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Km angenehmes Krke.
Humoristischer Roman.
Von Victor von Reisner.
(Nachdruck verboten.)
Nun aber bestürmte sie ihren Gatten so lange, bis er einen bestimmten Platz als Hühnerhof ummauern ließ.
Der Erfolg war ein überwältigend großartiger. Daß sie sich aber dadurch den Spott der Leute, die es absolut nicht begriffen, wie eine „Herrschaft" nach ein paar Hühnern so verrückt sein konnte, zuzog, ahnte sie freilich nicht im mindesten.
Der Nimbus der neuen Herrschaft, der man schon deshalb mißtrauisch entgegenkam, weil man sie nicht verstand, erlitt dadurch einen neuen gewaltigen Stoß und weniger aus Schlechtigkeit, als um sich für den offen zur Schau getragenen Verdacht zu rächeu, schädigten die auffälligen Leute nun die Gntsherrschaft bet jeder sich darbietenden Gelegenheit.
Dieselben Leute, welche früher mit ihrem bischen Deutsch paradiert hatten, taten nun, als ob sie gar nichts verstünden, und führten die gegebenen Befehle absichtlich verkehrt aus. Konnten sie schon absolut uicht ausweichen, so geschah es mit einer Lässigkeit und einem Widerwillen, der empörend war, und so sammelte sich nach und nach immer mehr Zündstoff an.
Herr von Höchstfeld hätte am liebsten die ganze Bande vom Hofe gejagt, da aber an einen Ersatz bei der dünn gesäten Bevölkerung gar nicht zu denkeu war, so mußte er zähneknirschend fünf gerade sein lassen und tun, als ob er die Nachtbefolgung seiner Anträge gar nicht bemerkte.
Er würgte also seinen nur allzu gerechtfertigten Zorn hinunter und versuchte nun die Leute durch das von ihm und den Seinen gegebene Beispiel zur Arbeit und Regsamkeit anzuspornen.
Das war für Erna eine schreckliche Zeit, da Papa mit dem ersten Glockenzerchen — also um vier Uhr morgens — nicht nur selstst aufstand, sondern es auch von der ganzen Familie, inklusive der Mama, verlangte. „Wir müssen diesem Pack imponieren" — war seine Entgegnung auf alle Vorhaltungen, und ob sie wollte oder nicht, mußte Erna Punkt 145 — mehr als eine Viertelstunde wurde ihr zum Anziehen nicht bewilligt — in der Meierei stehen, um das Melken der Kühe zu beauffichtigen.
Erna gab ihrem Unmut über diese Vergewaltigung bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit lauten Ausdruck, kam dadurch, aber nur zum entgegengesetzten^ iele, da der Vater nun erst recht auf minuttösester Ausführung feines Befehles bestand.
Es gab Tage, an denen' es ihm leid' tat, die Kleine so früh aus dem Bett zu treiben, da sie aber widersvrochen'
und Widerwillen gezeigt hatte, so war an ein Nachgebett von seiner Seite gar nicht mehr zu denken.
Subordination war das Alpha und Omega seiner Erziehungsmethode, und er freute sich, im innern, wie sehr dies Erich schon ins Blut übergegangen war, der gewiß auch gern ein oder zwei Stündchen länger geschlafen hätte.' Das frühe Aufstehen brachte naturgemäß auch em frühes' Zubettegehen mit sich^ wodurch wieder die landwirtschaftlichen Werke, die man bisher abends studiert hatte, unbeachtet liegen blieben.
„Das schadet aber nichts"-. meinte der Major zu Erich, „die notwendigste Vorbildung haben wir uns ja schon in den ersten acht Tagen angeeignet, und jetzt, wo wir mitten im praktischen Wirtschaften stehen, können wir die dummen Bücher, die einander nur widersprechen, leicht entbehren, Im Winter, wenn dazu mehr Zett ist, können wir sie ja meinethalben wieder einmal vornehmen und ihre Lehren mit unseren inzwischen reichlich gesaminelten Erfahrungen vergleichen."
Auch dazu schwieg Erich, obgleich ihm so manche Vorhaltung auf der Zunge schwebte. Gegen Szabos Einfluß, der des Vaters volles Vertrauen besaß, vermochte er ja für den Moment doch nicht anzukämpfen. Jener war zu schlau, um sich eine Blöße zu geben, und wußte es stets so zu drehen, daß der Major die von ihm gewünschten Anordnungen selbst traf. Trotz Erichs Bitte, sich mit dem Bau der Zuckerfabrik zu gedulden, bis man ein richtiges Bild gewonnen, wurde dieser doch in Angriff genommen und Bestellungen von schwindelnder-Höhe den Fabrikanten, mit denen Szabo unterhandelte, erteilt.
Als Graf Stepenaz von den Bestellungen bei den Ma- schinenfabrikauten erfuhr, kam er noch einmal nach Dolina gefahren, dem Major das Aussichtslose seines Experiments vorzuhalten, erreichte damit aber nur so viel, daß sich dieser nun erst recht in feiner halsstarrigen Art darauf kaprizierte.
Erich sah ein, daß sie dabei ein Heidengeld 'verlieren würden, aber dies schmerzte ihn weniger, als die sichere Voraussicht, daß des Vaters immerzu gereizte Laune bei dem unausbleiblichen Fehlschlägen seiner Hoffnungen noch schlimmer werden würde.
Sogar Frau von Höchstfeld sing nun an, sich zu beunruhigen.
„Lieber Erwin, vielleicht wäre es doch besser, wenn Du noch Erfahrungen sammeln wolltest, um Nicht von Fremden abzuhängen", versuchte sie ihn noch im letzten Moment zur Einstellung der bereits angeordneten Bauten zn bewegen, „sieh, wenn Dir Graf Stepenaz so dringlich davon, abrät, dann muß es doch wohl bedenklich sein."
„Ach was", brummte dieser ärgerlich, „er steckt mit dem Pfarrer unter einer Decke, und gleich, diesem befürchtet er, daß die Bauern durch, die von mir im Anfang herangezogenen Arbeitskräfte über ihre elende Lage aufgeklart werden könnten. Das aber wollen sie eben verhüten und


