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Varzin, Hamburg und Berlin. Er verkehrte intim mit Bismarck und Moltke und wurde von Kaiser Wilhelm I. hoch geschätzt. Das Fest, das er einst in seinem Palais in München dem Fürsten Bis­marck gab, wird noch lange in der Erinnerung der Münchener fort» leben. Lenbach kannte keine Kriecherei; er war Hoch und Niedrig gegenüber derselbe freie stolze Charakter. Die Mitglieder derAllo­tria", an deren fröhlichen Sitzungen der Künstler gern in seinen Mußestunden teilnahm, wissen von seiner schlagfertigen Art, von seiner gefiirchteten Satyre manch treffliches Beispiel zu berichten sie wissen aber auch alle den geraden Sinn und die Herzensgüte des nun Dahingeschiedenen zu rühmen.

Ein endgilitges Urteil über die Werke Lenbachs können erst die kommenden Jahrhunderte füllen; wir aber bekennen an der Bahre des Meisters, daß mit ihm einer der Auserwählten unseres Volkes schied, ein Selfmademan im edelsten Sinne des Wortes, der nicht durch die Gunst der Großen, sondern allein durch den Wert seiner Werke und die Macht seiner Persönlichkeit sich ein Ansehen und eine Stellung zu verschaffen wußte, wie sie wenig Sterblichen zu 'eit wird.

Kin neuer Fioman.

Ilse Jsensee. Fred Schirokauer, ein junger Jurist, der, wenn ich nicht irre, vor etwa Jahresfrist mit einem Drama im Deutscher: Theater zu London eini­gen Erfolg errang, hat unlängst einen Roman veröffent­licht, der eine nicht gewöhnliche Dalentprobe bedeutet. Mit mehr Recht als Holzamer seiner ,Jnge" hätte Schiro­kauer seinerIlse Jsensee" (Verlag Continent Theo Gut­mann, Berlin-Charlottenburg.) den Untertitelein Frauen­leben" geben können, denn er führt uns von Anfang bis Ende mit Entschiedenheit den Werdegang eines weib­lichen Wesens vor. Er vermeidet Abschweifungen und bringt alles in unmittelbare Beziehung zu seiner Heldin. Dazu tritt die leuchtende Farbengebung eines modernen Koloristen. Prächtig setzt der Roman mit der Geschichte einer Kinderliebe ein. Es gibt kaum ein dankbareres Motiv- und jeder Dichter, der es halbwegs versteht, uns ans Herz zu greifen, hat damit gewonnenes Spiel. In unferm Fall lernen wir das elfjährige Freifräulein Ilse von Jsensee sofort in ihrer feinen seelischen Veranlagung, in ihrer temperamentvollen, gegen sinnlos hemmende Konvenienz sich aufbäumenden Eigenart kennen, wenn sie mit einem nach Herkunft und Begabung ungewöhnlichen Bauernjungen dem Verbote der Mutter zum Tvotz innige Freundschaft hält und dann am nächtlichen Krankenlager, das sie heim­lich besucht, Zeugin seines Erstickungstodes Wird. Zwischen einen brutalen Vater und eine schwache, in vornehmer Exklusivität ihr Ideal erblickende Mutter gestellt, muß das frühreife Mädchen ihr Innenleben mehr und mehr ver­tiefen. Auch in einem vornehmen Dresdener Erziehungs­institut bleibt sie vereinsamt. Ihre verderbten Mitschüle­rinnen weihen sie in die Mysterien der Geschlechts liebe ein. Und auf dem väterlichen Gute muß sie wider Willen einen elementaren Vorgang zwischen einer Dirne und einem Burschen beobachten. In die Gesellschaft eingeführt, sucht sie unter allzu faden Alltagsmenschen einen edlen Mann, dem sie sich mit der ganzen Kraft ihres starken Wesens hingeben will, derihr Leben zu einem Künstwerk ge­stalten" soll. Schließlich rettet sie sich vor den Eltern, die ihr einen ungeliebten Freier aufdrängen wollen, üt die Arme eines fünfzigjährigen Professors der Botanik. Frau Professor Weltmann fühlt sich an der Seite ihres vor­trefflichen, zartfühlenden Gatten glücklich, wenn auch nicht so, wie sie es einst in ihren Mädchenträumen gehofft hat, bis das Schicksal in ihr Dasein tritt in Gestalt des jungen Dichters Adolf Faltus. Er wird der Hausfreund des Ehepaares, und der Professor duldet, ja begünstigt das gefährliche Verhältnis. Auf ihn fällt die Hauptschuld, da er Ilses Seelenlage ebenso wie ihr heißblütiges Naturell kennt und sie vor der Versuchung bewahren müßte. Der Hauptfehler des Romans ist diese seltsame Passivität des lebenserfahrenen Botanikers. Das Unausbleibliche ge­schieht also: Ilse vergeht sich mit Faltus und bekennt es alsbald dem Gatten. Sanft löst sich ihr Bund, ganz wirft sie sich nun dem Geliebten in die Arme, aber sie will nicht sein Weib werden, weil er nicht gebunden sein soll. Die treibende Kraft ihrer Liebe begeistert ihn zu einem Drama, das ihm einen außerordentlichen Erfolg schafft. Aber Faltus ist in Wahrheit ein arger Egoist. Wie ein Vampyr muß er stets das Herzblut einer Frau aus­saugen, um ein neues Werk vollenden zu können; sobald

die Tät vollbracht, das Weib für ihn ausgeschöpst ist, ist er auch mit ihr und seiner Liebe fertig, um sich an einer neuen Geliebten von neuem zu berauschen. Es ist das brutalere Gegenstück zu HolzamersInge". Sobald Jlfe den Dichter durchschaut hat, verläßt sie ihn in wortloser Verachtung. Jetzt scheint ihr nichts anderes übrig zu bleiben als der Tod. Aber im letzten Augenblick entschließt fte sich anders. Sie fühlt ihre junge, ungebrochene Kraft. Nun, nachdem sie den Becher irdischen Glücks geleert, soll für sie das Leben beginnen, welches die Millionen der Men- fchen leben: das Leben voll Mühe und Arbeit. Mit dieser Resignation der Zwanzigjährigen endet das Buch. Schiro­kauer hat den zweiten Teil dieser Lebensgeschichte, der zugleich eine Fortsetzung derNora" Ibsens wäre, vorerst ungeschrieben gelafsen. Jedenfalls geht durch seinen Ro­man etwas Großzügiges, Fortreißendes. Schirokauer ist ein vortrefflicher Erzähler, als Schilderer ein moderner Maler, als Poet ein feiner, kluger und geishreicher Psy­chologe. _____________

Literarisches.

Von der Frau für die Frau" ist das Leitmotiv, unter dem der soeben zur Ausgabe gelangte erste Jahrgang von Hillgers illustriertem Frauen-Jahrbuch" er- fchienen ist. (Hermann Hillger Verlag, Berlin W. 9.) Was das im 7. Jahrgange erschienene bekannteKürschners Jahrbuch" als wertvoller Bestandteil seiner Bibliothek für den Mann ist, das sollHillgers Frauen-Jahrbuch" für die Frau werden. Die hervorragendsten Vertreterinnen und Führerinnen der Frauen­bewegung sind durch wertvolle Beiträge vertreten und bieten ein übersichtliches, klares Bild über diese, seit Jahren die ganze Menschheit bewegende Frage. Jedoch nicht nur für die Anhänger der Bewegung, sondern auch für die Gegner derselben bietetHill­gers Frauen-Jahrbuch" eine Fülle des Interessanten und Lehr­reichen. Trotz des Umfanges von ca. 500 Seiten ist der Preis nur 1 Mark. t

Venedig, die stolze Königin der Meere, betrachtet Alber Zacher, der italienische Korrespondent derFrls. Ztg.", in einem unlängft in 2. Auflage erschienenen Büchelchen, das den Band VI der von dem bekannten Breslauer Kunstkenner Professor Dr. Rich. Mauther unter dem TitelDie Shmft" herausgegebenen Sammlung illustrierter Monographien bildet. Die beiden ersten Bändchen, die Lucas Cranach" unddie Lutherstadt Wittenberg" behandelten, haben wir vor etwa Jahresfrist an dieser Stelle lobend erwähnt. Wer an einem lauen VorsrühliNgsabend aus den: Markusplatze zu Venedig gestanden hat, während von klarem Himmel der Mond herniederschaute, der glaubte sich gewiß in Außerirdisches versetzt, der glaubte die Zeit der Märchen erfüllt, die fabelhafte Zeit der Wunder wiedergekommen. Nur dichterischer Traum, so möchte man meinen, kann so unvergleichlich Herrliches ausbauen und vollenden, auch ohne Farbenzauber malen. Zachers Venedig-Büchlein wird allen Venedig-Fahrern willkommen sein. Als hübsch Rück­erinnerung ivie als Prognostikon einer Reise ins Märchenland wird es willkommen sein mit seinen kleinen seinen Illustrationen der prächtigsten Bau- und Bilderwerke Venedigs und mit seiner frischen, flotten, sachkundigen und begeisterten Schilderung dieser einzig­artigen Stadt. Das Büchelchen, im Verlage von Jul. Bard in Berlin W. 87 erschienen, kostet elegant kartoniert und mit Gold­schnitt versehen nur 1.25 Wk.

Bilderrätsel.

(Nachdruck verboten.)

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(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung der Zahlenpyramide in vor. Nr.:

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Redaktion: August Götz. Rotationsdruck und Terlaa der B ruht'scheu Luiverfltöts-Bnch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.