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gaß, fagte er laut auslachend — „nicht Ihre Amme, mein Sohn Romeo, sondern Ljubiza-Jullas. Oder wollt Ihr Spitzbuben es vielleicht leugnen. Euch meine Studierstube als Puter Lorenzos Zelle ausgesucht zu Huben?!"
„Nein, wirllich und wahrhaftig, nein", beteuerte Erich, „ich hatte nicht einmal eine Ahnung davon, Komtesse Ljubiza hier anzutreffen."
Und diese sah den Pfarrer verstohlen lächelnd an und sagte: „Sie sind ein ganz schrecklicher Mensch, Vater Adame, dem man von Rechts wegen sehr böse sein müßte."
„I, Du wirst doch nicht!" tat er erschrocken.
„Nein, ich bin es nicht, sogar ganz und gar nicht", gestand sie glückstrahlend, „aber freilich, wenn wir nicht schon wüßten, wie lieb wir uns haben, könnten Sie einen mit Ihren Anspielungen in die schönste Verlegenheit bringen."
Der Pfarrer war gewiß nicht so leicht aus der Fassung zu bringen, aber die Fixigkeit, mit der sich das Pärchen gesunden, machte ihn doch perplex, und völlig sprachlos karrte er die beiden, die sich über sein unverhohlenes Er- taunen nicht wenig amüsierten, die längste Weile an. Endlich löste sich der Bann, und ein ganz unheiliges Donnerwetter leitete zu der Frage über, wie denn das zugegangen sei?
Ljubiza blinzelte ihm schelmisch zu und entgegnete:
„Per Schreibmaschine."
Des Pfarrers Staunen wurde fast noch größer.
„Per Schreibmaschine?/' fragte er ganz verwundert.
„Hören Sie nur, welch schönen Vers er mir geschrieben hat", sagte sie, und ungeachtet Erichs Protests deklamierte sie: „Wart' auf Worte nicht.
Wenn der Blick Dir spricht. Denn im Auge nur Liegt der Liebe Schwur!"
„I der Donner, auf solchen Firlefanz verstehen Sie sich auch und verdrehen damit den Mädeln noch die Köpfe?" rief der Pfarrer mit gutgespielter Entrüstung, „wie viele haben Sie denn schon mit diesem wunderbaren Poem angeschmachtet?"
„So wahr mir Gott helfe, Herr Pfarrer", beteuerte Erich, „Ljubiza ist die Erste, der ich ernstlich von Liebe sprach l"
Der Alte überhörte es absichtlich, und sich zu Ljubiza wendend, inquirierte er:
„Und als Du das Gereimsel hörtest, konntest Du wohl nicht mehr widerstehen und bist ihm gleich um den Hals gefallen?"
„Nein, nicht gleich", erklärte ihm diese schalkhaft, „erst mußte er mir „ljiti" konjugieren, dann aber zögerte ich freilich nicht länger. Wvllen Sie sehen, wie ich es machte?" fragte sie plötzlich übermütig, und ohne sich im geringsten hu genieren, schmiegte sie sich an den Geliebten und bot ihm die Lippen zum Kuß.
Erich zögerte einen Moment und sah den Pfarrer mit bittend-fragendem Blick an.
„Nun denn, küßt Euch in Gottesnamen", erlaubte es dieser schmunzelnd, „aber ich will nichts gesehen und nichts — gehört haben", und sich diskret zum Fenster wendend, hielt er sich mit beiden Händen die Ohren zu. Nach einer Weile frag er dann:
„Seid Ihr endlich fertig?"
„Noch nicht ganz", erklärten beide unter lustigem Lachen, er aber kehrte sich trotzdem um und zog sie sachte auseinander.
„Nun nehmt einmal Vernunft an, Kinder, und laßt uns ernstlich miteinander reden; daß ich Euch aus ganzem Herzen Euer Glück gönne, wißt Ihr. An mir sollt Ihr auch immer einen treuen Verbündeten haben, an den Ihr Euch vertrauensvoll wenden dürft, aber . . ."
„O Sie lieber guter Vater Adame!" unterbrach ihn Ljubiza dankend, „wenn wir Sie auf unserer Seite haben, dann brauchen wir uns doch keine Sorgen mehr zu machen."
„Wollte Gottz Du hättest recht, mein Liebling", entgegnete der Pfarrer, bekümmert, „ich fürchte indes, daß Euch mein Beistand eher schaden als nützen könnte. Bei Deinem Vater Capulet totrb ja mein Wort auf ftucht- baren Bden fallen,, wie aber", wandte er sich fragend an Erich, „glauben Sie, daß sich Montagne dazu verhalten wird?"
Erichs Stirn umdüsterte sich (Forts, folgt.)
Spätsommerzeit — letzte Hygienische Knadenzeit!
Von Dr. E. Grüttner.
Die oft jähen Witterungsumschläge im Herbst und Frühjahr, das rauhe, kalte Wetter im Winter üben erfahrungsgemäß sehr nachteiligen Einfluß auf Gesundheit und Krankheit aus.und spielen unter den Krankheitsursachen eine nichtige Rolle. Da wir aber nun einmal nicht im stände sind, die kalte Witterung und überhaupt alles, was unser winterliches Klima erzeugt, zu mildern, so bleibt uns weiter nichts übrig, als die Einwirkung des Wetters auf unfern Organismus möglichst abzuschwächen, unfern Körper un- enrpfindlich dagegen zu machen. Freilich gibt es noch einen andern, wenn auch nur teilweisen, Schutz gegen die Gesundheitsschädlichkeiten des Winters; man bleibt bei schlechtem, rauhem und kaltem Wetter einfach in der wohldurchwärmten nnd geschützten Wohnung. Aber dies winterliche absolute Stubenleben ist erstens von den Meisten nicht durchführbar, weil es sich mit ihrem Beruf nicht vereinigen läßt, und zweitens ist es in seinem Zweck vollständig verfehlt, weil es den Körper verzärtelt und stubensiech macht. Ein solcher Stubenhocker ist selbst gegen die geringste Ungunst des Wetters noch empfindlicher wie ein abgehärteter Mensch gegen einen wirklich plötzlichen, sehr rauhen Witterungsumschlag. Ueber- haupt sind Leute, welche ihr Leben fast ganz im Hause zubringen, schwächlich und kränllich; dagegen finden wir die kräftigsten, widerstandsfähigsten und abgehärtetsten Menschen unter denjenigen, die sehr viel unter freiem Himmel verweilen, wie Förster, Bauern, Landbriefträger u. dergl. .Dies möge uns ein Fingerzeig sein. Tägliche Bewegung, im Freien unter wechselnden Witterungsverhältnissen und zu jeder Jahreszeit ist ein zweckmäßiges Mittel, um sich an Temperaturumschläge zu gewöhnen und Widerstandskraft gegen die schädlichen Einflüsse der Witterung zu erlangen. Jedoch darf man mit dieser Abhärtungskur nicht bis zum Spät- herbst warten., .Dann ist es in der Regel zu spät; die Gesundheilsschädlichkeiten machen sich dann schon in unangenehmer Weise geltend. Auch wird eine schwächliche Konstitution nicht von heute auf morgen zu einer robusten, oder ein verweichlichter Körper in zwei bis drei Tagen abgehärtet. Jetzt schon muß man anfangen, seinen Organismus gegen die Fährlichkeiten des Winters zu wappnen. Es gibt im August schon manche Abende, wo nicht „laue Lüste wehen"; diese bilden, mit Spazierengehen ausgenutzt, ein gutes Mittel sich allmählich an die Unbilden der Witterung zu gewöhnen.
Wir besitzen noch ein zweites Vorbeugungsmittel gegen die schädlichen Temperaturwirkungen der winterlichen Jahreszeit, welches dem eben besprochenen nicht nur mit voller Ebenbürtigkeit an die Seite gestellt werden kann, sondern dasselbe übertrifft, jedoch seinen höchsten, wahrhaft unfehlbaren Erfolg dann erreicht, wenn es in Gemeinschaft mit demselben zur Anwendung kommt. Aas sind kalte Bader und Abwaschungen. Eine richtige Anwendung derselben trägt vorzugsweise dazu bei, die Körperkonstitution im allgemeinen zu stärken, also gegen Gesundheitsschädlichkeiten widerstandsfähiger zu machen. Sie bewirken dies dadurch, daß sie einen lebhaften Stoffwechsel Hervorrufen, der Ernährung aushelfen, die Tätigkeit der Haut erleichtern, das Herz anregen. Diese bedeutenden Veränderungen, welche in unserem Organismus während des Gebrauchs von Bädern und Waschungen vor sich gehen, müssen fast ausschließlich fcicit Tempcraturwirkungen zugeschrieben werden. Wir atmen durch die Wasscranwendungen die Temperaturschwankungen des Wetters nach. Nehmen wir z. B. ein warmes Bad von 28 Grad R. und danach eine kalte Brause von 10 Grad, so haben wir.denselben Unterschied von 18 Grad, als wenn wir im Winter aus einem auf lo Grad erwärmten Zimmer ohne jede Ueberkleidung in eine Außenkälte von 3 Grad treten. Hier besitzen wir also .ein ganz probates 'Mittel, unfern Körper an die Temperaturunterschiede der kalten Jahreszeit zu gewöhnen. Dadurch wird in vorzüglicher Weise der Temperatursinn des Körpers geübt, .die Haut und ihre Gefäße gewöhnen sich, bei jedem Kältereiz sich zusammenzuziehen, — es entsteht die sogenannte Gänsehaut — wodurch der Wärmeverlust der Haut bedeutend beschränkt wird. Ein verweichlichtes, auf Temperaturunterschiede nicht genügend vorbereitetes Hautsystem dagegen vermag nicht sofort auf Kälteeinwirkung zu. reagieren, die Poren bleiben geöffnet, die Blutgefäße der Haut gefüllt, wodurch eine große Blutmenge fast direkt der Kälte ausgesetzt wird, es tritt also ein bedeutender Wärmeverlust an der ganzen Körperoberfläche ein: die Erkältung ist da!
Natürlich kann man sich einen gut und sicher funktionierenden Temperatursinn auch durch Wasseranwendungen nicht in einigen Tagen erwerben, zumal empfindliche Personen gut tun, hierbei zuerst in milder Weise vorzugehen. Daher darf man jetzt keine Zeit mehr verlieren, sondern muß sogleich anfangen. In, der jetzigen warmen Jahreszeit kann jeder, auch wenn er seinen Körper bisher auch noch so verzärtelt hat, eine solche Kräftigungskur ohne Bedenken beginnen. Am besten läßt sie sich dann ausführen. toetm man eine Brause (mit oder ohne Badewanne) besitzt. .Es gibt ja heutzutage so ciusache Vorrichtungen: ein Eimer, der zu der nötigen Höhe hiuaufgezogen werden kann und auf einen Zug an einem Ventil das Wasser durch einen Brauseansatz nach unten austreten läßt; an dem runden Gestell, das den Eimer trägt, ist ein wasserdichter Vorhang befestigt, .welcher das abspritzende


