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feinem Herrenreiter sei. Der Kellner wurde also beordert, Tinte in den Salon zu schaffen. (Forts, folgt.

Zur Kcsch-Hts

eines alten Hausesans dem Brand" in Gießen.

Jedem Besucher der Musenstadt Gießen muß die gewaltige Veränderung auffallen, die in dem Aeußeren dieser Stadt in den letzten zwanzig Jahren sich vollzogen hat. Neue Stadtteile sind erstanden, breite Straßenzüge mit gartenumhegten schönen Wohn­häusern erfreuen den Wanderer. Auch in der Innenstadt hat sich gar manches geändert; hier ist ein altes Haus verschwunden, dort .erscheint ein anderes in neuem Gewände.

Besonders auf demBrand" in Gießen hat sich eine große Umwandlung vollzogen. Neben einer Reihe von Neubauten er­heben sich hier die althistorischen Gebäude, die jetzt wieder, so weit dies möglich war, in ihrer ursprünglichen Form auf das Auge des Beschauers wirken. Zu den wenigen Gebäuden, die im Laufe der Zeit durch Menschenhand kaum eine Umänderung er­fahren haben, gehört das Haus uff m Brand, aus dessen Geschichte wir hier einige Nachrichten geben wollen.

. Ter jetzige Eigentümer dieses Hauses, Herr Fabrikant Egly, besitzt noch eine Reihe von Kaufbriefen, deren Durchsicht dem Unterzeichneten gütigst gestattet worden ist. .

Tie älteste dieser Urkunden stammt aus dem Jahre 1664. Tarin , bestätigt Landgraf Ludwig VI. von Hessen-Darmstadt, daß sein Großvater, Landgraf Ludwig V.,dem gewesenen Pro- fessori Theologiae bey der Universität zu Gießen, Balthasa Mentzern, der Heyligen Schrift Toctori, dero zu besagtem Gießen nahe bei der Roßmühl stehende Behaußung mit darauf gehabter Befreyhnng vor diesem käuflich überlassen." Balthasar Mentzer der Aeltere gehört unter die Zahl jener 55 Professoren und Geist­lichen, .He nicht willens waren, die vier von Landgraf Moritz von Hessen-Kassel geforderten Verbesserungs-Punkte zu unterzeichnen. Ludwig V. von Hessen-Darmstadt beschied ihn neben den beiden anderen Theologen Winckelmann und Leuchter nach Tarmstadt; bald darauf sehen wir diese Männer als Professoren der beiden 1605 gegründeten Lehranstalten, des Gymnasiums und des Päda­gogiums; den 7. Oktober 1607 folgte dann die feierliche Er­öffnung der neugegründeten, von Kaiser Rudolph II. anerkannten Universität zu Gießen. In dieser Zeit hat Landgraf Ludlvig V. dem Hochgelahrten, Unserm Pfarrer, Superintendenten, auch Oberhofpredigern und lieben, getreuen Balthasar Mentzern, der Heyligen Schrift Toctori", jene Freiheiten gewährt, in deren Genuß seine Nachkommen verblieben. Tas Haus sollteanderen befreyheten, Behaußungen zu Gießen in aller freiheit gleichgehalten werden, wie dies in der Urkunde vom Jahre 1664 gefordert wird. Tiefe ist am 7. Januar 1664 ausgefertigt, trägt die Unter­schrift des Landgrafen Ludwigs VI. und zeigt das wohlerhaltene fürstliche Sekret-Jnfiegel.

Von Gottes Gnaden Wir Ludwig Landgraf zu Hessen, Fürst zu Herßfeld, Graf zu Catzenelnbogen, Tietz, Ziegenhain, Nidda, Schauenburg, Nsenbnrg und Büdingen, thun kund und bekennen hiermit vor Uns, Unsere Erben und Nachkommen Fürsten zu Hessen pp. alb weiland der Tnrchleuchtige Fürst, Herr Ludwig, Landgraf zu Hessen, Unser hochgeehrter Großherr Vatter, Hoch- seligen Andenkens, weiland dem Würdigen und Hochgelahrten Sr. Groß Vätterl. Gnaden gewesenen Professori Theologiae bei der Universität zu Gießen, Balthasar Mentzern, der Heyligen Schrift Toctori, dero zu besagtem Gießen nahe bej der Roßmühl stehende Behaußung, mit darauf gehabter Besreyhung, vor diesem käuflich überlassen, desselben Erben auch solche befreyung bißhero würklich genoßen, und unperturbirt dabey gelaßen worden, daß wir nunmehro dem würdigen und hochgelahrten Unserm Pfarrer Superintendenten, auch Oberhofpredigern und lieben getreuen Bal­thasar Mentzern, der heyligen Schrift Toctori, dessen Erben und Nachkommen solche Beftehung confirmirt haben, thun dasselbe auch hiermit und kraft dieses alßo um dergestalt, daß es solche Be­hausung anderen befreyheten Behaußungen zu Gießen in aller Freyheit gleichgehaltcn werden soll; und dessen zu wahrer Ur- kund haben wir Uns eigenhändig unterschrieben und Unser furstl. Secret hirauf trucken laßen; Geben und geschehen zu Tarmstadt am Siebenden Monatstag Januarii Anno Eintausend Sechshundert Sechzig und Vier.

_ Ludwig.

(Tas Siegel, in braunrotem Siegellack, ist sehr gut erhalten.)

Eine weitere Urkunde ist am 18. März 1694 ausgestellt. Darin verkaufenM. Balthasar Mentzer, Professor Math, ordi- narius allhier zu Gießen und Frau Eleonore Katharina Mentzerin, gebohrene Müllerin ans Hamburg, dessen eheliche Hausfrauaut sreyem willen und wohlbedachtem Muth dem Monsieur Pierre Hardy, bei hochfürstl. Hofstatt und hochlöblicher Universität wohl- besteltem Tanzmeistern und Frau Elisabeth« Christina Hardiin, geborene Müllerin, dessen Eheliebsten und ihren Erben ihre erb- eigenthümliche Behaußung, sampt neben daran liegendem Hof, Maschhauß und Garten, ufm Brand, neben Herrn Kammerrath E. Hoffmann »:md Herrn Hieronymii Grebeners seel. Erben ge­legen, erblich und eigen, vor und umb 1200 Rthr., bar geldt, an Brandenburgisch oder Lüneburgischen gülden, jeden Rthr. zu 45 alb. in 8 Pf. gerechnet"; ebenso IV2 Morgen Wiesen im Metzenloch, neben Philipps Balthasar Vetzöergern und H. Konrad Bußlers (Leußlers?) seel. Erben vor und umb 150 Rthr. in gleichem Gelde. Ferner:unfern Garten vorm Walthor am Steinweg, mit dem darin stehenden Hciußgen, ohngefähr Vs Mor­gen, giebt jährlich Ein Gulden 28 alb. und 2 Pf. mit aller herbrachten Gerechtigkeit, neben der Frau Cantzlcrin Malcomcsim und Herrn Regierungs-Rath Malcomesio gelegen,, vor und umb 85 Rthr. in gleicher Münze, welche dreh Kaufsummen in 1435 Rthr. bestehen. Joh. Balthasar Kempf und Joh. Moritz Schiefer waren die damaligen Bürgermeister, der Stadtschreiber hieß I. B. Balser. Pierre Hardy hat ebenfalls unterzeichnet; die Schriftzüge sind aber sehr ungelenk. Im Jahre 1713, 12. Mei, wird der Witwe Pierre Hardy auf ihr Gesuch vom 25. Januar, die Freiheiten aufsothane Hauses Erben und Nachkommen mit­verkaufen zu dörffen" von Landgrafen Ernst Ludewig urkundlich der Schutz der Freiheiten, die von alters her dieses Haus gehabt, zngebilligt.

Nach einer weiteren Urkunde, in der obige Verfügung des Landgrafen Ernst Lndivig erwähnt wird, verkauft die Witwe Hardydem Hoch Edel gestrengen, Best und Hochgelehrten Herrn, H. Toctori Melchior Tethmar Grollmann, Hochfürstl. Hessen- Darmstädtischen Rath und Professori Publico ordin. bey all- hiesiger löblicher Universität, dessen Erben und Nachkommen, ihre erbeigenthümliche Behaußung, sampt dem daran liegenden Hof, Waschhaus und Garten, auch allem, was daran Erd- nied- und nagelvest ist, auf dem sogenannten Brand, neben und an S. T. Herrn Regierungs Raths Lt. Hoffmanns Behaußung ge­legen, mit der darauf nach Anßweiß des hochfürstl. Freybriefs renotiirter Freyheit." Ter Kaufpreis betrug 1900 Gulden, jeden zu 30 alb. in 8 Pf. gerechnet. Ausdrücklich wird erwähnt, daß die zum Hanse gehörigen Dokumente auf den neuen Besitzer übergehen. Tie damaligen Bürgermeister waren: Joh. Wilh. Muhm und Gg. Heinr. Loni. Gemeins Stadt-Jnsiegel. 31. Oft. 1713. I. B. Balser, Stadtschreiber.

Eine weitere Urkunde stammt aus dem Jahre 1789. Sie lautet:

Ich Endesunterschriebener bekenne für mich, meine Gattin und alle künftige Besiker unseres am Brand dahier gelegenen, von meinem seel. Schwiegervater, dem Kirchenrath D. Benner ererbten Wohnhauses, daß ich aus Neigung zu nachbarlicher Freundschaft

1 .) auch denjenigen Theil der mein Revier und den nengekauf- ten. Garten des Herrn G. R. R. Grollmanns begrenzenden Planke, welchen gedachter Herr G. R. R. Grollmann auf seine Kosten erhalten mußte, auf meine Kosten, ganz wie den übrigen Theil der Planke, bauen und erhalten und

2 .) die Fensteröffnungen aus der gegen den Küchengarten und das Haus des Herrn G. R. R. Grollmann zustoßenden Seite mit Läden versehen lassen und überhaupt von diesen Fenstern keinen, dem ganzen Grollmann'scheu Hause unangenehmen Gebrauch machen wolle. Urkundlich unter meines Namens eigenhändiger Unterschrift und vorgedrucktem Petschaft

Gießen, den 28. Tec. 1789

D. Ernst Schwabe, Professor and Landphysik, daselbst.

Im Jahre 1798 werden die Feldgeschworenen aufgefordert von den Schmalkalder'schen Erben einerseits und den Erben des G. R. R. Grollmann anderseits, die Grenzlinie zwischen beiden Hos- raithen aufznsuchen. Maler finden sich nicht; es wird ent­schieden, daß beide Theile es ließen, wie es gewesen. Bon den Feldgeschworenen P. L. Magnus, Joh. Konrad Stichler und Phil. Jakob Herbert wird der folgende Faustriß aufgestellt.

Gießen, 6. Hornung 1798.

von S chmal-

Hof und Stallung

Prof. Schwäbische Haus-Blänke

Hintere Wand des Hauses

< Treppen- J \ Turm /

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dorischer Garten

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