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,Zch kann nichts dafür, Großtante. Ter Wäschemann sagt, er bringe meine Kleider nicht, bevor man ihn bezahlt habe."
„Tu hast ja aber doch auch ein neues. Wo ist denn das?" Unglücklicherweise war es damit dieselbe Geschichte: der Schneider wollte das neue Kleid nicht schicken, ehe man ihm die Rechnung bezahlte. Tie Großtante lachte indes nur vergnügt und schüttelte das runde, glänzende Haupt. Schulden schienen nicht schwer auf diesen fetten Schultern zu lasten.
„Doch nun müssen wir voranmachen. Lily ist in den Bazar gegangen, da will ich nur selbst nach Ihrem Zimmer sehen. Kommen Sie, Miß . . . Me ist Ihr Name?"
„Ferrars, Pamela Ferrars."
„Tann kommen Sie, Miß Pamela Ferrars. Mr wollen sehen, wie wirs Ihnen bequem machen können."
So sprechend, watschelte sie mir voran auf eine hintere Veranda zu, wo sich eine ganze Ausstellung von altem Gerümpel befand. Bon dort gelangten wir in ein großes Zimmer, dessen erbsengrün angestrichene Wände mit Zeitschriftenbildern und Modekupfern behangen waren. Es enthielt zwei ungeordnete Betten, wenige Möbel, dafür aber wahre Haufen von Kleidungsstücken. Ueberall lagen Kleider umher, einige hingen an ausgespannten Stricken, andere an Nägeln, und ein Schrank war so vollgepfropft damit, daß die Türen nicht schließen wollten. Auf einem Toilettentisch stand ein großer Spiegel und davor lagen Bürsten, Puderquasten und ein wildes Durcheinander von Kragen und tausenderlei Putzgegenständen.
, „Hier wohnen Eulalie und Gwendoline." Frau Rosario schaute sich dabei wohlgefällig um. „Ach ja, richtig, und Lola auch Ich werde nun Lola zu Rosamunde umquartieren, dann können Sie Ihren Platz in Gwendolines Bett haben."
„Wäre es nicht vielleicht möglich, daß ich eine Matratze aus dem Boden bekommen lönnte ?" bat ich in bescheidenem Tone. „Ich bin nicht daran gewöhnt."
„O mein! Ja, oas ginge vielleicht schon", unterbrach sie mich „Warten Sie mal: meine Freundin, Frau Cardozo, könnte mir ein Bett leihen. Ach und da kommt ja auch Lily", ries sie, nach einem Wagen ausschauend, der soeben draußen vorfuhr. „Nun wird bald alles in Ordnung sein."
Ueber ihren Köpf weg sah ich ein Mädchen in bunter Bluse hoch ausgerichtet auf entern Fuhrwerk sitzen. Auf der Bank ihr gegenüber stand ein Korb mit Gemüse, daneben lag ein Bündel Kleider und ein Stück Ochsensleijch. Augenscheinlich war ihre Ausfahrt von Erfolg gekrönt. Im Hausflur kam Lily uns dann entgegen, ein unschönes Mädchen mit einer Brille. Sie wurde mir in aller Form vor- gestellt.
„Miß Ferrars, dies hier ist meine Haushälterin und Nichte Lily Lyster-Montsort. Nicht wahr, Lily, Tu sorgst nun für Miß Ferrars? Glaubst Tu wohl, daß Frau Cardozo mir ein Bett leihen wird? Mache jedenfalls den Versuche Ich muß jetzt gehen und sehen, ob die Kühe ihr Futter bekommen. Entschuldigen Sie mich" Geschäftig trottete sie davon.
„Tante denkt an nichts als an ihre Küche", brummte das Mädchen, die Handschuhe ausziehend. Sie sah müde und erhitzt aus und hatte offenbar mit dem Metzger und dem Wäschemann einen Kampf zu bestehen gehabt.
„Cie wollen wirllich in diesem Hause wohnen?" fragte sie dann mit dem Ausdruck ungläubigen Staunens.
„Ja, vorläufig wenigstens."
„Nun, da können Sie mir leid tun!" Sie lachte kurz auf. „Ich werde aber jedenfalls mein möglichstes tun, es Ihnen ein wenig behaglich zu machen." Sie schaute sich um und stieß einen tiefen Seufzer aus.
„Sie selbst wohnen Wohl nicht in diesem Zimmer?"
„Nein, gottlob nicht! Ich könnte Eulalies Eitelkeit und Gwendolines ewiges Geschwätz nicht ertragen. Ich teile mein Zimmer mit Rosamunde, Joe und Maudie."
„Das Haus scheint überfüllt zu sein?"
„Allerdings, aber das schadet nichts." Eie schrieb im Sprechen einige Worte auf ein Stückchen Papier. „Maudie!" rief sie hierauf zur TM hinaus. „Lauf schnell zu Mrs. Cardo hinüber und bring ihr dies. Laß Dir aber nicht einfallen, mit Lucilla herumzutrödeln... Es ist wegen! Ihres Bettes", erllärte sie, sich wieder an mich wendend. „Hier nebenan ist eine Kammer. Tas Dach ist zwar etwas schadhaft, und weiße Ameisen hausen auch darin, aber Sie
können wenigstens Ihre Sachen dort unterbringen und sich! gelegentlich mal aus dem Gedränge flüchten."
Sie öffnete eine Tür, und ich schaute nicht ohne Schreck! in eine niedrige Kammer mit rotem, durchlöchertem Ziegeldach. Sie enthielt einen einzigen Stuhl und ein Stück von einer alten Matte. Aber trotzdem begrüßte ich diesen elenden Mnkel mit Freuden, denn hier würde ich wenigstens allein sein können.
„Sobald ausgekehrt ist, werde ich Ihre Koffer hinein- bringen lassen. Wir müssen sie auf ein paar Ziegelsteine stellen, sonst haben die Ameisen den Boden in ein paar Stunden durchgefressen. Ein altes Tischchen und eine Waschj- schüssel werde ick) wohl auch noch irgendwo auftreiben. Im Bazar drüben würde ich mir dann für eine Rupie einen Spiegel kaufen, denn der hier ist stets so belagert, daß Sie doch keinen Blick hineinwerfen können. Schlafen müssen Sie aber natürlich hier."
„Warum nicht lieber da drinnen?"
„Weil das Dach in schlechtem Zustande ist. Die Sparren sind von den Ameisen zerfressen, und so kann jeden Augenblick ein Dachziegel herunterfallen. Warum sind Sie eigentlich gerade hierher gekommen?" fragte sie plötzlich.
„Weil mir feine andere Wahl blieb. Ich habe kein Geld, um in einen Gasthof zu gehen."
Mit wenigen Worten erzählte ich ihr nun mein Mißgeschick. Sie hatte sich auf den Rand eines Bettes gesetzt und hörte mir ernsthaft zu, bis ich geendigt.
„Sie suchen also eine Stellung? Nun, ich wünsche, daß Sie bald eine finden! Inzwischen aber hoffe ich, daß Sie sich nicht allzu schwer an uns zusammengewürfeltes Volk gewöhnen. Ta ist vor allem meine Tante Rosario, die in ihren Kühen und Hühnern aufgeht, und John, mein Vater, der immer auf einen unverhofften Glücksfall wartet und dabei keinen Pfennig verdient. Ferner Friedrich Augustus, ein wohlhabender, eingebildeter, brummiger und unausstehlicher Mensch dann Claude und Alonzo van Lede, junge Kaufleute, und Fitz Alan, ein Geck und Kleidernarr. Auch noch eine uralte Tante haben wir im Haus, und dann, toiei Sie schon gehört haben, Eulalie, die in einem Geschäft angestellt ist, Gwendoline, die in einer Schule unterrichtet, und Lola, die Medizin studiert, gerade wie ich selbst. Ich bleibe nur noch so lange hier, bis ich meine Prüfung bestanden habe."
„Wirklich?" antwortete ich ohne besondere Teilnahme^ denn ich würde ja doch die erste sein, die diesem Hause den Rücken wandte.
„Mr sind alle den Tag über auswärts bei unseren verschiedenen Beschäftigungen, sodaß Sie eigentlich nur in bet Frühe und abends belästigt werden."
„Was treiben Sie dann am Abends'
„Mr gehen entweder zur Militärmusik am Strande, oder in den Park, oder ins Theater. Manchmal haben wir auch Gesellschaft hier und tanzen. Mr räumen dann das Empfangszimmer aus, und irgend jemand spielt auf. Unt acht Uhr morgens wird gefrühstückt wegen der jungen Herren^ die ins Geschäft müssen: Kaffee und geräucherten Speck, Um sieben Uhr abends wird gegessen, gekochtes Ochsenfleisch mit Curry und Gemüse, natürlich ganz einfach, benni um eine Rupie täglich kann man keine großen Ansprüche machen. Tie Wäsche müssen Cie selbst bezahlen, und wöchentlich bekommen Sie die Rechnung. Ich führe die Bücher. Einige von den Kostgängern bezahlen regelmäßig, andere lassen ihre Rechnung monatelang stehen. Eulalie und Gwendoline zum Beispiel haben seit einer Ewigkeit nichts bezahlt, und auch sonst haben sie noch überall herum Schulden. Sie machjen sich aber nichts daraus, wenn sie nur schön ungezogen sind, das ist ihnen die Hauptsache. So, nun wären Sie schon etwas in die Verhältnisse hier ein» geweiht", fügte sie, aufstehend, hinzu. „Ta kommt ja auch das Bett. Ich will nun gehen und nach Ihren Sachen sehen. Sie können sich ja gleich häuslich einrichten."
Roch war ich indes mit meiner Einrichtung nicht weit gediehen, als ich lautes Schwatzen, Schreien und Lachen hörte — offenbar waren die übrigen Kostgänger zurückgekommen. Nach einiger Zeit trat ich denn auch ins Zimmer, und bemerkte dort drei Mädchen. Tie eine kämmte sich gerade das Haar, die andere puderte ihre Nase und eines dritte kam schwebenden Ganges mit ausgestreckten Händen auf mich! zu. Diese war von einer solch ungewöhnlichen und überraschenden Schönheit, daß ich eine Art angenehmen Schreck empfand. Sie trug eine Rosabluse, einen weisteN


