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anlassung zum Morde war, was Herr Whitney immer nicht glauben will."
„Nun, so bestimmt möchte ich das nicht hinstellen", entgegnete Merrick ausweichend und fügte lächelnd hinzu: »Herr Whitney hat seine vorgefaßten Meinungen über den Fall und paßt die Umstände ihnen an, während man richtigerweise zuerst wirkliche Tatsachen sammeln und danach erst seine Schlüsse ziehen soll."
Damit trennten sie sich an der Stalltür, Skott hatte aber noch nicht das Haus erreicht, als der Detektiv schnell noch einmal in die Kutscherstube zurückkehrte und die Scha- tulle wieder öffnete. Nachdem er es langsam mit sichtlich steigender Spannung gelesen hatte, blieb er noch eine geraume Zeit tief in Gedanken versunken, bis das Eintreten des Kutschers ihn daraus erweckte.---
Wenige Stunden später stand Skott allein an dem Sarge des Ermordeten, der heute beerdigt werden sollte. Der' Kopf der Leiche war etwas au! die Seite gewandt, ein Zweig weißer Blüten verbarg die Wunde.
Mit sehr gemischten Gefühlen betrachtete Skott das rhm so bekannte Antlitz, worauf der Todesengel schon viele rhm fremde Linien gezeichnet hatte. Als er daran dachte, !vie ungeliebt der reiche Mann im Leben gewesen und tote unbetrauert er jetzt auf der Totenbahre lag, erfaßte tiefes Mitleid sein Herz.
„Unglücklicher Mann", sprach er zu sich, „nicht einer von allen, denen du Wohltaten erwiesen und Gutes getan hast, wird heute an deinem Grabe mit den Gefühlen des Mitleids stehen wie jch, den du vom Tage seiner Geburt an geschädigt und betrogen hast. Doch ich vergebe dir all das Unrecht, das du mir zugefügt,- es war ja gering e das ungeheuerliche Verbrechen, das du an deinem
-r — meinem Vater — begingst, den ich durch deine Schuld nie kennen lernte. So lange du lebtest, hätte ich dir niemals vergeben können, jetzt aber, wo du vor Gottes Richterstuhl stehst, will ich dir all deine Schuld vergessen, so wie ich glaube, daß es auch mein auf fernem Meeresgründe ruhender Vater getan haben würde, wenn er, wie jetzt ich, an deiner Leiche stehen würde. Möge Gott dir gnädrg sein!"
Kurz darauf wurde der bisherige Schloßherr von Schön- erche die alte Eichenallee entlang getragen, gefolgt von den Verwandten und einem kleinen Geleite seiner besten Bekannten. 1
Frau La Grange, die nur der Einsegnung beigewohnt hatte, war int Hause zurückgeblieben. Von einem Fenster aus sah si e dem Trauerzug nach. Ms der letzte Wagen khrem Blick entschwand, brach sie plötzlich mit einem leisen Stöhnen bewußtlos zusammen.
Das bei ihr anwesende Stubenmädchen rief das andere Dtenstpersonal zu Hilfe, das sich vereint um die Ohnmächtige
Ms diese allmählich wieder zum Bewußtsein kam, schlug sie nut einem Ausdruck des Entsetzens die Augen auf, schloß sie aber schaudernd gleich wieder. Endlich schien sie die volle Besinnung wieder erlangt zu haben; sie be- toeitte die sie.Umstehenden und bat sie mit erzwungenem Lächeln, sie mit dem Stubenmädchen allein zu lassen und nichts von dem Vorgang gegen die vom Begräbnis Heimkehrenden zu erwähnen, da der Anfall nur eine vorübergehende Schwäche gewesen sei, die sie bald überwunden haben wurde.
Mit Kathis Hilfe schritt sie nach ihrem Schlafzimmer und vertauschte ihr schweres Trauergewand mit einem leichten, bequemen Morgenrock.
„Hast Tu vielleicht bemerkt, Kathi", sprach sie nach einer Weile, „ob Walter mit zum Begräbnis gegangen oder zu Hause geblieben ist?" a
Walter ist in seiner Stube und Packt — wie Hardy erzählte — seinen Koffer." 7
Frau La Grange verriet weder Ueberraschung noch Verwunderung. „Sage ihm, er soll gleich zu mir kommen." . o Walter La Grange hatte Schöneiche sogleich nach Schluß des Verhörs verlassen und war erst zur Leichenfeier wieder erschienen. Sein Ausseheir hatte sich in der kurzen Zeit sehr verändert und zu manche,! Bemerkungen Veranlassung gegeben. Zwischen ihm und seiner Mutter bestand von jeher em ziemlich kühles Verhältnis. Beide waren einer tiefen Zuneigung nicht fähig, niemals aber war es bisher KU einem offenen Bruch zwischen ihnen gekommen. Ob- WeiK. äußerlich und innerlich von großer Aehnlichkeit, fehlte
ihm die Energie und Verstellungskunst der Mutter: er hatte sich bis jetzt willenlos von ihr leiten lassen und sich ihren Ratschlägen gefügt. Als er nun aber zu ihr ins Zimmer trat, erkannte sie aus den ersten Blick, daß es fortan mit ihrer mütterlichen Gewalt und ihrem Einfluß aus ihn vorbei sei.
„Was willst Tu?" fragte er in einem gereizten, ärgerlichen Tone.
„Hältst Tu diese Sprache Deiner Mutter gegenüber für passend? Deiner Mutter gegenüber, die nur in Deinem Interesse alles wagt?"
„Ach was", brauste er auf. „Ich kann nicht finden, daß Tu mit Deiner Art, für mich zu sorgen, viel erreicht hast/ Vor emer Woche noch konnte ich meinen Kopf hoch tragen; da galt ich noch für einen Verwandten Hugh Main- warmgs und hatte gute Aussichten. Was habe ich aber jetzt? Nichts habe ich. Nicht einmal einen Namen habe ich mehr!"
„Walter, kein Wort weiter! Du bist Hugh Mainwarings Sohn, und ich war seine Frau. Ich werde die Menschen schon noch zwingen, mich als solche anzuerkennen, nur mußt Tu —"
„Bitte, beantworte mir nur eins", unterbrach er sie. „Wenn ich wirklich Hugh Mainwarings Sohn bin, warum führte ich dann nicht seinen Namen? Und dann — wenn Tu Hugh Mainwarings richtige Frau schon warst, was bedeutete dann der Heiratsantrag, den Tu ihm vor nicht ganz drei Monaten machtest?"
Sie wurde leichenblaß, er aber schien sich an ihrer Verwirrung zu weiden und wiederholte höhnend: „Ja, es war an dem Abend, an dem er Dir das Halsband schenkte, das ich neulich verkaufen mußte. Du gingst damals dem Alten gehörig zu Leibe und drohtest, irgend ein von ihm begangenes Verbrechen zu verraten. Ich hörte zufällig alles, und nun, da Tu das weißt, wirst Tu mir wohl nicht noch länger weismachen wollen, ich wäre Hugh Mainwarings Sohn. Wenn Tu die begonnene Komödie noch weiter spielen willst, so tue es, auf meine Unterstützung dabei darfst Du aber nicht rechnen."
Trotz dieser vernichtenden Sprache des Sohnes gab das charakterlose, ränkesüchtige Weib das Spiel noch nicht auf. Mit eiserner Willenskraft ihre Selbstbeherrschung bewahrend, entgegnete sie leise: „Undankbares Kind! Schämst Du Dich denn gar nicht. Deine Mutter in solcher Weise zu beschimpfen und sie vielleicht dem Gerede horchende« Dienstboten preiszugeben? Hüte Deine Zunge. Nun ja, ich will es vor Dir nicht weiter verhehlen, daß ich — wie Tu es zu nennen beliebtest — Komödie spiele, aber ich muß meine Rolle nun auch durchführen. Wir sind Verwandte von Hugh Mainwaring und haben ebensogut Ansprüche an sein Erbe wie die anderen. Welche Aussichten würden wir aber diesen habsüchtigen Menschen gegenüber haben, wenn es mir nicht gelänge, die gerichtliche Anerkennung unserer Ansprüche zu erkämpfen? Stur allein das kann uns helfen, und deshalb bin ich gezwunaen, meine Behauptung aufrecht zu erhalten, daß ich Hugh Mainwarings Frau war und Tu sein Sohn und gesetzlicher Er'be bist."
Einen Augenblick sah Walter seine Mutter überrascht und unentschlossen an, dann aber erwiderte er in höhnischem Tone:
„Wenn Tu mit Deiner Geschichte Glauben gefunden und ein Vermögen errungen haben wirst, will ich mich melden; denn was .auch immer ich für Zweifel in anderer Richtung hege, Du bist meine Mutter und somit verpflichtet, mir zu geben, was mir zusteht. Vorläufig aber werde ich meinen bisher geführten Namen La Grange ioeiter- Bhren, obwohl ich vermute, daß auch dieser mir nicht zukommt!"
Damit wandte er sich>, ohne eine Erwiderung abzuwartem der Tür zu. Mutter und Sohn sahen sich nicht wieder.
Ein leises Stöhnen entfloh den Lippen der Unglücklichen. Zu stolz, den Tavonschreitenden zurückzurufen, sank sie kraftlos auf das Sofa und weinte bitterlich.
Als die Herren und Damen des Hauses vom Begräbnis zuruckgekommen waren, vereinigten sich alle in der großen Halle, um die Hinterlassenschaft Hugh Mainwarings einer näheren Prüfung zu unterziehen. Die beiden Vettern, Ralph und Thornton, nahmen Papier und Bleistift, berechneten 'ifrig den Betrag d er vorhandenen Wertpapiere und chätzten ab, was nach Ankauf des alten Stammgutes davon! übrig bleiben tvürde. Frau Mainwaring nahm inzwischen


