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etwas Phantasie dabei", wie ein Kenner behauptete, ist in den Rändern wohl etwas zu sehr grün geraten.)

Blatt 13. Farbenskizze, Feldblumen (Ginster, Skabiose, Korn- und Glockenblume, Kornrade, Margerite, Hahnenfuß und eine Tolde, Alles auf einen dünnen Pappendeckel in ähnlicher Weise wie Nr 9 skizziert).

»Blatt 14. Mohnblüten, -Knospen und -Fruchtkaspeln (außer­ordentlich feine Pastellzeichnung. Besonders die offenen Blüten mit den vielen Staubgefäßen sind fein durch gearbeitet. Viel­leicht ist die Farbe an der roten Blüte etwas zu sehr feuerrot, die an den Knospen und Stengeln etwas zu sehr karmoisinrot. Tas Mohnrot liegt in der Mitte).

Blatt 15. .Farbenskizze, Feldblumen (ganz ähnlich lute Nr. 13, die Skabiosen sind hier allein eigentlich durchgeführt und be­sonders gut gemalt).

Blatt 16. Neujahrsglückwunischkarte, Ansicht von Dirlammen mit Blumenranke und Schmetterling (Tischzeichnung, Idee kon­ventionell).

Blatt 17. ,Am Pslanzgartenpförtchen" (Tusch- und Feder­zeichnung feilt und stimmungsvoll, Farrnkraut und Wurzelstöcke, Stämme und Steine sind fein und durchaus nicht kleinlich wiedergegeben. Tas Blatt gehört zu den besseren der Samm­lung).

Blatt 18. Dirlammen (flotte Tuschskizze).

Blatt 19. Kälberbergslinden" (gute Bleistiftskizze).

Blatt 20. Dirlammen im Sommersonnenschein (das" Dörfchen mit den sommerheißen Feldern hingelagert vor den Wald, im Hintergrund der Blick auf die schön geschwungenen Linien der blaufernen Höhenzüge der Lauterbacher Gegend. Tie Sommer­stimmung .ist vorzüglich getroffen. Tie an sich konventionelle Umrahmung (mit Erdbeerblütenstrauß) und Staffage konzentrieren den Blick und heben dadurch wirklich das Bild).

Blatt 21. TieKälberbergslinden", Aquarellstudie (vgl. die Skizze Nr. 19. Mit dem im Hintergrund angedeuteten Wald, durch welchen die Weite des Feldes recht herauskommt, ein echtes Vogelsberger Landschastsbild. Tie wiederum konventionelle Umrahmung hätte hier ohne Schaden wegbleiben mögen).

Blatt 22. Waldbach, Aquarellskizze (flüchtig, aber von ganz außerordentlich guter Wirkung. Ueber Steine kommt breit aus jungem Laubwald hervor ein Bach. Das Blättchen wirkt, na­mentlich aus einiger Entfernung, äußerst plastisch, unwillkür­lich will das Ange tiefer in das Waldesinnere hineindringen. Tie Skizze gehört zu den besten Sacken der Sammlung).

Blatt 23. , Ein ähnliches Motiv mit Jäger und Hund im Hintergrund (zwischen hohen Stämmen ein schmäleres Bächlein, das Stück loirkt wie ein Oelbildchen).

Blatt 24. Teich am Waldesrand (Durchblick auf einen weiter zurückliegenden Wald, farbeinleuchtend, sommerlich, von ähn­licher Wirkung wie Nr. 22).

Blatt 25. Farbige SkizzeAus dem Vogelsberg" (Oberhessi­sche Balkenhäuser).

Blatt 26. Tuschskizze, Partie aus Dirlammen mit Bäumen, skizzenhaft.

Blatt 27.Partie aus Dirlammen im Winter" (der Blick von Törings Hofraite auf das Nachbarhaus und die Dorsstraße, .im Hintergrund das freie Feld. Feine außerordentlich stimmungs­volle Winterlandschaft, das Glanzstück der ganzen Sammlung. Tie Ufermauer am Bach, .der Pfad im Schnee, der halb weg ge- thaute Schnee auf dem Dach des Nachbarhauses, hie fein abge­tönte graugeschindelte Front desselben, die fernen Bäume im Hintergrund, der Steg und der beschneite Wagen im Vordergrund, alles stimmt wirkungsvoll zusammen. Vielleicht dürfte der Eschen­baum vor dem Nachbarhaus ein ganz klein bißchen weniger minutiös ausgesührt, die verschneiten Misteln auf demselben etwas mehr zurückgehalten sein. Aber das ist kaum der Rede wert. Es ist ein ganz vortreffliches und stimmungsvolles Bild und echt oberhMsch).

Blatt 28. .Taheim", eine Sommerlandschast (die eigene Hofraite Törings mit dem Garten vor dem Haus, -essen weiß umrahmte Fenster so recht heimelig aus der rot' gestrichenen Schindelung heraus und zwischen dem Grün des Apfelbaumes hervorleuchten. Tie Dachkante an der Vorderfront und die First­linie am Haus und Stallgebäude sind perspcttivisch etwas ver­zeichnet der Laie sieht's wohl kaum aber die Stimmung, diesmal sommerlich, ist ganz vortrefflich und stockvogels­bergisch, .das echte Gegenstück zum vorigen Bild).

Blatt 29. Ansicht von Dirlammen (saubere Tuschzeichnung). m Blatt 30. Dasselbe, Aquarell (von einem etwas anderen Punkte aus aber gleichfalls mit dem Blick in die Lauterbacher Gegend gesehen).

Kann man nun auch bei solchem Gang durch die Arbeiten Törings ich habe, wie gesagt, persönlich ihrer noch viel wehr, und zwar sowohl Skizzen als auch fertige Arbeiten, selbständige Sachen und (auch feine) größere Kopien gesehen, ich sage, kann man wohl nicht anders, als des Lobes voll fein, denn das ist eine Leistung, wenn ein Mann, der in der Feldarbeit und daneben auch noch in der Arbeit seines Amtes steht, sich solche Fähigkeit und Fertigkeit der Technik zu erwerben vermag, so erhebt sich doch von dem Gesichtspunkt unserer Ausstellung Ms zum Schluß hie Frage: Ja, ist das nun aber «oentlicfj Volkskunst? Unwillkürlich kam mir vor den Sachen,

als ich sie studierte, immer wieder ein Wort von Döring selber in Erinnerung das er mir sagte, als ich ihn in feinem Haus be­suchte. .Tas ist aber doch keine Volkskunst", sagte er,das heiße ich Liebhaberkunst, .aber Volkskunst nicht". Und ich muß sagen: Er hat Recht. Liebhaberkunst, .Tilettantenkunst, etwas anderes sind die Döringschen Arbeiten, im Großen und Ganzen und mit einigen Ausnahmen, einstweilen wenigstens nicht. Wenn Döring freilich das wesentliche Merkmal der eigentlichen Vo ks- kiinst darin zu erblicken schien, daß er sie zum Verkauf arbeite, und wenn er von da ans auch zu meinen schien, daß die Volks­kunst .als ein Minderes, die Liebhaberkunst aber als das Höhere . zu bewerten sei, so denke ick darin allerdings anders. Mir liegt der Unterschied zwischen Volkskunst und Tilettantenkunst, wie ich es auch bereits wiederholt ausgesprochen habe, vielmehr in einem Inneren", nämlich in der Freiheit und Selbständigkeit der schöpferischen Idee und Konzeption. Es soll kein Tadel, es soll vielmehr eine Ehre sein, hie ich dem Manne und seinen hoch- respektabelen Arbeiten antun möchte, wenn ich von hier aus noch zum Schluß an eine kritische Würdigung seiner Gesamtleistung herantrete. Tenn es kann diese Leistung nur ehren, .wenn sie, in ihrer Höhe gerade, als Basis für ein Höheres und Größeres genommen wird. Niemand, d. h. kein Einziger, der seine Sachen aufrichtig bewundert, kann sich doch besser mit ihm selber seiner Arbeiten freuen als ich, der ich die Erinnerung an ein paar kleine Sächelchen, .die ich einmal sah, durch acht Jahre hin bewahrt habe, Auch schlage ich, wie ich ausdrücklich sagte, die Leistungen, wie sie tatsächlich vorliegen und in dem, was sie sind, keineswegs etwa geringer an als irgend einer der sonstigen Betrachter. Im Gegenteil, ich erblicke, wie gesagt, Ansätze in diesen Sachen, -ie ich gerne fortentwickelt sähe. Nun habe ich freilich einen viel zu grüßen Respekt vor demeigenen Weg" eines künstlerisch schaffenden Menschen, als daß ich etwa so mir nichts, dir nichts von Direktiven, Richtlinien, Anregungen zu sprechen wagen möchte. Ich weiß, daß wie überhaupt im Leben, so ganz besonders auf dem Gebiete künstlerischer Be- tätgiung ein jeder genommen werden muß, wie er ist und daß eben darin eines jeden Stärke und Sicherheit beruht, daß er feinem eigenen Wege folgen darf. Ich würde auch kein Wort verlieren mögen, wenn ich nicht in den Sachen selber bereits die Ansätze fände, die auf das hindenten, was ich noch vermisse und suckie. Vielleicht daß doch ein begründeter Hinweis hierauf von einigem Wert sein könnte, und daß das eine und andere, was ich sagen will, der Erwägung wert befunden und allenfalls als An­regung für das weitere Schassen mit in Betracht gezogen werden möchte.

Ich habe bei der Besprechung oder Aufzählung der einzelnen ausgestellten Arbeiten Törings in meinen Anmerkungen des Oefteren von dem konventionellen Charakter etlicher Sacken oder einzelner Züge an ihnen geredet. Ich möchte dasselbe fast von Törings Kunst überhaupt sagen. Sie trägt als Ganzes Ausnahmen sind ja freilich da aber sie trägt als Ganzes zu sehr einen konventionellen Charakter. Und das ist ja nur be­greiflich, kann kaum anders sein, wenn man bedenkt, daß sich sein Kunstgeschmack hat bilden müssen an dem, was er in illustrierten Zeitschriften, .in Kunstmappen u. dgl. eben sehen konnte. Für seine Technik ist das, wie man sah, von ganz vor­trefflicher Wirkung gewesen. Nicht ebenso für seinen eigenen, freien und selbständigen künstlerischen Blick. Mau sieht infolge davon in den Sachen von der Technik abgesehen zu wenig Farbentwickelung und man erblickt zu wenigVogelsberg" in ihnen. Tie meisten seiner Sachen, die Kälberbergslinden, der Waldbach unb der Teich, vor allem aber die Winterland- ichaft und fein eigenesTaheim" machen eine Ausnahme und find eben in. E. Ansätze zu einem wetterzapslegeudenNeuen" aber die meisten seiner Sackien könnten wohl ebenso gut in irgend einem anderen Winkel Deutschlands erblüht und ent­standen fein als hier in unserem Vogelsberg und in Tirlammen. Und das ist an sich nicht in der Ordnung. So lange einer noch mit der Technik ringen muß, mag's in der Ordnung fein, wenn aber einer so sehr seiner Technik Herr geworden ist, wie man das an jedem Blatte in Törings Arbeiten sieht, denn ist es nicht mehr in der Ordnung. Unser Vogelsberg bietet nach jeder Richt­ung hin so viel Eigeuarttges und Eigentümliches, daß man ihm seinen Maler"' wünschen möchte, und wenn nun einer die Fähig­keit und technische Gewandtheit hat, und sozusagen sein Leben lang mitten darinnen sitzt, wenn es ihm dabei obendrein «n der Lust zum schaffenden Gestalten ebensowenig mangelt, so möchte man auch wünschen, daß er ihn wirklich malt. Ich sand in Törings Hause die mit bekannter technischer Virtuosität neu begonnene Kopie eines jugendlichen Italieners, nun die tech­nische Unvollkommenheit macht wahrhaftig den Künstler nicht, und den Volkskünstler ebensowenig wie einen anderen, aber ich muß sagen, ich habe an den schon erwähnten unsagbar pri­mitiven Malereien im Hausgang des Tehn'schen Hauses mehr Freude gehabt als an dieser gewandten Kopie. Mit solchen Sachen, die er nun wirklich hinlänglich genug geübt hat, sollte Döring keine Zeit mehr versäumen und dafür alle Kraft und Muße, die ihm neben, seiner beruflichen Arbeit (in Land­wirtschaft und Amt) nochbleibt an feine größere Ausgabe wenden, wie er sie mit der Wmterlandschaft und mit den anderen bereits erwähnten Sachen so glücklich tatsächlich schon tu An-