ßnfl genommen hat. . Auch seine grosse Vorliebe für Blumen könnte dabei Wohl auf ihre Rechnung kommen. Statt immer wieder „Blumein..ticke" und ,r.Feldblnmeitslräuße" nach bekanntem und ost gesehenenr Muster zusammcmznstellen, sollte er sich einmal daran machen, .die Wucherblume so zu malen, jvie sie am Straßengraben wirklich blüht, oder einen Glockenblumenstrauß so darzugellen, wie er draußen am Raine tatsächlich steht, oder den Heckenrosenzweig so aufs Papier zu bringen, >vie er in weitem Bogen sich vom Busch hinausstreckt, und alle seine Blüten dem Lichte und dem Blau des Himmels zukchrt. Oder er sollte — an der Kraft dazu gebrichts ihm nicht — den Feldstrauß malen, wie ich ihn in einem Milchtopf stehend in einer Dirlammer Bauernstube wirklich traf, oder auch einmal ein hübsches, buntglasiertes und geblümtes Lauterbacher Töpfchen mit einem Strauß von „Herzenstränen" oder sonst der Gartcnblumen einer oder vieler, oder auch die Fenstcrwand eines Bauernhauses, oder wenigstens ein Stück davon, mit dein hübschen Balkenwerk und mit dem Blumenbrett voll blühender Levkojen, Grasnelken und Geranien. Tas waren Vogelsberger Bilder. Ich habe sie alle an dem einen Tage angelroffen...— Anstatt sich künstlich Stilleben zu- sammcnzustellen, die doch immer, auch im besten Falle, .etlvas „Gemachtes" an sich haben müssen, sollte er diejenigen Stillebcn aufzusuchen und zu finden wissen, die sich aus dem Leben und Treiben unserer Gegend ganz von selbst ergeben. .Ich traf in diesen Tagen eins: an dem Stamiu eines Apfelbaums hingen ein leinener Brotbeutel, .ein rotes, zu einem Bündel verknüpftes Taschentuch und zwei blauleinene Jacken, und davor stak im Boden ein vom Wurf gelöstes Sensenblatt, während die Mäher abseits in der Wiese ihre Arbeit taten. — Ter Frühstückskorb neben dem Wagenrad auf dem Acker und ein „Leibchen" drüber hingeworfen, und der Geschirrpflock mit dem Kummet und Geschirrgang oder mit den Ochsenjöchern und Zugketten, das sind Stilleben von Vogelsberger Art, lvomit ich nicht gesagt haben lvill daß das schon alle ivären, und daß sich nicht auch im Inneren unserer Bauernhäuser und Stuben ihrer reichlich genug finden ließen. — Oder, um nun wieder zu größeren Sachen zu kommen, — tvas ich von Döring gern einmal gemalt sehen rnöchte, das wäre etwa ein Bild, wie ich es gleichfalls dieser Tage sah: ein junger Mäher von der Mahd heimrehrend, in lässiger und etwas müder Haltung, die Sense „auf dem Buckel" und — ein Erdbeersträußchen auf dem Hut, oder, wie ichs bei Lauterbach antraf, ein Mädchen, etwa 16 jährig, hemdärmelig mit rotem Kopf- und Brusttuch, hie „Küße" auf dem Rücken und zwei Kannen in den Händen, um denen draußen im Felde das Essen zu bringen. So etwas, selbst wenn es für den Anfang unvollkommener ausfallen sollte, erfreut doch mehr und lohnt darum auch besser als die noch so geschickte Kopie eines jungen Italieners. Oder — um zu den bereits vorhandenen Ansäßen zu konunen, — von den freien Landschaften brauche ich uicht mehr ausdrücklich zu reden, aber etwa das Innere einer Bauernstube, wie sie tatsächlich ist, das Innere etwa der schönen Dirlammer Kirche mit ihrer interessanten und kraftvoll schönen Kanzel, oder auch das interessante Aeußere dieser hübschen Balkenkirche mit ihrem mächtigen Balkenwerk, vielleicht als Staffage ein Rindergespann, das die Straße daherkommt, pder — ich könnte lange sortfahren, könnte das Flachsschwingen in der Scheuer und den Ackermann auf bent Feld, könnte den Krämerladen im Dorf und die Hutweide draußen hundert andere Dinge auszählen, aus denen spezifisch vogelsbergisches Leben herausschaut, — aber ich meine im Ernst, das wären wirklich Aufgaben, würdig einer echten und groß angelegten Kunst zu der Döring, der Gewandtheit seiner Technik nach, sehr Wohl das Zeug haben könnte. Und wenn auch dies und das einmal verzeichnet werden sollte, !vas hätte das schließlich zu sagen? Die Echtheit und Urwüchsigkeit der Empfindung würde reichlich zu entschädigen vermögen für eine verzeichnete Linie, wiewohl $u großen Befürchtungen in der Hinsicht gar kein Anlaß sein kann. Wer den Waldbach und die Winterlandschaft, auch das sommerliche Landschaftsbild von Dirlammen geschaffen hat, der ist auch solchen Aufgaben, wie ich sie andeutete, gewachsen. Mit dem Versuche ihrer Bewältigung könnte Dörings Kunst, die bis jetzt, .von Llnfätzen und Einzelheiten abgesehen, wirklich noch nicht mehr ist, .als eine staunenswert hoch ent- tvickelte Dilettanten- und Üiebhaberkunst zur Volkskunst iverden im heften und edelsten Sinne, dessen das Wort fähig ist. .Aber ich wiederhole auch diesen Ausführungen gegenüber nochmals, was ich gelegentlich der Besprechung der „Bolkskunstschnitzerei im Vogelsberg" bereits gesagt habe, daß maßgebende Vorschriften in dergleichen Dingen sich nicht aufstellen lassen, daß vielmehr eines jeden eigener Weg der richttge ist, und daß den auch ein jeder selber finden und — gehen muß. Damit wäre ich nun mit meiner Besprechung der cinz hen Erscheinungen unserer heute noch lebendigen Volkskunst, soweit dieselben eben durch die Ausstellung zu meiner Kennt ns gekommen sind, vorläufig zu Ende. Vielleicht, daß durch ihre Vorführung bas1 Interesse für diese heimatliche Sache . wieder hie und da von neuem angeregt und wach geworden sein möchte. Eine Würdigung derselben als Gesamterfcheinnng im Rahmen uns'.:'s Volksl ben- wie auch im Hinblick auf die heute allenthalben auftaucheuden praktisch
künstlerischen auf Popularisierung der Kunst und Herbeiführung einer populären Kunst gerichttten Bestrebungen, die möchte eine Au gäbe für sich bedeuten. Und davon vielleicht wirklich später einmal.
Hochwohlgeboren. *)
Daß ich überhaupt geboren, Glaubet mir wohl jedermann, Daß das Wie sechsmal gewechselt, Mancher nicht begreifen kann.
Weder „wohl"- noch „hoch"geboren War ich fünfundzwanzig Jahr, Wurde dann „Hochwohlgeboren", Weil ich damals Leutnant war.
Doch das „Hochwohl" ist verflogen, Als ich meinen Abschied nahm lind als simpler Forstgehilse Ins Zivil herunterkam.
Anno siebzig war ich wieder Sn dem Kriege Leutencmt, Sieber auch „Hochwohlgeboren" War ich im Soldatenstand
Nach dem Krieg zum Obersörster än dem Elsaß dann ernannt, tard ich in dem Dienst als solcher ^Wohlgeboren" nur genannt. Da ich aber war geblieben In der Landwehr Leutenant, Blieb ich auch „Hochwohlgeboren", Wenn auch nur im Kriegerstand.
Wie als Leutnant ich dann wieder Einstens meinen Abschied nahm, Mir das „Hoch" zu meinem Schrecks» Abermals abhanden kam.
Und so ward ich ein'ge Jahre „Wohlgeboren" nur genannt, Bis der Kaiser dann au? einmal Mich zum Rate hat ernannt.
Und so ward ich plötzlich wieder „Hochwohl" selbst in dem Zivil. Alles das sich zu behalten. Ist fürwahr kein Kinderspiel.
Erst ganz einfach nur geboren, Dann „Hochwohl" ein halbes Jahr, Dann vier Jahre ganz entbehret Selbst das arme „Wohl" sogar, Wieder „Hochwohl" anno siebzig, „Wohl" drauf und „Hochwohl" zugleich, Tann vier Jahr nur „Wohlgeboren" Und „Hochwohl" als letzter Streich.
Daß die Art, rote man geboren, Solchem Wechsel unterliegt, Das zu glauben ohne weiter's Nicht ein jeder fertig kriegt. Meine Mutter, die doch sicher Damals auch zugegen roar, Fand es, als ich's ihr erzählte, Lächerlich und sonderbar.
*) Aus den „Liedern und Reimereien eines alten Grünrocks aus der Pfalz".
Magisches Zahle nquadrat.
(Nachbildung verboten.)
In die durch schwarze Felder bezeichnete Querreihe sind 4 in gleichen Zwischenräumen aufeinanderfolgende Zahlen zu setzen, die zusammen 66 ergeben. Die übrigen Felder sind gleichfalls mtt Zahlen zu besetzen, die nicht kleiner als die linke obere und nicht größer als die rechte untere sein dürfen; alsdann muß die Summe jeder wagerechten und senkrechten, sowie auch die Querreihe von links unten nach rechts oben 66 sein.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auslösung des Logogriphs in vor. Nr:. Bruch — Buch.
Redaktion: Au au st Goetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brüh l'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


