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Als man eben zur Mr schritt, Fant Szabo und teilte Herr von Höchstfeld mit, daß der Käufer eben borge- fahren sei.
„Nun, dann begleitet mich Ihr Herr Sohn hinüber, und Sie bleiben d a", entschied der Pfarrer, nahm kurzen Abschied und ging.
Vor der Tür blieb er einen Augenblick stehen und ohne an Erichs Gegenwart zu denken, seufzte er recht, recht schwer aus.
„Fehlt Ihnen etwas, Herr Pfarrer?" fragte dieser besorgt.
„Ach, mein lieber Sohn", meinte der Alte bitter, „ich könnte Ihnen nur mit den Worten Ihres Herrn Vaters antworten, daß es schwer ist, gegen Mißtrauen und Uebel- tvollen anzukämpfen", — dann, den gewaltigen Kopf in den Nacken werfend und mit der Rechten durch die Lust fahrend, sagte er: „Aber es müßte mit dem Teufel zugehen, wenn die Sache so bleiben sollte! Glauben Sie mir, der alte Adame hat, trotz aller christlichen Nachgiebigkeit, einen eisernen Schädel, mit dem er auch die bestverrammelten Tore einzustoßen versteht!"
In diesem Moment war Erich fest von der Schuldlosigkeit des Pfarrers überzeugt, und mochte es welche Folgen immer haben, so wollte er nun von ihm selbst Aufklärung erhalten.
„Herr Pfarrer", bat er daher, ihm die Hand entgegenstreckend, „darf ich Sie morgen besuchen?"
„Zu jeder Stunde sollen Sie mir von ganzem Herzen willkommen sein", sagte er, „und nun wollen wir zu Ihrer Frau Mutter gehen, vielleicht läßt mich, unser Herrgott auch in ihr eine Bundesgenossin finden."
Am Wege begegnete ihnen Herr Brabar, der von Herrn von Szabo nach der Wirtschaftskanzlei geleitet wurde.
Erich stockte unwillkürlich- als er in diesem den Sem- liner Holzhändler unseligen Angedenkens erkannte, und am liebsten wäre er diesem nachgeeilt, um ihn vor Vaters Argwohn zu warnen und ihn, wenn es nötig sein sollte, auch um ruhige Nachsicht zu bitten..
Konnte, durste er indes den Vater derartig bloßflellen? Nein, auf keinen Fall — aber zugegen wollte er sein, um, wenn es nötig sein sollte, durch ein beruhigendes Wort das Aufeinanderplatzen zu verhindern.
Einige unverständliche Worte stammelnd und nur eben noch hinzufügend, daß er sein auffälliges Benehmen morgen erklären werde, stürzte er davon,
Ter Pfarrer schaute ihnr kopfschüttelnd nach, dann murmelte er: „Weiß Gott, der Junge scheint auch "verrückt zu sein — schade, schade!"
Erich war derartig gelaufen, daß er unmittelbar nach den Voraufgegangenen die Kanzlei betrat, wo Szabo gerade Herrn Brabar vorstellte.
Dieser und Herr von Höchstseld starrten sich, zu des Gutsinspektors höchster Verwunderung, ganz verdutzt an und wichen impulsiv einige Schritte zurück.
Beide hatten gleichzeitig denselben Gedanken: „Nimm dich in acht, du hast einen Verrückten vor dir."
Herr vön Höchstseld gewann zuerst seine Fassung wieder. „Wenn ich mich nicht irre , . ." — er hielt inne. Das Wort „Irren" konnte vielleicht an und für sich einen Irrsinnigen reizen, und deshalb verbesserte er sich — „wenn ich mich nicht täusche, so haben wir uns schon einmal gesehen."
„Freilich, freilich", pflichtete der Semliner bei, „nur hätte ich nicht gedacht, daß Sie sich meiner erinnern werden, denn Sie hatten ja damals gerade solch einen verrü. . . verärgerten Anfall."
Herr von Höchstfeld lächelte nachsichtig.
„Ja, ja, ich habe mich damals schmählich geärgert", gab er zu, „und wie denn auch nicht, solch eine Lotterwirtschaft ist ja geradezu. . ."
„Na, na, na, regen Sie sich nur nicht von neuem auf, lieber §err", glaubte ihn Brabar beruhigen zu müssen und legte ihm, tote damals, besänftigend die Hände auf die Schulter.
Herr von Höchstfeld wich abermals einen Schritt zurück und machte Szabo und Erich Zeichen, auf der Hut zu sein, um allenfalls helfend beispringen zu können.
Letzterer hatte schon die längste Zeit auf einen passenden Moment gelauert, das Gespräch auf ein anderes Thema zu lenken.
„Dürfen wir Ihnen vielleicht, ehe wir aus das Geschäft
liche eingehen, nrit einem Gläschen Mein aufwarten?" wandte er sich jetzt an Brabar.
Dieser lächelte verschmitzt und drohte ihm mit dem Finger. „Nein, nein, nicht eher, als bis wir einig geworden sind, denn zum Geschäft gehört ein klarer Kopf."
„Merkst Du es, mit welcher Absichtlichkeit er von seinem klaren Kopf spricht?" flüsterte der Major Erich zu, „das ist der sicherste Beweis seines Jrrsins!"
„Nicht wahr, lieber Herr", redete indes Brabar weiter, „Sie haben sich wohl nicht wetrig gewundert, mich als Käufer kommen zu sehen."
„Allerdings, beim ich weiß nicht. . ."
„Ob ich so viel Geld habe?" fiel ihm Brabar lachend ins Wort, und großtuerisch aufs Portefeuille und auf die Stirn klopfend, prahlte er: „Hier drinn und da drinn stimntt es, und toennn ich auch sonst nur ein einfacher Mann bin, mich macht doch keiner so leicht dumm."
Herr von Höchstfeld wurde die Situation immer ungemütlicher — daß er mit einem Irrsinnigen kein rechtsgültiges Geschäft abschlletzen konnte, war ihm klar, und um sich weiteres, unnützes Reden zu ersparen, fragte er glattweg:
„Wo haben Sie denn Ihren Begleiter gelassen?"
Der Semliner schaute ihn verwundert an.
„Meinen Begleiter? Ja, zu welchem Zweck soll ich denn einen Begleiter haben?"
Der Major wäre gern einer Erklärung ausgewichen, aber schließlich mußte sie ja doch erfolgen, und so sagte er: „Nun, ich 'meine den betreffenden Herrn, der die gerichtliche Vollmacht hat, für Ihre Firma zu unterschreiben."
„Für mich zu unterschreiben?!" ries nun Brabar, mit dessen Geduld es zu Ende war, voller Empörung, „ja, was denken Sie denn, glauben Sie vielleicht, daß ich- unter Küratel stehe?"
„Ereifern Sie sich nur nicht, lieber Freund", suchte ihn der Major zu besänstigen, „wo werde ich denn an so etwas denken! Ich meinte nur wegen Ihres — kranken Zustandes."
„Ich bin krank?" überschrie sich der Semliner, „nun hört sich aber alles aus! Weiß Gott, ich bin gewiß ein gutmütiges Schaf und habe so lange als möglich wie zu einem vernünftigen Menschen zu Ihnen geredet — mich aber von einem Narren als Narren behandeln zu lassen, das fällt mir nicht ein!"
„Herr, was unterstehen Sie sich?" fuhr ihn Herr vott Höchstfeld, im Moment ganz vergessend, daß er einen Irrsinnigen vor sich habe, wütend an.
„Mas ich mich unterstehe?" schrie dieser ebenso zurück. „Ihnen die Wahrheit sagen. Und wenn Ihre Familie nicht den Mut hat. Sie dorthin zu stecken, wo Sie hingehören, dann werde ich dafür sorgen, daß Sie schnellstens in eine Anstalt kommen — denn die Allgemeinheit muß geschützt werden!" — sprach's, machte eine höhnische Verbeugung und schlug die Tür dröhnend hinter sich zu.
Herr von Höchstseld kämpfte einen Augenblick mit sich- dann gewannen die Ueberlegung und das Mitgefühl die Oberhand und Herrn von Szabo zur Tür hinausdrängend/ bat er: „Eilen Sie ihm sofort nach —i der arme Mensch tut sich sonst ein Leid an!"
„Aber, Papa, es ist doch nur ein Irrtum", versuchte ihn Erich aufzuklären,
Doch der Major, der ihn in der Aufregung mißverstanden, nickte nur und sagte:
„Freilich ist es ein Irrtum — das war ja gar nicht der erwartete Brabar — dieser arte Kerl hat sich nur in einem Anfall von Größenwahn in den für jenen bestimmten Wagen gesetzt, und der echte Brabar kann nun zu Fuß laufen — sehr fatal, äußerst fatal."
Erich zuckte mit den Schultern und — schwieg.
9.
Wie er es versprochen hatte, suchte Erich am nächsten Tage den Pfarrer auf. Die erwartete Aufklärung wurde ihm aber diesmal noch nicht zuteil, da er Besuch antraf, und zwar einen Besuch- der ihn alle Aufklärungen der Welt vergessen ließ.
Als er in die Studierstube trat, ging ihm der Pfarrer mit drohend erhobenem Zeigefinger entgegen, und schmun- meinte ex •
„Jetzt fehlt nur noch 'die Amme" — und als ihn Erich darauf ganz verdicht anschaute und sogar den Gruß ver-


