes antwortete der rotblonde Offizier leicht erstaunt:

Gewiß ist er wieder hier. Wir kamen gestern abend zusammen und ich war eben auf dem Wege zu ihm, da ich Sic traf. Gnädiges Fräulein kennen ihn persönlich?"

Rur flüchtig! öieine Schwester hatte Malstunden bei ihm, deshalb interessiert mich seine Rückkehr. Wollen Sie ihn, bitte, von mir grüßen."

Gern, gnädiges Fräulein, er scheint mir zwar fern Frauenliebhaber zu sein"

,,©oo?" meinte Suse langgedehnt,ich habe gerade immer das Gegenteil von ihm gehört."

Ich auch!" warf Trautendorf, dem Suscs Interesse an dem Maler aufzusallen begann, ein,er hieß nur der .tolle Hammer'. Ich selbst habe ihn nie gesehen, aber er ist fa berühmt genug, daß man von ihm sprechen hört."

Oberleutnant Bittner blickte ehrlich erstaunt.

Mir machte er immer einen sehr ernsten, ja fast düsteren Eindruck, ich habe ihn kaum je lustig, geschweige denn toll gesehen. Die schönen Italienerinnen existierten nicht für ihn. Er malte nach dem Gedächtnis ein wunderschönes Bild, das et in die Kunstausstellung hier bringen wird das müssen 'Sie sich ansehen, gnädiges Fräulein. Ich will nicht indiskret sein, aber gerade weil er die Frauen nicht beachtet, vermute ich, er krankt an der Liebe zu einer einzigen."

Ach, Herr Bittner", Suse legte ihre kleine Hand bittend auf seinen Arm,verschaffen Sic doch Fritz und mir unauf­fällig eine Bcgegmmg mit dem Maler. Ich interessiere mich fa für ihn ich möchte gern später mit seiner Berühmtheit in meinem Salon Staat machen wir könnten uns viel- leicht zufällig in der Ausstellung bei Schulte treffen aber dann richten Sie ihm lieber meinen Gruß nicht aus sonst merkt er's."

Wenn sich's irgend machen läßt, gnädiges Fräulein, natürlich tue ich Ihnen mit Vergnügen den Gefallen ober